Die Arbeit der Drogenhilfe am Beispiel der Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Drogenkonsumenten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Verzeichnis des Inhalts

Einleitung

Aspekte im temporären Kontext

Rahmenbedingungen im Kontext der Legitimität

Gegenwärtige Situation der Substitutionsbehandlung in der BRD

Schlussbemerkungen des Autors

Verzeichnis der Literatur

Einleitung

Der Begriff der Substitution geht auf das lateinische Verb substituere zurück und bezeichnet das Ersetzen einer Sache durch eine andere. Dies beschreibt bereits elementar den Grundgedanken der Substitutionsbehandlung bei Opiatabhängigen durch die Substitutionsprogramme. Eine gesundheitliche und soziale Stabilisierung von schwer Abhängigen soll durch die Substitutionsprogramme erreicht werden. Das langfristige Ziel ist die eigentliche Entwöhnung von der Drogensucht. Die Substitutionssubstanzen werden ausschließlich oral zugeführt. Eine intravenöse Injektion ist ausgeschlossen. Verunreinigungen der Substitutionssubstanzen sind im Gegensatz zu illegalen Drogen nicht gegeben. Ebenso liegt ein Vorteil in der exakten Dosierung. Die häufig auftretenden Komplikationen des intravenösen Drogenkonsums, wie Abszesse, Sepsis, Hepatitis B und C, Nierenversagen, Überdosierungen etc. werden somit eliminiert. Eine finanzielle und zeitliche Entlastung der Betroffenen lässt sich ebenfalls beobachten. Die verschiedenen Arten der Beschaffungskriminalität werden innerhalb der Substitutionsprogramme vermieden (vgl. Poehlke, 2001. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.266). Der behandelnde Arzt und die mitwirkende psychosozialen Beratungsstelle forcieren die Wiederaufnahme einer Arbeit und sozialer Kontakte außerhalb des Drogenmilieus. Die Substitutionsbehandlung Opiatabhängiger in Deutschland trifft gegenwärtig flächendeckend auf eine hohe Resonanz und Frequentierung in den Behandlungsangeboten. Ungefähr 2.800 Ärzte und Ärztinnen sind in Besitz einer Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung zur Durchführung von Substitutionsbehandlungen. Diese betreuen ungefähr 55.000 Betroffene. Trotz aller offensichtlich vorteilhaften Auswirkungen der Substitutionsbehandlung ist der Diskussionsbedarf immer noch aktuell. Eine Teilnahme an Substitutionstherapien wird vielen Betroffenen immer noch erschwert (vgl. Gerlach, 2001. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.266). Auch die BRD bildet hier keine Ausnahme. Ursächlich hierfür mag die kurze Geschichte der Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen in der BRD, aufgrund des bis in die 80er Jahre vorherrschenden Abstinenzparadigmas, sein (vgl. Follmann/Gerlach, 2002. S.266).

Aspekte im temporären Kontext

Anfang der 70er Jahre trat Heroin zum ersten Mal auf dem Drogenschwarzmarkt in der BRD in Erscheinung. Innerhalb der folgenden Jahre war ein immenser Anstieg der Heroinkonsumenten, auf ca. 30.000 bis 40.000, zu registrieren (vgl. Follmann/Gerlach, 2002. S.267). Zwischen den Jahren 1973 und 1975 wurde in Hannover ein erstes Methadonprogramm, auf experimenteller Basis, etabliert. Grundlage hierfür waren die gesammelten Empirien in den USA und Schweden, wo opiatabhängige Drogenkonsumenten mit Methadon behandelt wurden. Es konnte eine Erfolgsquote von nahezu 100 % registriert werden (vgl. Krach, 1978. in: Follmann/Gerlach, 2002). Maßstab hierfür waren die Kriterien nach Dole und Nyswander (vgl. Dole/Nyswander, 1966. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.267). Trotz der positiven Ergebnisse, wurde der Versuch negativ bewertet, da im Anschluss an die erfolgreiche Substitutionsbehandlung der Betroffenen, deren Majorität ihre wieder erlangten sozialen Kompetenzen nicht aufrecht zu erhalten vermochte (vgl. Gerlach/Schneider, 1994. in: Follmann/Gerlach, 2002. S. 267).

Folgend wird auf die primäre Substitutionssubstanz in der Therapie opiatabhängiger Drogenkonsumenten eingegangen, Methadon.

Methadon ist ein Opiat auf synthetischer Basis. Die Wirkungsweise ist der eines Morphins analog. Entwickelt wurde Methadon von der Firma Hoechst im Jahre 1939 in Anlehnung an die Entwicklung opiathaltiger Analgetika. Die folgenden Ausführungen sind zur weiteren Differenzierung der Substitutionssubstanzen erforderlich. So ist als weiteres anzuführen, dass Methadon ein sog. Razemat ist. Dieser Begriff beschreibt die chemischen Eigenschaften des Methadons. Es ist ein zweiteiliges Molekül. Bestehend aus Levomethadon und Dextromethadon.

Erstgenanntes besitzt eine dem Morphin äquivalente Wirkungsweise; das

Dextromethadon hingegen ist als nahezu wirkungslos zu beschreiben (vgl. Köhler/Poehlke, 2000. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.267). Mit der therapeutischen Einnahme der Substanz lassen sich die Entzugserscheinungen opiatabhängiger Konsumenten unterdrücken. In der BRD ist Methadon erst seit dem Jahre 1994 zugelassen. Bevor die hierfür erforderlichen Änderungen in den betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften erlassen wurden, war lediglich Levomethadon in der BRD zugelassen. Die BRD bildete hierbei im internationalen Vergleich eine Ausnahme (vgl. Follmann/Gerlach, 2002. S.267).

Das bereits erwähnte Hannoversche Methadonprojekt, in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, muss als Reduktionsprojekt verstanden werden. Somit ist es, orientiert an der Methadon-Erhaltungsbehandlung nach Dole und Nyswander, als antagonistisch zu betrachten. Hinsichtlich der Effektivität der Behandlung wurde der Erfolg als negativ angesehen. Dies ist nur zu verstehen, wenn man anführt, dass die Bewertung des Projekts an der damals allgemeingültigen These der absoluten Abstinenz orientiert war. Hieraus lässt sich auch weiterführend, die noch weitere Jahre aufrecht erhaltende These der Dominanz der stationären Abstinenztherapien gegenüber den ambulanten Substitutionsbehandlungen mit Methadon, begründet ableiten. Dies wurde von der Majorität der Drogenexperten, ärztlichen Standesorganisationen und gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen (vgl. Gerlach/Schneider, 1994. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.268).

Ebenso im darauf folgenden Jahrzehnt des letzten Jahrhunderts wurde die Drogenpolitik in der BRD durch das Abstinenzparadigma dominiert. Initiative ‚Harm Reduction‘ Projekte konnten auf Grund bundespolitischer Ablehnung nicht etabliert werden (vgl. Michels, 1993; Kalke, 1997. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.268).

Eine Verordnung von Levomethadon in der BRD an opiatabhängige Drogenkonsumenten war bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts nur in extremen Ausnahmefällen erlaubt. Jedoch auch in solchen Fällen war die praktische Umsetzung durch Ärzte behindert. Dies liegt in der Bewertung begründet, dass die Durchführung von Erhaltungsbehandlungen als ärztliche Kunstfehler verstanden wurde. Einige Ärzte wiedersetzten sich dieser Auffassung jedoch (vgl. Follmann/Gerlach, 2002. S.268).

Um mögliche juristische Folgen zu eliminieren, setzte eine, von mehreren Ärzten praktizierte, Initiative ein. Als Substitutionssubstanz wurde auf Codein oder Dihydrocodein ausgewichen. Diese Substanzen unterlagen nicht dem Betäubungsmittelgesetz (vgl. Grimm, 1992. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.268). Über zwei Jahrzehnte wurde dieser Behandlungsansatz praktiziert.

Die geforderte Entstehung von Therapieangeboten, die sich an der Akzeptanz und Schadensminimierung orientieren, einschließlich der Substitutionsprogramme, lässt sich als Folge steigender Beschaffungskriminalität- und Todesfallraten, dem ungenügenden Angebot an abstinenzorientierten Therapiemöglichkeiten sowie dem Auftreten und der Ausbreitung der Krankheit Aids in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, definieren (vgl. Stöver/Herwig-Lempp, 1988; Schneider, 1989; Gerlach/Kemmesies, 1990. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.269).

Bundesdeutsche, differenzierte, wissenschaftlich fundierte Substitutionsprogramme auf experimenteller Ebene, konnten eine positive Effektivität, bezüglich Methadon- Erhaltungsprogrammen aufzeigen und somit eine Anerkennung durch den Gesetzgeber und die Gesetzlichen Krankenkassen erreichen. Die Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Drogenkonsumenten konnte durch einen Beschluss des Bundesgerichtshofes aus dem Jahre 1991 unterstützt werden. Ein zweiter Beschluss im Jahre 1992 führte zu einer Klarstellung der Substitutionstherapie innerhalb des §13 Abs.1 BtMG und zur Formulierung als Ultima Ratio (vgl. Bossong/Stöver, 1992. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.269).

Rahmenbedingungen im Kontext der Legitimität

Versucht man den legitimen Fundus der Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Drogenkonsumenten zu definieren, so zeigt sich, dass dem Betäubungsmittelgesetzt (BtMG) und der Betäubungsmittelverschreibungs-Verordnung (BtMVV) eine essentielle Bedeutung zu Teil wird. Die sog. BUB-Richtlinien reglementieren die Kostenübernahme für eine vertragsärztliche Versorgung gegenüber den gesetzlichen Krankenversicherungen. Diese werden durch den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen erlassen. Das Bundessozialhilfegesetz (BSHG) reglementiert eine Kostenübernahme bei nicht krankenversicherten Betroffenen. Der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) dient als Orientierung zur Vergütung der erfolgten ärztlichen Leistungen. Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) steht im Mittelpunkt, im Falle, dass eine Behandlung selbst finanziert wird. Die im Rahmen einer Substitutionsbehandlung von opiatabhängigen Drogenkonsumenten zu erfolgende Psychosoziale Begleitbetreuung (PSB) ist bezüglich ihrer Vergütung und ihres Inhalts nicht bundeseinheitlich definiert und reglementiert (vgl. Follmann/Gerlach, 2002. S.270).

Reker beschreibt ebenfalls differenzierte legitime Fundi, mit denen Therapeuten in der praktischen Anwendung der Substitutionsbehandlung von opiatabhängigen Drogenkomsumenten, konfrontiert werden können. So benennt er das Betäubungsmittelgesetzt (BtMG), die Betäubungsmittelverschreibungs-Verordnung (BtMVV) sowie die Richtlinien der Bundesärztekammer, als essentielle legitime und finanzierungsrelevante Fundi. Reker führt fort und beschreibt die BUB- Richtlinien, das Bundessozialhilfegesetz (BSGH), den einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) sowie die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) als maßgebend, bezüglich der Finanzierung und Abrechnung ärztlicher Leistungen (vgl. Reker, 2000. in: Follmann/Gerlach, 2002. S.270).

Im Folgenden ist es erforderlich näher auf das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und die Betäubungsmittelverschreibungs-Verordnung (BtMVV) einzugehen.

Die Verabschiedung des BtMG fand im Jahre 1971 statt. Es bildet den elementaren Fundus für alle weiteren Regelarien bezüglich der Betäubungsmittel. Eine Manifestation der legitimen Position der therapeutisch tätigen Ärzte, in Bezug zur Substitutionstherapie Opiatabhängiger, wurde erst durch Änderungen des BtMG und der BtMVV im Jahr 1992 etabliert. Folgende Substanzen zur Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Drogenkonsumenten sind definiert. Anbei sind Angaben über die, in einem Zeitraum von 30 Tagen, durch Ärzte zu verschreibenden Höchstmengen in mg beschrieben: Methadon (3.000 mg); Levomethadon (1.500 mg); Buprenorphin (720 mg); Codein/Dihydrocodein (40.000 mg). Die ärztliche Therapie muss sich am aktuellen medizinisch-wissenschaftlichen Stand orientieren. Dieser wird durch die Bundesärztekammer definiert. Im Folgenden finden Sie diesbezüglich ein Resümee:

„Substitution im Sinne des BtMVV ist, wenn die Anwendung von Substitutionsmitteln folgenden Zwecken dient:

1. Behandlung der Opiatabhängigkeit mit dem Ziel der schrittweisen Wiederherstellung der Betäubungsmittelabstinenz einschließlich der Besserung und Stabilisierung des Gesundheitszustandes,
2. Unterstützung der Behandlung einer neben der Opiatabhängigkeit bestehenden schweren Erkrankung oder
3. Verringerung der Risiken einer Opiatabhängigkeit während einer Schwangerschaft und nach der Geburt.

Unter den Voraussetzungen des Art.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Arbeit der Drogenhilfe am Beispiel der Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Drogenkonsumenten
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V194892
ISBN (eBook)
9783656200642
ISBN (Buch)
9783656202134
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogenarbeit, Substitution, Drogenhilfe, Betäubungsmittel, Abusus
Arbeit zitieren
B.A. Christian Mönch (Autor), 2009, Die Arbeit der Drogenhilfe am Beispiel der Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Drogenkonsumenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194892

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