1 Einleitung
Der Nahe Osten ist traditionell eines der wichtigsten Interessengebiete der amerikanischen Außenpolitik. Neben den Handelsbeziehungen mit den ölreichen Staaten, der internationalen Terrorbekämpfung und der Sicherheit des Bündnispartners Israel, gehört auch die friedliche Lösung des Nahostkonflikts zu den wichtigsten Punkten der Nahostpolitik. So sieht Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater unter Präsident Carter, den Nahostkonflikt als Hauptursache für die wachsende Anti-Amerikanisierung in der islamischen Welt. Mit seiner Neujustierung der amerikanischen Außenpolitik befasste sich Präsident Barack Obama mit diesem Problem. Eine neutralere und effizientere Strategie sollte den Friedensprozess rasch voranbringen und gleichzeitig einen Neubeginn der Beziehungen zwischen der westlichen Welt und den muslimischen Staaten markieren. Trotz anfänglich positiver Resonanz in der arabischen Welt und der Wiederaufnahme der Friedensgespräche musste Präsident Obama in seiner Nahost-Rede am 19. Mai 2011 ein negatives Resümee der außenpolitischen Arbeit in der ersten Hälfte seiner Amtszeit präsentieren. SZ-Korrespondent Stefan Kornelius zufolge ist Obama „nicht nur innenpolitisch am vorläufigen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft angekommen. Auch außenpolitisch hat er sich verstrickt und ist ein Getriebener der inneren Zustände Amerikas. [...] Wenn einer keine Hoffnungen mehr nähren kann für Nahost, dann der amerikanische Präsident.“ Es ist also anzunehmen, dass Obama aufgrund des innenpolitischen Drucks mit seiner Nahostpolitik gescheitert ist.
Die vorliegende Arbeit soll demnach untersuchen, ob und inwiefern Barack Obama mit seiner Nahostpolitik gescheitert ist und welche Faktoren hierfür verantwortlich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Ansatz des Liberalismus nach Andrew Moravcsik
2.1 Grundlagen des (neuen) Liberalismus
2.2 Die Vorteile des Liberalismus zur Erklärung der amerikanischen Außenpolitik
3. Amerikanische Nahostpolitik – Ein Überblick
3.1 Akteure der amerikanischen Außenpolitik
3.1.1 Der Präsident
3.1.2 Der Kongress
3.1.3 Die gesellschaftlichen Akteure
3.2 Amerikanische Nahostpolitik seit 1918
4. Obamas Nahostpolitik
4.1 Nahoststrategie zu Beginn der Amtszeit 2008/2009
4.2 Entwicklungen und Auswirkungen der Nahoststrategie bis Juni 2011
5. Welche Faktoren führten zum Scheitern Obamas Nahostpolitik?
5.1 Externe Faktoren
5.2 Die Öffentliche Meinung
5.3 Die wachsenden ideologischen Differenzen im Zweiparteiensystem
5.4 Die Interessengruppen
5.5 Die Strategie
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Scheitern der amerikanischen Nahostpolitik unter Barack Obama und identifiziert die maßgeblichen internen und externen Faktoren, die eine Umsetzung seiner ursprünglich ambitionierten Strategie behinderten. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit innenpolitischer Druck und die spezifische Rollenverteilung der politischen Akteure in den USA das Scheitern des Friedensprozesses bedingten.
- Theoretische Fundierung durch den Liberalismus nach Andrew Moravcsik
- Strukturanalyse der Akteure in der US-Außenpolitik (Präsident, Kongress, Interessengruppen)
- Evaluierung der Nahost-Strategie der Obama-Administration zwischen 2008 und 2011
- Einfluss der gesellschaftlichen Polarisierung und pro-israelischer Lobbygruppen
- Auswirkungen der systemischen Veränderungen durch den "Arabischen Frühling"
Auszug aus dem Buch
3.1 Akteure der amerikanischen Außenpolitik
Um die amerikanische Nahostpolitik besser verständlich zu machen, sollen an dieser Stelle in aller Kürze die Akteure des außenpolitischen Systems vorgestellt werden. Diese lassen sich in drei Gruppen unterteilen: der Präsident und sein außenpolitischer Stab, der Kongress und die gesellschaftlichen Akteure.
3.1.1 Der Präsident
Der Präsident ist die zentrale Institution der amerikanischen Außenpolitik. Art. 2 der Verfassung weist ihm die Exekutivgewalt im politischen System zu. Im Laufe der Zeit hat die Interpretation der Verfassung bezüglich des Amts sechs außenpolitische Funktionen hervorgebracht: Oberbefehlshaber der Streitkräfte, höchster Diplomat, Regierungschef, Staatschef, Gesetzesinitiator und Stimme des Volkes. Der Präsident arbeitet sehr eng mit seinem außenpolitischen Stab zusammen, der aus dem Außenminister, dem Verteidigungsminister, dem nationalen Sicherheitsberater, dem Direktor der CIA und dem Schatzminister besteht. Im Gegensatz zur Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zeigt weder die amerikanische Verfassung noch die Gesetzgebung auf, wie der außenpolitische Prozess funktionieren soll. So bleibt jedem Präsidenten die Möglichkeit überlassen, Art und Weise der Politikformulierung und Entscheidung selbst festzulegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Nahostpolitik für die USA ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Gründen für das Scheitern von Obamas Strategie.
2. Theoretischer Ansatz des Liberalismus nach Andrew Moravcsik: Es werden die Grundlagen des Liberalismus dargelegt, wobei der Fokus auf dem Einfluss gesellschaftlicher Präferenzen auf staatliches Handeln liegt.
3. Amerikanische Nahostpolitik – Ein Überblick: Dieses Kapitel skizziert die institutionellen Akteure sowie die historische Entwicklung der US-Nahostpolitik seit 1918.
4. Obamas Nahostpolitik: Hier wird der ursprüngliche außenpolitische Kurs Obamas beleuchtet und die praktische Umsetzung sowie die Entwicklungen bis 2011 nachgezeichnet.
5. Welche Faktoren führten zum Scheitern Obamas Nahostpolitik?: Das Kapitel analysiert systematisch interne und externe Gründe wie Wirtschaftsrisiken, Medien, Lobbyismus und die Strategie selbst.
6. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass strukturelle und gesellschaftliche Gegebenheiten den Kurswechsel Obamas blockierten und das Scheitern seiner Vermittlerrolle besiegelten.
Schlüsselwörter
Barack Obama, Nahostpolitik, Liberalismus, Andrew Moravcsik, USA, Israel, Palästina, Außenpolitik, Interessengruppen, Lobbyismus, Friedensprozess, Kongress, Ideologischer Liberalismus, Zweistaatenlösung, Arabischer Frühling
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Publikation befasst sich mit der Analyse der amerikanischen Nahostpolitik während der ersten Hälfte der Präsidentschaft von Barack Obama und untersucht, warum seine Bemühungen um einen politischen Neuanfang im Nahostkonflikt scheiterten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einbettung durch den Liberalismus, die Rolle amerikanischer Institutionen, die historische Allianz zwischen den USA und Israel sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Interessengruppen auf die Außenpolitik.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit stellt die Frage, ob und inwiefern Barack Obama mit seiner Nahostpolitik gescheitert ist und welche internen sowie externen Faktoren für dieses Scheitern verantwortlich gemacht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis des liberalen Theorieansatzes nach Andrew Moravcsik angewandt, um das staatliche Handeln aus den innenpolitischen und gesellschaftlichen Strukturen der USA zu erklären.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Herleitung über einen historischen Rückblick bis hin zur empirischen Untersuchung der Faktoren, die Obamas Strategie maßgeblich beeinflussten.
Welche Keywords definieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Außenpolitik, Obamas Nahostpolitik, Liberalismus, Interessengruppen und die US-amerikanisch-israelischen Beziehungen charakterisiert.
Welchen Einfluss hatte der "Arabische Frühling" auf Obamas Strategie?
Der Arabische Frühling zwang die Obama-Administration durch die veränderten Machtverhältnisse in der Region dazu, ihre Nahoststrategie zu überdenken und in eine eher pro-israelische Position zurückzufallen.
Warum wird die Rolle der Interessengruppen als so kritisch bewertet?
Die Arbeit verdeutlicht, dass mächtige Lobbygruppen, insbesondere die pro-israelische Lobby, in der Lage sind, durch finanziellen Druck und mediale Kampagnen außenpolitische Entscheidungen des US-Kongresses sowie des Präsidenten maßgeblich zu beeinflussen.
- Arbeit zitieren
- Fionn Harnischfeger (Autor:in), 2011, Von der Hoffnung zur Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194385