Die PISA-Untersuchung hat gezeigt, dass überdurchschnittlich viele Schüler mit Migrationshintergrund erhebliche Defizite im Lern- bzw. Testbereich Lesen aufweisen. So muss man davon ausgehen „dass Migration ein Kriterium ist, das den Schulerfolg zu gefährden vermag.“ Die Ursache hierfür liegt jedoch nicht nur in mangelndem Spracherwerb, sondern vermutlich darin, dass im Unterricht weitgehend monokulturelle Themen behandelt werden, mit denen sich die betreffenden Schüler kaum identifizieren können. Durch Beschäftigung mit Texten, die ihre spezifischen Lebenslagen beschreiben, können sich Schüler mit Migrationshintergrund eher wiederfinden und werden so motiviert, sich expliziter mit der deutschen Sprache zu beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biografie von Rafik Schami
3. Das Erzählkonzept und die Heimat
4. Analyse des Werks "Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm"
4.1 Stoffliche Analyse
4.2 Formale Analyse
4.3 Figurenanalyse
5. Politische Dimension und interkulturelle Bedeutung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welchen Beitrag der Autor Rafik Schami durch seine Kinderliteratur zur Förderung von Toleranz und Völkerverständigung leistet. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Schami durch seine Erzählweise und die Thematisierung kultureller Begegnungen Ängste vor dem Fremden abbauen kann.
- Die Rolle der interkulturellen Kinderliteratur in der Bildung
- Biografische Einflüsse auf das literarische Schaffen von Rafik Schami
- Analyse des Werks "Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm"
- Die Bedeutung von Heimat, Respekt und Anerkennung
- Der Umgang mit Vorurteilen und Xenophobie
Auszug aus dem Buch
Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm
Setzt man voraus, dass die Bereitschaft zur Integration nur in einem Land erdenklich ist, zu dem man heimatliche Gefühle hegen kann, ist es möglicherweise eben dieser Mangel an Achtung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund, der den Willen zu dieser Eingliederung schwächt. Schamis Ziel – oder ist es nur eine Utopie? – ist eine multikulturelle Gesellschaft, in der die verschiedenen Kulturen eher eine Bereicherung darstellen, als eine Gefahr. Um die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen und sowohl Erwachsenen als auch Kindern nämlich eine größere Sensibilität, Offenheit und Toleranz im Umgang mit Fremden beizubringen, beschreibt er in seinen Büchern zumeist realistisch die verschiedenen Lebensformen in verschiedenen Kulturkreisen.
Eines dieser Bücher ist „Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm“, welches 2003 erschien. Ein kleines Mädchen lebt allein mit ihrem Vater, der in ihren Augen ein starker, mutiger, kluger, lustiger Mann ist und sogar zaubern kann. Seit die Mutter nicht mehr da ist, tut er alles für seine Tochter. Obwohl er mutig ist, hat er Angst vor Fremden, vor allem vor dunkelhäutigen. Sie sind ihm unheimlich. Eines Tages wird die Tochter von ihrer besten Freundin Banja, einem afrikanischen Mädchen, zum Geburtstag eingeladen. Sie möchte der Freundin ein ganz besonderes Geschenk machen und plant deshalb, dass ihr Vater für die ganze Familie zaubert. Sie erzählt ihrer Freundin nicht, dass ihr Vater Angst vor Schwarzen hat und sie erzählt ihrem Vater nicht, dass Banja eine Afrikanerin ist. Da das Mädchen Banja sehr von den glorreichen Eigenschaften ihres Vaters vorschwärmt, werden die beiden von der afrikanischen Familie königlich empfangen. Trotz seines anfänglichen Unbehagens lässt der Vater sich von seiner Tochter die Angst nehmen und führt seinen Lieblingszaubertrick vor. Von diesem Tag an wird er sich nie wieder vor Fremden fürchten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Defizite im Lesebereich bei Schülern mit Migrationshintergrund und betont die Notwendigkeit interkultureller Literatur im Unterricht.
2. Biografie von Rafik Schami: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Schamis von Damaskus bis zu seiner Etablierung als bedeutender deutschsprachiger Schriftsteller nach.
3. Das Erzählkonzept und die Heimat: Hier wird erläutert, wie Schami orientalische Erzähltraditionen mit aktuellen Themen verknüpft und seinen persönlichen Heimatbegriff definiert.
4. Analyse des Werks "Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm": In diesem Abschnitt wird die Geschichte detailliert in Bezug auf Stoff, Form und Figuren untersucht.
5. Politische Dimension und interkulturelle Bedeutung: Das Kapitel setzt Schamis Werk in Bezug zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten über Integration und einen europäischen Islam.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, warum Rafik Schami als interkultureller Botschafter für ein friedliches Miteinander der Kulturen unverzichtbar ist.
Schlüsselwörter
Rafik Schami, Kinderliteratur, Interkulturelle Erziehung, Toleranz, Völkerverständigung, Integration, Xenophobie, Heimatbegriff, Migration, Leseförderung, Erzählkonzept, Multikulturelle Gesellschaft, Identitätsstiftung, Vorurteile, Respekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Rafik Schami als interkultureller Botschafter und untersucht, wie seine Kinderliteratur zur Toleranz und Völkerverständigung beitragen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bedeutung von interkulturellen Texten im Unterricht, der Biografie des Autors und der Analyse der Mechanismen, mit denen Schami Vorurteile und Ängste abbaut.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die pädagogische und gesellschaftliche Relevanz von Schamis Werk im Hinblick auf die Integration und den Abbau von Fremdenfeindlichkeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Inhalt und die erzählerische Gestaltung ausgewählter Kinderbücher in den Kontext aktueller gesellschaftlicher und politischer Diskussionen stellt.
Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung des Autors sowie eine detaillierte stoffliche, formale und Figurenanalyse des Kinderbuchs "Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Interkulturelle Literatur, Toleranz, Integration, Migration und Xenophobie.
Warum spielt das Thema Religion in Schamis Kinderbüchern eine eher untergeordnete Rolle?
Schami thematisiert Religion laut der Arbeit bewusst nicht, da er sich als wertfreier Erzähler versteht, der den Fokus auf ein friedliches, alltägliches Miteinander jenseits von Konfessionen legt.
Wie verändert sich die Einstellung des Vaters in der analysierten Geschichte?
Durch die Begegnung mit der Familie seiner Tochter, die offen und herzlich ist, erkennt der Vater, dass seine Vorurteile unbegründet sind, und überwindet seine Xenophobie nachhaltig.
- Arbeit zitieren
- Luisa Viehe (Autor:in), 2012, Rafik Schami als interkultureller Botschafter in der Kinderliteratur - Ein Beitrag zu Toleranz und Völkerverständigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193975