[...] Doch kaum
14 Jahre vorher, Anfang des Jahres 1919, war der selbe Hitler noch ein unbedeutender Weltkriegsgefreiter,
dem wegen mangelnden Führungsqualitäten die Beförderung zum Unteroffizier
versagt blieb, und der nun kurz vor seiner Entlassung aus der Reichswehr stand. In den
bisherigen 30 Jahren seines Lebens hatte Hitler noch nichts erreicht, keinen richtigen Beruf
erlernt und nie ist ihm gelungen, was er sich vorgenommen hatte.
Wie konnte dieser Mann vom unbedeutenden Niemand zum umjubelten Führer einer Partei
aufsteigen? Welche Umstände, Ereignisse und Personen haben es Hitler ermöglicht, zum
Führer der NSDAP zu werden? Wann war die äußere und innere Entwicklung Hitlers zu
„dem Führer“ dieser Partei abgeschlossen? Die vorliegende Arbeit versucht Aufschluss über
diese Fragen zu geben.
Unzählige Arbeiten über Hitler und den Nationalsozialismus sind bisher erschienen, darunter
auch viele, die sich mit der Frühgeschichte der NSDAP und Hitlers Rolle in dieser Zeit befassen.
2 Wichtige Quelle ist Hitlers eigenes Buch „Mein Kampf“. Darüber hinaus wurde eine
Sammlung von Hitlers sämtlichen Aufzeichnungen von 1905 bis 1924 von Eberhard Jäckel
und Axel Kuhn herausgegeben. Neben einigen frühen Aufsätzen sind zahlreiche Monographien
über die Frühphase der NSDAP in den 60er und 70er Jahren erschienen, so zum Beispiel
vom Georg Franz-Willing oder Werner Maser. Einige neue Ergebnisse und Sichtweisen
konnte Albrecht Tyrell in einer Untersuchung von Hitlers Entwicklung „vom Trommler zum
Führer“ herausarbeiten. Hinzu kommen die Werke, die die gesamte Geschichte des Nationalsozialismus
behandeln, etwa von Karl Dietrich Bracher. Auch die zahlreichen Hitlerbiographien,
zum Beispiel von Alan Bullock, Joachim Fest oder jüngst von Ian Kershaw, geben
Auskunft über Hitlers Aufstieg in der Partei in den 20er Jahren. Vor kurzem ist in überarbeiteter
und erweiterter Form eine Arbeit von Anton Joachimsthaler über Hitlers Zeit in München
bis 1924 erschienen. Daneben gibt es viele Arbeiten, die sich mit speziellen Einzelthemen
befassen, zum Beispiel mit dem Hitlerputsch 1923.
1 Zitiert nach: Franz-Willing, Georg: Die Hitlerbewegung. Der Ursprung 1919-1922. Hamburg, Berlin
1962. S. 95.
2 Die folgenden Titel sind jeweils im Quellen- und Literaturverzeichnis aufgelistet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Hitlers Beitritt zur DAP
2.2. Die erste Krise in der Partei
2.3. Das 25-Punkte-Programm und Hitlers Propagandakonzept
2.4. Hitlers Kontakte in der Gesellschaft und zur Reichswehr
2.5. Die „Julikrise“ 1921 und Hitlers Machtergreifung in der Partei
2.6. Ausbau der NSDAP zur Führerpartei
2.7. Aufbau der SA
2.8. Aufstieg der Partei im Jahr 1922
2.9. Hitlers Selbstverständnis als „Trommler“
2.10. Vorbereitungen für einen „Marsch auf Berlin“
2.11. Hitlerputsch und Prozess
2.12. Der Wandel zum „Führer“
3. Schluss
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufstieg Adolf Hitlers innerhalb der NSDAP in den Jahren 1919 bis 1924, mit dem Ziel zu klären, welche Umstände und persönlichen Entwicklungen ihn vom unbedeutenden Soldaten zum unumstrittenen „Führer“ der Partei werden ließen.
- Frühphase der NSDAP und Hitlers Eintritt in die Politik
- Entwicklung von der kleinen Zirkelpartei zur massenagitatorischen Kampfpartei
- Rolle von Förderern, Reichswehrkontakten und dem Aufbau der SA
- Wandel von Hitlers Selbstverständnis vom „Trommler“ hin zum „Führer“
- Die Bedeutung des Hitlerputsches 1923 und des darauffolgenden Prozesses
Auszug aus dem Buch
2.3. Das 25-Punkte-Programm und Hitlers Propagandakonzept
Hitler konnte nun seine Vorstellungen über die Methode der Öffentlichkeitsarbeit in die Tat umsetzten. Am 24. Februar 1920 fand im Münchener Hofbräuhaus die erste Massenveranstaltung der Partei statt. Als Hauptredner trat der in völkischen Kreisen bekannte nationalistische Arzt Dr. Johannes Dingfelder auf und referierte über das Thema: „Was uns not tut“. Mit ihm erhoffte man sich, möglichst viele Besucher anzulocken. Nach Dingfelder trat Hitler vor das Publikum. Nun verkündete er unter heftigem Tumult das Parteiprogramm, das im Parteiausschuss vor allem von Drexler unter Einwirkung von Hitler und Gottfried Feder, der schon vor Hitler der Partei beigetreten und einer ihrer wichtigsten Programmatiker war, in den Wochen zuvor ausgearbeitet worden war.
Inhaltlich enthielt dieses 25-Punkte-Programm weitgefasste, nicht näher definierte Forderungen, die vor allem nationalistisch, antisemitisch, antiparlamentarisch und antikapitalistisch waren. Gefordert wurde unter anderem die Schaffung eines „Großdeutschland“, „Aufhebung der Friedensverträge von Versailles und St. Germain“, Einführung einer „Fremdengesetzgebung“, Ausschluss der Juden von der Staatsbürgerschaft, „Brechung der Zinsknechtschaft“ und „Gewinnbeteiligung an Großbetrieben“, sowie eine „nationalen Bedürfnissen angepasste Bodenreform“. „Ohne Rücksichtnahme auf Konfession und Rasse“ sollten „gemeine Volksverbecher, Wucherer, Schieber usw.“ mit dem Tode bestraft werden. Außerdem sollte die Presse kontrolliert werden. Im Grunde enthielt das Programm „so gut wie nichts Originelles oder Neues mit Blick auf die völkische Rechte“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert Hitlers Weg vom unbedeutenden Soldaten zum Reichskanzler und formuliert die Forschungsfrage nach den Bedingungen für seinen Aufstieg in der frühen NSDAP.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Etappen von Hitlers Beitritt zur DAP, den innerparteilichen Machtkampf, die propagandistischen Strategien und die Transformation zur Führerpartei bis hin zum Putschversuch 1923.
3. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, insbesondere wie Hitler durch geschickte Ausnutzung von Krisen und die Propagierung seiner Person die absolute Führung in der NSDAP festigte.
Schlüsselwörter
Adolf Hitler, NSDAP, DAP, Aufstieg, Propaganda, Führerprinzip, 25-Punkte-Programm, Hitlerputsch, SA, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, politische Radikalisierung, Reichswehr, Machtkampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Anfänge von Adolf Hitlers politischer Karriere und seinen Aufstieg innerhalb der NSDAP zwischen 1919 und 1924.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Frühphase der NSDAP, Hitlers propagandistische Aktivitäten, die Vernetzung in rechtsradikale Kreise sowie die Transformation der Partei zur Führerpartei.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie Hitler zum „Führer“ der NSDAP aufsteigen konnte und wann dieser Entwicklungsprozess abgeschlossen war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Primärquellen, zeitgenössischen Aufzeichnungen und der wissenschaftlichen Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt chronologisch die Etappen von Hitlers Eintritt in die DAP, den Aufbau des Parteiapparats, den Hitlerputsch 1923 und die anschließende Festigung seiner Machtposition während der Haftzeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie NSDAP, Propaganda, Führerprinzip, politischer Radikalismus und die Krisenjahre der Weimarer Republik charakterisiert.
Warum war der „Völkische Beobachter“ so wichtig für Hitler?
Die Zeitung diente als zentrales Instrument für die Parteipropaganda und war entscheidend, um den Bekanntheitsgrad Hitlers sowie der Partei in München und darüber hinaus zu steigern.
Inwiefern hat der Hitlerprozess 1924 Hitlers Rolle verändert?
Der Prozess bot Hitler eine Plattform, um sich als zentralen politischen Akteur zu inszenieren, die Verantwortung für den Putsch für sich zu beanspruchen und seinen Status als künftiger „Führer“ der völkischen Bewegung zu festigen.
- Quote paper
- Tobias Birzer (Author), 2002, Adolf Hitlers Aufstieg in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19450