Der erste Teil der 'Grammatologie' – eines der drei grundlegenden, im Jahr 1967 veröffentlichten Werke Jacques Derridas, das den Begriff des Grundlegenden zugleich in Frage stellt – trägt den Titel 'Die Schrift vor dem Buchstaben'. Was aber ist diese Schrift? Wofür ist sie ein Name? In welcher Hinsicht, in welcher Konstellation von Begriffen, und im Horizont welcher Folgen ist dieses Vor als Vorausgehendes und Vor-Geschriebenes einer Schrift vor der Schrift zu verstehen?
Diese Fragen nach der Konzeption und Tragweite dessen, was Derrida unter den Begriffen der (Ur-)Schrift, der grammè oder der Spur thematisiert, werden das Zentrum der vorliegenden Arbeit bilden. Sie wird in der textnahen Auseinandersetzung mit verschiedenen, gleichwohl miteinander kommunizierenden Arbeiten Derridas dasjenige zu umkreisen versuchen, was noch vor aller traditionellen Schrift im klassischen Sinne einer rein instrumentellen Kulturtechnik am Zeichen 'aufschreibbar' ist. Eine solche Re-konstruktion seines Schriftbegriffs ist insofern von hoher Relevanz als es gerade diese 'Aufschreibbarkeit' oder: genuine Skripturalität des Zeichens ist, aus der Derrida die eigentliche Legitimation und Kraft seiner Kritik des von ihm sogenannten Phono-(logo)zentrismus gewinnt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Auf dem Weg zur Grammatologie - Derridas Saussure-Lektüre
2.1. Die Textur der Sprache
2.2. Das gefährdete Innen
2.3. Eine Schrift vor der Schrift
2.4. Die vereinbarte Spur
3. Die Idealität des Zeichens - Derridas Husserl-Lektüre
3.1. (Noch) Einmal
3.2. Die Idealität der Bedeutung und die reine Präsenz
3.3. Die Re-Präsentation und das Zeichen
3.4. Von der Grammatologie zur Thanatologie
4. Der verlorene Ursprung und das unendliche Zitat
5. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was meint Jacques Derrida mit "Die Schrift vor dem Buchstaben"?
Derrida postuliert eine "Ur-Schrift" oder Spur, die logisch vor der gesprochenen Sprache und der herkömmlichen Buchstabenschrift existiert und die Grundlage aller Zeichensysteme bildet.
Was ist Phonozentrismus?
Es ist die von Derrida kritisierte Bevorzugung der gesprochenen Sprache gegenüber der Schrift in der abendländischen Philosophie, da das gesprochene Wort fälschlicherweise als "näher an der Wahrheit" gilt.
Welche Rolle spielt Saussure in Derridas Analyse?
Derrida setzt sich kritisch mit Saussures Linguistik auseinander, um aufzuzeigen, dass die Differenz und die Spur (Différance) bereits in der Struktur der Sprache angelegt sind.
Was bedeutet der Begriff "Spur" bei Derrida?
Die Spur ist das, was ein Zeichen erst ermöglicht, indem es auf Abwesendes verweist. Sie ist weder reiner Ursprung noch bloßes Abbild.
Wie kritisiert Derrida Husserls Phänomenologie?
Er hinterfragt Husserls Konzept der "reinen Präsenz" und zeigt, dass Repräsentation und Zeichenhaftigkeit immer schon Teil des Denkprozesses sind.
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- Maximilian Gilleßen (Author), 2010, Die Schrift vor dem Buchstaben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194806