Der Klassiker Max Weber - Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung


Seminararbeit, 2004
15 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografie des Klassikers Max Weber

3. Zu seinem Werk: Soziologische Grundbegriffe

4. Begriff der Soziologie und der „Sinn“ des sozialen Handelns
4.1. Begriff des sozialen Handelns
4.2. Bestimmungsgründe sozialen Handelns

5. Die Soziale Beziehung
5.1. Offene und geschlossene Beziehung
5.2. Begriff und Arten der Verbände
5.3. Begriff des Kampfes

6. Prozess der Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung
6.1. Betrieb, Betriebsverband, Verein, Anstalt
6.2. Macht, Herrschaft
6.3. Politischer Verband, hierokratischer Verband

7. Schluss: Wieso ist Max Weber einer der Klassiker der Soziologie?

Der Klassiker Max Weber

Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung

„Und wenn wirklich einmal die ,längliche Weile’ uns beschleichen sollte... ich weiß, was ich tue, ich greife zum äußersten Mittel und lerne Herrn von Varnbühlers Zolltarif auswendig. (...) ...ich schwärme nicht, ich dichte nicht (...) - was soll ich also anfangen als lesen, und das besorge ich denn auch gründlich“ (Fügen 1985, S.20).

1. Einleitung!

Mit dieser Hausarbeit werde ich eine ausführliche Beschreibung und Zusammenfassung zu meinem Referat „Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung“ geben. Ich habe die Gliederung wie folgt getroffen, da sie mir so am Sinnvollsten erschien. Zuerst werde ich auf die Person Max Weber eingehen. Bevor der eigentliche Prozess der Vergemeinschaftung und der Vergesellschaftung erklärt werden kann, müssen noch einige Begriffe bzw. Idealtypen, die der Soziologe Max Weber vor allem in seinem Hauptwerk „Wirtschaft und Gesellschaft“ prägte, definiert werden. Das obige Zitat habe ich mir ausgesucht, da es sehr schön verdeutlicht, wie fleißig und ungewöhnlich rege Weber war. „Manchmal las oder lernte er nur zum Zeitvertreib“ (Fügen 1985, S.20).

2. Biografie

Max Weber wurde am 21. April 1864 in Erfurt geboren und starb am 14. Juni 1920 in München aufgrund einer zu spät erkannten Lungenentzündung. Schon in sehr frühen Jahren verbrachte Weber seine Zeit mit Büchern. Mit seinem 13. Lebensjahr interessierte er sich für die Philosophen Schopenhauer, Spinoza und Kant. Zwei Jahre später begeisterte er sich für einige Klassiker der Antike wie Homer, Herodot, Vergil und Cicero.

„Treffend (...) von sich (selbst sagte er): Ich bin intellektuell früh, in allem übrigen aber sehr spät reif geworden“ (Fügen 1985, S. 18).

Nach väterlichem Vorbild nahm Weber 1882 sein Jurastudium in Heidelberg auf, wechselte jedoch im Laufe seiner Studienzeit nach Straßburg, Berlin und Göttingen. 1888 trat er dem Verein für Sozialpolitik bei, dessen Profil er später wesentlich prägte. Seine Frau Marianne Schnitger, eine der bedeutendsten Aktivistinnen der deutschen Frauenbewegung, heiratete er 1893. Weber war 1909 neben Ferdinand Tönnies und Georg Simmel Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Er wuchs zur Zeit des zweiten deutschen Kaiserreiches auf und zur Zeit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft. Seine wissenschaftlichen Arbeiten seien darauf gerichtet, die politischen und sozialen Gegebenheiten seiner Zeit so wiederzugeben, dass es für ihn und andere möglich gewesen wäre, Zusammenhänge klar zu erkennen, den Sinn dieser zu beurteilen und somit handelnd auf sie einzuwirken (Fügen 1985, S. 7). Webers Eltern sind großbürgerlich, sein Vater war lange Zeit Reichstagsabgeordneter. So kam es, dass Weber schon im frühen Alter Kontakte zu Personen wie Heinrich von Sybel, Wilhelm Dilthey oder Theodor Mommsen hatte.

„Ich bin ein Mitglied der bürgerlichen Klasse, fühle mich als solches und bin erzogen in ihren Anschauungen und Idealen“ (Fügen 1985, S.8).

Weber, der vor allem durch seine systematischen Schriften zur politischen Soziologie und zur Entwicklung des Kapitalismus und der Bürokratie bekannt wurde, hatte einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass sich die Soziologie als Wissenschaft überhaupt etablieren konnte. Er gilt als der Begründer der „verstehenden Soziologie“, „eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“ (Weber 61984, S.19).

3. Zu seinem Werk: Soziologische Grundbegriffe

Was ist „Soziologie“? Was ist „Sinn“? Was ist „soziales Handeln“? All diese Begriffe hat Max Weber unter vielen anderen - auf die ich noch eingehen werde - in seiner „soziologischen Kategorienlehre“ geprägt. Neben historischen, politischen und religionssoziologischen Schriften ist diese in seinem Hauptwerk „Wirtschaft und Gesellschaft“ - welches nach seinem Tode von seiner Frau 1921/22 veröffentlicht wurde - enthalten. Weber bildete sogenannte Idealtypen, wie z.B. „zweck- oder wertrational“. Die Soziologie will nach Weber mit ihren Begriffen „etwas Eindeutiges“ beschreiben, daher entwirft sie so genannte „reine“ Typen, Idealtypen. Aufgrund der Eigenart ihrer Abstraktion müssen die Begriffe relativ „inhaltsleer“ sein, dafür aber eine „gesteigerte Eindeutigkeit“ aufweisen. „Diese gesteigerte Eindeutigkeit ist durch ein möglichstes Optimum von Sinnadäquanz erreicht“ (Weber 61984, S. 38). Da es sich hierbei um Ideale handelt, handelt es sich zugleich um eine „weltfremde“ Wirklichkeit. Idealtypen gibt es in der Realität nur annäherungsweise. Weber weist darauf hin, dass der Idealtypus je schärfer und eindeutiger er gebildet ist, desto terminologischer und auch weltfremder ist (61984, S.39). Es empfiehlt sich durchaus, sich mit Webers soziologischen Grundbegriffen auseinander zusetzen, auch wenn das Geschriebene nicht gleich nach dem ersten Lesen verständlich erscheint. Ein langsames „Vortasten“ Satz für Satz ist angebracht, damit man Webers „soziologische Kategorienlehre“ - die dann durchaus logisch nachvollziehbar ist - verstehen kann. Weber selbst sagt „Die scheinbar nutzlos ,mühselige’ Definition dieser Tatbestände ist ein Beispiel dafür: daß gerade das Selbstverständliche’ (weil anschaulich Eingelebte) am wenigsten ,gedacht’ zu werden pflegt“ (61984, S.74). Nicht umsonst wird er als Begründer der Soziologie und sein „Werk (als) (...) vielschichtig und differenziert“ (Riley 1991, S.6) bezeichnet.

4. Begriff der Soziologie und der „Sinn“ des sozialen Handelns

Soziologie ist für Weber in dem hier verstandenen Sinn (s. Ende Punkt 2, Biografie) eine Wissenschaft, die sich mit dem sozialen Handeln des Menschen beschäftigt und die versucht, durch Beobachtung und Deutung bzw. durch Verstehen eines bestimmten Handlungsmusters den Ablauf und die daraus resultierenden Wirkungen zu erklären. „Für die Soziologie (...) ist (...) der Sinnzusammenhang des Handelns Objekt der Erfassung“ (Weber 61984, S.30). Wieso schließen sich Menschen in Ghettos häufig in Gangs zusammen? Wieso werden Menschen kriminell? Wieso flirten Menschen? Wie ist der „Flirt“ entstanden? Wie nehmen Menschen Sinneseindrücke wahr? (vgl. Georg Simmel „Die Soziologie der Sinne“). Die Soziologie steht nach Weber also vor der Aufgabe den Sinnzusammenhang des Handelns zu ermitteln. Dabei ist die „volle ,Nacherlebbarkeit’ (...) für die Evidenz des Verstehens wichtig“ (Weber 61984, S.20).

„Sinn“ ist für Weber der subjektiv gemeinte Sinn und nicht ein objektiver „oder ein metaphysisch ergründeter ,wahrer’ Sinn“ (61984, S. 19). „Darin liegt (für ihn auch) der Unterschied der empirischen Wissenschaften vom Handeln: der Soziologie und der Geschichte, gegenüber allen dogmatischen: Jurisprudenz, Logik (...), welche an ihren Objekten den ,richtigen’, ,gültigen’ Sinn erforschen wollen“ (Weber 61984, S.19). Die Evidenz des Verstehen kann nach Weber „rational evident“ oder „einfühlend evident“ sein. „Rational evident“ bezieht sich auf logische oder mathematische Zusammenhänge, also auf das „intellektuell Verstandene“ (61984, S.20). „Einfühlend evident“ ist das einfühlend, emotional Nacherlebte. Je radikaler sich ein rationales Zweckhandeln jedoch von unserem

Eigenen unterscheidet, desto schwerer fällt es uns, dies einfühlend nachzuerleben (61984, S. 21). Wenn ich z.B. jeden Tag fast pausenlos - sogar bei strahlendem Sonnenschein - hinter meinem Schreibtisch sitze und fast ununterbrochen lerne, wird es meiner Freundin, die sich glücklich schätzen kann, ein photografisches Gedächtnis zu besitzen, schwer fallen, sich in meine Lage zu versetzen. Daher müsste sie sich nach Weber damit „begnügen“, es „intellektuell zu deuten“ oder meine „Lernwut“ „(einfach) als Gegebenheit (...) hinnehmen“. Aktuelle Affekte können wir dann leichter nachvollziehen, wenn wir selbst schon einmal in jener Lage gewesen sind.

4.1. Begriff des Handelns und des sozialen Handelns

Handeln ist für Weber ein menschliches Verhalten, das mit einem subjektiven Sinn verbunden ist. Dabei sei es gleich, ob es sich um ein äußeres oder innerliches Tun (z.B. Denken oder Beten, religiöses Verhalten), Unterlassen oder Dulden handelt (61984, S. 19). Handeln ist ein Teil eines Prozesses der Interaktion, es setzt da an wo das Verhalten aufhört. Es geschieht bewusst, da es mit einem Sinn verbunden ist, während das Verhalten unbewusst geschieht und daher nicht Gegenstand der Soziologie ist.

Soziales Handeln ist dann gegeben, wenn der subjektiv gemeinte Sinn am Handeln anderer orientiert ist. Dies können sowohl bekannte als auch unbekannte, einzelne oder auch mehrere Personen sein. Das soziale Handeln kann sich sowohl in der Vergangenheit, in der Gegenwart, als auch in der Zukunft bewegen. Max Weber veranschaulicht dies an einem gut verständlichem Beispiel, welches ich kurz anführen möchte. Zwei Radfahrer fahren aufeinander zu. Der eine versucht dem anderen auszuweichen. Dadurch handelt er sozial, da er mit seinem Ausweichen einen Sinn verbindet. Nämlich den, nicht mit dem anderen Fahrradfahrer zusammenzuprallen.

Soziales Handeln ist nicht identisch „a) mit einem gleichmäßigen Handeln mehrerer, noch b) mit jedem durch das Verhalten anderer beeinflußten Handeln“ (Weber 61984, S. 41f.). Soziales Handeln liegt dann vor, wenn das eigene Handeln am Handeln anderer orientiert ist und „subjektiven Sinn“ hat. Es ist wichtig zu unterscheiden, ob das eigene Handeln am anderen beobachtet oder am anderen orientiert ist. Wenn es nur beobachtet ist, dann ist es ein „kausales“ Handeln, „nicht aber sinnhaft, durch fremdes Handeln bestimmt“ (61984, S. 43). Auch ist eine bloße Nachahmung kein soziales Handeln, da es „ohne sinnhafte Orientierung des eigenen an dem fremden Handeln erfolgt“ (Weber 61984, S.42).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Klassiker Max Weber - Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziologische Grundbegriffe
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V194933
ISBN (eBook)
9783656202660
ISBN (Buch)
9783656207986
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Max Weber, Klassiker der Soziologie, Klassiker, Soziologie, Vergesellschaftung, Vergemeinschaftung, Soziologische Grundbegriffe, Idealtypus, Wirtschaft und Gesellschaft, soziale Beziehung, soziales Handeln, Sinn, Macht, Herrschaft, soziologische Kategorienlehre, Grundbegriffe, affektuelles Handeln
Arbeit zitieren
Jennifer Giwi (Autor), 2004, Der Klassiker Max Weber - Vergesellschaftung und Vergemeinschaftung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194933

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