„Als Lehramtsanwärter bekommen Sie im Zusammenhang mit Unterrichtsbesuchen regelmäßig Rückmeldung von Ihren Ausbildern. Sie werden daher bereits die Erfahrung gemacht haben, dass jede Außensicht Ihren Blick auf sich selbst und Ihren Unterricht bereichert. Deswegen sollten Sie auch ihre „Zielgruppe“ befragen, nämlich Ihre Schüler.“ Diese Forderung stellen Dohnicht-Fioravanti et al. an mich als Studienreferendarin und all meine Mitstreiter. Doch welchen Mehrgewinn gegenüber bzw. in Ergänzung zu den Beurteilungen der Ausbildungslehrer sowie der Fach- und Hauptseminarleiter bringen Einschätzungen der eigenen Lehrertätigkeit durch die Schüler? Ist die Rückmeldung durch die Schüler ein sinnvolles Unterstützungsinstrument zur Selbstreflexion? Wie könnte oder sollte eine solche Rückmeldung erfolgen? Welche Chancen und welche Grenzen bergen die einzelnen Verfahren? Und am Ende steht auch die Frage „Wenn Studienreferendare ermutigt werden, sich Rückmeldungen durch ihre Schüler einzuholen, sollten dies nicht auch gestandene Lehrer tun?“ im Raum. All diesen Fragen wird in der vorliegenden Examensarbeit nachgegangen und versucht, Antworten darauf zu finden.
Nach der Spezifizierung des Forschungsanliegens wird zunächst der theoretische Teil dieser Arbeit die notwendigen Grundlagen zum weiteren Verständnis liefern. An dieser Stelle werden die wesentlichen Begriffe voneinander abgegrenzt und bereits bestehende Verfahren zur Schülerbefragung vorgestellt. Im sich daran anschließenden praktischen Teil wird die Erstellung, Durchführung und Auswertung eines eigens für dieses Forschungsprojekt konzipierten Rückmeldebogens dargelegt. Vor einem abschließenden Fazit vervollständigt eine umfassende Reflexion die vorliegende Examensarbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsanliegen
3. Feedback, Evaluation und (Selbst-) Reflexion. Grundlagen und Konkretisierung für diese Arbeit
3.1 Das Feedback
3.2 Die Evaluation
3.3 Die (Selbst-) Reflexion
4. Externe Hilfestellungen zur Durchführung von Evaluationen
4.1 ISQ für Berlin und Brandenburg
4.2 Angebot der Bezirksregierung Düsseldorf
5. Methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung
5.1 Vorüberlegungen
5.2 Erstellung des Rückmeldebogens
5.2.1 Formale Bedingungen
5.2.2 Fragenauswahl und Formulierung
5.3 Risikobetrachtung im Vorfeld der Erhebung
6. Durchführung
6.1 Durchführung in meinen Kursen
6.2 Durchführung anderer Lehrer
7. Auswertung
7.1 Methodische Entscheidungen für die Auswertung
7.2 Mögliche Fehlerquellen in der Auswertung
7.3 Auswertung der eigenen Befragung
7.4 Auswertung der Ergebnisse der anderen Lehrer
8. Reflexion
8.1 Meine Selbstreflexion
8.2 Reflexion der Kollegen
8.3 Gedanken zur Examensarbeit
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und wie Schülerfeedback als Unterstützungsinstrument zur Reflexion der eigenen Lehrertätigkeit am Gymnasium genutzt werden kann, um den Unterrichtsstil und das pädagogische Klima zu verbessern.
- Methodische Grundlagen von Feedback, Evaluation und Selbstreflexion
- Praktische Entwicklung und Erprobung eines standardisierten Schüler-Rückmeldebogens
- Herausforderungen und Risiken bei der Durchführung von Schülerbefragungen
- Analyse und Interpretation der gewonnenen Daten zur Unterrichtsoptimierung
- Reflexion des Forschungsverlaufs aus der Sicht der Autorin und teilnehmender Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Feedback
Im sozialwissenschaftlichen Bereich wird der Begriff Feedback als eine bewusst herbeigeführte Gesprächssituation verstanden, in der sich darüber ausgetauscht wird, welche Dinge die Gesprächsteilnehmer in einer vorangegangenen Situation an den anderen Teilnehmern wahrgenommen haben. Dabei wird der Feedback-Nehmer mit den Beobachtungen der Feedback-Geber zum eigenen Verhalten konfrontiert. Im Vordergrund des Feedbacks steht also, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt.
Dass diese Form der Rückmeldung einen hohen Grad an Subjektivität aufweist, muss den Beteiligten bewusst sein und als Chance und nicht als Hindernis begriffen werden: „Die Beschreibung des Senders an den Empfänger ist nicht nur die eines unbeteiligten Beobachters. Würde man nur diese Information suchen, würde eine Aufzeichnung mit digitalen Geräten genügen.“ Die Feedback-Geber teilen also dem Feedback-Nehmer die von ihnen persönlich empfundenen Daten mit und leisten so einen wesentlichen Beitrag, die „blinden Flecken“ in der Selbstwahrnehmung aufzuhellen.
Methodisch haben sich zahlreiche Vorgehensweisen, Feedbacks zu geben und zu erhalten, bewährt. Dabei werden schriftliche von mündlichen und nonverbalen Verfahren unterschieden. Exemplarisch wird im Folgenden jeweils eine Feedback-Methode davon in tabellarischer Form (vgl. Tabelle 1) vorgestellt und grob beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz von Schülerfeedback für die Selbstreflexion von Lehrkräften und skizziert das Ziel der Arbeit.
2. Forschungsanliegen: Dieses Kapitel erläutert die Herausforderungen bei der Kritik am Lehrerberuf und die Notwendigkeit, Feedback als professionelles Lerninstrument zu etablieren.
3. Feedback, Evaluation und (Selbst-) Reflexion. Grundlagen und Konkretisierung für diese Arbeit: Hier werden die theoretischen Definitionen von Feedback, Evaluation und Reflexion voneinander abgegrenzt.
4. Externe Hilfestellungen zur Durchführung von Evaluationen: Die Autorin stellt bestehende Angebote des ISQ und der Bezirksregierung Düsseldorf vor, die Lehrer bei der Evaluation unterstützen.
5. Methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung des eigenen Rückmeldebogens, dessen formale Bedingungen und die Risikobetrachtung.
6. Durchführung: Die praktische Umsetzung der Befragung in den eigenen Kursen sowie bei Kollegen wird hier detailliert dargelegt.
7. Auswertung: Es wird beschrieben, wie die Datensätze mittels Excel grafisch aufbereitet wurden und welche methodischen Entscheidungen dabei eine Rolle spielten.
8. Reflexion: Dieses Kapitel enthält sowohl die persönliche Reflexion der Autorin als auch die Rückmeldungen der teilnehmenden Kollegen zur Methodik und deren Erkenntnisse.
9. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Schülerfeedback ein wertvolles, wenngleich nicht zu 100 Prozent objektives Instrument zur Professionalisierung darstellt.
Schlüsselwörter
Schülerfeedback, Selbstreflexion, Unterrichtsqualität, Evaluation, Lehrerberuf, Gymnasium, Rückmeldebogen, Pädagogik, Feedbackkultur, Unterrichtsentwicklung, Studienreferendariat, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Befragung, Lernklima, Berufsalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Examensarbeit untersucht, inwiefern Schüler ihren Lehrern durch Feedback helfen können, ihre eigene Lehrertätigkeit zu reflektieren und zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Theorie von Feedback und Evaluation, die praktische Erstellung eines Fragebogens sowie die Anwendung und Auswertung in der schulischen Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Entwicklung einer praktikablen Handreichung für Lehrkräfte, um den Unterricht durch Schülerfeedback gezielt zu analysieren und zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Erhebungsmethode durch einen eigens konzipierten Fragebogen mit einer Skalierung von eins bis acht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine Übersicht über existierende Evaluationshilfen, die methodische Vorgehensweise bei der eigenen Erhebung und die ausführliche Auswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Schülerfeedback, Selbstreflexion, Unterrichtsqualität, Evaluation und Lehrerpersönlichkeit.
Wie wurde die Anonymität der Schüler bei der Befragung sichergestellt?
Durch die Verwendung von Kreuzen anstelle von Freitexten und die räumliche Distanz der Lehrkraft während der Durchführung blieb die Anonymität gewahrt.
Welche Rolle spielt die "Kurskennzeichnung"?
Sie ermöglichte es den beteiligten Kollegen, ihre individuellen Ergebnisse in den Auswertungen der Autorin zu identifizieren, ohne dass die Autorin diese bestimmten Schülern zuordnen konnte.
- Arbeit zitieren
- Dipl. Geogr. Franziska Noltenius (Autor:in), 2011, Evaluation, Feedback, Reflexion: Wie Schüler ihre Lehrer bewerten können, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194934