Im Laufe meines Lebens hatte ich einige Begegnungen mit Blinden und stark sehbehinderten Menschen. Diese Begegnungen haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Seit dieser Zeit frage ich mich hin und wieder, wie es wohl wäre plötzlich zu erblinden. Wie würde sich mein Leben verändern? Was würde ich vermissen? Wie komme ich im Alltag zurecht?
Auf einige Fragen habe ich nach meinem Experiment als blinde Person eine Antwort erhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Das eigene Erleben
1.1 Die Wahrnehmung von sich selbst
1.2 Die Wahrnehmung der Umwelt
2. Das Verhalten
2.1 Das eigene Verhalten
2.2 Das Verhalten anderer Menschen
3. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht durch ein Selbstexperiment die subjektiven Auswirkungen einer temporären Blindheit auf die Wahrnehmung, das eigene Verhalten sowie die soziale Interaktion. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Lebensrealität sehbehinderter Menschen zu entwickeln und Barrieren im Alltag sowie in der Kommunikation zu identifizieren.
- Selbstwahrnehmung und psychische Auswirkungen von Blindheit
- Veränderung der sensorischen Umweltwahrnehmung
- Anpassung des Verhaltens in Alltagssituationen
- Soziale Interaktion und fremdbestimmte Fremdwahrnehmung
- Herausforderungen der Kommunikation ohne visuelle Signale
Auszug aus dem Buch
Die Wahrnehmung von sich selbst
Schon von Beginn an wünschte ich mir, wieder sehen zu können. Selbst innerhalb meiner gewohnten Umgebung war ich ständig auf Hilfe angewiesen.
Es war unangenehm, immer und immer nach Hilfe zu bitten, weil ich dachte, dass es meinen Bezugspersonen zuviel wird, also bemühte ich mich nur um Unterstützung, wenn es unbedingt notwendig erschien oder meine Bedürfnisse dringend erfüllt werden mussten. Ich erlebte mich als labil und schnell reizbar. Ich vermisste es in den Spiegel zu schauen und dabei meine Frisur oder optimalen Sitz meiner Kleidung zu überprüfen.
Beim Essen konnte ich nicht einschätzen, wie groß die Portion auf meinem Teller tatsächlich war, so fehlte mir bei Gerichten wie beispielsweise Reis oder Joghurt manchmal das Gefühl der rechtzeitigen Sättigung.
Selbst mein Körpergefühl war nicht mehr so wie vor dem Experiment. Ich fühlte mich isoliert und eingeengt. Besonders am ersten Tag des Experimentes fiel es mir schwer, meinen Körper richtig zu fühlen, es kam mir so vor, als wäre meine Tiefenwahrnehmung schlechter geworden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das eigene Erleben: Dieses Kapitel thematisiert die psychischen und sensorischen Veränderungen während des Experiments, insbesondere die veränderte Selbstwahrnehmung und die neue Art der Umweltwahrnehmung.
1.1 Die Wahrnehmung von sich selbst: Der Abschnitt beschreibt das Gefühl der Abhängigkeit, die soziale Isolation und die Schwierigkeiten bei der Ausführung alltäglicher Handlungen.
1.2 Die Wahrnehmung der Umwelt: Hier wird der Lernprozess im Umgang mit akustischen Reizen und die veränderte Kommunikation durch den Fokus auf die Stimmlage der Mitmenschen dargestellt.
2. Das Verhalten: Dieses Kapitel analysiert, wie sich das eigene Agieren und die Reaktionen der sozialen Umwelt durch die Blindheit verändern.
2.1 Das eigene Verhalten: Hierbei geht es um die Anpassung des Verhaltens, das Gefühl von Hilflosigkeit und die kindliche Abhängigkeit, die durch die Unterstützung Dritter entsteht.
2.2 Das Verhalten anderer Menschen: Dieses Kapitel beleuchtet die Beobachtung, dass Mitmenschen zwar rücksichtsvoll agieren, aber oft über den Kopf des Betroffenen hinweg kommunizieren.
3. Fazit: Die abschließenden Reflexionen verdeutlichen die Grenzen des Experiments und unterstreichen die Notwendigkeit von mehr Geduld und Einfühlungsvermögen im Umgang mit behinderten Menschen.
Schlüsselwörter
Blindheit, Selbstexperiment, Wahrnehmung, soziale Interaktion, Behinderung, Tiefenwahrnehmung, Alltagshilfe, psychische Belastung, sensorische Anpassung, Kommunikation, Autonomie, Fremdbestimmung, Empathie, Sehbehinderung, Lebenswirklichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert ein Selbstexperiment, bei dem die Autorin für drei Tage den Zustand der Blindheit simuliert, um die subjektiven Erfahrungen und die damit verbundenen Herausforderungen besser zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die sensorische Umstellung, die psychologischen Effekte der Abhängigkeit, die Veränderung der sozialen Interaktion und die Herausforderungen bei der Bewältigung des Alltags.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erlangung eines tieferen Verständnisses für die Lebenswelt blinder Menschen und die Identifikation von Barrieren, die sowohl physischer als auch kommunikativer Natur sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Arbeit verwendet?
Es wurde die Methode des autoethnografischen Selbstexperiments angewandt, um durch eine kontrollierte Simulation eigene Erfahrungen systematisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der eigenen Wahrnehmung, die Anpassung des Verhaltens und die Reflexion über das Verhalten der sozialen Umwelt gegenüber der als behindert wahrgenommenen Person.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Blindheit, Wahrnehmung, soziale Interaktion, psychische Belastung und Autonomie.
Warum war das Einkaufen und die Fortbewegung auf der Straße so belastend?
Die Autorin beschreibt eine ausgeprägte Hilflosigkeit aufgrund von Problemen mit dem Gleichgewichtssinn sowie die Angst vor Stürzen, da visuelle Orientierungspunkte fehlten.
Welche Erkenntnis gewann die Autorin in Bezug auf die soziale Kommunikation?
Die Autorin stellte fest, dass sie oft nicht als ebenbürtiger Gesprächspartner wahrgenommen wurde und Mitmenschen dazu neigten, über sie hinweg statt mit ihr zu sprechen.
Inwieweit veränderte sich die Kommunikation durch das Experiment?
Da visuelle Mimik und Gestik nicht wahrnehmbar waren, fokussierte sich die Autorin verstärkt auf die Stimmcharakteristika ihrer Gegenüber, um deren Stimmungslage zu erfassen.
Was ist die wichtigste Schlussfolgerung aus dem Fazit?
Die Autorin erkennt, dass Menschen mit Behinderung oft in ihren Fähigkeiten unterschätzt werden und dass Pflegende sowie Außenstehende mehr Geduld und echtes Einfühlungsvermögen aufbringen sollten.
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- Simona Seyfried (Author), 2010, Leben mit einer Behinderung - Blindheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194799