Schindlers List? Die Geschichte der "Deutschen Emailwarenfabrik"


Facharbeit (Schule), 2012
20 Seiten, Note: voll gut (2+, 12 Punkte)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Hauptteil
2.1) Der Ursprung der Rekord GmbH
2.2) Die gegenwärtige Lage: Arisierung im Deutschen Reich
2.3) Schindler in Krakau
2.4) Die Übernahme der Rekord GmbH durch Oskar Schindler
2.5) Die Deutsche Emailwarenfabrik Oskar Schindler

3) Schlussteil
3.1) Oskar Schindler - Kriegsgewinnler oder Held?

Anhang

Literaturverzeichnis

Bildnachweis

1) Einleitung

“Herr Direktor“, so wurde Oskar Schindler von den Menschen genannt, die er stets “meine Juden“ nannte. Doch wie wurde aus dem NSDAP-Mitglied und Parteifreund Oskar Schindler der Judenretter Oskar Schindler? Schindler, der nach und nach sein gesamtes Vermögen in die Rettungsaktion steckte und Produktionsabläufe verfälschte, nur um seine Arbeiter vor dem deutschen Massengenozid zu bewahren. Er, dem es 1938 nur um Profit gegangen war, fragte sich 1945, warum er nicht noch mehr Menschen gerettet habe.

Um eine mögliche Antwort auf diese Frage zu finden, müssen mehrere Aspekte beachtet werden; die gegenwärtige Situation in Zentraleuropa, Schindlers Rolle im Machtapparat der Nationalsozialisten, der Erwerb der Krakauer Emaillefabrik und schließlich die Rettung der Juden. Dabei handelt es sich beim Erwerb der Emaillefabrik um den zentralen Aspekt dieser Arbeit.

Doch bevor diese Ereignisse und Taten mit Oskar Schindlers Beteiligung kritisch hinterfragt werden, müssen seine späteren Taten, also die Rettung von mindestens 1.000 Menschen gewürdigt werden. Egal wie kritisch Schindlers Handeln beurteilt wird, die Rettung dieser Menschen und somit der Erhalt hunderter Familien, ist unumstritten eines der selbstlosesten und selbstgefährdeten Ereignisse zur Zeit Nazideutschlands und auch darüber hinaus. Unter Einsatz seines Lebens bediente er sich seines Vermögens, seines politischen Einflusses und seiner Intelligenz um “seine Juden“ zu retten.

Ich habe mich für dieses Thema entschieden, da ich mich sehr für die Zeit des Nationalsozialismus interessiere und ich so mehr über eines der, meiner Meinung nach bedeutsamsten Mitglieder des Widerstandes, erfahren kann. Außerdem handelt es sich bei Steven Spielbergs Film “Schindlers Liste“ um einen der, aus meiner Sicht, besten und zugleich wichtigsten Filme, da deutlich wird, weshalb Oskar Schindler heute vor allem von der jüdischen Gemeinde verehrt wird.

Oskar Schindler wurde am 28.04.1908 in Zwittau (heute: Svitavy, Tschechien) im Sudetenland geboren. Sein Vater war der Landmaschinenfabrikant Hans Schindler, seine Mutter die Hausfrau Franziska (geborene Luser). Er wurde katholisch erzogen, hatte jedoch seit seiner frühesten Kindheit regelmäßigen Kontakt zu jüdischen Nachbarskindern.1 Am 06. März 1928 heiratete er Emilie Pelzl, Tochter eines wohlhabenden Landwirts aus einem Nachbarsdorf.

Nachdem die väterliche Landmaschinenfabrik, in der Oskar Schindler bislang arbeitete in Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929 schließen musste, wurde er Leiter der Verkaufsabteilung der Mährischen Elektrotechnischen AG in Brünn (heute: Brno, Tschechien). Diese Position hatte er fünf Jahre lang inne. Danach verdiente er sein Geld vier Jahre lang als Informant des Amts Ausland/Abwehr unter dem Kommando des Wehrmachtsoffiziers Wilhelm Canaris in Mährisch- Ostrau (heute: Ostrava, Tschechien). Sein Tätigkeitsbereich umfasste die Beschaffung von Informationen über die polnische Armee und polnische und tschechische Spione.

Am 10. Februar 1939 folge schließlich der Eintritt in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, kurz: NSDAP, als Mitglied Nr. 6.421.477.2 Im März desselben Jahres wurde Schindler aufgrund seiner Spionagetätigkeit von der tschechischen Polizei verhaftet und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Dies wurde jedoch durch die sogenannte “Zerschlagung der Rest-Tschechei“, die Annexion des tschechoslowakischen Sudetengebietes durch das Deutsche Reich, welche durch das Münchener Abkommen vom 30. September 1938 festgelegt wurde, verhindert. Einen Monat nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen am 01. September 1939 ging Schindler schließlich nach Krakau und erwarb die Rekord GmbH, eine Fabrik für Emailgefäße und Blechwaren. Diese benannte er kurze Zeit später in Deutsche Emailwarenfabrik um. In ihr wurden von nun an Kochutensilien und Geschirr für die Wehrmacht produziert.

Die Tatsache, dass die Juden in Schindlers Fabrik besser behandelt wurden, als anderswo blieb nicht lange geheim. Schindler wurde durch das jüdische Joint Distribution Committee mit Sitz in Budapest kontaktiert und traf sich daraufhin mit einem Kurier. Schindler übergab der jüdischen Widerstandsbewegung in Krakau einen höheren Geldbetrag und Briefe.

Im März 1943, nach der Auflösung des Krakauer Ghettos und dem Bau des Konzentrationslagers Płaszów pendelten die etwa 1.200 Arbeitskräfte zwischen Lager und Betrieb. Zum Schutz seiner überwiegend jüdischen Arbeiter erwirkte Schindler, mit dem Argument der Vereinfachung der Arbeitsorganisation und durch die Bestechung von Militär-, Wirtschafts- und Parteivertretern, die Genehmigung zur Errichtung eines eigenen Lagers auf seinem Fabrikgelände.

Darin brachte er auch Juden unter, die in anliegenden Betrieben arbeiteten. Für sämtliche Kosten bezüglich Bau, Einrichtung und Unterhaltung des Lagers sowie der Verpflegung der Häftlinge kam Schindler selbst auf.

In seiner Zeit als Fabrikleiter wurde Schindler zwei Mal von der Geheimen Staatspolizei, der Gestapo, verhaftet: Das erste Mal im Jahre 1942, als er aufgrund seines „undeutschen“ Umganges mit den Juden denunziert und anschließend verhaftet wurde. 1944 wurde er wegen fortwährender Bestechung eines SS-Führers erneut verhaftet. Durch seine zahlreichen einflussreichen Bekanntschaften, unter anderem aus seiner Spionagezeit, konnte eine schnelle Freilassung erwirkt werden.3

Am 08. Mai 1945 erfuhr Schindler durch das Radio in seinem Büro von der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte durch das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches und den Oberbefehlshaber der Wehrmacht Karl Dönitz. Als Nazi, als der Schindler aufgrund seiner Parteizugehörigkeit galt, musste er schließlich vor der vorrückenden Roten Armeefliehen.

Im Jahre 1949 wanderte er mit Emilie nach Argentinien aus, reiste jedoch in den Folgejahren mehrmals nach Deutschland, wo er im Jahre 1965 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhielt. Drei Jahre später erhielt er den Silvester-Orden von Papst Paul VI., welcher Schindler für seine besonderen Verdienste um die katholische Kirche ehrte. Im selben Jahr wurde er mit dem Martin-Buber-Friedenspreis ausgezeichnet.

Seit 1961 reiste Schindler insgesamt sieben Mal nach Israel, wo er am 18. Juli 1968 von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als “Gerechter unter den Völkern“ geehrt wurde und einen Baum in der “Alle der Gerechten“ erhielt. Diese Gedenkstätte erinnert an jene Menschen, die während des NS- Regimes Juden gerettet und unterstützt haben.

Nach einem Schlaganfall im Jahre 1972 mit halbseitiger Lähmung als Folge, verstarb Oskar Schindler am 09. Oktober 1974, zwei Wochen nachdem ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, im Alter von 66 Jahren. „Sein von Diabetes, von Nieren-, Herz- und anderen Leiden geschwächter Körper hatte aufgegeben.“4

2) Hauptteil

2.1) Der Ursprung der Rekord GmbH

Die später als Emalia bekannte Email- und Rüstungsfabrik, wurde im Jahre 1935 im Krakauer Stadtteil Zablocie in der Lipowa-Straße 4 errichtet. Zu Beginn trug sie den Namen “Pierwsza Małopolska Fabryka Naczyń Emaliowanych i Wyrobów Blaszanych "Rekord," Spólka, z organiczonę odpowiedzialnościę w Krakowie“5, was so viel bedeutet wie Erste kleinpolnische Fabrik für Emailgefäße und Blechwaren, Rekord in Krakau. Klein-Polen ist ein polnischer Verwaltungsbezirk, dessen Hauptstadt Krakau ist.

Zwei Jahre später übernahmen die jüdischen Kaufleute Micha Gutman, Wolf Luzer Glajtman und Izrael Kohn die Fabrik. Am 17. März 1937 ließen sie die Fabrik schließlich unter dem Namen Rekord eintragen. Das dafür benötigte Gründungskapital betrug 100.000 Złoty6, die notwendigen Anteilscheine kosteten jeweils 500 Złoty, Glajtman erwarb 100 Anteile, für einen Preis von 50.000 Złoty. Gutman und Kohn kauften jeweils 50 Anteile, für je 25.000 Złoty.7

In der Folgezeit wurde die Zahl der Miteigentümer immer größer. So kaufte Herman Hirsch im Herbst desselben Jahres 24 Anteilsscheine, für einen Gesamtwert von 12.000 Złoty, dadurch verringerten sich die Anteile der bisherigen Eigentümer auf 48.000 Złoty für Glajtman, beziehungsweise je 20.000 Złoty für Gutman und Kohn. Es folgten die vier Brüder Wolf Luzer Glajtmans, Uszer, Szyi, Leibisch und Zalka, sowie seine beiden Schwäger Abraham Bankier und Abram Szydłowski. Diese sechs weiteren neuen Eigner erhielten zusammen 66 Anteilsscheine, wobei vereinbart wurde, dass Wolf Luzer Glajtman 30 Scheine behalten sollte.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens bestand aus den Eigentümern, wobei ab 1938 lediglich Abraham Bankier, der Geschäftsführer, entlassen werden konnte. Bankier und Wolf Luzer Glajtman hatten Prokura, sie waren bevollmächtigt Schecks zu unterzeichnen und Geschäfte für das Unternehmen abzuschließen. Ab 2.000 Złoty mussten die Schecks jedoch ebenfalls von Wolf Luzer Glajtman unterzeichnet werden.

Als dann ein Jahr später Hersz Szpigelman weitere 3.000 Złoty in die Rekord investierte, verringerte sich Micha Gutmans Anteil auf 17.000 Złoty, da das Gesellschaftskapital noch immer 100.000 Złoty betrug.8

Durch ein im Jahre 1936 durchgesetztes Wirtschaftsprogramm der polnischen Regierung kam es zu einer raschen Steigerung der Industrieproduktion. Die Zeit war günstig, um neue Unternehmen zu gründen. Nicht jedoch für die jüdische Bevölkerung Polens, da es zum neuen Programm der Regierung gehörte, den Einfluss der Juden auf die polnische Wirtschaft zu reduzieren.

[...]


1 Vgl. Spiegel TV, Schindlers Liste - Eine wahre Geschichte 2008

2 Vgl. http://www.gruntova.cz/userFiles/oskar/Clenska-karta-nsdap.jpg, siehe Anhang S. 16

3 Vgl. Deutsches Historisches Museum, http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SchindlerOskar/index.html

4 Zitat nach Mietek Pemper, http://www.mietek-

pemper.de/wiki/Kapitel_13:_Schindlers_letzte_Jahre#Oskar_Schindlers_Tod:_Trauer_und_Ane rkennung

5 Zitat nach David M. Crowe, Oskar Schindler - Die Biographie, Frankfurt am Main 2005, S. 130

6 Ab 1939 galt im Generalgouvernement Polen der folgende Wechselkurs: 2 polnische Złoty = 1 Reichsmark, was heute (unter Berücksichtigung der Inflation) etwa 4,28€ entspricht

7 Vgl. Crowe 2005, S. 131

8 Ebda.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Schindlers List? Die Geschichte der "Deutschen Emailwarenfabrik"
Note
voll gut (2+, 12 Punkte)
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V194013
ISBN (eBook)
9783656223153
ISBN (Buch)
9783656373735
Dateigröße
2156 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schindlers, list, deutsche, emailwarenfabrik
Arbeit zitieren
Patrice Lörkens (Autor), 2012, Schindlers List? Die Geschichte der "Deutschen Emailwarenfabrik", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194013

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