Das Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 bedeutete für Deutschland tiefgreifende politische, finanzielle und nicht zuletzt soziale Veränderungen.1 Der Kaiser ist in der Novemberrevolution gestürzt worden und Philipp Scheidemann rief die Deutsche Republik aus, deren erster Reichskanzler Friedrich Ebert wird. Der jungen demokratischen Republik wird mit dem Versailler Vertrag sodann direkt eine schwere Hypothek angelastet. Die vereinbarten Reparationszahlungen und die politischen Bestimmungen, die Kriegsschuldanerkennung und die internationale Gleichberechtigungsverweigerung im besonderen, führen zu einer politischen und wirtschaftlichen Krise, die Deutschland bis 1923 fest im Griff haben wird. Zwischen 1918 und 1923 kommt es zu zwei Putschversuchen der Rechten und des Militärs und einer massiven Geldentwertung, die 1923 in der Hyperinflation gipfelt. Mit Matthias Erzberger und Walter Rathenau wurden zwei Politiker Opfer rechtsradikaler Attentäter. 1919 wurde in Weimar bei der ersten Tagung der deutschen Nationalversammlung eine Verfassung verabschiedet, welche eine der fortschrittlichsten ihrer Zeit war und Wegbereiter einer liberalen Demokratie werden sollte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Veränderte Umstände nach dem Ersten Weltkrieg
3. Verschiedene “Frauentypen”?
4. “Neue Frauen” – Was macht sie aus?
4.1. Das Leben
4.1.1. Sport
4.1.2. Mode
4.1.3. Sexualität
4.2. Der Beruf
4.2.1. Beruf und Ehe
4.2.2. Die weibliche Angestellte
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das soziokulturelle Phänomen der „Neuen Frau“ in der Weimarer Republik, indem sie das medial und künstlerisch geprägte Idealbild der Zeit der tatsächlichen Lebenswirklichkeit berufstätiger Frauen gegenüberstellt.
- Entwicklung des Frauenbildes und Selbstverständnisses nach dem Ersten Weltkrieg.
- Analyse der Typologien „Gretchen“, „Girl“ und „Garçonne“.
- Einfluss von Sport, Mode und Sexualität auf die Emanzipation der Frau.
- Die reale berufliche Situation und Diskriminierung von Angestellten.
- Gegenüberstellung von öffentlichem Idealbild und gelebter Lebenswirklichkeit.
Auszug aus dem Buch
4.1.3. Sexualität
Besonders für die Sexualität und die Wahrnehmung von Sexualität von Frauen war die Zeit der Weimarer Republik eine bedeutende Wende. War noch vor wenigen Jahren die Vorstellung der keuschen, passiven und treuen Jungfrau, deren Aufgabe in erster Linie die Mutterschaft war, hier ist das „Gretchen“ zu erkennen, so war es Frauen nun möglich, ihre Sexualität auszuleben und Bedürfnisse zu befriedigen. Das ging von den Erfahrungen der Polygamie, die bis dato nur Männern vorbehalten war, der Frau wurde die naturgegebene Monogamie attestiert, über das Ausleben lesbischer Liebe, wenn auch zumeist in Großstädten wie Berlin, bis zur Möglichkeit, sich in Sexual- und Eheberatungsstellen zu Verhütungsmethoden, Geschlechtskrankheiten und Eheproblemen beraten zu lassen.
Diese Änderungen machten sich bereits bei pubertierenden Mädchen bemerkbar. So schreibt Judith Grünfeld 1929 in ihrer Arbeit „Mütter und Töchter“ davon, „daß die Jugend in allen Bevölkerungsschichten sehr frühzeitig, schon mit 15 bis 16 Jahren, vor Eintritt der seelischen Reife, Geschlechtsverkehr pflegt“.26 Ausgehend davon war zu beobachten, dass auch der Wunsch junger Mädchen und Frauen nach Abstinenz bis zur Ehe immer mehr verschwindet, verglichen mit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Ihre Sexualität lebten Frauen, insbesondere in Großstädten, nicht mehr mit nur einem Mann aus, mag man dem Bild der Zeit glauben. Das Modell der „Dreiecksbeziehung“ fand besonders unter den Bohemiens großen Zuspruch. Eine Frau hatte einen Mann und einen Freund. Ihr Mann wiederum hatte eine Freundin, der die Frau sich allerdings überlegen fühlte, war sie doch aufgeklärt genug, Banalitäten wie Eifersucht abzutun. Junge Frauen hatten wechselnde Liebhaber, auch wenn sie ungebunden waren. Auch waren ihre Sexualpartner nicht mehr nur Männer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die politischen und wirtschaftlichen Krisenjahre der frühen Weimarer Republik und leitet zur soziokulturellen Veränderung des Frauenbildes über.
2. Veränderte Umstände nach dem Ersten Weltkrieg: Dieses Kapitel erläutert die Einführung des Frauenwahlrechts sowie die steigende Erwerbsquote und Umschichtung der Arbeitsfelder in den tertiären Sektor.
3. Verschiedene “Frauentypen”?: Hier werden die zeitgenössischen Idealtypen „Gretchen“, „Girl“ und „Garçonne“ als Konstrukte der gesellschaftlichen Wahrnehmung vorgestellt.
4. “Neue Frauen” – Was macht sie aus?: Dieser Hauptteil analysiert die Lebensbereiche Sport, Mode, Sexualität und Beruf im Hinblick auf das neue Selbstverständnis der Frau.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das Bild der „Neuen Frau“ in erster Linie ein Konstrukt der Populärkultur war, das mit der Lebenswirklichkeit der Mehrheit der Frauen nur bedingt übereinstimmt.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Neue Frau, Emanzipation, Geschlechterrollen, Garçonne, Frauenwahlrecht, weibliche Angestellte, Sexualität, Mode, Berufstätigkeit, Tippmamsell, Geschlechterverhältnis, soziale Diskriminierung, Moderne, Frauenbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziokulturellen Rolle der Frau in der Weimarer Republik und untersucht das populäre Konzept der „Neuen Frau“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Veränderung der Lebensweise durch Mode, Sport und Sexualität sowie die berufliche Situation von Angestellten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Lebenswirklichkeit der Frauen in den 1920er Jahren tatsächlich dem medial vermittelten Bild der „Neuen Frau“ entsprach.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Quellenanalyse, um zeitgenössische Zeitschriftenartikel, Berichte und sozialgeschichtliche Fachliteratur auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Lebensweise (mit Unterpunkten zu Sport, Mode und Sexualität) und Berufsleben (mit Fokus auf Angestellte und Ehe).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Weimarer Republik, Emanzipation, Garçonne, Frauenberufe und Geschlechterrollen charakterisiert.
Wie unterschieden sich die drei beschriebenen Frauentypen?
Die Typen differenzieren zwischen dem konservativen „Gretchen“, dem amerikanisch beeinflussten „Girl“ und der androgynen, modernen „Garçonne“.
Warum war der Beruf für die „Neue Frau“ oft eine schwierige Wahl?
Aufgrund von Zölibatsklauseln und einer massiven Lohnungerechtigkeit sowie der staatlichen Demobilisierungspolitik war eine dauerhafte Berufstätigkeit für viele Frauen ökonomisch kaum haltbar.
Welchen Einfluss hatte die Mode auf die Emanzipation?
Die Mode diente als Ausdruck von Emanzipation, wobei das neue „Sittendiktat“ durch sportliche Funktionalität und einen androgynen Stil die alten Rollenmuster aufweichte.
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- Richard Albers (Author), 2011, Frauen in der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194943