Katharina II., Aufklärung als Image

Image-Management als historisches Phänomen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
2.1. Image-Management als historisches Phänomen
2.2. Katharina II. und die Aufklärung als Image

III. Schlussbetrachtung

IV. Bibliographie

I. Einleitung

Um wie viel entfernter könnten die geistigen Welten liegen zwischen den Aussagen „ Ich bin der erste Diener meines Staates “ und „ Der Staat bin ich “? Und doch ist beiden Aussagen eines gemeinsam: Das Staatsprinzip eines absoluten, zentrischen und unteilbaren Anspruchs der Regenten über alle verbleibenden Menschen unter ihnen – der Absolutismus.

So spricht Friedrich II. Von seinem Staat und nicht das er der Diener des Staates oder eines Staates wäre. Jedoch findet die Unabindbarkeit der freiheitlichen Theorie des Menschen, geboren aus dem Naturrecht, in seiner Herrschaft bereits die Anwendung. Während unter der Bourbonenherrschaft weitestgehend alle frühliberalen Ansätze von Veränderung unterdrückt blieben – bis zur Revolution. Somit wird der Selbstanspruch des Regenten, freiheitliche Zugeständnisse einzuführen und umzusetzen, wie beispielsweise die liberale Ökonomietheorie eines Adam Smith, oder die liberalen Gesellschaftsvorstellungen eines Voltaires, in der Geschichte zum definierenden Aspekt, ob es sich um einen aufgeklärten Absolutisten handle oder nicht. Die Abgrenzung zwischen Friedrich II., als aufgeklärter Herrscher, und Ludwig XIV., als absolutistischer Monarch, kann daher recht eindeutig ausfallen.[1] Das vom Absolutismus geprägte 18. Jahrhundert weist viele große Persönlichkeiten und Regenten auf, die sich zwangsweise und notwendigerweise mit veränderten Wertordnungen und Prinzipien auseinander setzen mussten. Industriealisierung, Laissez Faire und Marktökonomie, Aufklärung und Humanismus, erzeugten bereits im 18. Jahrhundert ausgeprägt die prototypischen Ansätze der späteren, im 19. Jahrhundert, folgenden Massenbewegungen: Naturrecht, Menschenrecht, Liberalismus, Sozialismus, Anarchismus, Parlamentarismus, ...

Einige Herrscher konnten anhand dieser neuen Herausforderungen wachsen, und Diese für sich einnehmen, Andere scheiterten an ihnen nachdrücklich und vehement. Augenscheinlich zählte Katharina II. Von Russland nicht zu Letzteren. Wird sie doch weitestgehend vorbehaltlos als aufgeklärte Herrscherin in den Lehrbüchern geführt.

Viele Hinweise auf eine Politik im Zeichen eines aufgeklärten Absolutismus lassen sich im Zeitgefüge ihrer Regentschaft anführen, aber ebenso häufig die Anmerkung einer nicht vollführten Umsetzung.

Inwiefern daher die Aufklärung wirklich geistiger Patron ihrer Politik war, beziehungsweise warum viele ihr selbst formulierten Reformen und proklamierten Veränderungen nicht in der Praxis Umsetzung erfuhren, oder von ihr auch nicht direkt umgesetzt werden konnten, bleibt daher die große Frage. Die es zu untersuchen gilt.

II. Hauptteil

2.1 Image-Management als historisches Phänomen.

Wir sind zur gemeinschaftlichen Wirksamkeit geschaffen, wie die Füsse, die Hände, die Augenlider, wie die obere und untere Kinnlade. Darum ist die Feindschaft der Menschen untereinander wider die Natur.[2] Sagte einst Mark Aurel, besselt vom Geiste des Stoizismus.

Besser liesse sich ein Kern für eine humanistische Gesellschaft nicht einfangen, und doch ist gerade Mark Aurel ein Präzidenzfall, wie ein philosophischer Anspruch und die Wirklichkeit der Geschichte kollidieren können. Die Makromannenfeldzüge des römischen Kaisers Mark Aurel lassen zumindest keine praktische Anwendung seiner so menschlich formulierten Anschauung erkennen. Mark Aurel mag nicht der erste Regent gewesen sein, der um ein gutes Selbstbildnis, mittels der Philosophie oder eines politischen und gesellschaftlichen Denkens, bemüht gewesen war, aber er ist stellvertretend ein urtypisches Beispiel für eine häufig auftretende Herrschermaxime, durch die Zeit hindurch: Image-Management. Wir finden durchaus einige Herscher, und historisch- bedeutende Personen mit herrschaftlichen Ansprüchen, die nicht sehr um ein positives Bildnis ihrer Selbst bemüht waren, wie Calligula, Wallenstein, Cortez oder Heinrich VIII., und das auch aus den vielseitigsten Gründen. Zumeist aus Selbstherrlichkeit oder der Ermanglung an Notwendigkeit.

Andere Machtpersonen ihrer Zeit waren vorallem darum bemüht, der Nachwelt ein positives Image zu hinterlassen. Das Altertum hatte dafür ein simple Anwendungslogig: Hinterlasse der Nachwelt Erstaunliches, vorzugsweise Erbautes. Die Pyramiden, Das Mausoleum von Halikarnassos, und weitere Bauwerke mögen ihre ganz eigene Funktion gehabt haben, aber vorallem sollten sie auch kommenden Generationen kundtun von den großen Herrschern vergangener Epochen. Der englische Schriftsteller Percy Bysshe Shelley vermochte, in einem Gedicht über Ramses II., lyrisch- eindrucksvoll diese altertümliche Logig einzufangen: „ Und auf dem Sockel steht die Schrift: ‚Mein Name ist Osymandias, aller Könige König: – Seht meine Werke, Ihr Mächtigen, und erbebt!‘[3]

Ramses II. führt bereits zu jener Kategorie an Regenten, die aktiv Image-Management betrieben, mit der direkten Absicht eines politischen Handelns. – Das Image als herrschaftlicher Aktivposten der politischen Räson. Nur knapp entging er seinem Tot, und der militärischen Niederlage bei Kadesch, gegen die Hethiter. Zurück in Ägypten aber ließ er nicht wenige Monumente errichten die von seinem überragenden Sieg zeugen sollten. Diese Tat ist weniger als Propaganda zu deuten, als viel mehr als persönliches Image-Management. Nicht die Defamierung der Hethiter, sondern die Würdigung der angeblichen militärischen Befähigungen Ramses standen im Mittelpunkt der Lüge.

Das nachdrückliche Bemühen um ein positives Image ist aus der heutigen politischen Kultur nicht mehr weg zudenken – Image-Management in reinster Form. Damit wird Image-Management zum historischen Phänomen, zumeist trennbar von Propaganda. Und ein simpler Personenkult war in vielen Fällen nicht ausreichend. Eine Erhöhung zum Generalissimus, wie sie beispielsweise Hitler oder Mussolini vollführten, waren nicht simple Aspekte eines Personenkultes, sondern gezieltes Image-Management zur spezifischen Einflussnahme. Im Fall von Hitler hatte dieser Prozess des Managments sogar einen sehr starken Nebeneffekt, der dazu führte, dass nach seiner erfolgreichen Einflußnahme auf die taktischen Elemente bei dem Vorstoß der deutschen Truppen auf Dünkirchen, alle Entmachtungs- und Attentatsversuche des Kreisauer Kreises ausgesetzt wurden.

[...]


[1] Duchhardt, Heinz: Das Zeitalter des Absolutismus. München 1992. S. 125.

[2] Mark Aurel, Selbstbetrachtungen. In: Reclams Universal-Bibliothek Band 424, 2.Auflage. Leipzig 1969.

[3] John Rodenbeck: Travelers from an Antique Land: Shelley's Inspiration for ‘Ozymandias. In: Alif: Journal of Comparative Poetics Nr. 24 (“Archaeology of Literature: Tracing the Old in the New”), 2004. S. 121-148.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Katharina II., Aufklärung als Image
Untertitel
Image-Management als historisches Phänomen
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Professur für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts)
Veranstaltung
Rußland und Europa in der politischen Ideengeschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V194825
ISBN (eBook)
9783656203155
ISBN (Buch)
9783656204909
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
katharina, aufklärung, image, image-management, phänomen
Arbeit zitieren
Luciano Sbaraglia (Autor), 2010, Katharina II., Aufklärung als Image, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194825

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