Interjektionen sind universeller Teil jeder natürlichen Sprache. Jedoch wurden sie in der Linguistik lange vernachlässigt, vor allem, weil sie für peripher für das sprachliche System gehalten wurden, besonders für Phonotaktik und Syntax. Bis in die 90er Jahre gab es kaum Veröffentlichungen, in letzter Zeit wird jedoch zunehmend ihre Bedeutung in der und für die Linguistik erkannt.
Sie bilden eine lexikalische Kategorie, die zum Ausdrücken isolierter Emotionen des Sprechers genutzt werden. Jedoch werden sie oft, je nach Definition, anderen Wortarten zugeordnet, z.B. Partikeln.
In dieser Arbeit versuche ich, einen Überblick über Interjektionen zu verschaffen. Ich stelle die geschichtliche Entwicklung der Ansichten hierüber vor und wie sie von anderen Wortarten und Unterklassen derer abgegrenzt wurden und werden. Darauf folgen signifikante modernere Klassifizierungen von Interjektionen. Anhand von Beispielsprachen werden besondere Merkmale von ihnen dargestellt, die sie von anderen Wortarten in den jeweiligen Sprachen unterscheiden und daher besonders machen.
Laut Konvention werden Interjektionen durch ein Ausrufezeichen am Ende markiert und so in Verschriftlichungen wie satzwertige Ausrufe behandelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Interjektionen als Wortart
Geschichtliche Entwicklung
Griechische und lateinische Grammatiker
Frühe Neuzeit und frühe Moderne
Moderne Ansichten
Differenzierung zu anderen Wortarten
Interjektionen vs. Partikeln
Interjektionen vs. Routinen
Integration in Syntax
Arten von Interjektionen
Morpho-phonologische Einteilung
Primäre Interjektionen
Sekundäre Interjektionen
Semantische Einteilung
Expressiv
Konativ
Phatisch
Klassifizierung laut Wierzbicka
Volitiv
Besondere Interjektionsmerkmale in Beispielsprachen
Interjektionen im Quechua
Interjektionen und Gesten im Swahili
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Interjektionen als lexikalische Kategorie und verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über deren historische Einordnung, syntaktische Integration sowie moderne Klassifikationsmodelle zu geben.
- Historische Entwicklung der Interjektionen in der Grammatiktheorie
- Abgrenzung von ähnlichen Wortarten wie Partikeln und Routinen
- Morpho-phonologische und semantische Klassifizierungssysteme
- Syntaktische Integration von Interjektionen
- Sprachspezifische Besonderheiten am Beispiel von Quechua und Swahili
Auszug aus dem Buch
Interjektionen vs. Routinen
Routinen sind Ausdrücke, die gesellschaftlichen Konventionen entsprechen. Sie werden in standardisierten kommunikativen Situationen mehr oder weniger automatisiert verwendet. Beispiele hierfür sind Begrüßungen, wie z.B. Hallo!, und Entschuldigungen, wie z.B. Sorry!. Auch Interjektionen sind an bestimmte Situationen gebunden und werden als Reaktion auf bestimmte Ereignisse verwendet.
Diese sind jedoch spontane Ausdrücke von Emotionen, während Routinen mit einer gewissen Absicht ausgesprochen und im gesellschaftlichen Kontext erwartet werden. Sie sind im Gegensatz zu Interjektionen also immer an bestimmte Gesprächspartner adressiert, wobei letztere auch ohne Adressaten auskommen oder ihm nur zugewandt sind.
Ameka bezeichnet Routinen auch als Formeln und schreibt: “Related to this difference is the observation made by Goffman (1981: 9’7, 104) that linguistic activities involving interjections are not conversational encounters although they may be socially situated. Formulae, I think, are both socially and conversationally situated.“ (1992, Seite 110)
Dies ist ein weiterer Unterschied zwischen Interjektionen und Routinen. Erstere sind laut ihm mentale Akte, da sie Stimmungen und Geisteszustände der Person zeigen, die die Interjektion äußert. Im Gegensatz dazu zählen Routinen als Sprechakte. Seiner Meinung nach sollten daher beide entweder semantisch getrennte Wortarten bilden, oder aber zumindest zwei Unterklassen einer Wortart.
Dem stimme ich zu, da Routinen, wie der Name schon sagt, auf bestimmte soziale Situationen abgestimmt sind, sie müssen eher antrainiert werden. Währenddessen sind Interjektionen spontanere Reaktionen auf Situationen, die nicht unbedingt sozial sind. Sie werden eher intuitiv und reflexartiger geäußert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die historische Vernachlässigung von Interjektionen in der Linguistik thematisiert und das Ziel der Arbeit, einen Überblick über deren Klassifikation und Abgrenzung zu geben, definiert.
Interjektionen als Wortart: Dieses Kapitel behandelt die historische Betrachtungsweise von der Antike bis zur Moderne sowie die wissenschaftliche Differenzierung zu Partikeln und Routinen.
Integration in Syntax: Hier wird untersucht, inwiefern Interjektionen in syntaktische Strukturen integrierbar sind oder als holophrastische Elemente fungieren.
Arten von Interjektionen: Dieses Kapitel stellt die Klassifikationsmodelle von Ameka (morpho-phonologisch/semantisch) und Wierzbicka (semantisch) gegenüber.
Besondere Interjektionsmerkmale in Beispielsprachen: Anhand von Quechua (Reduplikation) und Swahili (Gestik-Laut-Kombinationen) werden spezifische sprachliche Besonderheiten illustriert.
Zusammenfassung: Ein Resümee der Forschungssituation und ein Ausblick auf den Bedarf an weiteren typologischen Vergleichsstudien.
Schlüsselwörter
Interjektionen, Sprachtypologie, Linguistik, Wortarten, Syntax, Partikeln, Routinen, Ameka, Wierzbicka, Quechua, Swahili, Reduplikation, Semantik, Morpho-phonologie, Sprachwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine linguistische Untersuchung von Interjektionen als eigenständige lexikalische Kategorie und deren Rolle innerhalb verschiedener Sprachen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung, die syntaktische Integration, verschiedene Klassifikationsansätze sowie die Analyse besonderer Merkmale in spezifischen Sprachen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Forschungssituation von Interjektionen zu verschaffen und deren Abgrenzung zu anderen Wortarten wie Partikeln und Routinen zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Gegenüberstellung linguistischer Modelle (insb. Ameka und Wierzbicka) und der Auswertung von Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, moderne Definitionsversuche, die syntaktische Einordnung sowie die Darstellung morpho-phonologischer und semantischer Einteilungskriterien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Interjektionen, Sprachtypologie, Syntax, Semantik, Morpho-phonologie sowie die spezifischen Sprachbeispiele Quechua und Swahili.
Welche Besonderheit weisen Interjektionen im Quechua auf?
Im Quechua werden Interjektionen häufig durch Reduplikation gebildet, um Reaktionen auf äußere Reize auszudrücken, wobei eine spezifische Betonungsregel gilt.
Welche Rolle spielen Gesten bei Interjektionen im Swahili?
Im Swahili gibt es Interjektionen, die untrennbar mit spezifischen Gesten verbunden sind, wodurch die Bedeutung erst durch die Kombination von Lautfolge und non-verbalem Ausdruck verständlich wird.
- Arbeit zitieren
- Helen Geyer (Autor:in), 2011, Interjektionen - ein universeller Teil jeder natürlichen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194686