Herrschaft und Ehe im "König Rother"


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalt

3. Die Herrschaftsposition König Rothers

4. Bedeutung der Ehe zu der Zeit König Rothers und heute in der Bundesrepublik Deutschland
4.1 Die Eheformen im Mittelalter zu der Zeit König Rothers
4.2 Das Motiv der Eheschließung im König Rother
4.3 Die Eheschließung in der Kemenatenszene

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema meiner Hausarbeit lautet: Herrschaft und Ehe im König Rother. In dieser werde ich folgender Fragestellung nachgehen: Haben Herrschaft und Ehe im Mittelalter einen Bezug zueinander und wenn ja, welchen? Ich werde zunächst die Herrschaftsposition der Figur König Rother, einer zentralen Persönlichkeit des 12. Jahrhunderts im weströmischen Reich, darstellen und die Möglichkeiten zur Sicherung seiner Macht und Herrschaft aufzeigen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Aspekt der Machtsicherung und Machterweiterung durch Brautwerbung und Eheschließung anhand des vorliegenden Werkes „König Rother“ der Spielmannsepik. Es werden die Rechtsformen der mittelalterlichen Ehen und der durch die Kirche herbeigeführte historische Umbruch zum Nupturientenkonsens erläutert. Im Verhältnis zu den mittelalterlichen Eheformen sollen die Ehen der heutigen westlichen Gesellschaft in Relation gesetzt werden. Anhand der „Kemenatenszene“ werde ich die Brautwerbung bzw. Eheschließung nach den damals geltenden Rechtsbestimmungen aufzeigen. Natürlich wird auch der Inhalt des Werkes kurz vorgestellt werden und die Schlussbemerkung zu meinem persönlichen Fazit führen.

2. Inhalt

Das Werk „König Rother“ ist vermutlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden. Es gehört zu der Gattung der Spielmannsdichtungen und ist nach dem Schema einer gefährlichen Brautwerbung verfasst.

König Rother ist der mächtige, angesehene Herrscher des weströmischen Reiches und residiert in Bari. Ihm fehlt zum kompletten Ansehen und Glück eine Frau an seiner Seite, um die Machterhaltung zu gewährleisten, Nachkömmlinge zeugen zu können und das komplette Ansehen der Gesellschaft zu erreichen. Auf einer Versammlung wird ihm geraten, die schöne und angesehene Tochter des oströmischen Herrschers Konstantin zu Konstantinopel zu werben. Daraufhin sendet er Boten aus, die die Werbung für ihn tätigen sollen. In Konstantinopel angekommen lässt König Konstantin, der seine Tochter jedem Werber verwehrt, die Boten in den Kerker schmeißen. Nachdem 1 Jahr vergangen ist und die Boten nicht zu König Rother zurückgekehrt sind, entschließt sich dieser auf den Rat Berchters hin dazu, den Boten nachzureisen und sie entweder zu retten oder zu rächen. In Griechenland angekommen ändert König Rother seinen Namen in Dieterich. Dieses ist Teil seines Plans, die Königstochter für sich zu gewinnen, und ermöglicht ihm die Chance, König Konstantin zu kontaktieren. Es beginnt nun ein genau durchdachter und sehr hinterhältiger Plan Dietrichs, um die Königstochter zu entführen und seine Boten zu befreien. Er fällt vor Konstantin auf die Knie und berichtet diesem, dass er von König Rother geächtet worden sei und nun auf Konstantins Schutz angewiesen wäre. Dafür bietet Dietrich dem König im Gegenzug seine Dienste an. Durch ihr Auftreten verschaffen sich Dietrich und sein Gefolge Respekt und Ansehen. Bei einem Festmahl schleudert Asprian das geliebte Haustier von Konstantin, einen Löwen, gegen die Wand. Der König ist davon so beeindruckt und verschreckt, dass er diese Tat ungeahndet und sogar unkommentiert lässt. Es ist Berchter zu verdanken, dass Dietrich so viele Anhänger gefunden hat, da es wieder seine Idee war, die Leute durch Schenkungen dazu zu bewegen, sich ihnen anzuschließen.

Die Frau von Konstantin beklagt sich daraufhin bei ihm, dass dieser einem so mächtigen und starken König, wie Rother es zu seien scheint, die gemeinsame Tochter verwehrt hat. Auch die Tochter hat von der ganzen Handlung Kenntnis genommen und würde gerne den Unbekannten kennen lernen. Sie schickt ihre Dienerin Herlint zu Dietrich, um diesen in ihre Kammer zu bestellen. Dietrich ziert sich und gibt der Dienerin einen goldenen und einen silbernen Schuh, beide für den gleichen Fuß, als Botenlohn mit, sowie einen Mantel und einen Ring. Kurze Zeit später kommt die Dienerin im Auftrag ihrer Herrin erneut zu Dietrich, um den passenden Schuh zu holen und ihn erneut zu bitten, der Königstochter einen Besuch abzuhalten, da diese nun die Schuhe besitzt und ihn gerne kennenlernen würde. Diesmal willigt er ein und besucht die Tochter in ihrer Kemenate. Hier zieht Dietrich ihr den passenden Schuh an und fragt sie dabei: „Sage mir nun, du wunderschöne Dame, bei deiner Aufrichtigkeit, so wahr du eine Christin sein willst: es haben doch schon viele Männer um deine Hand angehalten; wenn es nun deiner Wahl überlassen wäre, wer von allen diesen würde dir am besten gefallen?“[1]. Die Königstochter möchte für immer Jungfrau bleiben, wenn sie nicht König Rother zum Mann bekommt. Daraufhin löst Dietrich seine wahre Identität auf und gibt sich ihr als König Rother zu erkennen. Ihre letzten Zweifel, dass es sich nicht um Rother handelt, werden ihr bei dem eingefädelten Treffen zwischen den Boten und Rother genommen.

Mit einer weiteren List hintergeht er Konstantin, der seine Unterstützung beim Kampf gegen Ymelot von Babylon fordert. Er verlangt von Konstantin die gefangenen Boten als Unterstützung für diesen Kampf. Nach dem Sieg gegen Ymelot wird Rother mit seinen Boten voraus gesandt, um die Nachricht den Frauen in der Stadt zu überliefern. Diesen verkündet er jedoch, dass Ymelot auf dem Weg sei und die Stadt zerstören wolle. Er führt die Frauen zu den Booten und legt ab, als er sicher ist, dass die Königstochter an Bord ist. Er erhält das Einverständnis der

Mutter, die stolz darauf ist, dass ihre Tochter nun Frau eines so prächtigen Herrschers ist. Konstantin lässt diese Entführung nicht auf sich sitzen und lässt seine Tochter durch einen Spielmann zurück entführen.

Rother reißt erneut nach Griechenland und versteckt sich mit seinem Gefolge in einem Wald vor den Toren Konstantinopels. Er selbst tritt nun nur noch als Pilger verkleidet die Reise nach Konstantinopel an. Bei der Reise in die Stadt wird Rother Zeuge, wie seine Gattin mit dem Sohn Ymelots, König Basilistium vermählt werden soll. Beim Hochzeitsmal steckt Rother seiner Ehefrau einen Ring an den Finger, sodass diese erkennt wer er ist. Auch die anderen erkennen seine Identität und König Rother wird von König Basilitium zum Tode verurteilt. Rother sucht sich als Hinrichtungsstätte den Platz vor dem Wald aus, in dem er mit seinem Gefolge lagert. Kurz bevor es zu Rothers Hinrichtung kommt, wird er von seinem Gefolge in einem blutigen Kampf befreit. Konstantin überlebt diesen Kampf und entschließt, sich seine Tochter nun an den Helden Rother zu übergeben. Es ist wieder der weise Rat von Berchter, der König Rother nun intelligent und vergebend handeln lässt: Er lässt König Konstantin am Leben und vergibt ihm. Nun haben König Rother und seine Gattin auch den Segen von Konstantin und treten die Reise zurück nach Bari an. Die Gattin schenkt ihm einen Sohn, der Pippin genannt wird. Rother erzieht ihn 24 Jahre und bringt ihm alle Tugenden bei, bevor er auf der Schwertleite in Aachen zu seinem Nachfolger bestimmt wird. Danach verlässt Roter auf Berchters Rat seine Frau und seinen Sohn, um sein Leben in Sühne und mit Wohltaten im Kloster als Mönch zu beenden.

3. Die Herrschaftsposition König Rothers

Grundsätzlich dienten zur Zeit Rothers die Könige des Alten Testaments Salomon und David als Vorbilder in der Literatur. Sie waren die perfekten Herrscher, da sie Christentum, Gerechtigkeit, Demut, Weisheit und Macht verkörperten[2].

König Rothers Herrschaftsposition ist innerhalb der feudalen Hierarchie allgemein als edel zu betrachten. Er stammt aus einem vornehmen königlichen Geschlecht und genießt ein großes und vor allen Dingen gutes Ansehen in der Öffentlichkeit. Er hat einen hohen Rang in der ständischen Hierarchie und ihm sind andere Herrscher untergeordnet. Dies unterstreicht und bestärkt seine Machtposition[3].

König Rother besitzt ein sehr großes Heer von hoher Qualität. Dieses große Gefolge demonstriert, dass er in der Lage ist, die Herrschaft auch auszuüben, da er immer auf Unterstützung bauen kann, denn „ Herrschaft in der feudalen Gesellschaft hängt von der Fähigkeit ab, sie sowohl nach innen, als auch nach außen mittels Gewalt durchzusetzen. “[4] Es ist anzumerken, dass Gewaltfähigkeit ein unabdingbarer Bestandteil von Herrschaft zu der Zeit Rothers war. Jedoch ist nicht die Gewaltfähigkeit von Bedeutung, die der Herrscher selbst ausüben kann, sondern die, die seine Versallen ausüben. Er wird also an seiner Heeresstärke gemessen[5]. Dieses wird im „König Rother“ selbst wie folgt beschrieben: „Ihm dienten (als Lehnsmänner) andere Herrscher: zweiundsiebzig Könige, angesehen und tüchtig, die waren ihm alle ergeben.“[6] Dies unterstreicht seine Machtposition und macht deutlich, dass er zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit hat, Gewalt auszuüben.

Sein herrschaftliches Ansehen wäre vollkommen, wenn ihm eine Frau bzw. eine Herrin zur Seite stünde, die ihm leider fehlt. Dies schadet seinem sozialen Status und seiner „êre“[7], denn „in der êre spiegelt sich die Anerkennung- und Rechtsansprüche durch die anderen Feudalherren, also auch durch die eigene Gefolgschaft“[8]. Um seine Anerkennung also zu festigen bzw. auszubauen muss es folglich Rothers Ziel sein, eine hochgeborene und vornehme Frau an seine Seite zu bekommen.

Auf dieser Problematik beruht der Grundgedanke des Werks „König Rother“: Die Herrschaft muss gefestigt werden und über Rothers Tod hinaus auch gefestigt bleiben. Die einzige Lösung, die es dafür gibt, ist das Zeugen eines legitimierten Erben, um so den eigenen Besitz und die Herrschaft zu sichern. Dazu benötigt er jedoch eine ebenbürtige Frau, mit der er einen Erben zeugen kann. Zur damaligen Zeit konnte die Sicherung der Macht eines Königs ausschließlich über einen Thronerben erfolgen und somit ist es für Rother unumgänglich eine Frau zu finden.

Es ist von hoher Bedeutung, dass die Frau mindestens ebenbürtig zu ihrem Mann ist, da sie als „Abbild und Abglanz“[9] des Ehemannes gesehen wird. Nur wenn sie mindestens von gleichem Rang ist, wird sie vom Gefolge akzeptiert und stärkt somit auch nur dann Rothers Position.

Es sind Rothers Versallen selbst, die ihn darauf drängen, sich eine Frau zu suchen, da sie durch die jetzige Situation um die Kontinuität seiner Herrschaft fürchten und dadurch auch ihre Lehen gefährdet sehen[10]. Zwangsläufig muss Rother in zweierlei Hinsicht handeln, um seine Herrschaft zu beweisen bzw. zu festigen: Zum einen darf er sein soziales Ansehen gegenüber seinem Gefolge nicht verlieren und zum Anderen muss er den zukünftigen Brautvater (König Konstantin) von seiner Gleichwertigkeit überzeugen, um die Zustimmung der Brautsippe zur Hochzeit zu erhalten. Als ersten Versuch schickt Rother ein Herr von 12 Boten mit Geschenken und Gefolgsleuten nach Griechenland. Diese werden jedoch von Konstantin eingekerkert, was ein deutliches Signal dafür ist, dass er Rother keinesfalls als gleichwertig und schon gar nicht als mächtiger ansieht[11] und es auch nicht akzeptiert, dass ein anderer Herrscher ihm gleichkommt und somit seiner Herrschaft und êre Grenzen setz[12].

[...]


[1] „König Rother“ (2000), S. 170 Vers 2202-2208

[2] Vgl. Joachim Bumke, Band 2, S. 386

[3] Vgl. „König Rother“ (2000), Vers 1-13

[4] Rita Zimmermann, S. 18

[5] Vgl. Ebd., S. 19

[6] „König Rother“ (2000), Vers 6-9

[7] Rita Zimmermann, S. 23

[8] Ebd., S. 23

[9] Hilkert Weddige, S.179

[10] Vgl. Rita Zimmermann, S.15

[11] Vgl. Rita Zimmermann, S.56-57

[12] Vgl. Ebd., S.64

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Herrschaft und Ehe im "König Rother"
Note
2,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V194154
ISBN (eBook)
9783656195078
ISBN (Buch)
9783656196242
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
herrschaft, könig, rother
Arbeit zitieren
Robert Heinrichs (Autor), 2011, Herrschaft und Ehe im "König Rother", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194154

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