Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers und der daraus resultierende Wertverfall der „Lehman-Zertifikate“ löste eine Welle der Kritik aus. Die Kritik richtete sich dabei nicht nur gegen den betreffenden Emittenten Lehman Brothers, sondern gegen die ganze Branche und ihre Produkte. Dies traf die Zertifikatebranche hart und setzte dem anhaltenden Boom der vergangenen Jahre vorläufig ein Ende. Zertifikate wurden, seitens der Medien, als Sinnbild der „undurchschaubaren“ und „von Gier ge-triebenen“ Bankenwelt propagiert. Es wurde in Talkshows darüber diskutiert und über zahlreiche Schicksale berichtet. Artikel wurden mit Titeln wie: „Gier-Banker haben uns abgezockt!“ , „Das versteht doch kein Mensch“ oder „Miese Renditen von schlechten Schuldnern“ , veröffentlicht. Das Thema war en Vogue. Dies zeigte Wirkung und so reduzierte sich das Volumen des Zertifikatemarktes, binnen eines Quartals (4. Quartal 2008), um 29,8 Mrd. EUR (Vgl. S. 30). Vor allem Privatkunden wurden durch die mediale Kritik in Bezug auf Zertifikate sensibilisiert und viele üben sich immer noch in Zurück-haltung. Aus diesem Grund wurde es zum Ziel dieser Arbeit gesetzt, die Hemmnisse der Privatkunden gegenüber Zertifikaten aufzudecken und auf Grundlage dessen, Handlungsempfehlungen abzuleiten. Es soll vor allem auch geklärt werden, ob die Hemmnisse begründet sind oder ob diese durch die mediale Kritik beeinflusst wurden. Dabei liegt der Fokus der Unter-suchungen auf den Produkten im Privatkundenbereich. Sollten im Zuge der Arbeit Schwächen seitens der Zertifikate aufgedeckt werden, so besteht dringend Handlungsbedarf seitens der Banken, da es sich vor allem im Privatkundensegment um ein wichtiges Geschäftsfeld handelt. Zudem könnten, durch gezielte Bekämpfung der Schwächen, Hemmnisse abgebaut und somit positive Signale an die Anleger gesendet werden. Frei nach dem Motto: „lessons learned“ und folglich würde die Zertifikatebranche gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Inhaltsverzeichnis der Arbeit
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definition Zertifikate
2.2 Gängige Grundbausteine für Zertifikate
2.2.1 Übersicht Grundbausteine
2.2.2 Anleihen
2.2.2.1 Grundlagen zu Anleihen
2.2.2.2 Sensitivitätsfaktoren von Anleihen
2.2.3 Plain-Vanilla Optionen
2.2.3.1 Grundlagen zu Plain-Vanilla Optionen
2.2.3.2 Sensitivitätsfaktoren von Optionen
2.2.3.2.1 Innerer Wert
2.2.3.2.2 Zeitwert
2.2.4 Exotische Optionen
2.3 Grundlagen zu Produktgattungen der Zertifikate
2.3.1 Produktspektrum
2.3.2 Garantiezertifikate
2.3.3 Bonuszertifikate
2.3.4 Expresszertifikate
3. Auswirkungen der Finanzkrise auf den Zertifikatemarkt
3.1 Historische Entwicklung der Zertifikate
3.2 Auswirkungen der Finanzkrise
4. Empirische Studie
4.1 Aufbau der Befragung
4.2 Auswertung der Befragungsergebnisse
5. Untersuchung der Anlagehemmnisse
5.1 Bonität der Emittenten
5.2 Komplexität der Produkte
5.3 Intransparenz von Zertifikaten
5.4 Sensitivitätsfaktoren von Zertifikaten
5.4.1 Problemstellung und Herangehensweise
5.4.2 Sensitivitätsanalyse Bonuszertifikat
5.5 Fehlendes Wissen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Anlagehemmnisse von Retailkunden gegenüber Zertifikaten im Kontext der Finanzkrise, um zu prüfen, ob die negative Wahrnehmung gerechtfertigt ist und welche Handlungsmaßnahmen die Branche ergreifen kann, um das Vertrauen wiederherzustellen.
- Theoretische Grundlagen von Zertifikaten und ihren Grundbausteinen
- Historische Auswirkungen der Finanzkrise auf den Zertifikatemarkt
- Empirische Erhebung der Hemmnisse bei Privatkunden
- Analyse der Bonität von Emittenten und Produktkomplexität
- Handlungsempfehlungen für Banken zur Steigerung der Transparenz
Auszug aus dem Buch
2.2.2.1 Grundlagen zu Anleihen
Ein zentraler Baustein für Zertifikate sind Anleihen. Anleihen, auch Bonds sowie Schuldverschreibungen oder Renten genannt, sind Wertpapiere die Fremdkapital und damit einen Kreditvertrag verbriefen. Mit Hilfe von Anleihen wird es einem Schuldner möglich gemacht, seinen Kreditbedarf am Kapitalmarkt zu decken. Dies geht folgendermaßen vonstatten: Der Schuldner teilt die gesamte Kreditsumme, die er benötigt, in kleinere Teilbeträge auf und vermerkt dies jeweils auf speziellen Wertpapierurkunden. Auf jeder einzelnen Urkunde steht dann ein Betrag z.B. von 100 EUR. Dieser Teilbetrag wird als Nennwert oder Nominalbetrag bezeichnet. Zudem verpflichtet sich der Schuldner zur regelmäßigen Zinszahlung, sowie zur Rückzahlung des Nominalbetrages am Laufzeitende.
Diese Urkunden können dann am Kapitalmarkt, beispielsweise über die Börsen, veräußert und gehandelt werden. Erwirbt nun ein Anleger eine Anleihe, so wird er zum Gläubiger und hat somit das Recht auf Rückzahlung des Nominalbetrages, auf die festgelegte Verzinsung, auch Kuponzahlung genannt, sowie auf eine vorrangige Rückzahlung gegenüber Aktionären im Insolvenzfall. Die meisten Anleihen sind Inhaberpapiere, d.h. dass der Inhaber der Anleihe zum Gläubiger wird, somit also der Verkauf problemlos und ohne Zustimmung des Schuldners vonstatten gehen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den durch die Finanzkrise ausgelösten Vertrauensverlust bei Zertifikaten und setzt sich das Ziel, Hemmnisse bei Privatkunden zu analysieren.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der Grundbausteine (Anleihen, Optionen) und wichtige Produktgattungen, die als Basis für die Zertifikatekonstruktion dienen.
3. Auswirkungen der Finanzkrise auf den Zertifikatemarkt: Hier wird der historische Kontext und die drastische Marktentwicklung infolge der Finanzkrise und der Lehman-Insolvenz dargestellt.
4. Empirische Studie: In diesem Teil wird die Konzeption und Durchführung einer Befragung beschrieben, die das Ziel hat, die Einstellungen und Hindernisse von Retailkunden aufzudecken.
5. Untersuchung der Anlagehemmnisse: Dieses Kapitel analysiert kritisch die Haupthemmnisse der Kunden, wie Emittentenrisiko, Komplexität und Intransparenz, gestützt auf fundierte Methoden.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Ergebnisse und gibt Empfehlungen, wie die Branche durch Aufklärung wieder Vertrauen gewinnen kann.
Schlüsselwörter
Zertifikate, Finanzkrise, Anlagehemmnisse, Retailkunden, Emittentenrisiko, Bonität, Transparenz, Produktkomplexität, Derivate, Anleihen, Optionen, Sensitivitätsanalyse, Anlegerschutz, Wissensvermittlung, Performancevergleich
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe für die Zurückhaltung von Privatkunden beim Kauf von Zertifikaten nach der Finanzkrise und bewertet, ob diese Ängste fundiert sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Produktbausteine, die Marktentwicklung während der Finanzkrise, eine empirische Studie zu Kundenhemmnissen und eine Untersuchung zur Bonität und Transparenz.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Hauptziel ist die Identifikation der Anlagehemmnisse von Retailkunden und die Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Verbesserung des Produktimages und der Kundeninformation.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zu Derivaten mit einer eigenen empirischen Studie sowie einer Sensitivitätsanalyse von Finanzprodukten.
Was umfasst der Hauptteil der Untersuchung?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine Analyse der Auswirkungen der Finanzkrise, die Vorstellung einer Umfrage und eine tiefergehende Prüfung von Anlagehemmnissen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zertifikatemarkt, Finanzkrise, Anlegerverhalten, Emittentenrisiko und Wissensvermittlung beschreiben.
Warum wird die Lehman-Insolvenz als zentraler Punkt genannt?
Sie gilt als Auslöser für die Signalwirkung, die das Emittentenrisiko in den Fokus der Anleger und Medien rückte und den massiven Volumeneinbruch im Markt einleitete.
Welche Rolle spielt das "Zertifikate-Rating"?
Es dient als Lösungsansatz, um die Intransparenz zu verringern, indem es verschiedene Aspekte wie Risiko und Emittentenbonität in einer Kennzahl für Anleger bündelt.
- Quote paper
- Dietmar Pongratz (Author), 2010, Auswirkungen der Finanzkrise auf das Anlegerverhalten am Zertifikatemarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194990