Diese Hausarbeit basiert auf den Vorarbeiten, die im Rahmen des Forschungsseminars „Empirische Methoden der Stadt- und Regionalforschung“ im Sommersemester 2007 von den Seminarteilnehmern gemeinsam getätigt wurden. Unser Hauptinteresse war die Messung und kartografische Darstellung von regionalen Disparitäten innerhalb der Europäischen Union in Bezug auf den Strukturwandel zu einer wissensbasierten Wirtschaft. Unser vorrangiges Erkenntnisinteresse war es, Aufsteigerregionen der Wissensökonomie zu identifizieren und ihre Struktur zu analysieren.
Dazu verwendeten wir die öffentlich zugänglichen Regionaldaten des Statistischen Amtes der Europäischen Gemeinschaft Eurostat. Wir entwickelten Indikatoren zur Messung des Grades der Wissensintensität der regionalen Wirtschaftsstrukturen und stellten sie anschließend mit dem Kartografie-Programm Arc View GIS 3.3 von ESRI (Environmental Systems Research Institute) dar. Die Auswahl der Indikatoren sowie die ihre Aufbereitung für die kartografische Darstellung erfolgten im Seminar. Die grafische Abbildung und die Interpretation der Ergebnisse entstanden anschließend selbstständig.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. THEORETISCHER HINTERGRUND
1.1. DIE BEDEUTUNG DES INNOVATIONSPOTENTIALS FÜR EUROPA
1.2.1. REGION
1.2.2. WISSEN
1.2.3. INNOVATION
2. AUFBAU DER EMPIRIE
2.1. INDIKATOREN
2.1.1. HUMANKAPITAL
2.1.2. FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
2.1.3. PATENTE
2.1.4. WISSENSINTENSIVE WIRTSCHAFTSBRANCHEN
3. AGGREGIERTE ANALYSE
4. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht regionale Disparitäten innerhalb der Europäischen Union im Kontext des Strukturwandels zur Wissensökonomie. Ziel ist es, Aufsteigerregionen zu identifizieren und die Wissensintensität verschiedener Wirtschaftsstrukturen mittels kartografischer Analyse zu visualisieren.
- Messung regionaler Wissensintensität durch ausgewählte Indikatoren
- Analyse des Strukturwandels hin zur wissensbasierten Wirtschaft
- Identifikation von Aufsteigerregionen und Clustern in Europa
- Vergleich von Zentrums-Peripherie-Gefällen in der EU
- Untersuchung der Rolle von Metropolregionen für Innovationsaktivitäten
Auszug aus dem Buch
1.2.2. WISSEN
Wissen wird in der aktuellen politischen und wissenschaftlichen Debatte ein zentraler Stellenwert zugeschrieben, dennoch aber sehr unterschiedlich definiert. Strambach (1999:8) grenzt Wissen gegenüber Information dahingehend ab, als dass Wissen auch „Bewertungen, Interpretationen, Erfahrungen“ beinhaltet. Ibert (2006, 2007) steuert mit seinen Aufsätzen einen wichtigen Beitrag zur Differenzierung von verschieden Auffassungen von Wissen bei, indem er dem Begriff des Wissens als Agglomerations- (knowledge) den des Ortearguments (knowing) gegenüberstellt (Vgl. Ibert 2007:104ff.).
In der wirtschaftgeografischen Forschung stützen sich viele Wissenschaftler auf Michael Polanyis (1966) Dichotomie von tacit versus codified knowledge. Kodiertes Wissen (codified knowledge) ist allgemein zugänglich und verständlich und deswegen nicht an einen Ort gebunden. Impliziertes Wissen (tacit knowledge) dagegen kann nicht kodiert werden und ist nur durch Interaktion vermittelbar. Daher kommt dem impliziten, kontextuell gebundenen Wissen die zentrale Rolle in der Etablierung von Wettbewerbsvorteilen zu. Auch Florida (1995) und Morgan (1997) beziehen sich auf dieses Paradigma mit ihrem Konzept der learning region oder auch Capello/ Faggion (2005) mit ihrer Studie zu relationalem Kapital. Hervorzuheben ist hier, dass erstmals weiche Indikatoren, wie eine gemeinsame Kultur und soziale Interaktion, zur Ermittlung von „hard outcomes“, wie Innovation oder wirtschaftlicher Entwicklung, eingesetzt wurden (Hauser et al 2007/1:76ff.).
Diese Konzepte stellen eher das Agglomerationsargument von Wissen in den Vordergrund. Je heterogener die an der Wissensgenerierung beteiligten Akteure, desto größer der „local buzz“ (Ibert 2006:100f.). Wachstum wird hier endogen erzeugt. Auch die Jacobs-Hypothese und das Inkubator-Modell folgen dieser Logik (Günther et al 2007a:333). Der hier vorausgesetzte Wissensbegriff wird von Ibert dahingehen kritisiert, als dass hier ein unabhängiges, von den Akteuren nur zu entdeckendes Wissen vorausgesetzt wird. Innovationen werden nicht geschaffen, sondern entdeckt. Die Regionen stehen also im Wettbewerb um die Entdeckung der gleichen Innovation; dem Konzept der unterschiedlichen Entwicklungspfade und der Spezialisierung von Regionen wird hier weniger Rechnung getragen.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Arbeit erläutert die Entstehung der Untersuchung im Rahmen eines Forschungsseminars und definiert das Ziel der kartografischen Darstellung regionaler Wissensdisparitäten.
1. THEORETISCHER HINTERGRUND: Dieses Kapitel erörtert die Konzepte der Wissensökonomie sowie die Bedeutung von Regionen, Wissen und Innovation für wirtschaftliche Entwicklungsprozesse.
2. AUFBAU DER EMPIRIE: Es werden die methodische Herangehensweise, die Auswahl der 18 Metropolregionen als Raumeinheiten sowie die elf verwendeten Indikatoren detailliert beschrieben.
3. AGGREGIERTE ANALYSE: Eine zusammenfassende Untersuchung, die alle Indikatoren bündelt, um die Wissensökonomie in der EU visuell und inhaltlich darzustellen.
4. FAZIT: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse über regionale Disparitäten und diskutiert die Herausforderungen der europäischen Förderpolitik im Hinblick auf den Strukturwandel.
Schlüsselwörter
Wissensökonomie, Europäische Union, Strukturwandel, regionale Disparitäten, Innovation, Humankapital, Metropolregionen, Wissensintensität, Forschung und Entwicklung, Patente, Wissensgesellschaft, Standortwettbewerb, Cluster, Dienstleistungssektor, Konvergenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Strukturwandel innerhalb der Europäischen Union und untersucht, wie sich Regionen im Hinblick auf ihre Wissensökonomie voneinander unterscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Wissensgenerierung, regionale Innovationskraft, die Bedeutung von Humankapital sowie die Rolle von wissensintensiven Branchen für die europäische Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Identifizierung von Aufsteigerregionen in Europa und die Messung sowie kartografische Darstellung regionaler Disparitäten hinsichtlich der Wissensintensität.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer empirischen Analyse, bei der Eurostat-Daten für 18 Metropolregionen aggregiert und mit dem Kartografie-Programm Arc View GIS visualisiert wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Wissensbegriffe sowie die empirische Analyse, in der Indikatoren wie Humankapital, FuE-Ausgaben, Patente und wissensintensive Dienstleistungsbranchen ausgewertet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Typische Schlüsselbegriffe sind Wissensökonomie, regionale Disparitäten, Strukturwandel, Innovation und Metropolregionen.
Welche Rolle spielen Hauptstadtregionen in der Untersuchung?
Hauptstadtregionen, insbesondere in den neuen Beitrittsländern, erweisen sich als die dynamischsten Zentren, die eine deutliche Konzentration von Humankapital und Innovationskraft aufweisen.
Wie werden die Unterschiede in den neuen Beitrittsländern bewertet?
Die Analyse zeigt, dass diese Länder zwar Transformationsprozesse durchlaufen, jedoch ein starkes Gefälle zwischen den erfolgreichen Hauptstadtregionen und den peripheren, teils strukturschwachen Gebieten besteht.
- Arbeit zitieren
- Gabriele Gollnick (Autor:in), 2008, Strukturwandel in der Europäischen Union, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194250