Marginalisierung bzw. Funktionalisierung

Die Darstellung der Frau in der Lyrik von F.C. Delius in den Werken 'Wenn wir bei Rot' und 'Kerbholz'


Seminararbeit, 2011
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Gegenstand und Fragestellung
1.2 Forschungsbericht
1.3 These

2. Hauptteil
2.1 Methodenreflexion
2.2 Die Frau in F.C. Delius Lyrik (Textanalyse)
2.3 Literarhistorischer Hintergrund (Kontextanalyse)

3. Schluss
3.1 Fazit

4. Erklärung zur Abgabe von Seminararbeiten

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Gegenstand und Fragestellung

Die Relevanz des Autors F.C. Delius wird durch seine Ehrung mit dem bedeutendstem Literaturpreis der Bundesrepublik Deutschland, dem Georg-Büchner-Preis, im Jahr 2011 unterstrichen. Diesen Preis erhält er für die gute, kritische und satirische Wiedergabe und Durchleuchtung der deutschen Bewusstseinslage im 20. Jahrhundert in seinen Romanen und Erzählungen.[1]Hierbei wird bereits deutlich, dass es sich um einen großen Autor der Gegenwart handelt, dessen literarisches Werk sich allerdings weniger in der lyrischen Form ausdrückt. Dennoch handelt es sich bei seinen ersten veröffentlichten Werken um zwei Gedichtbände: „Kerbholz“ (Berlin: 1965) und „Wenn wir, bei Rot“ (Berlin: 1969), die in dieser Arbeit unter einem eingrenzenden Aspekt genauer untersucht werden sollen.

Die Lyrik des F.C. Delius behandelt, dem Zeitgeist des Literaturbetriebes der sechziger Jahre entsprechend, meist politische und gesellschaftskritische Themen, und trotzdem sieht er sich selbst nicht nur als politischen Autor, da er nicht auf diesen reduziert werden möchte.[2]Im Allgemeinen ist seine Lyrik, speziell die frühe, sehr unerforscht. In den wenigen vorhandenen Forschungen, wird nicht nur der Versuch unternommen den politischen Aspekt zu analysieren, sondern auch ein mögliches Motiv „ Liebe“ aufzuspüren. Dieses Motiv beinhaltet die Existenz von Frauen bzw. Weiblichkeit, die in ihrem Selbstverständnis und in der gesellschaftlichen Diskussion zum Zeitpunkt des Entstehens der Lyrik, einem interessanten Wandel unterzogen waren. Ich werde mich daher im Folgenden mit der Fragestellung beschäftigen, wie das Bild der Frau in der Lyrik des F.C. Delius, mit Schwerpunkt auf die Werke „Kerbholz“ und „Wenn wir, bei Rot“ dargestellt wird.

1.2 Forschungsbericht

Begibt man sich auf die Suche nach wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit dem Thema der Lyrik von Delius beschäftigen und zu deren Verständnis beitragen sollen, so findet man neben Rezensionen in Zeitungen auch 3 wissenschaftlich relevante Aufsätze zu der Lyrik des F.C. Delius, verfasst von Manfred Jurgensen, Giovanni Scimonello und Oliver Stoltz. Die Aufsätze versuchen jeweils vor einem anderen Hintergrund bzw. Aspekt die Lyrik zu erklären, darzustellen und zu interpretieren. Sie sind unabhängig voneinander geschrieben und stehen nicht in einem direkten Bezug zueinander.

Manfred Jurgensen geht dabei in seinem Aufsatz „„…einfach / zitieren und sagen ich sehe“: Die Gedichte das F.C. Delius“ mehr auf die politische, als auf die Wirkung unter Berücksichtigung des Motivs der Liebe ein. Friedrich Delius schreibt Gedichte einer bestimmten und bestimmenden Sichtweise und konstruiert in seiner Lyrik ein Dichtungskonzept sprachreflexiven und gesellschaftspolitischen Widerspruchs unter verzichtet auf Metaphern und symbolische Dichtkunst in seinen Werken.[3] Die Grundlage für das lyrische Agieren Delius` ist das politische Tagesgeschehen und gleichzeitig ist sie selbst auch als literarpolitische Handlung zu verstehen.[4]Die Gedichte inszenieren einen gesellschaftspolitischen Widerspruch. Eigentlich klassische Merkmale wie eine metaphorische und symbolische Dichtkunst spielen bei Delius keine Rolle. Seine Lyrik ist gekennzeichnet durch: „das Gesagte ist das Gesehene als Zitat“[5]. Desweitern wird durch Apelle, Aufrufungen und Anweisungen zum Nachdenken angeregt. Es ist also keine leichtverständliche, sondern eher eine tiefgründige, nur für politisch auf der Höhe des Zeitgeschehens stehende Leute zu durchdringende Lyrik. Es gibt keinen direkten Punkt in M. Jurgensens Ausführungen, die sich auf das Motiv der Liebe bzw. der Frau in F.C. Delius Lyrik beziehen. Vielmehr wird festgestellt, dass es die inszenierte Sprache ist, in der sich Gesellschaft- und Politik-Kritik wiederspiegelt, die diese Lyrik interessant und bedeutsam macht.

Der Aufsatz von Giovanni Scimonello „Italien-Mythos und Elegie vor der Jahrhundertwende – Zwei Stationen in der Dichtung von Friedrich Christian Delius“ stellt ebenfalls das Motiv der Politik in den Vordergrund, unter starker Bezugnahme auf die von Delius verfassten Gedichte „Römische Elegie 1-4“ aus seinem Gedichtband „Ein Bankier auf der Flucht“. G. Scimonello betrachtet auch das Motiv der Liebe in dem Gedicht „ Gen Italien“ und stellt fest, dass „die Polemik gegen Konsumgesellschaft Hand in Hand mit der Entfaltung der Liebesgeschichte“[6]einhergeht. Die Römischen Elegien stellen eine Anspielung an Goethes Gedichtzyklus mit gleichem Namen da. Die Parallelen zwischen Goethe und Delius beziehen sich auf eine Bildungsreise nach Italien und beide schreiben Elegien. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass Goethe einzig und alleine das Motiv der Liebe behandelt, Delius das Motiv der Liebe nutzt, um es zu politisieren. Daraus lässt sich schließen, dass wahre Gefühle und ethische Werte in der deutschen Konsumgesellschaft weniger Platz haben, Liebe bei Delius also einen nachgestellten Rang hat. Hier wird deutlich, dass Delius‘ Lyrik keines Falls willkürlich, sondern mit hohem literarhistorischen Verständnis produziert wird.

„„Sag wo sind wir sag wer bist du“. Die Liebe als auswegslos politisches Phänomen in der Lyrik von Christian Delius“ geht als kompletter Aufsatz auf das Motiv der Liebe in Delius Lyrik ein. Hier wird gezeigt, dass anders als man nach Äußerungen Delius vermuten müsste, der nicht als „politischer Dichter“[7]gesehen werden will, trotzdem das Hauptaugenmerk nicht auf neuen Themenkreisen liegt, sondern immer noch in der Politik angesiedelt ist. Das Motiv der Liebe (hier als neues Motiv zu sehen) tritt auf, wird jedoch immer mit gesellschaftlichen oder politischen Themen zusammengebracht. Räume des privaten (in dem das Motiv der Liebe anzusiedeln ist) überschneiden sich mit öffentlichen Räumen (in den das Motiv der politischen und gesellschaftlichen Kritik anzusiedeln ist).

„Paradigmatisch für eine Haltung, die menschliche, private Gemeinsamkeit und Nähe mit politischer Artikulation versöhnen will, stehen einige Gedichte, in denen eine Liebeserfahrung inmitten gesellschaftlicher, meist dezidiert politischer Bezüge zur Entfaltung kommt, statt sich den gesellschaftlichen Zuständen in einer Art Fluchtbewegung zumindest vorübergehend zu entziehen“.[8]Das Motiv der Liebe entfaltet sich niemals alleine, sondern ist immer an ein anderes, meist politisch geprägtes Motiv gekoppelt. Klassische Romantik, Zweisamkeit oder eine Ebene der romantischen Gefühle werden keines Falls in der Lyrik Delius´ dargestellt, eher werden Anhaltspunkte gesucht, die überhaupt in irgendeiner Form auf liebesähnliche Zustände hinweisen. Jegliches Auftreten beider Geschlechter, sogar schon das Auftreten von Personalpronomen wie „wir“ „unser“ oder „uns“ in Delius‘ Lyrik, wird versucht auf Grundlage der Zweisamkeit unter dem Aspekt der Liebeslyrik näher zu durchleuchten.

Es wird in einigen Gedichten der Versuch unternommen, das Motiv der Liebenden aus der Öffentlichkeit in einen privaten Raum zuführen. Spätestens in diesem privaten Raum wird die Zweisamkeit wieder politisiert, oft jedoch schon auf dem Weg in diesen intimen Raum. Eine Kopplung an das politische scheint unausweichlich zu sein.

Zu diesem Fazit kommt Olaf Stoltz, der im Gegensatz zu Manfred Jurgensen und Giovanni Scimonello immerhin auch das Motiv der Liebe als einen nennenswerten Aspekt sieht.

Alle 3 Autoren kommen nach ihrer Argumentation zu der Übereinkunft, dass Delius als politisch- und gesellschafts-kritischer Autor zu sehen ist, der eine Lyrik auf einem hohen sprachlichen Niveau konstruiert, und dessen schreiben immer unter einem „hohen literarhistorischen Bewusstsein“[9]geschieht. Hinter fast allen seinen Gedichten, die auf den ersten Blick hin fern von Themen wie Politik, Gesellschaft und Ost-West-Konflikt zu handeln scheinen, verbirgt sich bei genauerer Analyse fast immer die Kritik am System, sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf politischer Ebene

[...]


[1]Vgl. http://literatur.edelight.de/b/georg-buechner-preis-2011-an-friedrich-christian-delius/ Zugriff am 23.09.2011

[2]Vgl. Stoltz, Oliver: „„Sag wo sind wir sag wer du bist“. Die Liebe als ausweglos politisches Phänomen in der Lyrik von Friedrich Christian Delius“. In: Ulrich Kittstein (Hg.):Die Poesie der Liebe: Aufsätze zu deutschen Liebeslyrik.Frankfurt am Main u.a. 2006, S.345

[3]Vgl Jurgensen, Manfred: „„…einfach/zitieren und sagen ich sehe“: Die Gedichte des F.C. Delius“. In: Manfred Durzak, Hatrmut Steinecke (Hg.):F.C. Delius. Studien über sein literarisches Werk. Tübingen 1997, S.4 f

[4]Ebd., S.5

[5]Ebd., S.15

[6]Jurgensen, S. 25-26

[7]Stoltz, Oliver: „„Sag wo sind wir sag wer du bist“. Die Liebe als ausweglos politisches Phänomen in der Lyrik von Friedrich Christian Delius“. In: Ulrich Kittstein (Hg.):Die Poesie der Liebe: Aufsätze zu deutschen Liebeslyrik.Frankfurt am Main u.a. 2006, S.346

[8]Stoltz, S. 347-348

[9]Stoltz, S.348

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Marginalisierung bzw. Funktionalisierung
Untertitel
Die Darstellung der Frau in der Lyrik von F.C. Delius in den Werken 'Wenn wir bei Rot' und 'Kerbholz'
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V194167
ISBN (eBook)
9783656197133
ISBN (Buch)
9783656197737
Dateigröße
373 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
marginalisierung, funktionalisierung, darstellung, frau, lyrik, delius, werken, wenn, kerbholz
Arbeit zitieren
Robert Heinrichs (Autor), 2011, Marginalisierung bzw. Funktionalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194167

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