Die Thematik der Industrieregionen spielt in der DDR-Literatur - sei es Prosa, Epik oder Lyrik - seit je her eine große Rolle. Mehr noch, sie durchzieht wie ein roter Faden die 40-jährige Literaturlandschaft der DDR. Hat diese im Verlauf ihrer Entwicklung zahlreiche Veränderungen durchlaufen, so ist das Zurückgreifen auf das Beschreiben von Produktion, Arbeitsprozessen und Industrie stets ein beliebtes Mittel der Autoren geblieben.
Im Folgenden soll die besondere Bedeutung der Industrielandschaft in der DDR-Literatur herausarbeiten. Dazu wird zunächst ein Überblick über die Literatur in den einzelnen Jahrzehnten und die Bedeutung der Industrielandschaften innerhalb dieser gegegeben.
Anschließend wird auf das Erstlingswerk der Schriftstellerin Angela Krauß (*1950) mit dem Titel „Das Vergnügen“ eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick der DDR-Literatur, ihrer wichtigsten Tendenzen sowie die besondere Bedeutung der Industrielandschaft innerhalb dieser
3. Angela Krauß: „Das Vergnügen“ – kurze Inhaltswiedergabe
3.1. „Das Vergnügen“ – eine Neuauflage des Aufbauromans?
3.2. Die Bedeutung der Arbeit innerhalb des Romans
3.3. Der Bruch zwischen Ethik und Ästhetik und dessen Umsetzung im Werk
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Bedeutung der Industrielandschaft in der DDR-Literatur, mit einem spezifischen Fokus auf den Roman „Das Vergnügen“ von Angela Krauß aus dem Jahr 1984. Dabei wird analysiert, inwiefern das Werk einerseits an die Tradition des klassischen DDR-Aufbauromans anknüpft und andererseits einen bewussten Bruch zwischen Ethik und Ästhetik vollzieht, der die literarischen Veränderungen zu Beginn der 1980er Jahre widerspiegelt.
- Historischer Überblick der DDR-Literatur und ihre politischen Tendenzen
- Analyse der industriellen Arbeitswelt als literarischer Schauplatz
- Untersuchung der Figurencharakterisierung bei Angela Krauß im Kontrast zum „proletarischen Helden“
- Kritik an der sozialistischen Arbeitsideologie und der Darstellung von Entfremdung
- Die Funktion von Ironie und ästhetischer Reflexion in der DDR-Prosa der 1980er Jahre
Auszug aus dem Buch
3.1. „Das Vergnügen“ – eine Neuauflage des Aufbauromans?
Oberflächlich betrachtet möchte man meinen, Angela Krauß hat ein Werk ganz im Sinne der Aufbauliteratur geschaffen. Die Hauptperson ist eine einfache Arbeiterin, die zur Einhaltung der Produktionsnorm in der Fabrik beiträgt und sich ganz in die sozialistische Gesellschaft eingefügt hat. Handlungsort ist eine Industrieanlage, welche zwar nicht mehr ganz neu, aber dennoch ihre Dienste an der sozialistischen Produktion leistet. Auch ist im Roman eine Aktivistin zu finden, die oft politisch institutioneller Ausgangspunkt und Ziel der Aufbauliteratur war und hier durch die Bestarbeiterin Lucie Marten vertreten wird.
Beim genauen Hinsehen jedoch erkennt man: „Das Vergnügen“ ist keine Neuauflage des altbewährten Aufbauroman der 1950er. Die Autorin schafft Kontrastfiguren. Die Hauptperson Felicitas verkörpert nicht den typischen „proletarischen Helden“, der in den 1950ern als Gesellschaftsideal galt. Sie ist vielmehr eine junge, zerbrechlich wirkende Frau, die bereits nach der 7.Klasse ins Berufleben eintritt, froh darüber der Schule, in der sie wegen ihres Lispelns gehänselt wurde, entkommen zu sein und kurz darauf alleinerziehende Mutter wird. Sie möchte keinerlei Veränderungen oder gar Verbesserungen ihres bisherigen Lebens. Sie drängt sich nach der Schichtarbeit, da sie sich dadurch gesellschaftliche Anerkennung erhofft und hat sich ganz in ihre Arbeit eingerichtet.
Auch die Aktivistin Lucie, die auf ein 30- jähriges Betriebsjubiläum zurückblickt und neben ihren sieben Ehrenämtern, die vom Parteisekretär bis zum Festredner zur Jugendweihe reichen, und von allen Seiten geschätzt wird, hat sich einerseits mit den bestehenden Verhältnissen arrangiert, andererseits ermuntert sie jedoch ihre junge Kollegin, dass diese „mehr aus sich machen solle“ doch mehr „vom Leben erhoffen könne“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Industrielandschaft in der DDR-Literatur und Vorstellung des Analysegegenstandes sowie der methodischen Herangehensweise.
2. Überblick der DDR-Literatur, ihrer wichtigsten Tendenzen sowie die besondere Bedeutung der Industrielandschaft innerhalb dieser: Historische Einordnung der DDR-Literatur in ihre jeweiligen Entwicklungsphasen und deren politische sowie inhaltliche Bedingungen.
3. Angela Krauß: „Das Vergnügen“ – kurze Inhaltswiedergabe: Vorstellung des Romans und seiner Protagonistin Felizitas Händschel sowie Einbettung des Werks in den zeitgenössischen Kontext der 1980er Jahre.
3.1. „Das Vergnügen“ – eine Neuauflage des Aufbauromans?: Kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob das Werk den Gattungstraditionen des klassischen Aufbauromans folgt oder diese durch neue Figurentypen bricht.
3.2. Die Bedeutung der Arbeit innerhalb des Romans: Untersuchung des Stellenwerts der industriellen Arbeit für die Charaktere und den Handlungsverlauf des Romans.
3.3. Der Bruch zwischen Ethik und Ästhetik und dessen Umsetzung im Werk: Analyse der ironischen Erzählstrategien und der ästhetischen Mittel, mit denen die Autorin gesellschaftliche Stagnation und Entfremdung darstellt.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung der Ablösung des Romans von der traditionellen Industrieliteratur.
Schlüsselwörter
DDR-Literatur, Angela Krauß, Das Vergnügen, Industrielandschaft, Aufbauroman, sozialistischer Realismus, Arbeitswelt, Entfremdung, DDR-Prosa, Ironie, Ästhetik, Ethik, Literaturgeschichte, sozialistische Ideologie, Aufbauliteratur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von industriellen Arbeitswelten in der DDR-Literatur am Beispiel des Romans „Das Vergnügen“ von Angela Krauß.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören der Wandel der DDR-Literatur, die Funktion des Fabrik-Settings und die literarische Gestaltung des Individuums gegenüber staatlichen Idealen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Angela Krauß durch literarische Mittel wie Ironie die Tradition des Aufbauromans bricht, um die gesellschaftliche Stagnation der 1980er Jahre darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die vor allem auf Sekundärliteratur zur DDR-Prosa, insbesondere auf Aufsätze von Ute Wölfel, zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Abriss, die inhaltliche Wiedergabe des Romans sowie eine detaillierte Untersuchung der Figuren, der Arbeitsdarstellung und der ironischen Erzählweisen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Typische Schlüsselbegriffe sind DDR-Literatur, Industrielandschaft, Entfremdung, Aufbauliteratur und ästhetische Reflexion.
Wie unterscheidet sich die Protagonistin Felizitas Händschel vom klassischen DDR-Helden?
Im Gegensatz zum idealisierten „proletarischen Helden“, der sich gesellschaftlich engagiert weiterentwickelt, ist Felizitas eine zerbrechliche, in ihrer Arbeit verhaftete Figur ohne den Wunsch nach gesellschaftlichem Aufstieg.
Welche Rolle spielt die Aktivistin Lucie Marten in der Erzählung?
Lucie fungiert als Kontrastfigur, die zwar voll in das sozialistische System integriert ist, hinter deren Fassade jedoch eine tiefe Einsamkeit und Lebensunfähigkeit zum Vorschein kommt.
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- Anonym (Author), 2009, Die Bedeutung der Industrieregionen in der DDR-Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194774