Die vorliegende Arbeit behandelt im Folgenden das Thema Gewissen und somit eine kurze Abhandlung über das biblische Vorkommen des Gewissensbegriffes mit Schwerpunkt auf dem Neuen Testament. Da der Terminus einen nicht unbeträchtlichen Bedeutungswandel vollzogen hat, wird außerdem ein historisch-chronologischer Überblick gegeben. Überdies spielt das Gewissen, oft im Zusammenhang mit dem Thema „Schuld und Sünde“, auch im Religionsunterricht eine Rolle. Daher wird zum Abschluss ein möglicher Unterrichtsentwurf präsentiert bzw. ein Konzept vorgestellt, wie man das Thema im Unterricht behandeln könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
1.1 Übersetzung
1.2 Gliederung
2. Ethische Normen in 1 Kor 8
3. Das Gewissen als ethische Norm in der Antike
4. Biblische Verortung
5. Das Gewissen in der paulinischen Ethik
6. Unterrichtsentwurf
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den biblischen Gewissensbegriff mit einem spezifischen Fokus auf das Neue Testament und die paulinische Ethik, insbesondere im Kontext von 1 Korinther 8. Ziel ist es, den historischen Bedeutungswandel des Begriffs nachzuvollziehen und ein religionspädagogisches Konzept für die schulische Vermittlung zu entwerfen.
- Historisch-chronologische Entwicklung des Gewissensbegriffs in der Antike.
- Biblische Verortung des Gewissens und seine Bedeutung bei Paulus.
- Die Rolle des Gewissens in Bezug auf Götzenopferfleisch in 1 Kor 8.
- Religionspädagogische Reflexion von Schuld, Sünde und Gewissen im Unterricht.
- Entwurf einer Unterrichtssequenz für die Sekundarstufe II.
Auszug aus dem Buch
3. Das Gewissen als ethische Norm in der Antike
Zwar hat der Terminus Gewissen erst in der spätantiken Philosophie eine deutlichere Gestalt angenommen, doch der älteste Beleg für συνείδησις reicht ins 5. Jh. v. Chr. zurück (Demokrit). Er kann sowohl für das moralische Gewissen, wenn man böse Taten vollbracht hat, stehen, als auch für das bloße Mitwissen oder die Erfahrung einer leidvollen Lebenssituation. Bei Demosthenes findet man das Partizip συνείδos und meint noch nicht das moralische Gewissen. Erst die Verwendung des substantivierten Infinitivs συνείδηvαι zeugt von einer ersten Nominalbildung für das böse Gewissen. Des Weiteren wurde der Begriff auch reflexiv-moralisch gebraucht, wo ein Mensch sich einer Sache oder seiner Schuld bewusst war. Bei Sokrates steht die Bezeichnung für das „Bewusstsein sich selbst gegenüber“, sein eigenes Urteilsvermögen.
Man kann sagen, dass bis zum 3. Jh. v. Chr. ein verschiedenartiger Sprachgebrauch dieses Begriffes herrschte, der sich erst nach und nach zum moralisch bösen Gewissen entwickelt hat.
Ab dem 1. Jh. v. Chr. treten συνείδησις und συνείδos im hellenistisch-jüdischen und im römischen Umfeld sowie der heidnischen Gräzität vermehrt auf. Zu nennen wäre hier der Philosoph Philo(n) von Alexandrien, der verglichen mit anderen Autoren sehr häufig vom Gewissen sprach. Es ist zwar schwer zu beurteilen, warum Philo so vertraut mit dem Ausdruck war und warum er den Begriff συνείδησις präferiert hat, doch man geht davon aus, dass er ihn als griechische Form des lateinischen conscientia wählte, denn attische Formen waren als eleganter angesehen. Für ihn ist das Gewissen etwas, dass in der Seele jedes Menschen wohnt und die Rolle eines Zeugen, eines Richters oder Anklägers im Inneren übernehmen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einführende Darlegung der Themenstellung, der Relevanz des Gewissens im Neuen Testament sowie des didaktischen Ziels der Arbeit.
1.1 Übersetzung: Wiedergabe der relevanten Bibelverse 1 Kor 8,7-13 in einer eigenen Übersetzung.
1.2 Gliederung: Detaillierte tabellarische Übersicht der inhaltlichen Struktur von 1 Kor 8.
2. Ethische Normen in 1 Kor 8: Untersuchung der bei Paulus zentralen Werte wie Liebe und Freiheit sowie deren normativer Bedeutung für die Gemeinde.
3. Das Gewissen als ethische Norm in der Antike: Historischer Rückblick auf die etymologische und philosophische Entwicklung des Begriffs vom antiken Griechenland bis zur Stoa.
4. Biblische Verortung: Analyse des Fehlens eines direkten Gewissensbegriffs im Alten Testament und der Rezeption in der Septuaginta.
5. Das Gewissen in der paulinischen Ethik: Zentrale Auseinandersetzung mit der Funktion des Gewissens bei Paulus, insbesondere im Kontext von Erkenntnis, Freiheit und der Verantwortung vor Gott.
6. Unterrichtsentwurf: Didaktische Konzeption zur Behandlung der Themenkomplexe Schuld, Sünde und Gewissen im Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe.
7. Bibliographie: Verzeichnis der verwendeten Hilfsmittel, Monographien, Lexika und wissenschaftlichen Aufsätze.
Schlüsselwörter
Gewissen, Paulus, 1 Korinther 8, Götzenopferfleisch, Ethik, Antike, Philo von Alexandrien, Freiheit, Schuld, Sünde, Religionsunterricht, Erkenntnis, Συνείδησις, Moral, Theologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und Funktion des Gewissensbegriffs, primär innerhalb des paulinischen Briefcorpus, sowie dessen antiken Wurzeln und didaktischen Implikationen für den Religionsunterricht.
Welches zentrale Problem wird im Hinblick auf 1 Korinther 8 behandelt?
Der Fokus liegt auf dem Umgang der korinthischen Gemeinde mit dem Verzehr von Götzenopferfleisch und der Frage, wie die Freiheit der „Starken“ im Gewissenskonflikt mit den „Schwachen“ ethisch verantwortbar bleibt.
Welche Forschungsfrage leitet die Untersuchung?
Die Arbeit untersucht, wie Paulus den Gewissensbegriff ausweitet und welche Rolle er als inneres, kritisches Urteilsvermögen in der christlichen Lebensführung spielt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine historisch-exegetische Vorgehensweise gewählt, die philologische Analysen der Wortfamilie mit einer systematischen Aufarbeitung der paulinischen Ethik verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die antike Ideengeschichte des Begriffs, die biblische Vor- und Hauptgeschichte bei Paulus sowie eine praktische Übertragung in den schulischen Kontext.
Was zeichnet das paulinische Gewissensverständnis aus?
Paulus begreift das Gewissen nicht als unfehlbare Instanz, sondern als ein vom Glauben an Christus und der Liebe geprägtes, kritisches Selbstbewusstsein, das sich vor Gott verantworten muss.
Wie unterscheidet sich Philo von Alexandriens Verständnis von dem des Paulus?
Während Philo das Gewissen stark philosophisch-theologisch als göttliche Gabe betont, integriert Paulus es stärker in eine christliche Existenz, die zwischen Freiheit und verantwortlicher Liebe gegenüber dem Nächsten balanciert.
Welche Bedeutung kommt dem Unterrichtsentwurf zu?
Der Entwurf illustriert, wie komplexe theologische Fragen nach Schuld und menschlichem Verhalten für Schüler der Sekundarstufe II durch Fallbeispiele und ethische Diskurse erfahrbar gemacht werden können.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2010, Das Gewissen als sittliche Norm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194391