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Die Revolution und ihre Touristen

Die Problematik von Selektivität und mangelnder Objektivität der Zeugnisse von Revolutionstouristen

Titel: Die Revolution und ihre Touristen

Hausarbeit , 2011 , 20 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Hendrik Platte (Autor:in)

Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einem Nischenthema der Tourismusgeschichte, welche laut Rüdiger Hachtmann ein „Mauerblümchen-Dasein“ innerhalb der historischen Forschungsgemeinde fristet. Diese mangelnde Aufmerksamkeit der Historiker sieht er in dem Fehlen eines eigenständigen konzeptionellen und methodologischen Zugangs zum Gegenstand begründet: Die Tourismuswissenschaft stelle keine eigenständige Disziplin dar, weshalb Untersuchungen zumeist unter dem Gesichtspunkt des Aktualitätsbezugs und ökonomischer Verwertbarkeit durchgeführt werden . Angesichts dieser Forschungslage kann die sehr überschaubare Zahl an wissenschaftlichen Studien zum Revolutionstourismus als einem auf den ersten Blick exotisch wirkenden Seitenzweig dieses Themenfeldes nicht überraschen. Das Studium des Revolutionstourismus stellt somit zugleich ein Studium seiner Schriften dar: Zahlreiche Bücher und Zeitungsartikel über aber vor allem von Revolutionstouristen sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschienen. Mit dieser Arbeit möchte ich die Selektivität und mangelnde Objektivität dieser Quellen problematisieren. Zum einen gelangen nahezu ausschließlich die Schriften prominenter Revolutionstouristen an die Öffentlichkeit, zum anderen gilt es zu hinterfragen, inwiefern diese als objektive Beschreibungen angesehen werden können. Zu diesem Zweck werde ich ausgehend von Enzensbergers Tourismus-Theorie den Begriff Revolutionstourismus zunächst näher beschreiben und abgrenzen, um ihn dann in den historischen Kontext mit Schwerpunkt auf die – aufgrund der vergleichsweise guten Quellenlage gewählten – Revolution in Nicaragua 1979 zu setzen. Im Hauptteil dieser Arbeit betrachte ich die Problematik der Selektivität und mangelnden Objektivität sowohl aus der Perspektive der Gastgeber als auch aus der der Gäste, basierend in erster Linie auf Artikeln von Enzensberger und Hollander sowie den Reiseberichten verschiedener Autoren wie Ferlinghetti, Cardenal und Grass. Im Fazit führe ich meine zentralen Argumentationslinien noch einmal zusammen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Tourismustheorie

III. Begriffsgeschichte und Abgrenzung

IV. Der Revolutionstourist in historischer Perspektive

V. Selektivität und verhinderte Objektivität der Zeugnisse von Revolutionstouristen

V.1. Gastgeber

V.2. Die Gäste

VI. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Problematik der Selektivität und mangelnden Objektivität in den Reiseberichten von sogenannten Revolutionstouristen, insbesondere am Beispiel der nicaraguanischen Revolution von 1979. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie institutionelle Kontrollsysteme der Gastgeber und die subjektiven Erwartungshaltungen der Reisenden die Wahrnehmung und Darstellung revolutionärer Prozesse beeinflussen.

  • Tourismusgeschichtliche Einordnung des Phänomens Revolutionstourismus.
  • Analyse des "Delegacija-Systems" bzw. der "political hospitality" als Manipulationsinstrument.
  • Kontrastierung der Perspektiven von prominenten Schriftstellern und "einfachen" Solidaritätsreisenden.
  • Untersuchung der psychologischen Motive: Die Flucht aus der heimatlichen Gesellschaft in eine projizierte Utopie.
  • Reflektion über die Authentizität und den Quellenwert von Reiseberichten.

Auszug aus dem Buch

V.1. Gastgeber

Sowohl Hans Magnus Enzensberger als auch Paul Hollander haben sich mit der institutionellen Seite des Revolutionstourismus auseinandergesetzt: Während Enzensberger das „Delegacija-System“ als eine russische Erfindung zur Kontrolle der Besucher beschreibt, skizziert Hollander für die nachfolgenden Revolutionen in Kuba und Nicaragua mit seinem Entwurf der „political hospitality“ ein nahezu deckungsgleiches Konzept.

Der für Delegation stehende russische Begriff Delegacija beschreibt laut Enzensbergers 1979 erschienen Artikel Reisende aller Art und beruht als System auf folgenden Faktoren: Der Reisende kommt nicht auf eigene Initiative ins Land, sondern folgt einer offiziellen Einladung, auf die er aufgrund der Monopolstellung des Gastgebers bezüglich der Reiseaktivitäten in sozialistischen Ländern angewiesen ist „und unterliegt somit den ungeschriebenen Gesetzen der Gastfreundschaft“, auch weil er in vielen Fällen nicht für die eigenen Reiskosten aufkommen muss. Er genießt zudem im Vergleich zur Bevölkerung des bereisten Landes Privilegien, die in Form und Ausmaß zumeist von der relativen Wichtigkeit des Gastes abhängen. Während seines Aufenthalts betreut ihn eine Organisation, die nichts dem Zufall überlässt, indem sie den Touristen persönliche Betreuer zur Seite stellt, die Reisplanung übernimmt und somit dafür sorgt, dass die Wirklichkeit des Landes durch die Besucher nur in vermittelter Form wahrgenommen wird. Diese Faktoren erzeugen in ihrem Zusammenspiel ein Abhängigkeitsverhältnis, aus dem sich der Besucher – selbst wenn er wollte – nur schwer befreien kann, da er selbstständiger Handlungsmöglichkeiten weitgehend beraubt ist. Die eigenen Privilegien werden dabei von den Reisenden zumeist nicht hinterfragt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert das Nischendasein des Revolutionstourismus in der Geschichtswissenschaft und formuliert das Ziel, die Objektivität der vorliegenden Quellen kritisch zu hinterfragen.

II. Tourismustheorie: Basierend auf Enzensberger wird der Tourismus als Fluchtbewegung und Spiegelbild der bürgerlichen Gesellschaft konzipiert, was als Grundlage für das Verständnis des Revolutionstourismus dient.

III. Begriffsgeschichte und Abgrenzung: Das Kapitel definiert den Revolutionstouristen als Reisenden, dessen Reise in direktem Zusammenhang mit einer Revolution steht, und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Urlaubsreise und politischem Engagement.

IV. Der Revolutionstourist in historischer Perspektive: Es wird die Entwicklung vom bürgerlichen Individualtourismus der französischen Revolution bis hin zum organisierten Solidaritätstourismus des 20. Jahrhunderts (Sowjetunion, Kuba, Nicaragua) aufgezeigt.

V. Selektivität und verhinderte Objektivität der Zeugnisse von Revolutionstouristen: Dieses zentrale Kapitel analysiert, wie die "political hospitality" der Gastgeber und die subjektive Verblendung der Gäste (Prominente sowie Brigadisten) die Berichterstattung manipulieren.

VI. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass sowohl Prominente als auch einfache Reisende durch ihre Projektionen und die institutionelle Steuerung eine objektive Sichtweise verfehlten.

Schlüsselwörter

Revolutionstourismus, Tourismusgeschichte, Enzensberger, Paul Hollander, Nicaragua, Solidaritätsbewegung, politische Gastfreundschaft, Delegacija-System, Objektivität, Selektivität, Reiseberichte, politische Romantik, Brigadisten, Propaganda, Quelle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die Problematik der mangelnden Objektivität in Reiseberichten von Revolutionstouristen und untersucht, wie diese Reisenden durch institutionelle Mechanismen der Gastgeber beeinflusst wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Tourismus, die historische Entwicklung des Revolutionstourismus, die Rolle der Gastgeber bei der Lenkung von Eindrücken ("political hospitality") sowie die Wahrnehmungsfilter der Reisenden.

Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Selektivität von Quellen prominenter Revolutionstouristen aufzuzeigen und zu hinterfragen, inwieweit deren Berichte als objektive Beschreibungen der revolutionären Realität, insbesondere in Nicaragua, dienen können.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie primär Reiseberichte, Artikel und theoretische Ansätze (z.B. von Enzensberger und Hollander) auf ihre inhaltliche Konsistenz und ihren Kontext hin untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des "Delegacija-Systems" (Gastgeber-Perspektive) sowie eine detaillierte Betrachtung der Wahrnehmung durch die Gäste, wobei hier auch der Vergleich zwischen prominenten Autoren und dem "Fußvolk" (Brigadisten) gezogen wird.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Revolutionstourismus, Solidaritätsbewegung, politische Gastfreundschaft, Selektivität, Quelle und Quellenkritik sind die maßgeblichen Begriffe.

Welche Rolle spielt die "political hospitality" in den analysierten Ländern?

Sie fungiert als ein bewusstes Instrument der Regierungen, um Besucher durch Betreuung, Privilegien und gesteuerte Eindrücke politisch positiv zu beeinflussen und so ein vorteilhaftes Bild im Ausland zu erzeugen.

Warum unterscheidet der Autor zwischen prominenten Reisenden und "einfachen" Brigadisten?

Der Autor stellt fest, dass während prominente Schriftsteller die öffentliche Meinung stark beeinflussten, das "Fußvolk" (Brigadisten) durch harte körperliche Arbeit und Entfremdung im eigenen Land ähnliche, aber anders motivierte "Utopie-Suchen" verfolgte.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Revolution und ihre Touristen
Untertitel
Die Problematik von Selektivität und mangelnder Objektivität der Zeugnisse von Revolutionstouristen
Hochschule
Universität Mannheim  (Historisches Institut, Neuere und Neuste Geschichte)
Veranstaltung
Das deutsche Bürgertum im 20. Jahrhundert
Note
1,3
Autor
Hendrik Platte (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V193995
ISBN (eBook)
9783656194071
ISBN (Buch)
9783656194323
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Revolutionstourismus Nicaragua Sandinisten Kuba Che Guevara Sowjetunion Bürgertum
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hendrik Platte (Autor:in), 2011, Die Revolution und ihre Touristen , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193995
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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