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Der Fall Harlan

Title: Der Fall Harlan

Term Paper , 2002 , 14 Pages , Grade: gut

Autor:in: Oliver Enke (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Summary Excerpt Details

Veit Harlan macht schnell Karriere. Als Filmemacher im Deutschland der dreißiger Jahre verläuft seine Erfolgskurve steiler und schneller nach oben, als die seiner Kollegen. Diese Meinung vertritt zumindest Wolfgang Kraushaar in seiner 1995 erschienenen Analyse „Der Kampf gegen den ‚Jud-Süß’-Regisseur Veit Harlan“1. Der Grund für seinen überragenden Erfolg als Drehbuchautor und Regisseur liege dem zu Folge in dem Film „Jud Süß“. Den 1940 erschienenen Streifen hatten bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges allein im Deutschen Reich über 22 Millionen Menschen gesehen. Rund sechs Millionen Reichsmark, das Dreifache seiner damaligen Produktionskosten, hatte der Film innerhalb von nur 15 Monaten eingespielt. „Jud Süß“ ist nach dem Kriegsende verboten. Herbert Pardo und Siegfried Schiffner bezeichnen den Film 1949 als „einen psychologischen Wegbereiter für die späteren Massenermordungen in den Konzentrationslagern“2. Veit Harlan beantragt kurz nach Kriegsende ein Entnazifizierungs-Verfahren für sich selbst, um möglichst bald wieder als Filmschaffender tätig werden zu können. Als die Presse Anfang des Jahres 1948 berichtet, Harlan solle vom zuständigen Zentralausschuss für die Ausschaltung von Nationalsozialisten in Hamburg als „unbelastet“ eingestuft werden, spitzt sich der öffentliche Konflikt um den „Prestige-Regisseur der Nazis“ zu. Die Hamburger Staatsanwaltschaft erhebt im Juli 1948 Anklage gegen Veit Harlan wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Dem Freispruch Harlans durch das Landgericht Hamburg folgt eine Revisionsverhandlung, wiederum am Landgericht in Hamburg. Das Verfahren endet wiederum mit einem Freispruch Harlans. Der Regisseur setzt seine Karriere fort, dreht einen weiteren Film namens „Unsterbliche Geliebte“. Gegen diesen Film ruft Erich Lüth, Leiter der staatlichen Pressestelle, am 20. September 1950 zum Boykott auf. Wenig später verhängt die 15. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen Lüth, die ihm weitere Boykottaufrufe untersagt. Teile der deutschen Bevölkerung, der Politiker und der Presse wenden sich in der Folge auf der Seite von Lüth gegen neue Arbeiten Harlans. Lüth legt beim Bundesverfassungsgericht (BVerfG) Beschwerde gegen das Urteil ein, er beruft sich auf sein in Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschriebenes Recht der „freien Meinungsäußerung“. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Veit Harlan – Symbol des Antisemitismus in Deutschland?

2.1 Der antisemitische Propagandafilm „Jud Süß“

2.2 Die Harlan-Prozesse – Skandalisierung und Medienrummel

2.3 Freispruch – ein Skandal?

3. Erich Lüth – Symbol eines „Anderen Deutschland“?

3.1 Recht vs. Moral – Die Boykott-Aufrufe gegen Harlan-Filme

3.2 Das Lüth-Urteil – ein später Wegweiser für die Deutschen

4. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang der deutschen Öffentlichkeit, Politik und Justiz mit dem Regisseur Veit Harlan in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die Debatten um Harlans Filme und die juristische Aufarbeitung ein Indikator für ein fortbestehendes antisemitisches Gedankengut oder für einen gesellschaftlichen Lernprozess in der jungen Bundesrepublik waren.

  • Die Analyse der Rezeption von Harlans Propagandafilm „Jud Süß“.
  • Die Untersuchung der Harlan-Prozesse als gesellschaftliches und mediales Ereignis.
  • Die Rolle von Erich Lüth und die Bedeutung des Lüth-Urteils für die Meinungsfreiheit.
  • Das Spannungsfeld zwischen Recht und moralischer Verantwortung im Umgang mit NS-Vergangenheiten.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Veit Harlan macht schnell Karriere. Als Filmemacher im Deutschland der dreißiger Jahre verläuft seine Erfolgskurve steiler und schneller nach oben, als die seiner Kollegen. Diese Meinung vertritt zumindest Wolfgang Kraushaar in seiner 1995 erschienenen Analyse „Der Kampf gegen den ‚Jud-Süß‘-Regisseur Veit Harlan“. Der Grund für seinen überragenden Erfolg als Drehbuchautor und Regisseur liege dem zu Folge in dem Film „Jud Süß“. Den 1940 erschienenen Streifen hatten bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges allein im Deutschen Reich über 22 Millionen Menschen gesehen. Rund sechs Millionen Reichsmark, das Dreifache seiner damaligen Produktionskosten, hatte der Film innerhalb von nur 15 Monaten eingespielt. „Jud Süß“ ist nach dem Kriegsende verboten. Herbert Pardo und Siegfried Schiffner bezeichnen den Film 1949 als „einen psychologischen Wegbereiter für die späteren Massenmordungen in den Konzentrationslagern“.

Veit Harlan beantragt kurz nach Kriegsende ein Entnazifizierungs-Verfahren für sich selbst, um möglichst bald wieder als Filmschaffender tätig werden zu können. Als die Presse Anfang des Jahres 1948 berichtet, Harlan solle vom zuständigen Zentralausschuss für die Ausschaltung von Nationalsozialisten in Hamburg als „unbelastet“ eingestuft werden, spitzt sich der öffentliche Konflikt um den „Prestige-Regisseur der Nazis“ zu. Die Hamburger Staatsanwaltschaft erhebt im Juli 1948 Anklage gegen Veit Harlan wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Dem Freispruch Harlans durch das Landgericht Hamburg folgt eine Revisionsverhandlung, wiederum am Landgericht in Hamburg. Das Verfahren endet wiederum mit einem Freispruch Harlans. Der Regisseur setzt seine Karriere fort, dreht einen weiteren Film namens „Unsterbliche Geliebte“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Leben und Wirken von Veit Harlan ein und umreißt den öffentlichen Konflikt um seine Person sowie das Ziel der Arbeit, den Umgang mit dieser NS-Vergangenheit in der Nachkriegszeit zu untersuchen.

2. Veit Harlan – Symbol des Antisemitismus in Deutschland?: Dieses Kapitel beleuchtet Harlans Rolle durch den Propagandafilm „Jud Süß“, die nachfolgenden gerichtlichen Prozesse und die heftige gesellschaftliche sowie mediale Reaktion auf seine Freisprüche.

3. Erich Lüth – Symbol eines „Anderen Deutschland“?: Es wird die Rolle von Erich Lüth und der Boykottbewegung analysiert, wobei der Konflikt zwischen Recht und Moral sowie das wegweisende Lüth-Urteil des Bundesverfassungsgerichts thematisiert werden.

4. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Erkenntnisse über die antisemitischen Tendenzen der 50er Jahre und den langwierigen Lernprozess der deutschen Demokratie im Umgang mit Meinungsfreiheit und der NS-Vergangenheit.

Schlüsselwörter

Veit Harlan, Jud Süß, Antisemitismus, Nachkriegsdeutschland, Harlan-Prozesse, Erich Lüth, Lüth-Urteil, Bundesverfassungsgericht, NS-Vergangenheit, Boykott, Meinungsfreiheit, deutsche Nachkriegsgeschichte, Aufarbeitung, Propaganda, Zivilcourage.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Person des NS-Regisseurs Veit Harlan und der kontroversen gesellschaftlichen Auseinandersetzung um seine Filme sowie seine rechtliche Rehabilitation in der frühen Bundesrepublik Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Themenfelder Antisemitismus in der Nachkriegszeit, die Rolle der Medien und der Justiz bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit sowie die gesellschaftliche Spannung zwischen moralischem Boykott und rechtlichen Grundrechten.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, ein Bild über die geistige Haltung verschiedener Teile der deutschen Öffentlichkeit nach 1945 zu zeichnen und zu untersuchen, wie mit der antisemitischen Debatte um Harlan umgegangen wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen chronologischen Ansatz und stützt sich dabei primär auf die Auswertung historischer Presseberichte, juristischer Dokumente und fachwissenschaftlicher Analysen der NS-Aufarbeitung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Harlans Propagandafilmen und den darauf folgenden Prozessen sowie in die Darstellung des Widerstands gegen Harlan, insbesondere durch die Aktionen von Erich Lüth.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben Veit Harlan und „Jud Süß“ vor allem die Harlan-Prozesse, das Lüth-Urteil, Antisemitismus, Nachkriegs-Deutschland und die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.

Welche Bedeutung hat das Lüth-Urteil für die Arbeit?

Das Lüth-Urteil wird als später Wegweiser für die Deutschen hervorgehoben, da es den Konflikt zwischen Boykottaufrufen und der grundgesetzlich geschützten Meinungsfreiheit für die junge Demokratie klärte.

Wie reagierte die deutsche Öffentlichkeit auf die Freisprüche Harlans?

Die Reaktionen waren gespalten: Während es einerseits zu „begeisterten Ovationen“ im Gerichtssaal kam, protestierten Organisationen der Verfolgten des NS-Regimes scharf gegen die juristische Rehabilitierung.

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Details

Title
Der Fall Harlan
College
Martin Luther University  (Institut für Geschichte)
Course
Übung: Antisemitismus im 20.Jh.
Grade
gut
Author
Oliver Enke (Author)
Publication Year
2002
Pages
14
Catalog Number
V19401
ISBN (eBook)
9783638235419
Language
German
Tags
Fall Harlan Antisemitismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Enke (Author), 2002, Der Fall Harlan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19401
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