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Die Arbeit des Erzählens

'Void Story' von Forced Entertainment - Eine Aufführungsanalyse

Title: Die Arbeit des Erzählens

Term Paper , 2009 , 13 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Maximilian Gilleßen (Author)

Theater Studies, Dance
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'Void Story' – schon der Titel einer der letzten Arbeiten der englischen Performancegruppe Forced Entertainment scheint im Zeichen des Paradoxes zu stehen: Worin besteht diese leere Geschichte? In welchem Zusammenhang stehen Leere und Ereignis – als erzähltes Ereignis und Ereignis des Erzählens? Ist diese Leere die Bedingung eines Raumes, in dem sich das Erzählen und sein Erzähltes vielleicht erst ereignen können? Eine leere Geschichte also als Geschichte ohne Zentrum – eine ex-zentrische Geschichte? - Wo ereignet sie sich?
Am besten ließe sich vielleicht die Arbeit Void Story, die Forced Entertainment während des Live Brits Special im Hebbel am Ufer am 29. und 30. Juni präsentierte, als grafisches Hörspiel bezeichnen. Void Story ist konzipiert für vier Performer, von denen zwei die Texte der beiden Protagonisten des Stücks sprechen, während die anderen abwechselnd die übrigen Sprechrollen und die Koordination der auf Computer vorgespeicherten Soundeffekte übernehmen.
Währenddessen erscheinen im Stil eines Fotofilms auf einer Projektionsleinwand Bilder, die als Storyboard für einen imaginären Film bezeichnet werden könnten, der in der Überschneidung mit den Live-Dialogen der Performer und den aufgezeichneten Soundeffekten vor den Zuschauern entsteht. So wird die in ihrer bloßen Anhäufung an Gefahren und Unglück absurd übersteigerte Geschichte von Kim und Jackson erzählt, eines Paares, das durch eine monströse Welt von Gewalt, Krieg, Ausnahmezuständen und Naturkatastrophen, grundlos angeschossen und aus der eigenen Wohnung vertrieben, wandern muss. Ihr Schicksal ereignet sich in der Leere eines referentiellen Zwischenraums, in dem verschiedene mediale Ebenen miteinander kommunizieren.
Die auf der Bühne zur Schau gestellte Arbeit des Erzählens ist ein Teil der Performance. Diese Verschränkung der beiden Ebenen von Narration und den Bedingungen ihrer Produktion wird sichtbar in der doppelten Anwesenheit der Performer auf der Bühne. Einmal sind sie in einem eminenten Sinn Beteiligte an der Produktion der Aufführung; zugleich aber verlassen sie immer wieder die ihnen zugehörige Funktion, und können z.B. selber zu Rezipienten des Aufführungsgeschehens werden. So ereignet sich nicht nur das Was einer erzählten Geschichte, sondern das Wie ihrer narrative Produktion wird selber zum Ereignis.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Zur Einführung: Die Zwischenräume der Imagination

Der Spielraum: Das leere Zentrum

Die Beleuchtung: Zwischen Bruch und Atmosphäre

Die Projektionen: Das Prinzip der Montage als Spiel der Referenz

Die Performer: Das Spiel ohne Rolle und die doppelte Präsenz

Schluss/Ausblick: Der Zuschauer als Ort des Ereignisses und das Bewusstsein der Verantwortung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Aufführungsanalyse untersucht die Inszenierung "Void Story" der Performancegruppe Forced Entertainment, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie durch eine intermediale Ästhetik und die bewusste Ausstellung von Produktionsbedingungen ein distanzierender Effekt beim Publikum erzeugt wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf das Verhältnis zwischen technischer Reproduzierbarkeit und leiblicher Co-Präsenz sowie die Funktion der Zuschauerbeteiligung.

  • Intermediale Montage und mediale Zerstreuung
  • Die Ästhetik des Bruchs und der "unvollendete Film"
  • Co-Präsenz von Performern und technischer Apparatur
  • Kritik der medialen Entkontextualisierung von Nachrichten
  • Die aktive Rolle des Zuschauers als Ort des Ereignisses

Auszug aus dem Buch

Die Projektionen

Anhand der Projektionen, die die Aufführung begleiten, lässt sich ein wesentliches Gestaltungsprinzip von Void Story analysieren, das sich auch insgesamt im Verhältnis ihrer verschiedenen medialen Elemente zueinander zeigt: das der Montage. Die Erzählung selbst entsteht erst in der Zusammensetzung von Live-Dialogen, Geräuschen und Projektionen. Der Aufbau der Bühnentechnik zeigt dies ganz offensichtlich: Ton-Technik, Plätze der Performer und Leinwand finden sich jeweils auf der Bühne als distinkte Aufführungselemente repräsentiert. Aber gerade weil sie auf solche Weise verortbar sind, ereignet sich die eigentliche Montage dessen, was die Performer an ihnen gestalten, in einem ortlosen Zwischenraum der Referenz.

Aber zuerst sollen die Projektionen selbst hier beschrieben werden: Es sind düstere, auf Fotografien basierende Bilder in Schwarzweiß, die fast ausnahmslos die beiden Protagonisten des Stücks frontal und meistens in voller Körpergröße darstellen. Einschnitte und Risse durchziehen, dissoziieren die Textur dieser Bilder, auf denen die Gestalten und Gegenstände in fraktalen Formen krebsartig wuchern. Die Spannung einer im Bild erstarrten Bewegung deformiert die Physiognomie der menschlichen Körper, lässt diese gleichsam in sich kollabieren. Einzelne Glieder sind versetzt, schichtenartig überlagert, in Unschärfe getaucht; auf die Gesichter der Figuren sind Augen und Münder aus anderen Aufnahmen von ihnen collagiert; die Position der Köpfe selbst entspricht nicht der der Körper, auf die sie aufgesetzt sind.

Zusammenfassung der Kapitel

Zur Einführung: Die Zwischenräume der Imagination: Dieses Kapitel führt in das Paradoxon des Stücks ein und erläutert die intermediale Verknüpfung von Live-Performance, Klang und Bild.

Der Spielraum: Das leere Zentrum: Die räumliche Anordnung der Bühne wird als bewusste Arbeitsstätte beschrieben, die das Handeln der Performer als bloße Sprechakte und mediale Trennung ausstellt.

Die Beleuchtung: Zwischen Bruch und Atmosphäre: Hier wird analysiert, wie das Licht die mediale Vermittlung der Aufführung betont und gleichzeitig atmosphärische Korrespondenzen zur Erzählung schafft.

Die Projektionen: Das Prinzip der Montage als Spiel der Referenz: Dieses Kapitel beleuchtet die ästhetische Gestaltung der Bilder und zeigt, wie das Prinzip der Montage die Repräsentationsgesetze durchbricht.

Die Performer: Das Spiel ohne Rolle und die doppelte Präsenz: Hier wird untersucht, wie die Performer durch die Ausstellung ihrer Arbeitsprozesse eine humorvolle Distanz zum Erzählten herstellen.

Schluss/Ausblick: Der Zuschauer als Ort des Ereignisses und das Bewusstsein der Verantwortung: Das Fazit fasst die Bedeutung der Zuschauerbeteiligung zusammen und reflektiert die Kritik an medialen Entkontextualisierungsmechanismen.

Schlüsselwörter

Void Story, Forced Entertainment, Aufführungsanalyse, Intermedialität, Montage, Co-Präsenz, Mediale Vermittlung, Erzählstruktur, Rezeptionsästhetik, Theaterwissenschaft, Entkontextualisierung, Performanz, Bildmontage, Live-Hörspiel, Zuschauerbeteiligung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Aufführung "Void Story" von Forced Entertainment hinsichtlich ihrer spezifischen ästhetischen Mittel und Produktionsbedingungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Themen Intermedialität, die Sichtbarmachung von Produktion, das Verhältnis von technischer Repräsentation und live-körperlicher Präsenz sowie die Rolle des Zuschauers.

Was ist das primäre Ziel der Analyse?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie die Aufführung durch theatrale Mittel einen befreiend-distanzierenden Effekt erzielt, der den Zuschauer aktiv in den Produktionsprozess einbindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theaterwissenschaftliche Aufführungsanalyse angewandt, die Elemente der Medientheorie und Semiotik einbezieht, um die verschiedenen Ebenen der Performance zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die räumliche Gestaltung, die Beleuchtung, die visuelle Projektionsarbeit und das performative Verhalten auf der Bühne.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Montage, Medialität, Co-Präsenz, gebrochene Referentialität, Distanzierung und intermediale Gebrochenheit.

Warum wird die Technik bei Forced Entertainment nicht verborgen?

Die Technik wird bewusst sichtbar gemacht, um die Illusion zu brechen und den Zuschauer ständig an die Vermitteltheit des Erzählten zu erinnern.

Wie verändert "Void Story" die Wahrnehmung von Katastrophenberichten?

Durch das Prinzip der Übersteigerung macht die Aufführung den Mechanismus der medialen Entkontextualisierung transparent und provoziert eine kritische Reflexion über die Nachrichtenflut.

Inwiefern ist der Zuschauer "der Ort des Ereignisses"?

Der Zuschauer wird als aktiv und projektiv verstanden, da die verschiedenen medialen Ebenen erst in seiner Vorstellungskraft zu einer kohärenten Erzählung zusammenlaufen.

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Details

Title
Die Arbeit des Erzählens
Subtitle
'Void Story' von Forced Entertainment - Eine Aufführungsanalyse
College
Free University of Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Course
Einführung in die Aufführungsanalyse
Grade
1,0
Author
Maximilian Gilleßen (Author)
Publication Year
2009
Pages
13
Catalog Number
V194812
ISBN (eBook)
9783656203216
ISBN (Book)
9783656205661
Language
German
Tags
Forced Entertainment Hebbel am Ufer Performance Postdramatisches Theater Tim Etchells Aufführungsanalyse Medialität Performativität Spiel ohne Rolle Intermedialität Atmosphäre Collage Verfremdung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maximilian Gilleßen (Author), 2009, Die Arbeit des Erzählens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194812
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