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Teilhabe in der Andersheit

Perspektivität und Partizipation in Nikolaus von Kues' 'De visione Dei'

Titel: Teilhabe in der Andersheit

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2012 , 19 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Maximilian Gilleßen (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

'Symbolice investigare' – diese Worte charakterisieren in gedrängtester Form das methodische Verfahren eines Denkens, das das Unfassbare mittels Bild und Gleichnis gerade in seiner Unfassbarkeit erfahrbar machen will.
In besonderer Weise nachvollziehbar wird dieses Verfahren einer Annäherung an das Intelligible über den Weg des Sinnlichen in der Schrift 'De visione Dei', in deren Zentrum ein Christus-Gemälde, das Bildnis eines 'Alles-Sehenden', steht.
Indem dieses dem Betrachter - dank einer besonderen, illusionistischen Maltechnik - seinen eigenen Blick in der Überschreitung des Bildraums gleichsam zurückwirft, macht das Bild des Alles-Sehenden die unhintergehbare Dynamik von Sehen und Gesehen-Werden – und damit Sichtbarkeit selbst – zum Gegenstand seiner Darstellung: Was wir sehen, blickt uns an.
Die vorliegende Arbeit unternimmt - am Leitfaden der cusanischen Bildbetrachtung - den Versuch, die Prozessualität des Verhältnisses von Schöpfung, Schaffen und Schöpfer in besonderem Hinblick auf die Konzeption einer Teilhabe aller Perspektiven am Einen zu rekonstruieren.
Es soll gezeigt werden, auf welche Weise Cusanus die notwendige Endlichkeit und Standpunktgebundenheit jedes nicht-göttlichen Sehens anerkennt, um jedoch die aus diesen Bedingungen folgende und von ihm ausdrücklich bejahte Relativität jedes Wahrheitsanspruchs im selben Moment in der göttlichen Absolutheit 'aufzuheben'. Derart prägt Cusanus einen Relativismus im Absoluten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Betrachtung der icona Dei

3. Menschlicher und göttlicher Blick

4. Einheit und Vielheit

5. Gottes Angesicht als forma formarum

6. Urbild und Abbild

7. Das absolute Sehen – das Absolute sehen

8. Teilhabe in der Andersheit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophische Konzeption von Teilhabe, Perspektivität und Partizipation in Nikolaus von Kues' Werk "De visione Dei". Ziel ist es, die Prozessualität des Verhältnisses von Schöpfung, Schaffen und Schöpfer sowie die Art und Weise zu rekonstruieren, wie Cusanus die endliche Perspektivität des Menschen in der göttlichen Absolutheit aufhebt.

  • Die methodische Bedeutung der "icona Dei" als Werkzeug mystischer Theologie.
  • Das Verhältnis von menschlichem, perspektivischem Sehen und dem absoluten, unverschränkten göttlichen Sehen.
  • Die dynamische Prozessualität der Emanation Gottes durch das Begriffspaar "complicatio" und "explicatio".
  • Die Rolle des göttlichen Angesichts ("forma formarum") als seinskonstitutives Prinzip.
  • Die Bedeutung der Teilhabe ("participatio") als Grundstruktur der Verbindung von Endlichem und Unendlichem.

Auszug aus dem Buch

Die Betrachtung der icona Dei

Die praefatio von De visione Dei versteht sich nicht nur als Ein-, sondern vielmehr als Anleitung, wie mit Hilfe der sinnlichen Erfahrung der Weg in das von Cusanus beschworene heilige Dunkel am Leitfaden der Betrachtung des Alles-Sehenden zu finden sei. Sie bestimmt den Raum und die Requisiten, die Operationen und die Konstellationen eines praktischen Versuchs, der die Elemente religiöser Andachtsübung (praxis devotionis), theatraler Inszenierung und experimenteller Anordnung in sich gleichermaßen vereint. Sie beruft sich nicht auf logische Deduktion, sondern auf eine performative Evidenz, die sich in der Befolgung ihrer Anweisungen einstellt. Wie wir sehen werden, besteht diese Evidenz gerade in der Erzeugung einer aporetischen Situation, die auf symbolische Weise die Überschreitung des Anschaulichen und rational Fassbaren markiert. Die gemeinsame Andachtsübung realisiert Maieutik mit anderen Mitteln. Durch sinnliche Erscheinungen (sensibili apparentia) – im Sinne eines ablativus instrumentalis – soll sie die Erkenntnis des Wunderbaren vorbereiten, dessen Paradoxalität das Zentrum mystischer Theologie bildet. Dies erfordert jedoch, dass die letztlich unsichtbare Wahrheit des göttlichen Antlitzes, „für welche dieses verschränkte Schattenbild ein Zeichen ist (quae in umbra hic contracta significatur)“ (113), mit „geistigen Augen (intellectualibus oculis)“, also mittels Verstandeserkenntnis begriffen wird.

Zunächst sollen sich alle Mönche um das an einer Wand befestigte Bild in gleichem Abstand versammeln. Ein jeder werde den Eindruck haben, vom Bild allein angeblickt zu werden („inspexerit se quasi solum per eam videri“), denn einem jeden scheine das dargestellte Gesicht (facies) sich in seine Richtung zuzuwenden. So wie es von allen zugleich gesehen wird, blickt es alle und jeden einzelnen zugleich an.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das methodische Verfahren des "Symbolice investigare" und die Bedeutung von "De visione Dei" als mystische Anleitung.

Die Betrachtung der icona Dei: Analyse der praktischen Andachtsübung mit der "icona Dei" als performativem Experiment zur Grenzüberschreitung des Rationalen.

Menschlicher und göttlicher Blick: Gegenüberstellung des endlichen, perspektivisch verschränkten menschlichen Sehens und der absoluten Transparenz des göttlichen Blicks.

Einheit und Vielheit: Erläuterung der dynamischen Emanation des Seins mittels der Begriffe "complicatio" (Einfaltung) und "explicatio" (Entfaltung).

Gottes Angesicht als forma formarum: Untersuchung Gottes als absolutes Prinzip, in dem alle Attribute und Wesensbestimmungen zur absoluten Einfachheit zusammenfallen.

Urbild und Abbild: Untersuchung der Beziehung zwischen Gott als schöpferischem Logos und der geschaffenen Welt als abbildhafte Partizipation am Urbild.

Das absolute Sehen – das Absolute sehen: Darlegung der mystischen Schau als Eintreten in das "heilige Dunkel" und die Unbegreiflichkeit Gottes.

Teilhabe in der Andersheit: Zusammenfassung der Partizipation des Endlichen am Unendlichen als Struktur der Theophanie und der Nobilitierung des Menschen.

Schlüsselwörter

Nikolaus von Kues, De visione Dei, Mystik, Perspektivität, Partizipation, icona Dei, Gotteserkenntnis, complicatio, explicatio, forma formarum, Sein, Sehen, Unendlichkeit, Koinzidenz, Relativismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Nikolaus von Kues' Schrift "De visione Dei" und untersucht, wie der Autor durch die Metaphorik des Sehens das Verhältnis zwischen dem endlichen Menschen und dem unendlichen Gott philosophisch bestimmt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören das menschliche und göttliche Sehen, die Begriffe von Urbild und Abbild, die Dynamik von Einfaltung und Entfaltung sowie die mystische Erkenntnistheorie der "docta ignorantia".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das Ziel ist die Rekonstruktion der Prozessualität, durch die Cusanus zeigt, wie endliche, standpunktgebundene Perspektiven an der absoluten, unverschränkten göttlichen Sicht teilhaben können.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine philosophiehistorische Analyse, die Cusanus' Texte im Kontext der neoplatonischen Tradition und der zeitgenössischen Mystik interpretiert, wobei der Fokus auf der performativen Logik der "icona Dei" liegt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine schrittweise Untersuchung: Von der praktischen Übung vor dem Bild, über die ontologische Bestimmung des göttlichen Blicks, bis hin zur theologischen Einordnung der Teilhabe und der Konjekturalität menschlichen Wissens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind unter anderem Perspektivität, Partizipation (Teilhabe), "complicatio" und "explicatio", die "icona Dei" sowie das Konzept der absoluten Einfachheit Gottes.

Welche Rolle spielt das "heilige Dunkel" in der Argumentation?

Das "heilige Dunkel" markiert die Grenze der rationalen Erkenntnis. Es steht für den Bereich, in dem das menschliche Denken über sich hinausgehen muss, um das Nicht-Wissbare in der Begegnung mit dem Absoluten zu erfahren.

Wie unterscheidet Cusanus zwischen "Urbild" und "Abbild"?

Gott ist als "Urbild" die Wahrheit und der Grund aller Dinge, während alles Geschaffene als "Abbild" nur durch die Teilhabe an diesem göttlichen Urbild existiert und somit stets eine abbildhafte, wandelbare Natur besitzt.

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Details

Titel
Teilhabe in der Andersheit
Untertitel
Perspektivität und Partizipation in Nikolaus von Kues' 'De visione Dei'
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Nikolaus von Kues - Ausgewählte Schriften
Note
1,0
Autor
Maximilian Gilleßen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V194803
ISBN (eBook)
9783656203292
ISBN (Buch)
9783656205890
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kues Cusanus De visione dei De icona Der Blick aus dem Bilde Koinzidenz coincidentia oppositorum negative Theologie Mystik Neoplatonismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maximilian Gilleßen (Autor:in), 2012, Teilhabe in der Andersheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194803
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  19  Seiten
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