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Werte in den Sozialwissenschaften - unabdingbar oder unwissenschaftlich?

Title: Werte in den Sozialwissenschaften - unabdingbar oder unwissenschaftlich?

Essay , 2012 , 9 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Ulrike Pitzschke (Author)

Sociology - Knowledge and Information
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Aristoteles forderte seiner Zeit eine autonome, vollkommen neutrale und unvoreingenommene Forschung. Symbolisch dafür stand die Tabula Rasa, ursprünglich eine glatte Tafel, im übertragenen Sinne eine „reine“ Seele, welche frei von Eindrücken der Außenwelt ist. Diese Definition zu Grunde legend, scheinen Werturteile in der Wissenschaft unangebracht und unwissenschaftlich. Auch im England des 17.Jahrhunderts war die Neutralität der Wissenschaft Grundvoraussetzung dafür, dass sie überhaupt von der Politik anerkannt wurde. Darunter zählt die strikte Trennung von Werten und Wissenschaft. Daraus entwickelte sich eine wertfreie und auf Anwendung gerichtete Perspektive, welche sich offensichtlich nur schwer auf die Sozialwissenschaften übertragen ließ1, da sie sich selbst innerhalb ihres Gegenstandes befinden und somit gar nicht frei von Eindrücken desselbigen sein können.
Dementsprechend muss erörtert werden, in welchem Verhältnis Werte und Sozialwissenschaften stehen: Sind die Werte unabdingbar oder unwissenschaftlich?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprung der Diskussion- Der Werturteilsstreit

3. Wertfrei vs. Werturteilsfrei

4. Sinn der Sozialforschung

5. Sozialwissenschaft und Politik

6. Schlussfolgerungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Werten und Sozialwissenschaften. Sie geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob Werturteile in der sozialwissenschaftlichen Forschung unabdingbar sind oder als unwissenschaftlich abgelehnt werden müssen, wobei insbesondere die Position Max Webers und die Abgrenzung zur Politik im Fokus stehen.

  • Historische Entwicklung des Werturteilsstreits
  • Unterscheidung zwischen wertfreier und werturteilsfreier Forschung
  • Die Rolle der Sozialwissenschaften als "Aufklärer" in der Massengesellschaft
  • Das komplementäre Verhältnis von Sozialwissenschaft und Politik
  • Objektivitätsanspruch versus subjektive Wertvorstellungen

Auszug aus dem Buch

Wertfrei vs. Werturteilsfrei

Die von Max Weber vertretene Position im Werturteilsstreit ist sehr drastisch und scheint jeglichen Einfluss von Werten in die Wissenschaft zu verbieten. Im weiteren Verlauf der Diskussion führt er allerdings eine wichtige Unterscheidung ein.

Der Grundgedanke dabei ist, dass selbst die Forderung nach einer objektiven Wissenschaft ein Wert ist, mit welchem Forscher an ihre Arbeit herangehen. Daraus schlussfolgert er, dass Wissenschaft gar nicht frei von Werten sein kann. Offensichtlich braucht also jeder Wissenschaftler Werte, um seinen Wunsch, zu forschen und die damit verbundene Arbeitsweise zu definieren. Was Weber ebenfalls nicht ausschließt, ist, dass Werte selbst Gegenstand der Forschung werden können. Bestes Zentral dabei ist aber die Trennung von „Sein“ und „Sollen“, welche konsequent eingehalten werden muss. Ein Beispiel wäre die Untersuchung des Wertewandels. Gefragt werden muss nach der Ausgangssituation. Welche Werte herrschten zu Beginn des Untersuchungszeitraumes in einer Gesellschaft vor? Welche sind davon heute noch relevant, welche wurden verdrängt durch andere? Welche Umstände führten dazu, dass sich die Werte einer Gesellschaft in solch einer Form wandeln konnten? Eine reflektierende Forschungsweise ist dabei unverzichtbar, die Frage nach dem „richtig“ oder „falsch“ unangebracht.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Es wird die historische Forderung nach neutraler Forschung nach Aristoteles skizziert und die zentrale Frage aufgeworfen, wie sich Werte und Sozialwissenschaften zueinander verhalten.

Ursprung der Diskussion- Der Werturteilsstreit: Das Kapitel beleuchtet die historische Debatte um Max Weber und Gustav von Schmoller bezüglich des Verhältnisses von wissenschaftlicher Theorie und sozialpolitischer Praxis.

Wertfrei vs. Werturteilsfrei: Hier wird Webers Unterscheidung dargelegt, warum vollständige Wertfreiheit unmöglich ist, während werturteilsfreie Forschung das angestrebte Ideal bleibt.

Sinn der Sozialforschung: Dieses Kapitel erläutert, warum Sozialforschung trotz der Beschränkung auf den „Ist-Zustand“ für die moderne Gesellschaft als „Aufklärer“ essenziell ist.

Sozialwissenschaft und Politik: Es wird analysiert, wie sich Wissenschaft und Politik arbeitsteilig ergänzen, ohne dass eine Seite das Feld der anderen wertend besetzen darf.

Schlussfolgerungen: Die Arbeit resümiert, dass Werte das wissenschaftliche Selbstverständnis prägen, jedoch nicht in den Forschungsprozess zur Ableitung von Soll-Vorgaben einfließen dürfen.

Schlüsselwörter

Sozialwissenschaften, Werturteilsstreit, Max Weber, Wertfreiheit, Werturteilsfreiheit, Ist-Aussagen, Sollenssaussagen, Objektivität, Sozialforschung, Politik, Wertewandel, Wissenschaftstheorie, Forschungspraxis, gesellschaftliche Normen, Krisenwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Frage nach der Rolle von Werten in den Sozialwissenschaften und untersucht, inwieweit diese für eine objektive Forschung eine Gefahr darstellen oder unvermeidbar sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind der historische Werturteilsstreit, das Spannungsfeld zwischen Seins- und Sollensaussagen sowie die funktionale Arbeitsteilung zwischen sozialwissenschaftlicher Analyse und politischem Handeln.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu klären, ob Sozialwissenschaftler ihre eigenen Wertvorstellungen vollständig aus der Forschung verbannen müssen oder ob eine reflektierte Trennung ausreicht, um wissenschaftliche Objektivität zu wahren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Analyse soziologischer Fachliteratur, insbesondere die klassische Position Max Webers, um das Verhältnis von Werturteilen und wissenschaftlicher Arbeit zu erörtern.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden der Werturteilsstreit nachgezeichnet, die Begriffe der wertfreien versus werturteilsfreien Forschung differenziert und die notwendige Kooperation sowie Abgrenzung zwischen Sozialwissenschaft und Politik diskutiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Werturteilsstreit, Wertfreiheit, Ist-Soll-Dichotomie und das Verhältnis von Wissenschaft zu Politik charakterisiert.

Warum ist die Unterscheidung zwischen „Sein“ und „Sollen“ laut der Autorin für Forscher so entscheidend?

Sie ist entscheidend, da die Vermischung beider Ebenen die wissenschaftliche Objektivität gefährdet, indem subjektive Bewertungen an die Stelle empirischer Tatsachenermittlung treten.

Welche Rolle kommt der Soziologie als „Krisenwissenschaft“ zu?

Sie fungiert als Beobachter und Analyst gesellschaftlicher Missstände, ohne jedoch selbst politisch-normative Lösungen zu diktieren – diese Aufgabe verbleibt in der Verantwortung der Politik.

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Details

Title
Werte in den Sozialwissenschaften - unabdingbar oder unwissenschaftlich?
College
Dresden Technical University  (Soziologie)
Grade
1,3
Author
Ulrike Pitzschke (Author)
Publication Year
2012
Pages
9
Catalog Number
V194118
ISBN (eBook)
9783656193739
ISBN (Book)
9783656194347
Language
German
Tags
Werte Sozialwissenschaften
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ulrike Pitzschke (Author), 2012, Werte in den Sozialwissenschaften - unabdingbar oder unwissenschaftlich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194118
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