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Diesseits der Sprache

Die Photographie zwischen Zeigen und Sagen bei Roland Barthes

Titel: Diesseits der Sprache

Hausarbeit , 2011 , 21 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Maximilian Gilleßen (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Von seinen frühesten Texten an bis hin zu seinem letzten, kurz vor seinem unerwarteten Tod veröffentlichten Buch 'La Chambre Claire' zeichnet sich ein besonderes Interesse für die Photographie im Werk von Roland Barthes ab.
Dieses Interesse zeugt zugleich von einer grundlegenden Irritation, deren Produktivität es im Verlauf dieser Arbeit aufzuzeigen gilt. Denn versucht Barthes in den Analysen seiner frühen Texte vor allem die ideologischen Effekte eines Mediums zu entlarven, das aufgrund seiner vermeintlichen Objektivität die Naturalisierung geschichtlicher und sozioökonomischer Zusammenhänge erlaubt, so betont er doch zugleich die semiologisch irreduzible Referentialität des photographischen Bildes, die es jenseits aller konnotativen Zeichen zu einer „Botschaft ohne Code“ macht.
Diese Auffassung der Photographie als eines „reinen Analogons“ des Wirklichen wird schließlich für die methodologische Herangehensweise der Analysen in La Chambre Claire bestimmend sein: „[O]bschon“, wie Barthes weiterhin betont, „Codes selbstverständlich ihre Lektüre steuern“, erweist sich doch für ihn die Photographie vor jeder kulturellen Codierung als „eine Emanation des vergangenen Wirklichen“. Das endlose Gewebe der Bedeutung, der Kommunikation und der Sprache 'punktierend', verweist das photographische Bild unhintergehbar auf ein singuläres, kontingentes und zeitlich irreversibles Ereignis, dessen (Licht-)Spur es ist. Diese direkte Referenz auf ein Gewesenes trennt es strukturell von allen anderen Bildern, denn als „Beglaubigung von Präsenz“ (HK, 97) ist die Photographie, um die Unterscheidung Charles Sanders Peirces aufzugreifen, kein Ikon, sondern Index.
Aus dieser medien- und zeichentheoretischen Perspektive soll im Folgenden der Versuch geleistet werden, die Texte Roland Barthes' zur Photographie als eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen des Sagbaren und des Zeigbaren zu deuten. Entscheidend ist dabei für ihn das Moment der rein (auf)zeigenden Geste des 'Dies, das, da', die paradoxe Wieder-Holung des Einmaligen in die Gegenwart. Jedoch bleibt diese Geste der Photographie, wie sich zeigen wird, für Barthes ambivalent: einerseits befreit sie vom 'Faschismus der Sprache1; andererseits birgt die Begegnung mit dem Nicht-Symbolisierbaren des Realen ein traumatisches Potential, in dem das Begehren nach dem anderen, die Zeitlichkeit und die Gewissheit des Todes sich unlösbar miteinander verschränken.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Photographie und die Zeichen

3. Photographie und Mythos

4. Das photographische Paradox

5. Denotation und Konnotation des photographisches Bildes

6. Die Wunde des Einmaligen

7. Der ontologische Status des photographischen Bildes: Die Helle Kammer

8. Die photographische Spur

9. Gesten des Zufalls

10. Schluss: Das Bild, das Begehren

Zielsetzung & Themen

Diese Hausarbeit untersucht das Werk von Roland Barthes im Hinblick auf seine Auseinandersetzung mit der Photographie als Medium, das zwischen dem Zeigen von Wirklichkeit und ihrer sprachlichen Codierung vermittelt. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Barthes das Spannungsfeld zwischen der unhintergehbaren Referentialität des photographischen Bildes und den ideologischen bzw. symbolischen Überlagerungen durch Sprache und Kultur theoretisch erfasst.

  • Die semiologische Analyse photographischer Bilder bei Barthes
  • Das Spannungsverhältnis zwischen Denotation und Konnotation
  • Der ontologische Status der Photographie als "Spur" und "Index"
  • Die Rolle des "punctum" als traumatische Intensität und affektives Moment
  • Die Photographie als "Emanation des Referenten" jenseits der Sprache

Auszug aus dem Buch

Die photographische Spur

Das Wesentliche der Photographie, ihr Noema im phänomenologischen Sinne, besteht für Barthes also in ihrer unhintergehbaren, referentiellen Verbindung zum photographierten Objekt und dem einmaligen, da zeitlich irreversiblen Moment der Aufnahme. Eine Fotografie, so etwa Susan Sontag, ist „nicht nur ein Bild […] (so wie ein Gemälde ein Bild ist), eine Interpretation des Wirklichen; sondern zugleich eine Spur, etwas wie eine Schablone des Wirklichen, wie ein Fußabdruck oder eine Totenmaske.“ Die Vergleiche, die Sontag hier anführt, sind nicht rein rhetorisch; sie verweisen tatsächlich auf eine strukturelle Analogie. Das photographische Bild, dies betont Barthes unablässig, bezieht sich immer auf eine „notwendig reale Sache, die vor dem Objektiv plaziert war und ohne die es keine Photographie gäbe. Die Malerei kann wohl eine Realität fingieren, ohne sie gesehen zu haben. Der Diskurs fügt Zeichen aneinander, die gewiß Referenten haben, aber diese Referenten können 'Chimären' sein, und meist sind sie es auch. Anders als bei diesen Imitationen läßt sich in der PHOTOGRAPHIE nicht leugnen, daß die Sache dagewesen ist. Hier gibt es eine Verbindung aus zweierlei: aus Realität und Vergangenheit.“ Das photographische Medium gestattet ein „einzigartige[s] Haftenbleiben“ des Referenten, indem es die von ihm reflektierten Lichtwellen, seine „Emanation“, dank einer photochemischen Reaktion als Spur bewahrt. Wie zwischen einem Fuß und seinem Abdruck in frischer Erde existiert hier also eine „Abbildung durch physikalische Kontiguität zwischen dem Zeichen und seinem Referenten“. Als Spur eines Gewesenen besitzt das photographische Bild eine indexikalische Repräsentationsstruktur.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt Barthes' lebenslanges Interesse an der Photographie, das zwischen der Entlarvung ideologischer Effekte und der Anerkennung einer semiologisch irreduziblen Referentialität schwankt.

2. Die Photographie und die Zeichen: Dieses Kapitel diskutiert die Kritik an der Photographie durch Wahrnehmungspsychologie, Soziologie und strukturale Semiologie sowie Barthes' Widerstand gegen eine rein semiotische Universalität.

3. Photographie und Mythos: Der Abschnitt analysiert, wie Barthes durch das Konzept des Mythos die ideologische Vereinnahmung von Bildern als „Natürlichkeit“ dekonstruiert.

4. Das photographische Paradox: Hier wird das Paradoxon thematisiert, dass die Photographie einerseits eine „Botschaft ohne Code“ ist, andererseits aber stets kulturell codiert wahrgenommen wird.

5. Denotation und Konnotation des photographisches Bildes: Das Kapitel erläutert Barthes' Differenzierung zwischen der buchstäblichen Denotation und den symbolisch-sprachlichen Konnotationsebenen.

6. Die Wunde des Einmaligen: Es wird untersucht, wie Barthes mit dem „stumpfen Sinn“ versucht, jene Aspekte des Bildes zu fassen, die sich der Bedeutung entziehen.

7. Der ontologische Status des photographischen Bildes: Die Helle Kammer: Die Analyse zeigt den Standpunktwechsel von Barthes hin zum Begriff des punctums, der das „Unsagbare“ im Bild ins Zentrum rückt.

8. Die photographische Spur: Dieser Teil beleuchtet die Photographie als indexikalisches Zeichen und ihre physikalische Verbindung zum Referenten.

9. Gesten des Zufalls: Das Kapitel widmet sich der Kontingenz des photographischen Augenblicks und dessen Vergleich mit fernöstlichen Praktiken wie dem Haiku.

10. Schluss: Das Bild, das Begehren: Die Schlussbetrachtung verknüpft die photochemische Spur mit der existenziellen Erfahrung von Zeit, Trauer und Begehren.

Schlüsselwörter

Roland Barthes, Photographie, Semiotik, Denotation, Konnotation, Punctum, Studium, Noema, Index, Referentialität, Bildtheorie, Mythos, Zeitlichkeit, Sprache, Botschaft ohne Code

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das photographische Werk von Roland Barthes im Hinblick auf das Spannungsverhältnis zwischen dem, was das Bild zeigt (Zeigen), und dem, was durch Sprache darüber gesagt wird (Sagen).

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die semiologische Analyse, die Indexikalität des photographischen Bildes, das Konzept der "Botschaft ohne Code" und die affektive Wirkung von Bildern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Barthes' Texte als eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit den Grenzen der Sprache und der Bedeutung im Kontext des photographischen Mediums zu deuten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine medien- und zeichentheoretische Perspektive, um Barthes' Begriffsbildungen kritisch zu rekonstruieren und in einen theoretischen Kontext einzuordnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise Barthes' frühe semiotische Analysen, das Konzept des Mythos, das photographische Paradox und schließlich die Wende zur Phänomenologie in seinem Spätwerk "Die Helle Kammer".

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem 'punctum', 'studium', 'Index', 'Emanation' und 'Referentialität'.

Wie unterscheidet Barthes zwischen Denotation und Konnotation in der Photographie?

Die Denotation bezeichnet für Barthes die unmittelbare, bildliche Ebene des Gezeigten, während die Konnotation alle kulturellen, ideologischen und sprachlichen Überlagerungen umfasst, die dem Bild Bedeutung verleihen.

Warum spielt das "punctum" eine so wichtige Rolle im Spätwerk von Barthes?

Das "punctum" markiert für Barthes das Detail im Bild, das den Betrachter affektiv trifft und sich der rationalen, sprachlichen Analyse entzieht; es wird zum Ausdruck einer traumatischen Intensität.

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Details

Titel
Diesseits der Sprache
Untertitel
Die Photographie zwischen Zeigen und Sagen bei Roland Barthes
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Aufbaumodul Ästhetik
Note
1,0
Autor
Maximilian Gilleßen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V194805
ISBN (eBook)
9783656203278
ISBN (Buch)
9783656206941
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Foto Photo Barthes Punctum Helle Kammer Semiologie Ikon Index Rosalind Krauss Jacques Derrida
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maximilian Gilleßen (Autor:in), 2011, Diesseits der Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194805
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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