Im heutigen Religionsunterricht geht es nicht mehr primär um die Vermittlung theologischer Inhalte, sondern vor allem um das lebensnahe Erfahren der biblischen Ereignisse in Verbindung mit dem Alltag der Kinder und Jugendlichen. Dabei spielt besonders die Gemeinschaft mit Jesus, aber auch die mit den Mitmenschen, eine zentrale Rolle. Dazu zählt zum einen die Anteilnahme an Jesu Leib und Blut und zum anderen die Eingliederung der Kinder und Jugendlichen in die Gemeinde, um ihnen die Form der Gemeinschaft näher bringen zu können. Der Empfang von Brot und Wein verbindet sie mit Jesus und ist folglich ein wichtiger Schritt in ihrem Leben. Das gemeinsame Mahlhalten stiftet Gemeinschaft, wie sie auch bei jedem Essen Jesu vorhanden war.
Die Aufgabe der Religionspädagogen ist daher klar bestimmt: Dieses Ereignis ist von zentraler Bedeutung für den Glauben und muss deshalb auch Gegenstand des Religionsunterrichts sein. Um ein grundlegendes Verständnis des Glaubens-geheimnisses anbahnen zu können, muss zunächst das Wesen der Liturgie in den Blick geraten. Nach der Erklärung des Begriffs, dem Rückblick auf das Verständnis der Liturgie im II. Vatikanischen Konzil und der Klärung der Frage nach der heutigen Liturgiefähigkeit des Menschen, soll die liturgische Bildung in der Schule betrachtet werden.
Für den Erfahrensprozess entscheidend ist auch das Spürbarwerden des Mysteriums. Dies kann vor allem durch den unmittelbaren Mitvollzug an der Eucharistiefeier geschehen, was aber innerhalb des schulischen Raumes nicht möglich ist. Trotzdem kann der Religionsunterricht Erfahrungen mit dem Glauben ermöglichen. Eine Gelegenheit des kreativen Umgangs mit dem Abendmahlsgeschehen bietet das performative Lernen. Beginnend mit der theoretischen Betrachtung soll eine genaue Bestimmung und Abgrenzung der Begrifflichkeiten erfolgen. Im nächsten Schritt geschieht die Verbindung der Liturgie mit den Möglichkeiten und Grenzen des performativen Konzepts – eine praktische, schulbezogene Sichtweise. Abschließend wird die Symboldidaktik, als Alternative zum performativen Lernen, vorgestellt.
Zunächst soll aber die Gesamtheit der Sakramente und ihr theologischer Hintergrund betrachtet werden, besonders jedoch die Eucharistie, als eines von sieben Sakramente.
Im Folgenden spielen also die Ursprünge und Entwicklungen der Sakramente eine Rolle.
Gliederung
0. Einleitung
1. Allgemeine Sakramentenlehre
1.1 Zugang
1.1.1 Der anthropologische Ansatz
1.2 Biblisch-theologische Grundlegungen
1.2.1 Der Begriff mysterion in der Heiligen Schrift
1.2.2 Der Begriff mysterion im Alten Testament
1.2.3 Der Begriff mysterion im Neuen Testament
1.3 Die Besonderheiten der Sakramente
1.4 Religionsgeschichtliche Entwicklung
1.4.1 Das mysterion in der griechischen Patristik
1.4.2 Das sacramentum in der lateinischen Patristik
1.4.3 Verschmelzung von mysterion und sacramentum
1.4.4 Die scholastische Theologie
1.4.4.1 Begriffklärung
1.4.4.2 Auffassungen und die Siebenzahl
1.4.4.3 Die Bedeutung der Sakramente in der Scholastik
1.4.5 Das Zeitalter der Reformatoren
1.4.6 Das Konzil von Trient (1545-1563)
1.4.7 Das zweite Vatikanische Konzil (1962-1965)
1.5 Systematische Entfaltung
1.5.1 Das Zeichen im Sakrament
1.5.2 Das Wort im Sakrament
1.5.3 Die Verbindung zwischen der Feier und dem Sakrament
1.6 Sakramente als persönliche Begegnung
1.7 Sieben Sakramente und ihre Gewichtung
2. Die Eucharistie
2.1 Hinführung und gegenwärtige Fragen
2.2 Begriffsklärung: Eucharistie
2.3 Biblische Hintergründe
2.3.1 Funktionen des Mahlhaltens
2.3.2 Die Mahlpraxis im Alten Testament
2.3.3 Das Pessachfest
2.3.4 Das letzte Abendmahl
2.3.5 Die Mahlfeier in den neutestamentlichen Gemeinden
2.3.6 Opfergestalt und Mahlcharakter in der Heiligen Messe
2.3.7 Das sühnende Blut als Zeichen des Neuen Bundes
2.4 Theologiegeschichtliche Entwicklung
2.4.1 Die Alte Kirche
2.4.2 Das Mittelalter
2.4.4 Das Zeitalter der Reformation
2.4.5 Das Konzil von Trient (1545-1563) und das II. Vatikanische Konzil (1962-1965)
2.5 Systematische Entfaltung
2.5.1 Der Begriff der Anamnese
2.5.2 Kulturanthropologische Betrachtung
2.5.3 Biblisch-theologische Betrachtung
2.5.4 Der Gedächtnischarakter in der Eucharistie
2.5.5 Zum Verständnis der Präsenz Jesu in der Eucharistiefeier
2.5.5.1 Die Alte Kirche im Mittelalter
2.5.5.2 Die Zeit der Reformatoren und das Konzil von Trient
2.5.5.3 Das 20. Jahrhundert
2.6 Der Aufbau der Messe
2.6.1 Allgemeiner Aufbau
2.6.2 Eröffnung
2.6.3 Der Wortgottesdienst
2.6.4 Die Feier der Eucharistie
2.6.5 Der Schlussritus
3. Die Liturgie und liturgisches Lernen
3.1 Begriffsklärung: Liturgie
3.2 Die liturgischen Farben
3.2.1 Begriffsklärung: Liturgische Farben
3.2.2 Die Entstehung des Farbkanons
3.2.3 Der liturgische Farbkanon heute
3.3 Die Liturgie im II. Vatikanischen Konzil (1962-1965)
3.4 Die Liturgiefahrigkeit des heutigen Menschen
3.5 Die Schule als Ort liturgischer Bildung
3.5.1 Begriffsklärung: Liturgische Bildung
3.5.2 Aspekte einer liturgischen Bildung
3.5.2.1 Humane Voraussetzungen
3.5.2.2 Theologische Voraussetzungen
3.6 Ziele liturgischer Bildung
3.6.1 Allgemeine Zielsetzungen
3.6.2 Liturgisches Lernen im Bildungsplan
3.7 Liturgie und liturgisches Lernen im Religionsunterricht
3.7.1 Die Aufgaben des Religionsunterrichts
3.7.2 Liturgische Erziehung im Religionsunterricht
3.7.3 Das performative Konzept als Form liturgischen Lernens
3.7.3.1 Begriffsklärung: Performativität – Performance – Inszenierung
3.7.3.2 Differenzierung: Performance – Performativität
3.7.3.3 Impulsgeber des performativen Konzepts
3.7.3.4 Das Konzept des Performativen Religionsunterrichts in Bezug auf die Liturgie
3.7.3.5 Die Rolle der Lernenden
3.7.3.6 Die Rolle der Lehrperson
3.7.3.7 Gefahren und Probleme des performativen Konzepts
4. Die Symboldidaktik als Alternative zum Performativen Religionsunterricht
4.1 Aufgaben und Ziele
4.2 Begriffsklärung: Symbol
4.3 Charakterisierungen
4.3.1 Merkmale von Symbolen
4.3.2 Symbolauswahl und ihre Gefahren
4.4 Das symbolische Verständnis vom Abendmahl
4.5 Die Symboldidaktik im Religionsunterricht
4.5.1 Methoden der Symbolerschließung
4.5.2 Didaktik der Symbole
5. Resümee
6. Anhang
6.1 Abkürzungsverzeichnis
6.2 Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Bedeutung der Eucharistie als zentrales Sakrament für den Religionsunterricht in der Realschule zu untersuchen. Dabei wird analysiert, wie liturgisches Lernen, insbesondere durch performative Ansätze und Symboldidaktik, Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Glaubensgeheimnis und zur Gemeinschaft mit Jesus Christus ermöglichen kann.
- Grundlagen der Sakramentenlehre und biblische Fundierung der Eucharistie
- Die Liturgie als Ort religiöser Bildung und Herausforderungen für den heutigen Menschen
- Das performative Konzept als methodischer Zugang im Religionsunterricht
- Die Symboldidaktik als Alternative zur Erschließung symbolischer Glaubensvollzüge
- Möglichkeiten der Kooperation zwischen Schule und Kirchengemeinde
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Der anthropologische Ansatz
Im Alltag des Menschen steht oft die Sorge um ein gelingendes Leben und eine glückliche Zukunft im Vordergrund.
Die Sakramente sind wichtige Punkte im Leben eines Christen. Durch sie soll der Mensch sein Tun und Handeln hinterfragen, indem sie ihn an Jesus Christus Person und Taten teilhaben lassen. Voraussetzung dafür ist, der feste Glaube an die Auferstehung Jesu von den Toten und die damit verbundene Heilsbringung. Eine feste Beziehung zwischen Gott und dem Mensch wird durch die Sakramente gegeben. Sie verbinden zwei voneinander verschiedene Media miteinander. Obwohl auf der einen Seite die Sakramente als Hindernis für einen direkten Kontakt von Mensch und Gott gesehen werden, so sind sie doch auf der anderen Seite der Zugang zu einer Dimension, in der die erhoffte Unmittelbarkeit nicht opportun ist.
Die Kirche und der Glaube gehen davon aus, dass bei der Feier der Sakramente Gott selbst in ihnen wirkt und den Menschen durch den Empfang des Sakraments in sein Leben mit aufnimmt und ihn seine barmherzige Zuwendung spüren lässt. Der Ritus, der bei dem Empfang des Sakraments vollzogen wird, ist sichtbares Zeichen für etwas Unsichtbares (Gott), was dem Mensch vor Augen geführt wird und an dem er Anteil nehmen kann. Der Mensch ist zu bildhafter Verständigung fähig und davon abhängig. Er zeigt immer mehr Interesse an Ritualen, die ihm in der Undurchsichtigkeit des Lebens Halt und Sicherheit geben. Die Sakramente sind solche Rituale, die ihm persönlich im Leben begegnen. Aber sie sind mehr als Riten; sie wollen über das Menschsein hinausführen und es somit vollkommen machen. Nichtgläubigen stellt sich natürlich die Frage, ob es nicht anmaßend ist anzunehmen, dass Gott genau zu dem Zeitpunkt handelt, wo bestimmte Gesten und Worte getätigt bzw. gesprochen werden. Doch der Christ hält dabei an seinem Glauben fest, der ihm die Gnade Gottes zusichert. Durch die Menschwerdung und die Auferstehung Jesu von den Toten hat er uns vom ewigen Tod befreit und uns neues Leben geschenkt. Daran wird auch immer wieder in den Sakramenten erinnert und dies zeigt, dass uns Gott seine Gnade und Zuwendung zu jeder Zeit schenkt.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Eucharistie für den heutigen Religionsunterricht und stellt die Relevanz der liturgischen Bildung für Kinder und Jugendliche heraus.
1. Allgemeine Sakramentenlehre: Dieses Kapitel erläutert das Wesen der Sakramente, ihre biblische Fundierung und ihre religionsgeschichtliche Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart.
2. Die Eucharistie: Hier wird die Eucharistie als zentrales Sakrament betrachtet, wobei besonders die biblischen Hintergründe des Mahlhaltens und die Theologiegeschichte der Eucharistiefeier analysiert werden.
3. Die Liturgie und liturgisches Lernen: Dieses Kapitel verknüpft theoretische Aspekte der Liturgie mit schulpädagogischen Ansätzen und dem performativen Lernen im Religionsunterricht.
4. Die Symboldidaktik als Alternative zum Performativen Religionsunterricht: Es stellt die Symboldidaktik als Methode vor, um religiöse Zeichen und die Symbolik des Abendmahls für SuS erschließbar zu machen.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Chancen und Grenzen des liturgischen Lernens in der Schule zusammen und plädiert für einen ganzheitlichen, handlungsorientierten Zugang.
6. Anhang: Der Anhang enthält ein Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen sowie ein umfassendes Quellenverzeichnis.
Schlüsselwörter
Eucharistie, Liturgie, Sakrament, Religionsunterricht, Liturgische Bildung, Performatives Lernen, Symboldidaktik, Anamnese, Geheimnis, Gottesbeziehung, Glaube, Zeichen, Mahl, Religionspädagogik, Schüler.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Eucharistie als zentrales Sakrament der Kirche und untersucht, wie dieses Thema im Religionsunterricht der Realschule kind- und jugendgerecht vermittelt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die biblisch-theologische Fundierung der Sakramente, das historische Verständnis der Liturgie sowie moderne didaktische Konzepte wie die Performativität und die Symboldidaktik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche durch handlungsorientierte Methoden – wie Inszenierungen oder die Arbeit mit Symbolen – eine Verbindung zu den Inhalten der Eucharistiefeier herstellen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die durch religionspädagogische Fachliteratur gestützt wird und didaktische Schlussfolgerungen für den Schulalltag ableitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Sakramentenlehre, eine detaillierte Betrachtung der Eucharistie sowie eine tiefgehende Diskussion über das performative Konzept und die Symboldidaktik im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Eucharistie, Liturgie, Religionsunterricht, Performativität, Symboldidaktik und Liturgische Bildung.
Inwiefern unterscheidet sich das performative vom klassischen Lernen?
Das performative Lernen ersetzt die reine Wissensvermittlung ("Reden über") durch ein ganzheitliches, handlungsorientiertes Erfahren ("Probehandeln"), das auch körperliche und emotionale Aspekte einbezieht.
Welche Rolle spielt die Symboldidaktik in der Arbeit?
Die Symboldidaktik dient als Alternative oder Ergänzung zum performativen Ansatz, um durch die kritische Erschließung von Zeichen (wie Brot und Wein) einen Zugang zur religiösen Bedeutung zu schaffen.
Warum ist die Kooperation mit der Gemeinde wichtig?
Da der schulische Raum und die Unterrichtszeit begrenzt sind, bietet die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde den Lernenden die notwendige Möglichkeit, Liturgie in einem authentischen Kontext zu erleben.
Welche Bedenken äußert der Autor gegenüber dem performativen Ansatz?
Der Autor weist auf die Gefahr einer unbeabsichtigten Missionierung und auf die Schwierigkeit hin, die Ernsthaftigkeit religiöser Vollzüge zu wahren, wenn diese in einem spielerischen, schulischen Rahmen inszeniert werden.
- Arbeit zitieren
- Christina Seeland (Autor:in), 2011, Liturgisches Lernen in der Realschule anhand der Eucharistie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194968