Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziologie - Sonstiges

Inwieweit wird Trauer in der modernen Gesellschaft noch ritualisiert?

Titel: Inwieweit wird Trauer in der modernen Gesellschaft noch ritualisiert?

Hausarbeit , 2012 , 19 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Ulrike Pitzschke (Autor:in)

Soziologie - Sonstiges
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Frage nach der Ritualisierbarkeit von Trauer in der modernen Gesellschaft scheint sich zunächst gar nicht zu stellen. Denn es gibt offensichtlich auch in modernen Gesellschaften Abläufe und Zeremonien, die jeder mit Trauer und Tod in Verbindung bringt, beispielsweise die Beerdigung. Das soll in dieser Arbeit auch gar nicht bezweifelt werden. Vielmehr geht es darum, herauszufinden, inwiefern diese Zeremonien als Rituale bezeichnet werden können, also inwieweit sie verbindlichen und verbindenden Charakter haben. Dabei werden Ansätze eine Rolle spielen, die den Gedanken unterstützen, dass Trauer in der modernen Gesellschaft nicht (mehr) ritualisiert werden kann: Die Individualisierungs- und die Verdrängungsthese. Der Vergleich mit traditionellen Trauer- und Bestattungsritualen wird es dann ermöglichen, die Ritualisierbarkeit von Trauer in modernen Gesellschaften zu überprüfen. Als Einstieg in die Thematik sollen aber im Folgenden zunächst die zentralen Begriffe definiert und voneinander differenziert werden: Ritual- Ritus- Ritualisierung- moderne Gesellschaft.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition zentraler Begriffe

3. Die Verdrängungsthese

3.1. Stützung der Verdrängungsthese

3.2. Kritik an der Verdrängungsthese

3.3. Fazit

4. Die Funktion von Trauerritualen

5. Traditionelle Trauerrituale im Kulturvergleich

6. Trauerrituale in der modernen Gesellschaft

6.1. Bestattung in Deutschland

6.2. Der rituelle Gehalt moderner Trauerrituale

6.3. Die Bestattung- nur noch ein Ritualismus?

7. Ausnahmesituationen

8. Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht soziologisch, inwieweit Trauer in der modernen Gesellschaft noch durch Rituale strukturiert ist. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob moderne Bestattungszeremonien die Kriterien eines echten Rituals erfüllen oder ob durch Prozesse der Individualisierung und Verdrängung des Todes eine Entwertung dieser rituellen Handlungen stattgefunden hat.

  • Die soziologische Verdrängungsthese des Todes.
  • Funktionen und Strukturen traditioneller Trauerrituale nach Arnold van Gennep.
  • Analyse der modernen Bestattungspraxis in Deutschland unter dem Aspekt des Ritualcharakters.
  • Diskussion des Begriffs "Ritualismus" im Kontext moderner Bestattungen.
  • Einflussfaktoren wie Medienpräsenz und soziale Status auf die Ritualisierbarkeit von Trauer.

Auszug aus dem Buch

Die Verdrängungsthese

Bereits 1955 veröffentlichte der englische Soziologe Geoffrey Gorer einen Essay mit dem aufsehenerregenden Titel „Pornography of Death“. Darin schildert er, dass der Tod und das Sterben im 20.Jahrhundert ähnlichen Tabucharakter haben wie im 19.Jahrhundert Sexualität und die Geburt.

Durch die verbesserten medizinischen Standards wird der Tod aus dem Bewusstsein der jüngeren Bevölkerung nahezu komplett verdrängt und zu einem relativ unwahrscheinlichem und seltenem Ereignis (vgl. Gorer 1955: 51). Der Tod wird dadurch zu etwas Unaussprechlichem und Abstoßendem (vgl. Schäfer, 2002: 12): er wird aus der Gesellschaft verdrängt. Dabei handelt es sich nicht um eine Verdrängung auf individueller Ebene, sondern betrifft eher die soziale Struktur (vgl. ebd.: 17). Auch Norbert Elias erörtert diese Entwicklung, für ihn stellt die Verdrängung des Todes eine Begleiterscheinung des abendländischen Zivilisationsprozesses dar (vgl. Elias, 1982: 56f). Die Möglichkeit, affektiv auf emotionale Ereignisse, wie der Tod eines ist, zu reagieren, wird immer geringer. Ab dem Punkt, wo der Tod tabuisiert wird, gibt es kaum noch eine Möglichkeit, sich offen und unvoreingenommen darüber auszutauschen. Das kann dazu führen, dass sich Betroffene zurückziehen und sich mit ihrer Trauer alleingelassen fühlen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage zur Ritualisierbarkeit von Trauer in einer durch Individualisierung geprägten modernen Gesellschaft.

2. Definition zentraler Begriffe: Differenzierung der Begriffe Ritual, Ritus, Ritualisierung sowie Definition des Verständnisses von moderner Gesellschaft.

3. Die Verdrängungsthese: Erörterung der These, dass der Tod aus dem sozialen Bewusstsein verdrängt und tabuisiert wird.

3.1. Stützung der Verdrängungsthese: Darlegung von Anzeichen für die Verdrängung, wie die Separierung Sterbender in medizinische Einrichtungen.

3.2. Kritik an der Verdrängungsthese: Aufzeigen, dass die These nicht pauschalisiert werden kann, da regionale und soziale Unterschiede bestehen.

3.3. Fazit: Zusammenfassung der Argumente für eine eingeschränkte Ritualisierbarkeit von Trauer.

4. Die Funktion von Trauerritualen: Analyse der Bedeutung von Übergangsriten zur Reintegration des Individuums nach Krisen.

5. Traditionelle Trauerrituale im Kulturvergleich: Untersuchung gemeinsam auftretender Strukturen in traditionellen Bestattungszeremonien.

6. Trauerrituale in der modernen Gesellschaft: Darstellung der Praxis moderner Bestattungen und kritische Reflexion des Ritualcharakters.

6.1. Bestattung in Deutschland: Beschreibung des Ablaufs und der ökonomischen Faktoren bei deutschen Bestattungen.

6.2. Der rituelle Gehalt moderner Trauerrituale: Überprüfung, ob moderne Bestattungen die Kriterien eines Rituals erfüllen.

6.3. Die Bestattung- nur noch ein Ritualismus?: Anwendung des Begriffs Ritualismus nach Merton auf die heutige Bestattungspraxis.

7. Ausnahmesituationen: Untersuchung von Faktoren wie Opferzahl oder prominenter Status, die eine stärkere Ritualisierung begünstigen können.

8. Schlussfolgerungen: Fazit zur begrenzten Ritualisierbarkeit moderner Trauer und dem Fehlen kollektiver Trauerphasen.

Schlüsselwörter

Trauer, Trauerrituale, Moderne Gesellschaft, Verdrängungsthese, Ritual, Ritus, Bestattung, Übergangsriten, Individualisierung, Säkularisierung, Ritualismus, Soziale Integration, Tod, Symbolischer Gehalt, Medienpräsenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die soziologische Frage, wie Trauer in modernen Gesellschaften ritualisiert wird und inwieweit diese Rituale noch eine stützende Funktion für Hinterbliebene erfüllen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Verdrängung des Todes, die Funktion von Übergangsriten nach van Gennep, die moderne Bestattungskultur in Deutschland sowie das Phänomen des Ritualismus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu analysieren, ob moderne Trauerpraktiken noch die Definition eines Rituals erfüllen oder ob sie durch gesellschaftliche Veränderungen funktionslos geworden sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine soziologische Perspektive und greift auf theoretische Konzepte (wie die von van Gennep und Merton) sowie aktuelle Beobachtungen der Bestattungskultur zurück.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Verdrängungsthese diskutiert, die Funktionen traditioneller Trauerrituale definiert und die heutige Bestattungspraxis auf ihren rituellen Gehalt hin überprüft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Trauerrituale, Verdrängungsthese, Übergangsriten, Bestattungskultur, Ritualismus und soziale Integration.

Warum wird die Bestattung in der Moderne oft als "Ritualismus" bezeichnet?

Da der ursprüngliche symbolische Inhalt und der Zweck der Trauerbewältigung oft verloren gegangen sind und die Handlungen eher aus institutioneller Routine oder Friedhofspflicht fortgeführt werden.

Welche Ausnahmesituationen führen zu einer stärkeren Ritualisierung?

Ereignisse mit hoher medialer Aufmerksamkeit, einer großen Anzahl von Todesopfern oder einem sehr prominenten sozialen Status des Verstorbenen führen häufig zu intensiveren, kollektiven Trauerritualen.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Inwieweit wird Trauer in der modernen Gesellschaft noch ritualisiert?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Note
1,7
Autor
Ulrike Pitzschke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V194119
ISBN (eBook)
9783656193722
ISBN (Buch)
9783656193999
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ritual Trauer Soziologie moderne Gesellschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ulrike Pitzschke (Autor:in), 2012, Inwieweit wird Trauer in der modernen Gesellschaft noch ritualisiert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194119
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  19  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum