Die Militärgrenze der Habsburgermonarchie zum Osmanischen Reich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert


Hausarbeit, 2006
34 Seiten, Note: Gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Einleitung

II. Die Grenzsituation im 16. Jahrhundert

III. Das Entstehen einer klar definierbaren Grenze

IV. Die walachische Grenzbevölkerung

V. Die historische Entwicklung des Walachenrechtes

VI. Die Statuta Valachorum von 1630

VII.Die weitere Entwicklung der Militärgrenze im 18. und 19. Jahrhundert (kurzer Überblick)

VIII. Schlußwort

Anhang A Kartenabdruck des Gebietes der Militärgrenze

Anhang B Nationalitäten in Jugoslawien 1991

Anhang C Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Ab dem Jahr 1522 bildete sich in Kroatien und Slawonien (später auch in Siebenbürgen und dem Banat) entlang der unsicheren Grenze zum nahezu die gesamte Balkanhalbinsel beherrschenden Osmanischen Reich eine spezielle, unter direkter österreichischer Militärverwaltung stehende Schutz-und Verteidigungszone, die historisch auch als österreichische Militärgrenze (kroatisch und serbisch auch vojna krajina genannt) bezeichnet wird, aus. Deren endgültige Auflösung erfolgte erst am 1. August 1888 und beschleunigte in weiterer Folge den nationalistisch bedingten, am Ende des I. Weltkrieges 1918 stattgefundenen Zerfall der österreichisch- ungarischen Donaumonarchie.

Mit der Anfang des 16. Jahrhunderts durch die Habsburger erfolgten Übernahme der Regentschaft in Ungarn1, Kroatien und Slawonien2 erfuhr die wenige Jahre zuvor als lediglich militärischer und zeitlich beschränkter Assistenzeinsatz gegen die vordringenden Osmanen gedachte Entsendung innerösterreichischer (= aus dem Erzherzogtum stammender) Truppenkontingente in die kroatischen (die so genannte Krabatische Gränitz) und slawonischen Grenzgebiete (die so genannte Windische Gränitz) eine dauerhafte und für die weitere Entwicklung dieser Gebiete entscheidende Festigung.

Die besondere administrative Struktur des Gebietes der Militärgrenze auf dem Gebiet des heutigen Kroatien sowie die darin lebende Bevölkerung, die sich aufgrund besonderer kaiserlicher Privilegien hunderte Jahre lang adeliger Leibeigenschaft entziehen konnte, soll Gegenstand dieser Hausarbeit sein.

Der Verfasser versucht dabei, sowohl die historischen Wurzeln der kroatischen Militärgrenze, ihren im Zusammenhang mit den Türkenkriegen stetig erfolgten Ausbau während des 16. und 17. Jahrhunderts sowie die daraus resultierenden besonderen, an die Grenzbevölkerung verliehenen schriftlichen Privilegien (u.a. den Statuts Valachorum) unter Anwendung der deskriptiven Methode genauer zu untersuchen. Folgende Fragen sollen durch die gegenständliche Arbeit behandelt bzw. erläutert werden:

1) Unter welchen Umständen hat sich eine eigene, „walachische" Bevölkerung in den nahezu menschenleeren Grenzgebieten niedergelassen und zu einem Charakteristikum entwickelt ?
2) Welche Verpflichtungen und welche Rechte hatte sich diese Bevölkerung dadurch erworben?
3) Welche historischen Ursachen lagen im stetigen Ausbau sowie der fortschreitenden Militarisierung der Militärgrenze?

Aufgrund der eingeschränkten Seitenanzahl der gegenständlichen Arbeit wird auf die auf dem Gebiet des heutigen Rumänien (Siebenbürgen und Banat) ebenfalls errichtete Militärgrenze nicht näher eingegangen.

Im Schlußteil der Hausarbeit wird in einer Kurzzusammenfassung die weitere historische Entwicklung der Militärgrenze im 18. und 19. Jahrhundert bis zu ihrer definitiven Auflösung und Eingliederung in den ungarischen Staatsverband beleuchtet. Es wird dabei auch versucht, die aus der Auflösung der Militärgrenze resultierenden Konsequenzen für die zum Ende des 19. Jahrhunderts vor unlösbaren nationalen Problemen stehende Habsburgermonarchie kurz darzustellen.

II. Die Grenzsituation im 16. Jahrhundert

"Den 7.July haben die Türggen undterhalb des Castel Sigetl, ain V(U)nderthan namens Michäl Beruthäniedergehaut vnd (und) sein Sohn weggefüert " 3

„ Wann ein Bauer auf den Grentzen ackert, hat er alle Zeit den Säbel angegürtet und das gesattelte Pferd neben dem Pfluge wann dann die Türeken kommen springen sie geschwinde auf das Pferd und wehren sich tapffer; so sie sich aberübermannet sehen, streichen sie in vollem Galopp davon und machen Lärmen. Da dann aus den Grentzen alles häuffig herbey eilet und den Türeken nachsetzet; solches geschieht fast täglich " 4

Eine Vielzahl von zeitgenössischen Berichten und Chroniken wie die oben zitierten überliefern ein relativ klares Bild der im 16. und 17. Jahrhundert herrschenden Zustände an der Ostgrenze des Habsburgerreiches. Das stetig nach Nordwesten expandierende Osmanische Reich unter Führung von Sultan Süleyman I. („des Prächtigen") versuchte ab 1520 durch eine Vielzahl kleinerer und größerer Angriffe auch Innerösterreich5 unter seine direkte Herrschaft zu bringen und gefährdete dadurch und unmittelbar Zentralmitteleuropa. Die osmanische Belagerung Wiens 1529 war dafür ein Indiz; der Krieg der Osmanen gegen Europas „Ungläubige"6 erforderte konzertierten Widerstand. Die rasche Errichtung eines funktionierenden Verteidigungsgürtels entlang der Ostgrenzen Kroatiens, Slawoniens (als geographischer Begriff des östlichen Kroatiens) und Ungarns galt daher als dringliches Gebot der Stunde. In den durch osmanische Truppen verwüsteten und nahezu völlig entvölkerten Teilen Kroatiens (Gebiete Kruppa/ Krupa; Wihitsch/ Bihac) wurden bereits ab Frühsommer 1522 österreichische Hilfstruppen mit Einverständnis des habsburgischen Erzherzogs und späteren deutschen Kaisers Ferdinand I.7 stationiert. Die kroatischen Stände waren bei immer schwächer werdender ungarischer Unterstützung zu diesem Zeitpunkt kaum mehr in der Lage, den ständigen osmanischen Überfällen ohne fremde Hilfe weiterhin zu widerstehen. Erst mit der aus der Not der türkischen Bedrängnis erfolgten Wahl Ferdinands zum kroatischen König 1527 erfuhr die ursprünglich nur für einen vorübergehenden Zeitraum vorgesehene Stationierung österreichischer Truppen ihre rechtliche Begründung. Deren Anzahl war anfangs recht gering, sodaß bis auf weiteres nur an rein defensive Verteidigungs- anstrengungen gedacht werden konnte.

III. Das Entstehen einer klar definierbaren Grenze

Nach der Stationierung österreichischer Truppen in Kroatien (1522) konnte für rund dreissig Jahre die bedrohliche Situation im Grenzgebiet stabilisiert werden. Diese merkbare Stabilisierung und der damit verbundene vermeintlicher Friede veranlassten die den Grenzschutz finanzierenden Stände Innerösterreichs jedoch immer wieder zu Einsparungen, die sich direkt auf den Zustand der lediglich provisorisch angelegten Befestigungen sowie der Mannschaften negativ auswirkten.

Immer wieder mussten unerwartete, plötzlich vorgetragene und tiefgestaffelte Angriffe der Osmanen den Österreichern demonstrieren, wie ernst die Lage während des 16. Jahrhunderts tatsächlich war und wie notwendig die Umwandlung eines Provisoriums, das sich durch zeitweilige Sold - .Verpflegungsund Befestigungsrückstände auszeichnete, in eine durchorganisierte Grenzverteidigung tatsächlich war.

So waren zum Beispiel die rund achzig in Kroatien und Slawonien angelegten festen Plätze nahezu ohne beschusstaugliche Wehranlagen gebaut worden. Nirgends war überdies schwere Artillerie vorhanden; von den leichten Artilleriegeschützen gab es viel zu wenige.

Ein zeitgenössisches Quellendokument, das „ Verzaichnuss des alten Geschücz und Munition, so an baiden crabatisch und windischen Gräniczen alberaid verhanden" a , zählt diese Mängel penibel auf.

Um das Jahr 1550 begann man daher auf österreichischer Seite mit der systematischen Anlage von Grenzbefestigungen sowie dem Ausbau von strategischen Schlüsselstellungen. Die besonders 1552 von den Osmanen aus Bosnien heraus vorgetragenen starken Angriffe, die sich direkt gegen innerösterreichische Ziele zu richten schienen, zeigten die Notwendigkeit eines ausreichenden und längerfristig geplanten Verteidigungshaushaltes9, der den zügigen Ausbau der Befestigungen ermöglichen sollte.

Hans Ungnad, damaliger Landeshauptmann der Steiermark, wurde zum ersten habsburgischen „Grenzobristen" ernannt und erhielt neben dem Oberbefehl über alle Truppen in Kroatien und Slawonien auch die Oberherrschaft über neu aus dem osmanischen Herrschaftsbereich zuwandernde walachische Flüchtlinge. Neben der militärischen unterstand ihm als habsburgischer Befehlshaber auch die zivile Gewalt über diesen von den adeligen kroatischen Grundherren zuvor völlig vernachlässigten Landstrich. Selbst der Ban10 als oberste Autorität der Kroaten verlor im Grenzgebiet so gut wie jedes Mitspracherecht; Ungnad war lediglich angewiesen worden, in allen gemeinsamen Angelegenheiten mit ihm „zusammenzuarbeiten", was eine Vielzahl von Interpretationsvarianten dieser „Zusammenarbeit" zuliess.11

Aus einer Vielzahl von vorhandenen Chroniken und Berichten zu Mitte des 16. Jahrhunderts lassen sich die zuvor zwei bis drei Jahrzehnte oberflächlich befriedeten kroatischen und slawonischen Grenzgebiete hinsichtlich ihres geographischen Umfanges erstmals ziemlich genau definieren. Deutlich wird bereits - wie auch bereits oben anhand eines Vermerkes aus den acta confinis erkennbar ist (siehe Fussnote 8)- zwischen der „Crabatischen Gränicz" und der „Windischen Gränicz" unterschieden.

Die rund 400 km kroatisch Grenze wurde zwischen Zengg- Senj an der Adriaküste und dem Fluss Save durch insgesamt 52 „Granicz-Häuser" (kleine Kasernen, die mit ständiger Besatzung belegt waren) und vier Schlüsselfestungen (Zengg, Ogulin, Wihitsch- Bihac, Hrastowitz) gesichert.

Die windische Grenze zog sich im Anschluss an die kroatische entlang der Save und Drau nach Osten hin und wurde in weiterer Folge von der eigentlichen ungarischen Grenze abgelöst. Deren Hauptfestungen waren Ivanic, Kreutz-Krizevci, Kopreinitz-Koprivnica, Varasdin und Agram-Zagreb; Varasdin war in diesem Zusammenhang „ Der Windischen gräniczen metropolis"12 und beherbergte ein besonders grosses Arsenal an Geschützen und Munition.

Auch Agram - Zagreb war Mitte des 16. Jahrhunderts eine „Haubt graniz stat" geworden, da es infolge seiner ausgezeichneten Verkehrslage ein wichtiges Bindeglied zwischen der kroatischen und windischen Miiitärgrenze abgab. Zu seiner eigentlichen Sicherung gegen osmanische Angriffe wurden sieben vorgelagerte feste Plätze angelegt: Wysaag, Novigrad a.d. Save, Hrastilnicza, Robehanackh, Loretschin sowie Tscheynowa und Hum.

Bereits 1563 konnte das kroatisch- osmanische Grenzgebiet von der Save bis zur Adria auf einer Länge von mehreren hundert Kilometern geographisch klar abgesteckt und eingeordnet werden.

Mehrere militärische Vorposten, die die Jahre zuvor lediglich zur Warnung des Hinterlandes vor heranrückenden „Rennern und Brennern"13 gedient hatten, wurden im Zusammenhang mit dem verstärkten Ausbau von Grenzpatrouillen und fixen Garnisonsplätzen wieder aufgelöst. Auch exponiert gelegene Schlösser und Güter, die zuvor immer wieder Ziel von türkischen Überfällen geworden waren, wurden in diesem Zusammenhang abgetragen oder aber von dort stationierten Soldaten als befestigte Unterkünfte weiterhin genutzt.

Der Prozess der militärischen Adaptierung des Grenzgebietes förderte die Abwanderung der kroatischen Grundherren in weniger exponierte Gebiete Zivilkroatiens, obzwar der jeweilige Besitzanspruch im Grenzgebiet in der Regel stets formell aufrechterhalten wurde. Die nicht mehr bestellten und betreuten Landstriche begannen rasch zu veröden. Mit diesem Rückzug des Adels und nicht mehr wahrgenommenen Pflichten ging auch ein stetiger Machtverlust zugunsten der innerösterreichischen Stände sowie Ferdinands I. einher.14

Zusammen mit aus dem Deutschen Reich zugeteilten und der Befehlsgewalt des Generalobristen unterstehenden Söldnern stellten die an der Grenze stationierten, rund 5.000 Mann umfassenden Kontingente ab Mitte des 16. Jahrhunderts sicher, dass ein unbemerktes „Rennen und Brennen"15 türkisch- osmanischer Truppen in die Krain und Kärnten zunehmend unmöglich wurde.

Da der deutsche Reichstag seine an die Grenze entsandten Soldaten jedoch weder bezahlen noch versorgen konnte, belasteten die dafür notwendigen Auslagen zusätzlich das Kriegsbudget Ferdinands I. und der von Graz aus zuständigen innerösterreichischen Stände.

Die organisierte Truppenstationierung entlang der kroatisch- osmanischen Grenze war- wie auch zu Beginn dieses Kapitels bereits kurz erwähnt- von zeitweiliger allgemeiner Vernachlässigung und von Soldrückstand geprägt.

[...]


1. Nach dem Aussterben der ursprünglich durch König Stefan begründeten Dynastie der Arpaden im Jahre 1301 übernahm eine Nebenlinie des in Neapel regierenden Hauses Anjou bis 1387 die Regentschaft in Ungarn. Ab diesem Zeitpunkt herrschte Sigismund von Luxemburg, der die aus dem eroberten Serbien herandrängenden Osmanen durch einen 1396 gescheiterten Feldzug, bei dem er selbst zu Tode kam, am weiteren Vormarsch hindern wollte. Die den Luxemburgern in Ungarn nachfolgende Dynastie der polnischen Jagiellonen konnte trotz mehrerer militärischer Unternehmungen die vollständige osmanische Eroberung Bosniens und- damit verbunden- die direkte Bedrohung des eigenen Landes sowie der Steiermark, Kärntens und der Krain durch häufig erfolgende Raubzüge der Osmanen nicht verhindern. Der Erbvertrag von 1491, der den Habsburgern die Anwartschaft auf Böhmen und Ungarn im Falle des Aussterbens der Jagiellonen zusicherte, wurde 1526 aktuell und führte dazu, dass der Erzherzog von Österreich und Kaiser des Deutschen Reiches Landesherr von Ungarn und damit auch unmittelbar verantwortlich für das Schicksal der kroatisch- slawonischen Grenzgebiete wurde.

2.Die Anfänge der österreichischen Verteidigung Kroatiens reichen in die Jahre vor der für das Königreich Ungarn so verheerenden Schlacht bei Mohacs gegen die Osmanen im Jahre 1526 zurück. Nachdem kroatische Adelige unter Führung des Grafen Christoph von Frankpan vom ungarischen König Ludwig II. keinen ausreichenden militärischen Schutz ihrer Güter mehr erwarten konnten, wandten sie sich am 22.3.1522 an Ferdinand I. und baten diesen, den Schutz der Grenze zum osmanischen Machtbereich (die Türken kontrollierten zu diesem Zeitpunkt bereits ganz Bosnien) auf dem Balkan zu übernehmen.

3. Acta historiam confinii militaris croatici illustrantia, Band 1-3, Zagreb 1884-1889; Bd.3, Seite 110-115

4. Johann Weichard Valvasor: Die Ehre des Herzogtums Crain, Bd. 4 Laibach, Nürnberg 1679 (Nachdruck München 1973)

5. Innerösterreich ist ein zusammenfassender Begriff für die Länder Steiermark, Kärnten, Krain und das istrische Küstenland. Als politische Einheit existierte es im Zuge der habsburgischen Erbteilungen 1379/1411-1457 und 1564-1619, dessen Hauptstadt war Graz. Die Bezeichnung bürgerte sich Mitte des 15. Jahrhunderts ein, als Gegensatz zu den Ländern Niederösterreichs (das eigentliche Österreich, das heißt Ober- und Niederösterreich) und den Ländern Oberösterreichs (das heißt Tirol und Vorderösterreich im heutigen Baden- Württemberg). Die Bezeichnung "Oberösterreich" im heutigen Sinn taucht umgangssprachlich erst im 17. Jahrhundert auf. Der erste Habsburger, der in Graz residierte, war Ernst der Eiserne; auch dessen Sohn Friedrich III. residierte dort immer wieder. Im Zuge der Erbteilung unter den Söhnen Ferdinands I. erhielt der jüngste Sohn Karl II. diesen Länderkomplex. Dieser wurde als eigene Landesherrschaft organisiert, die vor allem auch eine eigene Kriegsbehörde hatte. Der Aufbau und Erhalt der Militärgrenze wurde von jedoch primär von Graz aus organisiert. Nachdem Ferdinand III. von Innerösterreich unter dem Namen Ferdinand II. Kaiser und Landesherr der böhmischen und niederösterreichischen Länder geworden war, verschmolz der Länderkomplex nach und nach ins Gesamtreich. Ein Statthalter von Innerösterreich als Mittlerbehörde zu den einzelnen Ländern hielt sich jedoch bis in die Zeit der Erzherzogin Maria Theresia. Abgeändert/ ergänzt und gekürzt zitiert aus: http://de.vvikipedia.org/wiki/Inner%C3%B6sterreich; (Zugriff 25.11.2006)

6 Die osmanischen Angriffe in Südosteuropa sowie die Belagerung Wiens 1529 bildeten die auslösende, die Entwicklung eines organisierten Grenzlandes erzwingende Kraft; diese Kraft bewirkte den vorerst provisorischen Aufbau einer vorgeschobenen Verteidigungslinie durch den Landesherrn und die Stände Innerösterreichs - aus: Jakob Amstadt- die k.k. Militärgrenze 1522 bis 1881, Würzburg 1969, S. XII

7 Ferdinand I. (* 10. März 1503 in Alcalä de Henares bei Madrid; | 25. Juli 1564 in Wien) war von 1558 bis 1564 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation. Ferdinand wurde als viertes Kind von Philipp I. (nach ihm wurden die Philippinen benannt) und Johanna von Kastilien in Alcalä de Henares in Spanien geboren. Er war Enkel von Ferdinand II. von Aragonien und Isabella I. von Kastilien, sowie von Maximilian I. und Maria von Burgund. Sein Bruder war Karl V., dem er für lediglich sechs Jahre als Kaiser nachfolgte. Als Lieblingsenkel von Ferdinand II. von Aragon wurde er nach dem Tode seines Vaters 1506 am spanischen Hof erzogen. Dieser wollte ihm den spanischen Thron vererben, hatte es allerdings verabsäumt, in seinem Testament Regelungen für seinen Enkel zu treffen. Daher konnte der ehrgeizige Bruder Karl nach seiner Ankunft in Spanien 1517 seine Ansprüche sofort durchsetzen und schickte Ferdinand vorerst in die damals spanischen Niederlande. 1518 verließ Ferdinand Spanien für immer. Sein Großvater, Kaiser Maximilian, hatte mit König Wladislaw II. von Ungarn und Böhmen einen Vertrag abgeschlossen, dem zufolge Ferdinand 1521 mit dessen Tochter Anna verheiratet wurde. Nach dem Tode Maximilians gelang es Ferdinand, gegen den Willen seines Bruders Karl V., des neuen Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, im Wormser Teilungsvertrag am 21. April 1521 die "niederösterreichischen Länder" (das Erzherzogtum Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol) zu erhalten. Da er die Landessprache nicht beherrschte und die Rechte der freien Städte einzuschränken gedachte, hatte er anfangs mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. 1526 fiel König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn aus der Jagiellonendynastie in der Schlacht von Mohäcs gegen die Türken. Durch die 1515 erfolgte Heirat Ferdinands mit Anna, der Schwester Ludwigs und Erbin von Böhmen und Ungarn, wurde der habsburgische Anspruch auf die böhmische und ungarische Krone durch Wahl bestätigt; Ferdinand wurde am 24. Februar 1527 in Prag zum König gekrönt. Auch die mit der böhmischen Krone verbundenen Länder Mähren, Schlesien und Lausitz kamen unter habsburgische Kontrolle. In Kroatien wurde Ferdinand I. durch den kroatischen Adel mangels anderer zur Verteidigung gegen die Türken bereiter Herrscher 1527 zum König gewählt. Im restlichen Ungarn dagegen sprach sich nur eine Minderheit für ihn aus. Gegen ihn wurde der Fürst von Siebenbürgen, Johann Zäpolya, als Gegenkönig gekrönt. Dieser stellte sich unter türkischen Schutz und wurde 1529 nach der Eroberung von Ofen (Budapest) dort vom siegreichen Sultan Süleyman II. als Vasallenkönig eingesetzt. Süleyman bedrängte auch Wien (1. Türkenbelagerung), wurde aber am 14. Oktober 1529 zum Rückzug genötigt. Im Vertrag von Großwardein 1538 erkannte Ferdinand hierauf Johann Zäpolya für die von diesem beherrschten Gebiete als König von Ungarn an. Das durch Ferdinand beherrschte Gebiet wurde als Teil der habsburgischen Lande festgeschrieben. Nach Johann Zäpolyas Tod 1540 erhob seine Witwe Isabella, unterstützt vom osmanischen Sultan, für ihren unmündigen Sohn Johann Sigmund Ansprüche auf Gesamtungarn; Ferdinand konnte dadurch bis zum Friedensschluss mit den Türken 1562 keine Regierungsgewalt in Ungarn ausüben. Am 5. Januar 1531 wurde er in Köln von den deutschen Kurfürsten mit fünf Stimmen zum deutschen König gewählt und von Erzbischof Hermann V. von Wied in Aachen gesalbt. Er leitete seitdem als Stellvertreter seines Bruders Karl V. die meisten Reichstage. Da Ferdinands Sohn Maximilian im Gegensatz zu dessen Bruder Ferdinand Sympathien für den Protestantismus zeigte, verheiratet sein Vater ihn mit Maria, einer Tochter seines Bruders Karl V., der 1556 abdankte. Nach langen Beratungen proklamierten die deutschen Kurfürsten 1558 Ferdinand zum neuen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Während der letzten Lebensjahre teilte Ferdinand seine Länder unter seinen drei Söhnen auf (Maximilian II., Ferdinand II. und Karl II.). Nachdem er ab 1563 immer öfter von Fieberanfällen geplagt wurde, starb er am 25.7.1564 in Wien und wurde im Veitsdom der Prager Burg begraben. Unter Verkürzungen,Abänderungen und eigenen Ergänzungen exzerpeirte aus: http://de.wikipedia.Org/wiki/Ferdinand_I.%28HRR%29 (Zugriff 13.11.2006)

8.Acta confmes, Tom. I, Seite 41-44, Nr. XXVI vom 30.8.1577 (Wien)

9.Siehe auch: Acta confmis, Tom. III, Dodatak, S.420- 426, Nr. XV, (Wien 1553)

10.Seit der Personalunion Kroatiens mit Ungarn 1102 wurde der Ban vom ungarischen König ernannt und auf dem ungarischen Reichstag befristet beeidet. Man vermutet, dass das Wort "Ban" vom sarmatischen Wort "bajan " stammt, welches "Führer" bedeutet. Es besteht auch gewisse Ähnlichkeit zum Wort "khan ". Das Wort besteht auch heute noch in zahlreichen Ortsbezeichnungen. Andere Theorien beziehen sich auf den illyrischen Ursprung und den illyrischen Namen "Banius", dessen Existenz anhand bosnischer Funde vermutet wird. Einer Theorie zufolge, wurde der Titel Ban vom Namen eins awarischen Khagan ("Bajan") abgeleitet. Auch das slawische Wort "Pan" für "Herr" wird oft damit assoziiert. Der Ban übte in den politischen, juridischen und militärischen Angelegenheiten Kroatiens die oberste Gewalt fast unumschränkt aus und galt in seinem Bezirk als Zweitmächtigster nach dem König. Seit dem 14. Jahrhundert war er der höchste Repräsentant des Staates in Stellvertretung des außerhalb des Landes (in Ungarn bzw. Wien) residierenden Monarchen. Die Verleihung des Titels Ban galt als Bestätigung der Eigenständigkeit Kroatiens bzw. der traditionellen Autonomie des kroatischen Staatswesens. Die seit der Schlacht bei Mohäcs (1526) weiter vordringenden Türken eliminierten allmählich alle Banschaften bis auf das vereinigte Dalmatien und Kroatien- Slawonien. Die 1746 unter der Herrschaft Maria Theresias vorgenommene Trennung der Zivil- und Militärangelegenheiten (letztere wurden ab diesem Zeitpunkt vom Wiener Hofkriegsrat wahrgenommen) beschränkte die Machtausübung des Ban erheblich. Als Ausgleich für seinen innerkroatischen Machtverlust erhielt er zusätzlich die Verwaltung des von Maria Theresia aus den ungarischen Komitaten Pozsega (kroat. Po ega), Veröce (kroat. Virovitica) und Syrmien (kroat./serb.Srijem) gebildeten Slawonien. Durch die neu geschaffene österreichische Reichsverfassung vom 4. März 1849, die Kroatien, Slawonien und Dalmatien zu einem eignen Kronland umwandelte, wurde der Ban de facto von Ungarn unabhängig und somit selbständiger Statthalter. Zwischen 1849 und 1867 wurde er direkt vom Kaiser ernannt. Mit dem Ungarisch- Kroatischen Ausgleich 1867 (eine Folge des österreichisch- ungarischen Ausgleichs) gelangten Kroatien und Slawonien wieder unter ungarische Oberhoheit. Ab diesem Zeitpunkt bis zum Ende der Monarchie wurde der jeweilige Ban wieder von der ungarischen Regierung zum Statthalter Kroatiens ernannt. Abgeändert/ ergänzt und verkürzt wiedergegeben unter Bezugnahme auf : http://de.wikipedia.org/wiki/Ban (Zugriff 4.12.2006)

11.Jakob Amstadt: Die k.u.k. Militärgrenze 1522- 1881, Würzburg 1969, S.41

12.Acta confmes Tom. I, Nr. XXV, S.43 (Wien, August 1577)

13.Siehe Fussnote 12

14.Jakob Amstadt, S.45

15.Die sogenannten Renner und Brenner waren kleine, mobile walachische Truppenkontingente, die ab dem 14. Jahrhundert bei Überraschungsangriffen tief in das kroatische und teilweise auch österreichische Hinterland vorstießen, in großem Rahmen plünderten und mordeten sowie die Bewohner ganzer Dörfer entführten, um sie im Osmanischen Reich als Sklaven zu verkaufen (der Verfasser), Ekkehard Völkl spricht von leicht rekrutierbaren und willfährigen Hilfstruppen der Osmanen, die dem türkischen Hauptheer plündernd und brandschatzend vorauseilten. Überdies hatten die Osmanen mit den dienstbaren Walachen ein Potential zur Verfügung, mit dessen Hilfe man die durch die Kriege entvölkerte Landstriche (z.B. die sog. Kleine Walachei) im Grenzgebiet neu besiedeln konnte.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Die Militärgrenze der Habsburgermonarchie zum Osmanischen Reich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Geschichte und Gegenwart Alteuropas)
Note
Gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
34
Katalognummer
V194871
ISBN (eBook)
9783656202721
ISBN (Buch)
9783656208754
Dateigröße
1105 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit wurde als einer von mehreren Studiennachweisen im 2. Studienabschnitt des Hauptfaches Geschichte verfasst
Schlagworte
Habsburgermonarchie, Bosnien, Militärgrenze, Osmanisches Reich
Arbeit zitieren
B.A., M.A. Martin Krämer (Autor), 2006, Die Militärgrenze der Habsburgermonarchie zum Osmanischen Reich zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194871

Kommentare

  • Gast am 18.5.2014

    Äußerst gut aufbereitete Arbeit zu einer Thematik, die einen ganz wichtigen Eckpfeiler mitteleuropäischer Geschichte darstellt. Lesenswert......

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