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Arbeitsmarkt Schweiz – Vorbild für mehr Beschäftigung?

Eine Untersuchung aus deutscher Sicht

Title: Arbeitsmarkt Schweiz – Vorbild für mehr Beschäftigung?

Diploma Thesis , 2011 , 108 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Marius Mai (Author)

Economics - Job market economics
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Einleitung: Die Schweiz als Vorbild für die BRD?

Eines der größten Risiken innerhalb moderner Gesellschaften ist Arbeitslosigkeit. Während die Erwerbstätigkeit eine Grundlage für die aktive gesellschaftliche Teilnahme eines Menschen darstellt und dessen Identität fundamental prägt, so kann der Verlust des Arbeitsplatzes schwerwiegende Folgen haben. Aus Sicht der Betroffenen bedeutet dies oftmals nicht nur eine Zuspitzung der finanziellen Lage, sondern bringt häufig eine Verschlechterung der gesamten psychischen und sozialen Situation mit sich. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive betrachtet verursacht Arbeitslosigkeit erhebliche Kosten, die über eine Schwächung des Staatshaushaltes wiederum auf jeden Einzelnen zurückfallen.
Auch wenn das deutsche Arbeitslosigkeitsproblem in den letzten Jahren etwas an Dramatik verloren hat, stellt die Realisierung eines hohen Beschäftigungsstandes nach wie vor eines der wichtigsten sozialen und wirtschaftspolitischen Ziele dar. In diesem Zusammenhang kann es nützlich sein, einen Blick über die eigenen Landesgrenzen hinweg zu wagen, denn – wie sich zeigt – sind andere Länder deutlich weniger von Arbeitsmarktproblemen betroffen. Besonders bemerkenswert ist die Situation in der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Während die (standardisierte) Arbeitslosenquote auf dem Höhepunkt der Arbeitsmarktkrise im Jahr 2005 in Deutschland die 11 Prozent-Marke überschritt, herrschte in der Schweiz eine Quote von 4,4 % - ein Wert, bei dem manche Ökonomen von Vollbeschäftigung sprechen (vgl. OECD 2011). Doch nicht nur zu jenem Zeitpunkt, sondern über die letzten zwei Jahrzehnte hinweg lag die Arbeitslosigkeit in Deutschland zwei bis dreimal so hoch wie in der Schweiz.
Für Ökonomen und Politiker, aber auch aus persönlichem Interesse stellt daher die äußerst schwierige Frage, welche Determinanten für eine derart erhebliche Diskrepanz verantwortlich gemacht werden können und ob die Schweiz aus deutscher Sicht ein Vorbild für mehr Beschäftigung sein kann.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Die Schweiz als Vorbild für die BRD?

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Empirischer Hintergrund

2.1 Arbeitslosigkeit und Beschäftigung

2.1.1 Gruppenspezifische Betrachtung

2.1.2 Arbeitsmarktdynamik und strukturelle Arbeitslosigkeit

2.2 Besonderheiten der Schweiz

2.2.1 Internationalität

2.2.2 Qualifikationsstruktur und Bildungsanstrengungen

2.2.3 Arbeitszeit

2.2.4 Direkte Demokratie und ausgeprägter Föderalismus

2.3 Ökonomische Aspekte

2.3.1 Wirtschaftswachstum

2.3.2 Wohlstand und finanzielle Situation

2.3.3 Wirtschaftsstruktur

2.4 Zwischenfazit

3 Theoretischer Hintergrund - Das Konzept der „Varieties of Capitalism“

3.1 Zusammenfassung und zentrale Aussagen des Ansatzes

3.2 Kennzeichen liberaler und koordinierter Marktwirtschaften

3.3 Abschließende Bemerkungen

4 Institutionen und institutionelle Rahmenbedingungen

4.1 Kulturell-historischer und politischer Hintergrund

4.2 Industrial Relations

4.2.1 Bedeutung der Gewerkschaften

4.2.2 Zentralität vs. Dezentralität

4.2.3 Konflikthaftigkeit

4.2.4 Betriebliche Mitbestimmung

4.2.5 Mindestlöhne

4.2.6 Kündigungsschutz

4.2.7 Zusammenfassung der Ergebnisse

4.3 Berufliche Ausbildung

4.4 Corporate Governance und zwischenbetriebliche Beziehungen

4.5 Sozialsystem und passive Arbeitsmarktpolitik

4.6 Arbeitsmarktreformen

4.7 Bezug zum Konzept der Varieties of Capitalism

4.8 Das Schweizer Modell - mögliche Handlungsableitungen für die BRD

5 Schlussbetrachtung und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, ob die Schweiz aus deutscher Sicht als Vorbild für eine effektivere Arbeitsmarktpolitik dienen kann. Dabei steht die Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen beider Länder sowie deren spezifischer Arbeitsmarkteffekte im Vordergrund, um Gemeinsamkeiten und Übertragbarkeitspotenziale auszuloten.

  • Vergleich der Arbeitsmarktleistungsfähigkeit zwischen der Schweiz und Deutschland
  • Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen im Sinne des „Varieties of Capitalism“-Ansatzes
  • Untersuchung von Industrial Relations, Bildungssystemen und Sozialpolitik
  • Erörterung von Flexibilisierungsmöglichkeiten deutscher Arbeitsmarktstrukturen

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Bedeutung der Gewerkschaften

Auf der einen Seite werden Gewerkschaften als Kartelle betrachtet, die über das Potenzial verfügen, den Lohnunterbietungswettbewerb der Arbeitnehmer im Wettbewerb um knappe Arbeitsplätze auszuschalten (vgl. Möschel 2005: 3). Auf der anderen Seite kann ihr Verhalten aber auch negative Auswirkungen auf makroökonomische Indikatoren wie die Höhe der Produktion, der Inflation oder des Beschäftigungsgrades in einer Volkswirtschaft haben. Ihre ungeheure Bedeutsamkeit für die Wirtschaftsentwicklung steht außer Frage. Seit einiger Zeit verändert sich das Bild der Gewerkschaften jedoch; IG Metall, Ver.di und Co. haben mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Lag der gewerkschaftliche Organisationsgrad in Deutschland Ende der 80er Jahre noch bei rund einem Drittel, so beträgt er rund zwanzig Jahre später bereits weniger als 20 % (vgl. OECD 2011). Dieselbe Entwicklung ist in fast allen OECD-Staaten, so auch in der Schweiz, festzustellen.

Dort beträgt der Organisationsgrad der Gewerkschaften heute etwas über 18 % und liegt damit im internationalen Vergleich im schwachen Mittelfeld (vgl. OECD 2011). Auffallend hoch ist die Gewerkschaftsdichte in den skandinavischen Ländern. Ein offensichtlicher Grund dafür ist darin zu sehen, dass Lohnverhandlungen dort auf nationaler Ebene geführt werden (vgl. Franz 2009: 247). Der allgemein auszumachende Mitgliederschwund scheint kein explizit länderspezifisches Problem zu sein. Vielmehr werden die Ursachen dieser Entwicklung im strukturellen Wandel gesehen. Vor allem die seit den 80er Jahren wahrzunehmenden Megatrends wie die Globalisierung, die Tertiarisierung und die Digitalisierung der Arbeitswelt sowie die Individualisierung von Lebensstilen, verbunden mit einer neuen Vielfalt an Beschäftigungsformen werden dafür verantwortlich gemacht (vgl. Funk 2003: 14-17).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der Arbeitslosigkeit in Deutschland und der Schweiz ein und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der Vorbildfunktion des Schweizer Modells.

2 Empirischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert einen umfassenden Überblick über zentrale Arbeitsmarktindikatoren sowie strukturelle Besonderheiten, wie die Rolle der Immigration und des Wirtschaftswachstums.

3 Theoretischer Hintergrund - Das Konzept der „Varieties of Capitalism“: Hier wird der theoretische Rahmen eingeführt, um die institutionellen Unterschiede und die Interdependenzen zwischen verschiedenen Wirtschaftssubsystemen zu verstehen.

4 Institutionen und institutionelle Rahmenbedingungen: Dieser Kernteil analysiert detailliert die Industrial Relations, Bildungssysteme, Unternehmensführung sowie das Sozialsystem und deren Einfluss auf die Arbeitsmarktergebnisse beider Länder.

5 Schlussbetrachtung und Fazit: Das Fazit resümiert die Analyseergebnisse und diskutiert die Möglichkeiten sowie Grenzen der Übertragbarkeit von Elementen des Schweizer Modells auf die Bundesrepublik.

Schlüsselwörter

Arbeitsmarkt, Schweiz, Deutschland, Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Varieties of Capitalism, Industrial Relations, Gewerkschaften, Kündigungsschutz, Mindestlohn, Mitbestimmung, Institutionen, Wirtschaftswachstum, Flexibilisierung, Sozialpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?

Die Arbeit untersucht, ob der Schweizer Arbeitsmarkt, der im Vergleich zu Deutschland eine höhere Leistungsfähigkeit aufweist, als Vorbild für eine effektivere Arbeitsmarktpolitik in Deutschland dienen kann.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Im Fokus stehen institutionelle Rahmenbedingungen wie die Industrial Relations, das System der beruflichen Ausbildung, die Corporate Governance, sowie die Ausgestaltung der passiven Arbeitsmarktpolitik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch einen zwischenstaatlichen Vergleich die Determinanten für die Arbeitsmarktdiskrepanz zwischen der Schweiz und Deutschland zu identifizieren und mögliche Handlungsoptionen für die BRD abzuleiten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine Literaturrecherche in Verbindung mit einer umfassenden Datenauswertung empirischen Materials sowie theoretische Analyserahmen wie das Konzept der „Varieties of Capitalism“.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen, vergleicht Gewerkschaftsstrukturen, Kündigungsschutzregelungen und Bildungssysteme und setzt diese in den Kontext der Wirtschaftsmodelle beider Länder.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Arbeitsmarktperformanz, Institutionelle Komplementarität, Varietes of Capitalism, Dezentralisierung, Flexibilisierung und der Vergleich zwischen koordinierten und liberalen Marktwirtschaften.

Wie bewertet die Arbeit die Übertragbarkeit des Schweizer Modells?

Die Arbeit warnt davor, das Modell als einfachen Bauplan zu kopieren, da institutionelle Komplementaritäten und pfadabhängige Entwicklungen wie die politische Kultur des Föderalismus und der direkten Demokratie in der Schweiz tief verwurzelt sind.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Wirtschaftsmodelle?

Der Autor klassifiziert die Schweiz aufgrund der Koexistenz von koordinierten und liberalen Elementen als „Mischtypus“ und betont, dass die hohe wirtschaftliche Performanz nicht zwingend an einen reinen Idealtypus gebunden ist.

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Details

Title
Arbeitsmarkt Schweiz – Vorbild für mehr Beschäftigung?
Subtitle
Eine Untersuchung aus deutscher Sicht
College
University of Koblenz-Landau
Grade
sehr gut
Author
Marius Mai (Author)
Publication Year
2011
Pages
108
Catalog Number
V194166
ISBN (eBook)
9783656195030
ISBN (Book)
9783656196693
Language
German
Tags
Arbeitsmarkt Deutschland Schweiz Institutionen Wirtschaftswissenschaft Sozialwissenschaften Beschäftigung Arbeitslosigkeit Varieties of Capitalism
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marius Mai (Author), 2011, Arbeitsmarkt Schweiz – Vorbild für mehr Beschäftigung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194166
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