In dieser Arbeit möchte ich eine Diskursanalyse zum Thema der Grünen Gentechnik in Deutschland durchführen. Hierzu gebe ich im ersten Kapitel einen Überblick über das Verhältnis der Öffentlichkeit zur Gentechnik im Allgemeinen. Wobei ich mich auf die Probleme des Risikos konzentriere und ethische Fragestellungen im engeren Sinne, die spezieller im Bereich der Roten Gentechnik aufgeworfen werden, nur am Rande berücksichtige.
Anschließend analysiere ich insgesamt 40 Interviews mit Wissenschaftlern, Aktivisten, Politikern und Unternehmern zum Thema Grüne Gentechnik. Hierbei betrachte ich die Handlungsfäden, das Policy-Vokabular und die epistemische Grundeinstellung. Außerdem vergleiche ich sowohl die vier genannten Akteursgruppen, als auch die zwei Gruppen von Befürwortern und Gegnern der Grünen Gentechnik, hinsichtlich Gemeinsamkeiten und Unterschieden in diesen Bereichen.
Im dritten Kapitel untersuche ich eine schriftliche Debatte zur Grünen Gentechnik zwischen einem Runden Tisch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und Vertretern des Deutschen Naturschutzrings (DNR), des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und Greenpeace.
Ich analysiere die drei Texte, die diesen Dialog dokumentieren, darauf, ob die Ergebnisse aus den Interviews hier bestätigt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der Dissens – Mensch oder Natur
Interviews
Runder Tisch Pflanzengenetik
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, mittels einer Diskursanalyse die tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten und argumentativen Muster im öffentlichen Diskurs zur Grünen Gentechnik in Deutschland zu untersuchen und die zugrunde liegenden epistemischen Differenzen zwischen Befürwortern und Gegnern offenzulegen.
- Analyse von Argumentationsmustern in Experten-Interviews
- Gegenüberstellung von Policy-Vokabular und Risikowahrnehmung
- Untersuchung der Debatte am "Runden Tisch Pflanzengenetik"
- Vergleich der epistemischen Grundüberzeugungen verschiedener Akteursgruppen
Auszug aus dem Buch
Der Dissens – Mensch oder Natur?
Die Gentechnik kann einerseits als Werkzeug gesehen werden, dessen Nutznießer wir alle potentiell sind. Andererseits kann sie aber auch als bedrohliche Umwelt wahrgenommen werden, über die wir keine Kontrolle besitzen und deren Gefahren wir hilflos ausgesetzt sind (vgl. Peters 2001: 226-227).
Im Allgemeinen betrachten Entwickler und Anwender die Gentechnik als neues Mittel zur Erreichung von Zielen auf den Gebieten der Medizin, Umwelt und Ökonomie, und somit als Erweiterung ihrer Handlungsoptionen. Während Betroffene sie als Bedrohung ihrer Gesundheit, der Natur und der gesellschaftlichen Wertestruktur auffassen. Das Vertrauen der Bürger in die Experten ist begrenzt. Die Ansicht sie hätten durch ihre Fachkompetenz ein besonderes Recht Entscheidungen über Gentechnik zu beeinflussen, wird von der Bevölkerung zurückgewiesen. Ihre Argumentation lautet, dass auch professionelles Wissen fehlbar sei und die Wissenschaftler außerdem nicht unbedingt am Allgemeinwohl interessiert sind, sondern sich eventuell nach den Belangen ihrer Arbeit- und Auftraggeber richten (vgl. ebd.: 240-241).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor stellt das Vorhaben einer Diskursanalyse zur Grünen Gentechnik vor, die sowohl Interviews als auch schriftliche Debatten am Runden Tisch umfasst.
Der Dissens – Mensch oder Natur: Dieses Kapitel beleuchtet die konträren Wahrnehmungen von Gentechnik als Werkzeug versus als existenzielle Bedrohung und hinterfragt die Rolle von Expertenwissen im gesellschaftlichen Kontext.
Interviews: Es werden die Ergebnisse der Auswertung von 40 Experten-Interviews präsentiert, wobei die unterschiedlichen Handlungsfäden und rhetorischen Muster der verschiedenen Akteursgruppen herausgearbeitet werden.
Runder Tisch Pflanzengenetik: Dieses Kapitel analysiert eine schriftliche Debatte zwischen verschiedenen Verbänden und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Bestätigung der interviewbasierten Erkenntnisse.
Fazit: Der Autor schließt mit der Erkenntnis, dass es sich beim Gentechnik-Konflikt primär um einen Kampf zweier Ideologien mit unvereinbaren epistemischen Grundüberzeugungen handelt.
Schlüsselwörter
Grüne Gentechnik, Diskursanalyse, Risikowahrnehmung, Policy-Analyse, Experteninterviews, Runde Tisch Pflanzengenetik, Sicherheitsforschung, epistemische Grundüberzeugung, Gentechnikkritik, Gentechnikbefürworter, Technologiebewertung, Nachhaltigkeit, Landwirtschaft, industrielle Landwirtschaft, Risikomanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer Diskursanalyse zur Grünen Gentechnik in Deutschland und untersucht, warum die Debatte zwischen Befürwortern und Gegnern so verhärtet und konsensunfähig ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Wahrnehmung von Risiken, das Vertrauen in Wissenschaft und Experten, die ökonomische Nutzung von Gentechnik sowie die ethische Bewertung natürlicher versus technologisch veränderter Organismen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanzen in der Argumentation der verschiedenen Akteursgruppen zu untersuchen und zu zeigen, dass dahinter oft unvereinbare epistemische Grundüberzeugungen stehen, die eine Einigung erschweren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Diskursanalyse durch, basierend auf 40 Experten-Interviews (Wissenschaftler, Aktivisten, Politiker, Wirtschaft) sowie einer Dokumentenanalyse der schriftlichen Debatte am Runden Tisch Pflanzengenetik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Leitsätze und Handlungsfäden beider Seiten, vergleicht deren Policy-Vokabular und untersucht, wie diese in der konkreten schriftlichen Debatte am Runden Tisch aufeinanderprallen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Grüne Gentechnik, Diskursanalyse, Risikowahrnehmung, Expertenvertrauen und die Konfrontation von Ideologien definieren.
Wie unterscheidet sich die Haltung der Wissenschaftler von der der Aktivisten?
Laut der Untersuchung neigen Wissenschaftler eher zu einer faktenbasierten, positivistischen Perspektive, während Aktivisten stärker subjektive Ängste sowie Gerechtigkeits- und ethische Aspekte in den Vordergrund stellen.
Welche Bedeutung hat der Runde Tisch Pflanzengenetik für das Gesamtergebnis?
Der Runde Tisch dient als empirische Bestätigung für die in den Interviews identifizierten Argumentationsmuster; er illustriert die festgefahrene Frontenstellung, bei der Studien je nach Überzeugung unterschiedlich interpretiert werden.
- Arbeit zitieren
- Patrick Zimmerschied (Autor:in), 2012, Warum eigentlich nicht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194553