Gloria Swanson - Die Mondäne auf der Kinoleinwand


Fachbuch, 2012
57 Seiten

Leseprobe

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um Stummfilmstar der 1920-er Jahre entwickelte sich die amerikanische Schauspielerin Gloria Swanson (1899—1983), eigentlich Gloria Mae Josephine Swenson. Sie brachte das Mondäne auf die Kino­leinwand und glänzte vor allem in romantischen und verrückten Komödien. Sogar die Inschrift auf ihrem Grabstein zeugt noch von ihrem Humor. Der von ihr gewünschte Text lautet: „Sie bezahlte alle Rechnungen selbst. Das ist die Geschichte ihres Lebens“.

Gloria Mae Josephine Swenson wurde am 27. März 1899 als Tochter des Berufsoffiziers Joseph Theodore Swen­son und seiner Ehefrau Adelaide Swenson, geborene Klanowski, in Chicago geboren. Ihr Vater, dessen Fa­milienname ursprünglich Svensson gewesen sein soll, stammte aus einer streng protestantischen schwedisch­amerikanischen Familie. Ihre Mutter hatte deutsche, französische und polnische Vorfahren.

Bedingt durch den Beruf ihres Vaters als Soldat zog Gloria mit ihrer Familie oft um. Sie wuchs vor allem in Chicago, Puerto Rico und Key West (Florida) auf und besuchte verschiedene Schulen, unter anderem die „Hawthorne Scholastic Academy“ in Chicago. Ihre Eltern trennten sich, als sie noch zur Schule ging.

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Zum ersten Auftritt auf der Kinoleinwand kam Gloria per Zufall nach einem Rundgang durch die „Essenay Studios“ in ihrem Geburtsort Chicago. Eigentlich hatte sie bis dahin keine künstlerische Karriere angestrebt, als sie fragte, ob sie zum Spaß an einem Film mitwirken dürfe. Ihr Wunsch wurde erfüllt. Sie durfte wieder­kommen und stand im Alter von 15 Jahren in dem Film „The Song of Soul“ (1914) als Komparsin vor der Kamera. Für „The Fable of Elvira and Farina and the Meal Ticket“, „Sweedie Goes to College“ und „The Broken Pledge“, die 1915 in die Kinos kamen, bekam sie 3,25 US-Dollar pro Tag. 1916 erhielt sie für „A Dash of Courage“ bereits 65 US-Dollar pro Woche und für „Hearts and Sparks“ im selben Jahr 85 US-Dollar pro Woche.

An ihrem 17. Geburtstag am 27. März 1916 heiratete Gloria ihren Schauspielerkollegen Wallace Beery (1885— 1949), den sie in den „Essenay Studios“ kennengelernt hatte. Ihr 14 Jahre älterer Ehemann war bis dahin bereits Bahnarbeiter, Schmied, Elefantenwärter im Zirkus, Schauspieler, Komiker, Studio-Manager und Produzent gewesen. Beery vergewaltigte seine Braut in der Hochzeitsnacht, wie Gloria später in ihrer Autobiografie verriet.

Zusammen mit ihrem Gatten Wallace Beery wechselte Gloria Swanson zum Filmstudio „Mack Sennetts Key­stone Company“ nach Hollywood (Kalifornien). Ob­wohl sie den Familiennamen ihres Ehemannes annahm, nannte man sie weiterhin „Miss Swanson“. Gloria spielte oft in Filmen des Regisseurs und Filmproduzenten Mack Sennett (1880—1960) mit. Doch sie legte später großen Wert darauf, keine jener Badeschönheiten gewesen zu sein, die leichtbekleidet in vielen Komödien von Sennett für Abwechslung sorgten.

Von 1914 bis einschließlich 1918 wirkte Gloria Swan­son — laut „Internet Movie Database“ — in insgesamt rund 30 Filmen mit. 1914 war es vermutlich nur ein Streifen. Doch 1915 folgten acht, 1916 sieben, 1917 sechs und 1918 acht Filme. Anfangs wurde ihr Name mehr­fach nicht im Abspann erwähnt. Manchmal ist es unsicher, ob sie tatsächlich mitgewirkt hat.

1919 schloss Gloria Swanson einen Vertrag mit dem Filmstudio „Paramount“. Dass sie rasch zum Star dieses Studios aufstieg, verdankte sie vor allem dem Regisseur Cecil B. DeMille (1881—1959). Mit ihm drehte sie von 1919 bis 1921 sechs Stummfilme. DeMille setzte Gloria in seinen „Salonkomödien“ als selbstbewusste Frau der Gesellschaft ein, die eigene Ideen über Liebe und Ehe verwirklichte.

In dem Film „Don’t Change Your Husband“ (1919) unter der Regie von DeMille brillierte Gloria Swanson exotisch kostümiert, hingehaucht auf den Rücken schwarzer Sklaven und ließ den kostbaren Inhalt einer Schatztruhe genießerisch durch die Finger gleiten.

Als der erste große Erfolg von Gloria Swanson in der Filmwelt galt der Streifen „Male and female“ („Männlich und weiblich“, 1919). Darin spielte sie gekonnt eine Lady der feinen Gesellschaft, die Schiffbruch vor einer einsamen Insel erleidet und ihren Butler zum Liebhaber machte.

Während der ersten Hälfte der 1920-er Jahre wirkte Gloria Swanson in einer Serie von Spitzenfilmen mit, die sie zum Star und zum Inbegriff des Hollywood­Glamours machten. Man bezeichnete sie damals zeit­weise als „Queen of Hollywood“. 1922 trat sie zusam­men mit dem Stummfilmstar Rudolph Valentino (1895— 1926), einem der ersten männlichen Sexsymbole, in „Beyond the Rocks“ auf. Auf dem Höhepunkt ihrer Filmkarriere verdiente sie wöchentlich 22.500 US-Dollar. Als filmisches Ereignis galt die Mitwirkung von Gloria Swanson in dem Film „Madame Sans Gêne“ (1924), der in Paris entstand. Vor der Rückkehr von den Dreh­arbeiten für diesen Streifen kabelte sie aus Frankreich an ihr Studio: „Sorgt für Ovationen“. In die USA kam sie mit dem frisch angetrauten Marquis Henri Le Bailly de La Falaise de la Coudraye (1898—1972) zurück. Er war bei den Dreharbeiten in Frankreich ihr Dolmetscher gewesen und sie waren sich dabei nähergekommen. Durch die Heirat mit dem französischen Adligen erhielt Gloria den glanzvollen Titel Marquise de La Falaise. Das Filmstudio „Paramount“ war bestrebt, aus Grün­den der Publicity eine angebliche Rivalität zwischen Gloria Swanson und der aus Polen stammenden Schauspielerin Pola Negri (1894—1987) aufzubauen.

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Doch Gloria verneinte stets eine solche Gegnerschaft mit Pola.

Während der frühen 1920-er Jahre verkrachte sich Gloria Swanson mit ihrer Freundin, der Schauspielerin Blanche Sweet (1896—1986). Bei diesem Streit ging es um einen Mann und Blanche vergaß dies nicht wieder. Blanche war von 1922 bis 1929 mit dem Schauspieler Marshall Neilan (1891—1958) verheiratet, den sie der ständigen Ehebrecherei bezichtigte und der auch mit der Swanson eine Affäre gehabt haben soll.

In verschiedenen Filmen bewies Gloria Swanson ihr Talent für Komödien und bei der Imitation bekannter Stars. Zum Beispiel parodierte sie Charlie Chaplin (1889— 1977) in „Manhandled“ (1924) und rund ein Viertel­jahrhundert später erneut in „Sunset Boulevard“ (1950). Die nur 1,50 Meter große Gloria Swanson war von Kopf bis Fuß ein Star. Auf der Kinoleinwand trug sie funkelnde Diademe, bizarre Federn, kostbaren Brokat, glitzernde Seidenroben und prächtige Silberfüchse. Über ihr Publikum sagte sie, dieses habe die Wirklichkeit nicht sehen wollen, und sie habe sich gehütet, sie ihnen zu zeigen. Sogar im Privatleben glitt sie in ihrem Auto mit echten Tigerfellsitzen über den „Sunset Boulevard“ von Hollywood.

In ihrer Glanzzeit von 1918 bis 1929 verdiente Gloria Swanson insgesamt rund acht Millionen US-Dollar. Dieses Geld gab das „Aschenbrödel aus Chicago“, wie man sie nannte, mit vollen Händen wieder aus. Sie leistete sich mehrere Ehemänner, Juwelen für etwa 1,5 Millionen US-Dollar, ein ganzes Stockwerk in Luxus-Hotels, Schlösser und Güter in Frankreich, England und den USA, 30 bis 40 Angestellte (Lehrer und Gouvernanten für ihre Kinder, Privatdetektive, Masseure und Diät­köche), Kleider, die sie nur einmal trug, stets mindestens 15 Pelze (manchmal sogar 35) und eine eigene Film­firma, die allerdings pleiteging.

Der erste Film, der im Kino „Roxy Theatre“ in New York City gezeigt wurde, war „The Love of Sunya“ (1927) von Gloria Swanson. Dieser Streifen hatte damals seine Premiere. Beim Abriss dieses Kinos posierte Gloria 1961 zum Abschied in den Ruinen.

Ab 1928 wurde Gloria Swanson zur Vegetarierin. Sie galt als Verfechterin einer gesunden ausgewogenen Ernährung und als eine der ersten Fürsprecherinnen für Naturkostläden in den USA.

Bis etwa 1960 wirkte Gloria Swanson in ungefähr 60 Filmen mit. Dazu gehören neben „Don’t Change Your Husband“ (1919) unter anderem „The Impossible Mrs. Bellew“ (1922), „Bluebeard’s Eight Wife“ (1923), „Zaza“ („Zaza, das Mädel vom Varieté“, 1923), „Sadie Thompson“ („... aber das Fleisch ist schwach“, 1928), „Tonight or Never“ (1931) und „Music in the Air“ („Liebesreigen“, 1934). Für „Zaza“ kassierte sie schon 6.500 US-Dollar pro Woche. Ihre Welt war der Stummfilm gewesen, mit dem Tonfilm verschwand sie langsam von der Kinoleinwand.

1926 gründete Gloria Swanson ihre eigene Pro­duktionsfirma im Rahmen der „United Artists“. Dabei wurde sie von dem Bankier Joseph Kennedy (1888— 1969) und Vater des späteren US-Präsidenten, John F. Kennedy (1917—1963), finanziell unterstützt. Der verheiratete Bankier war — was sie später in ihren Memoiren verriet — ihr Liebhaber. Die von Gloria als unabhängige Produzentin hergestellten Filme wurden von „United Artists“ in den Verleih gebracht.

Zum finanziellen Fiasko gerieten die Dreharbeiten für den auf fünf Stunden Spielzeit angelegten Film „Queen Kelly“ („Königin Kelly“, 1928) unter der Regie von Erich von Stroheim (1885—1957). Als bereits 800.000 US-Dollar ausgegeben waren und die Produktionszeit um fast ein halbes Jahr überschritten war, stoppte Gloria Swanson die Dreharbeiten. Angeblich erkannte sie auch, dass dieser Streifen in der ursprünglichen Fassung nicht die Zensur passieren würde. Denn darin kamen Prostituierte, Bordelle, Nacktszenen und Alkohol­exzesse vor. Die Entlassung von Stroheim und ein eilig von Swanson produziertes Ende konnten den Film aber nicht mehr retten. Der entstandene Verlust konnte selbst durch den ersten Tonfilm „The Trepasser“ (1929), für den Gloria Swanson eine Gage von 100.000 US-Dollar kassierte, nicht mehr wettgemacht werden. Dafür wurde sie für den „Oscar“ nominiert. Für „Indiscreet“ (1931) betrug ihre Gage 250.000 US-Dollar. 1932 erfolgte der Bankrott von „Gloria Swanson Production“.

In ihrer Blütezeit während der goldenen 1920-er Jahre erlebte Gloria Swanson einen Starrummel ohnegleichen. Ihretwegen musste in New York City der Times Square gesperrt werden. Wegen ihr erhielten Schulkinder frei, um sie kurz persönlich in Seitenansicht bewundern zu können. Auch in Paris kam es zu einem Massenauflauf, als sie erschien. Deswegen flüchtete sie kurzerzhand in den vornehmen Juwelierladen „Cartiers“ und verließ diesen wieder mit einem Diamantenarmband für 20.000 US-Dollar.

Ab Beginn der 1930-er Jahre war Gloria Swanson beim Publikum als „Femme fatale“ immer weniger gefragt. Nach dem von „Metro-Goldwyn-Mayer“ produzierten Musical „Music in the Air“ („Liebesreigen“, 1934) kehrte sie der Kinoleinwand den Rücken. Weil sie glücklicher­weise die Gagen etlicher Filme gewinnbringend angelegt hatte, konnte sie sich weiterhin einen aufwändigen Le­bensstil leisten. Fortan widmete sie sich ihren zahlrei­chen Unternehmungen, zu denen im Laufe der Zeit ein Modehaus in Rom, Fabriken und eine Reiseagentur gehörten.

Als es still um sie geworden war, lebte Gloria Swan­son in ihrer Wohnung in New York City, die mit Hunderten von Erinnerungsfotos aus besseren Zeiten bestückt war. Nun konnte sie sich in aller Ruhe um ihre zwei leiblichen Kinder und um ihren Adoptivsohn kümmern, die in ihrer Glanzzeit nicht fotografiert werden durften, um ihrem Glamour nicht zu trüben.

Ihre nachlassende Popularität erschien ihr wie eine Entziehungskur.

Während der 1940-er Jahre stand Gloria Swanson häufig auf der Theaterbühne. Man sah sie in den Stücken „Reflected Glory“, „Let Us Be Gay“ und „A Goose for an Gander“. In dem Film „Father Takes a Wife“ („Vater nimmt sich eine Frau“, 1941) gab es ein Wiedersehen mit ihr im Kino an der Seite des amerikanischen Schauspielers Adolphe Menjou (1890—1963). Doch diesem Streifen war kein großer Erfolg beschieden. 1948 wählte das US-Magzin „LIFE“ Gloria Swanson zur „schönsten Großmutter Amerikas“. Damals war sie 49 Jahre alt. Zur Großmutter war sie durch ihre ältere Tochter Gloria geworden.

Ein glänzendes Comeback feierte Gloria Swanson mit 51 in dem Film „Sunset Boulevard“ („Boulevard der Dämmerung“, 1950) unter der Regie von Billy Wilder (1906—2002). In diesem Welterfolg mimte sie den Stummfilmstar Norma Desmond, der seelisch nicht damit fertig wird, in Vergessenheit geraten zu sein. Jene Norma Desmond erinnerte in mancher Hinsicht an das Schicksal von Gloria Swanson. Wilder meinte: „Hätte ich mir für die Rolle eine andere ausgesucht, so hätte doch jeder gesagt: das ist ja die Story der Swanson. Da holte ich sie mir gleich selbst für die Hauptrolle“. In Wirklichkeit hatten vorher etliche Stummfilm-Stars wie Mae West (1892-1980), Mary Pickford (1893-1979) und Pola Negri (1894-1987) die angebotene Rolle abgelehnt

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Details

Titel
Gloria Swanson - Die Mondäne auf der Kinoleinwand
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2012
Seiten
57
Katalognummer
V194845
ISBN (eBook)
9783656207429
ISBN (Buch)
9783656207511
Dateigröße
3066 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
ACHTUNG: Autor ist Ernst Probst
Schlagworte
Gloria Swanson, Film, Filmschauspielerinnen, Filmstars, Frauenbiografien, Kurzbiografien, Biografien, Schauspielerinnen, Kino
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2012, Gloria Swanson - Die Mondäne auf der Kinoleinwand, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194845

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