Namen und Titel - Welche Rückschlüsse lassen sich durch sie auf die Identität einer Person ziehen?


Essay, 2011

7 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Soziologie

Essay

„Namen und Titel - Welche Rückschlüsse lassen sich durch sie auf die Identität einer Person ziehen?“

Abstrakt:

Der Soziologe Anselm Strauss beschäftigt sich in seinem Essay „Spiegel und Masken“ mit der Bedeutung von Namen und Titeln für die Identitätsbildung des Individuums. Seiner Ansicht nach spiegeln Namen die eigene Identität bzw. Persönlichkeit wider.

Im folgenden Essay möchte ich auf die Bedeutung von Namen und Titeln eingehen und mich mit ihrem Beitrag zur Identitätsbildung beschäftigen.

Jena, 14.03.2011

Der us-amerikanische Soziologe Anselm Strauss gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des symbolischen Interaktionismus in der Tradition des Psychologen Georg Herbert Mead. Die Identitätsbildung ist für ihn ein gesellschaftlicher Prozess, basierend auf der Interaktion zwischen Menschen, wodurch die Identitätsbildung einen sozialen Charakter erhält. Zudem ist sie verbunden mit einer „schicksalhaften Einschätzung seiner selbst - durch sich selbst und durch andere“. [1] Man bildet nach Strauss seine Identität durch die „Spiegel“ der Urteile anderer, die daraufhin vom Einzelnen gebildeten „Masken“ sind eine Antizipation auf diese Urteile, nach denen wir unser Bild von uns formen.

In seinem 1959 veröffentlichten Essay „Spiegel und Masken“ beschäftigt er sich unter anderem mit der Bedeutung von Namen und Titeln für die Identitätsbildung des Individuums. Namen sind ein sprachlich ausformuliertes Element, deren Hauptfunktion darin besteht, Identitäten von Personen zu fixieren. [2] Seiner Ansicht nach spiegeln sie die eigene Identität bzw. Persönlichkeit wider. Namen sind demnach nicht nur Bewertungen oder Geschmackspräferenzen durch die Personen von denen wir sie erhielten, sondern dienen auch der Identifikation des Namensträgers. Strauss bezeichnet die Beziehung zwischen Namen und Identität als das „unlösbare Band zwischen Namen und Selbstbild [3]

Jeder Mensch entwickelt beim Hören oder Lesen von Namen bestimmte Assoziationen über die Charaktereigenschaften des Menschen - bewusst oder unbewusst. Jedoch kann man dieses geschaffene Bild, basierend auf Voreinstellungen, Erfahrungen oder Vorurteilen, nicht auf jede Person projizieren. Schlussendlich sind es die Namensgeber, in den meisten Fällen die Eltern, die Auswahl des Namens verantwortlich sind. Bestimmte Einstellung (religiös, politisch etc.), Lebensstile oder Ideale der Namensgeber prägen hierbei die Auswahl. Auch beinhaltet die Namensvergabe oft eine erzieherische Intention, z.B. das Kind nach entsprechenden Vorbildern (religiös, politisch) zu erziehen. Strauss bezeichnet den Namen als „ein Behälter, in den die bewußten (sic!) oder unbeabsichtigten Bewertungen des Namensgebers hineingegossen werden“. [4] Ein antikes Beispiel für die bewusste Verwendung wäre der Name des römischen Imperators Gaius Julius Caesar.

Die auf dessen Tod folgenden Imperatoren des Römischen Reichs bekamen seinen Namen nicht nur ihm zu Ehren, sondern auch bewusst zur Verdeutlichung des Machtanspruches über das Reich.

In den letzten Jahrzehnten lässt sich vermehrt eine Verwestlichung von Vornamen datieren. Als Grund hierfür gilt der vermehrte Rückgriff auf Kulturkreise mit hoher Reputation wie die Vereinigen Staaten von Amerika oder Teile Westeuropas. Transportiert wird diese Reputation maßgeblich durch die Medienkultur (Musik, TV). Gleichzeitig findet ein Rückgang traditioneller Vornamen durch den Bedeutungsverlust des Christentums und durch eine Delegitimierung deutscher Traditionsbestände nach dem Rückgang des Nationalsozialismus statt.

Bei diesem Enttraditionalisierungsprozess lassen sich starke Individualisierungstendenzen feststellen. So sollen die Vornamen möglichst einzigartig und besonders sein, um die Außergewöhnlichkeit der Identität des Kindes zu beschreiben. Man kann schlussfolgern, dass sich in der Namensgebung persönliche Einstellungen und Präferenzen der Eltern wieder finden, welche durchaus Rückschlüsse auf die Identität der Eltern zulassen. Auch können diese Einstellungen einen signifikanten Einfluss auf das Kind haben. Der Name scheint die eigene Persönlichkeit durchaus zu beeinflussen.

Auch Familiennamen sind ein Beispiel dafür, wie man mit Benennungen von Personen Identitäten bestimmen oder stiften kann. Markiert der Vorname die persönliche und individuelle Identität des Einzelnen, so ist der Familienname Teil einer kollektiven­gruppenspezifischen Identität, da er in der Regel mehrere Personen bezeichnet.

Der Familienname dient als ein „Klassifikator der Linie", der Aufschluss über die Herkunft der Familie gibt. So können beispielsweise Familiennamen wie Strittmatter, Wehle und Isele eindeutig den Regionen des Breisgaus/Hochschwarzwald in Baden- Würtemberg zugeordnet werde[5]. Familiennamen können folglich lokale oder territoriale Verortungen kennzeichnen bzw. geografische Assoziationen hervorrufen. Nicht selten haben Familiennamen auch früher Auskunft über Beruf, Amt oder Stand der Personen Auskunft gegeben, was die Entstehung der Nachnamen wie Fischer, Schmidt (Schmied) etc. erklärt.

In unser heutigen Gesellschaft dienen vermehrt die sogenannten Vaternamen (Patronyme) einer sozialen Identifizierung. Der Patronym ist ein Name der angibt, wie der Vater des Namensträgers heißt.

Diese Art der Namensvergabe wird vergleichsweise häufig in den USA verwendet, wo Jungen oft nach ihrem Vater benannt werden ( z.B. Marshall Mathers III). Auch ist die Vergabe von Doppelnachnamen zur Zuordnung von Mutter und Vater dort öfter Praxis. Interessanterweise ist in Deutschland die Vergabe von Doppelnachnamen verboten. Einem Urteil des Hamburger-Amtsgerichts von 2002 zu folge, habe der Familienname in der Gesellschaft die Funktion einer sozialen Zuordnung und wirke identitätsstiftend. Doppelnachnamen würden dies hemmen, da sie keine eindeutige Bestimmung liefern würden. [6]

Generell gestaltet sich heutzutage eine Namensableitung bzw. Identitätsbildung mittels der Nachnamen jedoch schwieriger als noch im vergangenen Jahrhundert. Die Bedeutung lokaler Verortungen schwindet und Nachnamen geben keine Auskunft mehr über Beruf oder Stand einer Person. Normale Nachnamen haben keinen direkten, signifikanten Einfluss mehr auf die Identitätsbildung, sie können lediglich Rückschlüsse auf die ursprüngliche Herkunft der Familie geben.

Adlige Nachnamen dagegen könnten durchaus einen Einfluss auf die Identität des Namensträgers haben und auch Nachnamen, die auf Grafschaften hinweisen, wie beispielsweise der Name des ehemaligen Verteidigungsministers „zu Guttenberg", haben noch heute eine eindeutige lokale Verortung. Dieses Bewusstsein der Herkunft und ggf. der damit verbundenen Verpflichtungen und Erwartungen des Adelstitels kann ebenfalls die Identität beeinflussen. Dies ist jedoch abhängig von der entsprechenden Person und ihrem Empfinden gegenüber dem Namen, der Abstammung und entsprechenden Verpflichtungen.

Der mittlerweile vermehrte Kauf von Adelstitels bzw. die bezahlte Adoption durch Adlige lässt ebenfalls darauf schließen, dass Menschen die sich mit ihrer Identität unwohl fühlen, sich dadurch eine Aufwertung ihrer selbst bzw. Ansehen wünschen, was sie mit adligen Nachnamen assoziieren.

Im Allgemeinen kennzeichnen Namensveränderungen immer Statusübergange: „man verbirgt, wer man war oder ist, um als der, der man zu sein wünscht, aufzutreten(...), die neuen Namen markieren auch den Übergang zu neuen Selbstbildern.“ [7] Mit der Namensveränderung möchte man den Namen annehmen, der einen seiner Meinung nach repräsentiert und dem eigenen Ich entspricht.

[...]


[1] Strauss, Anselm, Spiegel und Masken.Die Suche nach Identität,Suhrkamp-Verlag: Frankfurt am Main,

1974, S. 13.

[2] Janich, Nina, Sprachidentität. Identität durch Sprache,Gunter Narr Verlag: Tübringen 2003, S.10.

[3] Ebd. S. 10

[4] Strauss, Spiegel und Masken, S. 14.

[5] Vgl. <http://www.verwandt.de/karten/absolut/strittmatter.html>, 12.03.2011, 10.49 Uhr.

[6] Wiener Zeitung :

<http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&Alias=wzo&cob=547170>, 10.03.2011, 13:33 Uhr.

[7] Strauss, Spiegel und Masken, S.15.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Namen und Titel - Welche Rückschlüsse lassen sich durch sie auf die Identität einer Person ziehen?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V194862
ISBN (eBook)
9783656202790
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
namen, titel, welche, rückschlüsse, identität, person
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Namen und Titel - Welche Rückschlüsse lassen sich durch sie auf die Identität einer Person ziehen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194862

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