Die wesentlichen Determinanten im Entscheidungsprozess vor einer Akquisition auf internationaler Ebene - Statistiken, Begriffsdefinitionen und Formen


Seminararbeit, 2003

57 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Der Begriff „Mergers and Acquisitions“ (fortan M&A) wird im deutschen Sprachgebrauch auf vielseitigste Art und Weise benutzt. Obwohl aus dem Angloamerikanischen stammend, wurde er aufgrund eines fehlenden deutschen Pendants unverändert übernommen. Dabei wird nur in den seltensten Fällen eine sprachliche oder gar inhaltliche Differenzierung vorgenommen und gemeinhin jedwede Art der Unternehmenstransaktion in den Begriffsbereich einbezogen. Je nach beruflicher Herkunft der Autoren sowie wirtschaftlichem Kontext wird der Bereich nahezu stufenlos erweitert oder verkürzt.

Um dieser indifferenten und missverständlichen Vorgehensweise einen begrifflichen Rahmen bieten zu können, werden der Bedeutungsbereich des M&A-Geschäfts genauer analysiert und wesentliche Begriffe definiert. Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt gemäß der Aufgabenstellung auf einer Ordnung des aktuellen Standes der Literatur sowie einer eindeutigen und vor allem praxistauglichen Abgrenzung der einzelnen Begriffe. Diese Arbeit behandelt somit nur einen Aspekt des Themenbereiches „Die wesentlichen Determinanten im Entscheidungsprozess vor einer Akquisition auf internationaler Ebene“. Für weitere Aspekte muss auf die weiteren Arbeiten zu diesem Thema verwiesen werden.

Um einen angemessenen Umfang zu wahren und nicht in eine reine Sammlung von Definitionen und Erklärungen zu verfallen, wurden deutliche thematische Schwerpunkte gesetzt. Dabei stellt die Auswahl der einzelnen Themenbereiche keine allgemeingültige oder in irgendeiner Weise wertende Maßnahme dar, sondern erfolgte lediglich in Hinblick auf den thematischen Schwerpunkt im Rahmen der Aufgabenstellung.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit wurde in vier wesentliche Blöcke unterteilt, die in sich abgegrenzte Themenbereiche darstellen.

In einem ersten Teil soll ein statistisch orientierter Einblick in das Thema M&A erfolgen, indem bedeutsame Wirtschaftsräume untersucht werden. Dabei wurde auf statistisches Material unterschiedlichster Quellen zurückgegriffen. So existiert eine Vielzahl von Datenbanken[1], die sich mit einem relevanten Themenbereich beschäftigen, dabei jedoch unterschiedlichste Schwerpunkte setzen. Dies äußert sich in verschiedenen Begriffsauffassungen, räumlichen Abgrenzungen oder zeitlichen Horizonten. Die primäre Leistung dieses Themenblockes ist die Suche, Analyse und Aufbereitung des umfangreichen statistischen Materials zu einer in sich schlüssigen, widerspruchsfreien und vor allem vollständigen Sammlung.

In einem zweiten Teil folgt ein Überblick über die in der Praxis vorzufindende Verwendung des Begriffs M&A. Dabei wird eine abschließende Definition des Begriffes vorgenommen und dieser in die übergeordnete Thematik eingeordnet. Um verschiedensten Sichtweisen und Meinungen Rechnung zu tragen, wurde eine bewusst weit gefasste Definition gewählt, die sich an der praktischen Sichtweise anlehnt und der intuitiven Auffassung entspricht.

Nach dieser einleitenden Zusammenfassung der wirtschaftlichen und begrifflichen Bedeutung wird im dritten Teil eine Charakterisierung des thematisch relevanten Bereiches des M&A-Begriffs vorgenommen. Dabei werden wesentliche Unterscheidungsmerkmale analysiert und definiert. Es wird unabhängig von thematischen Überschneidungen auf Basis unterschiedlicher Betrachtungen eine Unterscheidung nach strategischer Ausrichtung, strukturellem Umfang, Phasen und Formen vorgenommen. Ziel ist es, je nach subjektiver Sichtweise eine Strukturierung des Themas zu ermöglichen.

Im letzten Teilbereich dieser Arbeit wird ein Blick auf relevante Sonderformen des M&A-Bereichs geworfen. Lediglich der im Sprachgebrauch und in den Medien regelmäßig erscheinende Begriff des Buy-Outs wird näher betrachtet, den der Autor aufgrund seiner praktischen und wirtschaftlichen Bedeutung in Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation ausgewählt hat.

Ganz bewusst wird hier nicht das Thema der Post Merger Integration behandelt, obwohl dies als eine der bedeutendsten Phasen einer erfolgreichen Übernahme anzusehen ist. Die thematische Fokussierung beschränkt sich auf die wesentlichen Entscheidungsdeterminanten vor einer Akquisition, so dass trotz der vorhandenen Interdependenzen und zeitlich parallelen Aktivitäten dieser Bereich als Gegenstand anderer Arbeiten angesehen wird.

2 Wirtschaftliche Bedeutung internationaler Akquisitionen

Um einen ersten Einstieg in das Thema M&A zu ermöglichen, soll anfänglich ein ausführlicher Blick in die statistischen Daten wichtiger Wirtschaftsregionen geworfen werden. Im Mittelpunkt dieses Teils steht der deutsche Markt für Mergers and Acquisitions, der anhand von aktuellem Datenmaterial einer Detailanalyse unterzogen wird. Weiterhin werden der europäische sowie der weltweite M&A- Markt in angemessener Detaillierung analysiert. Ziel dieser Übersicht ist es, eine umfassenden Einblick über die wirtschaftliche Bedeutung und den Einfluss von M&A- Transaktionen zu finden.

2.1 Der deutsche M&A-Markt

Der deutsche Markt für M&A-Transaktionen zeichnet sich durch eine vergleichsweise konstante Gesamtzahl von Übernahmen aus. Selbst nach dem herausragenden Jahr 2000 konnte die Gesamtzahl an Transaktionen 2001 noch erhöht werden. Anders sieht der Vergleich der Volumina aus. Das durch einen regelrechten Übernahmeboom gekennzeichnete Jahr 2000 überragt mit einem Transaktionsvolumen von fast einer halbe Billion € die restliche Entwicklung.

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Abb. 1: Transaktionsentwicklung in Deutschland bis 2002 in Mrd. €

Quelle: M&A International GmbH

Um ein genaueres Bild von der Struktur des deutschen Marktes zu erhalten, soll ein Blick auf die Verteilung der Transaktionen auf Inland und Ausland geworfen werden. Dabei unterscheidet man in nach außen gerichtete Käufe (deutsche Käufer ausländischer Unternehmen), nach innen gerichtete (ausländische Käufer deutscher Unternehmen) und inländische Transaktionen (deutsche Käufer deutscher Unternehmen). Kennzeichnend ist hierbei die hohe Bedeutung der inländischen Transaktionen, was auf eine rege Aktivität der kleinen und mittelständischen Unternehmen (sog. KMUs) hinweist.

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Abb. 2: Unternehmenskäufe mit deutscher Beteiligung 1991-2002

Quelle: M&A International GmbH

Nachdem nun auf aggregierter Ebene die Struktur des Marktes verdeutlicht wurde, soll auch auf Länderebene eine genauere Analyse erfolgen. Dabei stellt sich die Frage, welche Länder als Käufer und welche als Verkäufer in Verbindung mit deutschen Unternehmen tätig waren. Abb. 3 zeigt die aktivsten ausländischen Käufer deutscher Unternehmen sowie Abb. 4 die aktivsten ausländischen Verkäufer ausländischer Unternehmen (sog. Targets).

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Abb. 3: Wichtigste Käuferländer deutscher Unternehmen 2002

Quelle: M&A International GmbH

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Abb. 4: Wichtigste Target-Länder deutscher Käuferunternehmen 2002

Quelle: M&A International GmbH

Als nächstes soll eine Aufteilung des gesamten deutschen Marktes auf die einzelnen Branchen erfolgen. Hierbei ergeben sich deutliche Unterschiede in der M&A-Aktivität der einzelnen Branchen. Während die IT- und Telekommunikationsbranche, Maschinenbauer und die Medien als sehr aktive Akteure bezeichnet werden können, führen die bereits stark konsolidierte Automobil- und Transportbranche eher ein Schattendasein.

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Abb. 5: M&A-Transaktionen der aktivsten Käuferbranchen 2002

Quelle: M&A Review Macro 2002

Abschließend soll noch ein Blick auf die Art der Transaktionen auf dem deutschen Markt geworfen werden. Fast zwei Drittel aller Transaktionen wurden 2002 als Akquisitionen[2] und damit unter Übernahme zumindest der Mehrheit der Stimmrechte vollzogen. Auffällig an dieser Grafik ist der geringe Anteil der Fusionen. Trotz des als Mega-Merger bezeichneten Zusammenschlusses der DaimlerBenz AG mit der Chrysler Corp. stellt diese Art der Transaktion eher die Ausnahme dar.

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Abb. 6: Typen der M&A-Transaktionen in Deutschland 2002

Quelle: Bureau Van Dijk (2003)

2.2 Der europäische M&A-Markt

Der europäische Markt für M&A-Transaktionen hat sich ähnlich dem deutschen Markt entwickelt. Auffällig ist die Dominanz des Jahres 1999. Wurden in Deutschland im Jahr 2000 die höchsten Volumina erreicht, konnte man auf europäischer Ebene zu diesem Zeitpunkt bereits von einem Rückgang der M&A-Aktivitäten sprechen. Dies verdeutlichen sowohl die Volumina als auch die absolute Anzahl.

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Abb. 7: Anzahl und Wert der M&A-Transaktionen unter europäischer Beteiligung

Quelle: Thomson Financial Securities Data (2002)

Um die Vergleichbarkeit der Marktanalysen zu gewähren, sollen wieder die bereits für den deutschen Markt durchgeführten Aufgliederungen erfolgen. Hier zeigen sich bereits erste Unterschiede in der Entwicklung der Internationalität der Märkte. So verblieb die Bedeutung der nationalen Märkte auf europäischer Ebene nahezu konstant zwischen 54% und 56%, während auf dem deutschen Markt erst im letzten Jahr eine Abkehr von internationalen Transaktionen stattgefunden hat. Der Anteil nationaler Transaktionen in Deutschland lag 1997-2001 zwischen 45% und 49% während er in den Jahren zuvor und im Jahr 2002 deutlich höher lag.

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Abb. 8: Aufgliederung der europäischen Transaktionen 1991-2001

Quelle: Thomson Financial Securities Data

Unter einer genaueren Betrachtung ergeben sich auch Unterschiede in der Aktivität der einzelnen Staaten der EU. So wurden insgesamt in den Jahren 1991-2001 in Großbritannien die meisten Transaktionen abgewickelt. Diese entsprechen zugleich der doppelten Anzahl der in Deutschland abgewickelten Transaktionen. Erst an dritter Stelle der aktivsten M&A-Länder folgt Frankreich, knapp hinter Deutschland.

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Abb. 9: Verteilung der M&A-Aktivität nach EU-Mitgliedstaaten 1991-2001

Quelle: Europäische Kommission/ Thomson Financial SDC Database, Ameco

Nach der mehr innergemeinschaftlichen Perspektive soll nun wieder eine Betrachtung der aktivsten Käufer- und Verkäuferländer von EU-Unternehmen erfolgen. Hierbei dominierten in den letzten Jahren eindeutig die USA das M&A-Geschehen. So beteiligten diese sich an mehr als jedem zweiten übernommenen EU-Unternehmen. Erstaunlich erscheint hierbei die Platzierung der Schweiz als zweitaktivstes Nicht-EU-Land. Ein Grund könnten die engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und den EU-Staaten unabhängig von dessen EU-Beitritt sein.

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Abb. 10: Ausländische Käuferunternehmen von EU-Unternehmen 2001-2002

Quelle: Europäische Kommission/ Thomson Financial Security Data

2.3 Der weltweite M&A-Markt

Der letzte Fokus wird im Folgenden auf den weltweiten M&A-Markt gesetzt. Dabei wird die enorme wirtschaftliche Bedeutung der M&A-Transaktionen mit einem Gesamtvolumen im Jahr 2000 von fast 3.500 Mrd. € deutlich. Kennzeichnend ist der kontinuierliche Rückgang sowohl der Stückzahlen als auch der Volumina seit dem Jahr 2000. Aufgrund der Halbierung der Transaktionsvolumina im Jahr 2001 sprechen Brancheninsider bereits von einem Quasi-Zusammenbruch des M&A-Marktes, der durch das vergangene Jahr noch verstärkt wurde.[3]

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Abb. 11: Anzahl und Wert der weltweiten M&A-Transaktionen

Quelle: Thomson Financial Securities Data (2003)

Vergleich man die in Abb. 12 dargestellten Anteile Nordamerikas und Westeuropas, kann man von einer Trendwende auf dem internationalen Markt für M&A-Transaktionen sprechen. Dominierten lange Zeit Nordamerika, speziell die USA, das weltweite Marktgeschehen, konnte Westeuropa 2002 erstmals ein höheres Transaktionsvolumen verbuchen. Ein ähnlicher Trend zeigt sich, wenn auch auf geringerem Niveau, bei dem Rest der Welt.

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Abb. 12: Anteil der aktivsten Wirtschaftsregionen an den weltweiten M&A-Transaktionsvolumina

Quelle: Dealogic/ Handelsblatt Ausgabe 082/02 vom 29.04.2002

Nachdem nun einleitend eine ausführliche Betrachtung des deutschen, europäischen und weltweiten Marktes vorgenommen wurde, soll im Folgenden ein tieferes Verständnis über wesentliche Begriffe vermittelt werden.

[...]


[1] So z.B. Thomson Financial Security Data, Mergerstat, M&A International, M&A Review Database, Bundeskartellamt, UNCTAD

[2] Eine genaue Erklärung des oftmals mehrdeutigen Begriffs „Akquisition“ findet sich in Kap. 3.1.2

[3] Vgl. Frankenberger, S./Metzger, S. (2003): M&A Review 02/2003, S.52

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Die wesentlichen Determinanten im Entscheidungsprozess vor einer Akquisition auf internationaler Ebene - Statistiken, Begriffsdefinitionen und Formen
Hochschule
Universität Mannheim  (Lehrstuhl für ABWL und Internationales Management)
Veranstaltung
Internationales Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
57
Katalognummer
V19475
ISBN (eBook)
9783638235921
ISBN (Buch)
9783638723442
Dateigröße
903 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Determinanten, Entscheidungsprozess, Akquisition, Ebene, Statistiken, Begriffsdefinitionen, Formen, Internationales, Management
Arbeit zitieren
Michael Sindram (Autor), 2003, Die wesentlichen Determinanten im Entscheidungsprozess vor einer Akquisition auf internationaler Ebene - Statistiken, Begriffsdefinitionen und Formen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19475

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