Einleitung
In dieser Seminararbeit werde ich mich näher mit dem Thema der Neidhartspiele auseinandersetzen, da diese bereits eine lange Tradition vorweisen können und wir im Seminar selbst ein Neidhartspiel aufgeführt haben.
Zuerst allerdings werde ich aber die Fastnachtzeit näher beleuchten, da in dieser Zeit die kirchlichen Gebote übertreten werden durften.
Auch das Genregrenzen der Fastnachtspiele werde ich versuchen abzustecken, da diese teilweise sehr eng mit denen des Neidhartspiels verwandt sind.
Weiters werde ich, soweit dies möglich sein wird, auch auf die Aufführungspraxis der Fastnachtspiele versuchen einzugehen, da die Bühnendarstellung dieser Gattung ausschlaggebend war.
Anschließend wende ich mich der realen Person Neidharts zu, sowie der dichterischen Person und den Legenden, die sich um ihn ranken, welche einen nicht unbeträchtlichen Teil zu dem heutigen Neidhartbild beigetragen haben. Ich werde in dieser Arbeit versuchen Realität und Fiktion kenntlich zu machen und Legende von Wahrheit zu trennen.
Auch Neidharts angeblich sehr angespanntes Verhältnis zu den Bauern werde ich näher erläutern, da diesen eine wichtige, womöglich sozialkritische und vor allem komische Rolle zukommt.
Weiters werde ich die Entstehung des Neidhartspiels, sowie deren Motivik näher beleuchten und dies anhand der einzelnen Spiele zeigen.
Abschließend möchte ich herausfinden ob die Neidhartspiele auch in der heutigen Zeit noch aufgeführt werden, da sie, wie man bei unserer Aufführung gesehen hat, nicht an Witz verloren haben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Definition Fastnachtzeit
Definition Fastnachtspiel
Aufführungspraxis
Nachwirkung des Fastnachtspiels
Neidhart von Reuenthal
Entstehung des Neidhartspiels
Motive des Neidhartstoffes
Bauerndarstellung
Neidhartspiele
Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen und strukturellen Hintergründe der Neidhartspiele, ihre Verbindung zur Tradition des Fastnachtspiels sowie ihre spezifische Funktion als sozialkritisches und komisches Medium im Spätmittelalter, wobei ein besonderer Fokus auf der ambivalenten Rolle der Figur Neidharts liegt.
- Entwicklung und Genregrenzen des Fastnachtspiels
- Historische Einordnung und Rezeption von Neidhart von Reuenthal
- Analyse der zentralen Motive und Schwänke innerhalb der Neidhartspiele
- Darstellung und Funktion des Bauernstandes in der literarischen Überlieferung
- Untersuchung der Aufführungspraxis mittelalterlicher weltlicher Spiele
Auszug aus dem Buch
Bauerndarstellung
Der bäuerliche Stand wird schon bei „Neidhart Fuchs“ mit Beschränktheit, Primitivität, Gewalttätigkeit und der Hoffart ausgestattet, doch sind die Bauern trotz allem dumme Tölpel, die dem Listenreichtum Neidharts hilflos ausgeliefert sind. Damit soll allem Anschein nach das gesellschaftliche Wertesystem als gültig und unveränderlich ausgewiesen werden, wobei der unterhaltende Faktor der Schwänke nicht außer Acht gelassen werden darf. Eine Solidarisierung mit dem Bauernstand kann es zur damaligen Zeit wohl nur schwerlich gegeben haben. Besonders deutlich wird diese antibäuerliche Tendenz im „Großen Neidhartspiel“, da das Teufelsspiel die Bauern auch noch als sündhaft kennzeichnet und Neidhart in seiner Haltung bestärkt.
John Margretts meint hierzu: „Vergleicht man die Neidhartspiele mit den anderen weltlichen Spielen, in deren Umkreis sie überliefert werden, muß man feststellen, daß es in keinem anderen Spieltyp einen so krassen Zusammenprall von Bauerntum und Adel gibt.“
Dass die Wahrheit über die Lebensumstände der Bauern und das Bild in der Neidharttradition nicht ganz zusammenpassen, wurde auch des Öfteren bewiesen. So waren die Bauern in dieser Zeit nur in den allerwenigsten Fällen nicht vom Hunger oder von Epidemien bedroht und auch die Steuerlasten und Abgaben, die sie zu leisten hatten, verbesserten diesen Umstand nicht.
Die Kritik des Bürgertums an den Bauern wird deutlich, da sie ihre Vorrechte gegen die neue aufstrebende Bevölkerungsschicht verteidigen wollen und sich somit nach unten hin abgrenzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert das Ziel der Arbeit, die Neidhartspiele im Kontext von Fastnachtstradition und sozialkritischer Bauerndarstellung zu beleuchten.
Definition Fastnachtzeit: Dieses Kapitel beschreibt die kirchengeschichtliche und soziale Bedeutung der Fastnacht als Zeit der Ausgelassenheit und kurzzeitigen Suspendierung gesellschaftlicher Normen.
Definition Fastnachtspiel: Der Autor definiert das Genre des Fastnachtspiels als frühen Beginn der weltlichen Dramatik, geprägt durch heiter-derbe Inhalte und eine Bindung an städtische Traditionen.
Aufführungspraxis: Es wird die historische Aufführungssituation in Wirtshäusern ohne aufwendige Requisiten und die Rolle der Improvisationskomik thematisiert.
Nachwirkung des Fastnachtspiels: Die Ausführungen behandeln den allmählichen Rückzug des Genres aus der Literatur nach 1600 und seine geringe Breitenwirkung in der Folgezeit.
Neidhart von Reuenthal: Dieses Kapitel befasst sich mit der historischen Person des Dichters und seiner literarischen Transformation zu einer ambivalenten Integrationsfigur.
Entstehung des Neidhartspiels: Die Herkunft der Spiele wird diskutiert, wobei insbesondere der österreichische Raum und die unsichere Gattungszugehörigkeit im Fokus stehen.
Motive des Neidhartstoffes: Die Analyse konzentriert sich auf die zentralen Schwankmotive wie das Veilchenmotiv und die systematische Rache an den Bauern.
Bauerndarstellung: Hier wird die sozialkritische Abgrenzung des Adels und Bürgertums gegenüber dem als primitiv und sündhaft dargestellten Bauernstand untersucht.
Neidhartspiele: Der Autor stellt verschiedene spezifische Stücke vor, darunter das "Große Neidhartspiel" und das "Sterzinger Spiel", und analysiert deren formale Unterschiede.
Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassend wird die heutige Aufführbarkeit der Spiele und die problematische Gewaltverherrlichung im Kontext historischer Unterhaltung kritisch hinterfragt.
Schlüsselwörter
Neidhart von Reuenthal, Fastnachtspiel, Mittelalter, Bauerndarstellung, Schwank, Sozialkritik, Aufführungspraxis, Literarische Tradition, Veilchenschwank, Spätmittelalter, Dramatik, Ständegesellschaft, Theatergeschichte, Rittertum, Volkstheater.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Neidhartspielen als literarische Gattung und deren enger Verknüpfung mit der Tradition des Fastnachtspiels im Spätmittelalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entwicklung des Fastnachtspiels, die historische Person Neidharts und die spezifische Darstellung bäuerlicher Figuren als Zielscheibe sozialer Satire.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Entstehung der Neidhartspiele zu klären, ihre literarischen Motive zu systematisieren und die Funktion des "Neidhart-Stoffes" als sozialkritisches Instrument zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung existierender Forschungsmeinungen zu den Neidhartspielen und deren historischem Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Fastnacht und Aufführungspraxis sowie eine detaillierte Analyse der einzelnen Neidhartspiele und ihrer wiederkehrenden Motive.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Fastnachtspiel, Neidhart von Reuenthal, Bauerndarstellung, mittelalterliche Dramatik und soziale Satire.
Wie unterscheidet sich das "Große Neidhartspiel" von den übrigen Spielen?
Es zeichnet sich durch seinen enormen Umfang von über 2200 Versen und einen hohen Bedarf an Darstellern und Requisiten aus, was eine Aufführung in herkömmlichen Wirtshäusern ausschließt.
Warum wird die Bauerndarstellung in den Spielen als problematisch angesehen?
Der Autor kritisiert die teilweise brutale Gewaltanwendung gegen unbewaffnete Bauern, die in den Stücken zur Belustigung des Publikums dient, was aus heutiger Sicht moralisch bedenklich erscheint.
- Arbeit zitieren
- Alexander Wimmer (Autor:in), 2012, Fastnachtspiele: Neidhartspiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194866