Die vorgestellten Amokläufe sind drei erschütternde Beispiele für die wohl spektakulärste und medienwirksamste Form von Gewalt. Ist von Amokläufern die Rede ist man immer wieder geschockt, mit welcher Kaltblütigkeit die Täter vorgehen.
Insbesondere wenn diese Amokläufe in Schulen stattfinden und Kinder getötet und verletzt werden, ist die Grausamkeit kaum fassbar und das ganze Land ist in Schockstarre.
Beim Lesen der beschriebenen Amokläufen stellen sich viele Fragen: Was bewegt einenJugendlichen dazu, eine solch desaströse Tat zu begehen? Sind diese Aggressionen angeboren? Oder haben die Eltern in der Erziehung versagt? Fördern die Medien mit ihren gewaltlastigen Inhalten diese Wut? Können Killerspiele, gewaltverherrlichende
Filme und Lieder oder das Internet einen Jugendlichen erst zum Mörder machen?
Man sucht unwillkürlich sofort nach möglichen Erklärungen, nach Anhaltspunkten für das Unglaubliche dieser Tat. Man möchte ein Bild der Jugendlichen bekommen, die so viel Tod und Zerstörung anrichten können. Das Ziel dieser Arbeit soll sein, aufzuzeigen, welche Phasen die Zeit des Erwachsenwerdens für die Jugendlichen sowohl körperlich, als auch psychisch, beeinflussen. Desweiteren beschreibe ich die mögliche Erklärungsansätze, die es für die Taten gibt. Es werden aber nicht nur die Täter reflektiert, sondern auch die Opfer. Wie kommen sie mit dem Erlebten klar? Natürlich stellt sich auch die Frage: Waren die Taten zu verhindern, wenn man die Jugendlichen genauer beobachtet und sie ernster genommen hätte? Welchen Beitrag können Lehrer leisten?
Gerade für mich, als angehende Lehrerin, erachte ich es als notwendig, zu wissen, was man präventiv tun kann. Woran erkennt man mögliche Amokläufer? Was ist zu tun, sollte man tatsächlich in einen Amoklauf involviert sein? Auf diese Fragen versuche ich Antworten zu finden.
Auch die Befragung von erfahrenen Lehrern ist Teil dieser Arbeit. Von ihnen habe ich erfahren, welche Sicherheitsvorkehrungen es an ihren Schulen gibt und was sie als Lehrkraft in einem Krisenfall zu tun haben. Die Unterschiede an den Schulen sind höchst unterschiedlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Fallbeispiele
1.1. Columbine Highschool Littleton
1.1.1. Die Tat
1.2. Johann- Gutenberg-Gymnasium Erfurt
1.2.1. Die Tat
1.3. Albertville-Realschule Winnenden
1.3.1. Die Tat
2. Einleitung
3. Definition des Begriffs Amok
3.1. Etymologische Definition und Geschichte des Begriffs
3.2. psychologisch- psychiatrische Definition
4. School Shootings
4.1. Die moderne Form des Amoklaufs
4.2. Der Versuch einer Tätercharakteristika
4.3. Die Planung eines School Shootings
4.4. Tatandeutungen und Drohungen
4.5. Der Tod am Ende eines Amoklaufs
5. Entwicklungspsychologische Aspekte im Jugendalter
5.1. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
5.2. Körperliche und sexuelle Entwicklung
5.3. Psychosoziale und intellektuelle Entwicklung
5.4. Die Relevanz der Peer-Group
6. Die Vorgeschichte der Täter und Hypothesen zum Täterprofil
6.1. Columbine Highschool
6.1.1. Die Vorgeschichte der Täter
6.1.2. Hypothesen zu den Täterprofilen
6.2. Johann-Gutenberg-Gymnasium Erfurt
6.2.1. Die Vorgeschichte des Täters
6.2.2. Hypothesen zum Täterprofil
6.3. Albertville-Realschule in Winnenden
6.3.1. Die Vorgeschichte des Täters
6.3.2. Hypothesen zum Täterprofil
7. Erklärungsansätze
7.1. Innere Faktoren
7.1.1. Psychopathologische Erklärungsansätze
7.1.2. Phantasiewelten
7.2. Äußere Einflüsse
7.2.1. Das soziale und gesellschaftliche Umfeld
7.2.2. Faszination Gewalt
7.2.3. Wirkungen von Gewalt
7.2.3.1. in Computerspielen
7.2.3.2. im Film und Fernsehen
7.2.3.3. im Internet
7.2.3.4. in der Musik und Musikvideos
7.3. Fazit über Gewalt durch Medien
8. Spezifische Aspekte
8.1. Der Jugendmedienschutz
8.2. Die Rolle der Medien
8.3. Trittbrettfahrer und Nachahmungstäter
8.4. Waffen bei School Shootings
8.5. Waffengesetze in Deutschland und den USA
9. Die überlebenden Opfer
9.1. Definition „Trauma“
9.2. Traumata nach School Shootings
10. Schulen als Bedingungsrahmen
10.1. Leistungsbegriff
10.2. Schulalltag
10.3. Notengebung
10.4. Verlierer und Rivalisierungen
11. Interaktion im Krisenfall
11.1.Organisation und Zusammenarbeit im Krisenfall
11.2. Information und Kommunikation bei Amoklagen
11.3. Organisatorische Maßnahmen während eines Amoklaufs
11.4. Organisatorische Maßnahmen nach einem Amoklauf
12. Präventionsmöglichkeiten und Konsequenzen
12.1. in der Familie
12.2. in der Schule
12.2.1. als Lehrer/Erziehungsarbeit
12.2.2. im Schulgebäude
13. Vorbeugung an Schulen im Enzkreis
13.1. Interview mit einer Lehrerin an einer Haupt- und Werkrealschule
13.2. Interview mit einer Lehrerin an einer Realschule
13.3. Interview mit einer Lehrerin eines Gymnasiums
13.4. Fazit
14. Allgemeines und persönliches Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen von Schulamokläufen, um zu verstehen, welche inneren und äußeren Faktoren Jugendliche zu solch gravierenden Taten bewegen können. Das Ziel ist es, die Phasen des Erwachsenwerdens zu beleuchten und präventive Maßnahmen sowie Sicherheitsvorkehrungen an Schulen zu hinterfragen, um Lehrer bei der Früherkennung und im Krisenfall zu unterstützen.
- Psychologische und soziologische Erklärungsansätze für Amokläufe.
- Die Bedeutung von Medien, Computerspielen und der Peer-Group.
- Die Rolle der Schule als Bedingungsrahmen und sozialer Raum.
- Präventionsstrategien und Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte.
- Die Situation und Traumabewältigung der überlebenden Opfer.
Auszug aus dem Buch
1. Fallbeispiele
Im Folgenden möchte ich drei bekannte Amoktaten an Schulen beschreiben. Die genauen Tatbeschreibungen sollen das Ausmaß der Brutalität deutlich machen und spätere Erklärungsversuche untermauern.
1.1.Die Tat an der Columbine Highschool Littleton
Die Columbine Highschool Littleton liegt mitten in den USA im Bundesstaat Colorado, in der Nähe der Stadt Denver.
1.1.1. Die Tat
Am 20. April 1999 um etwa 11.10 Uhr parkten die Freunde Eric Harris (17 Jahre alt) und Dylan Klebold (18 Jahre alt) ihre Autos auf dem Parkplatz ihrer Schule. Von hier aus konnten sie das ganze Schulgelände überschauen. Ihr Plan war Bomben in der Schule zu montieren, um dieses während der Schulzeit zu zünden. Die flüchtenden Schüler und Lehrer sollten dann vom Parkplatz aus beschossen werden.
Harris und Klebold installierten zwei 10 kg schwere Propangasbomben in der Cafeteria der Schule, deren Wucht ausreichen würde, die Cafeteria und die darüber liegende Bibliothek zum Einsturz zu bringen. Sie stellten den Zünder auf 11.17 Uhr und gingen zurück zu ihren Autos um dort auf die geplanten Detonationen zu warten, aber die Bomben explodierten nicht.
Daraufhin nahmen die beiden Jugendlichen ihre mitgebrachten Schrotflinten des Typs Pumgun, zwei weitere Gewehre und eine halbautomatische Maschinenpistole des Typs Tec-9 und gingen in Richtung Schule. Um 11.19 Uhr eröffneten sie das Feuer auf dem Pausenhof. Dort erschossen sie zwei Schüler, die im Gras saßen und dort ihre Pause verbrachten. Als einer von ihnen noch ein Lebenszeichen von sich gab, wurde er mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Harris und Klebold betraten daraufhin das Schulgebäude und gingen in Richtung Cafeteria. Dort wurden alle, die ihnen begegneten, gezielt erschossen, oft direkt in den Kopf oder sogar mitten ins Gesicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fallbeispiele: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Schilderung der Amokläufe in Littleton, Erfurt und Winnenden als Grundlage für die spätere Analyse.
2. Einleitung: Hier wird das Ziel der Arbeit definiert, welches darin besteht, die Ursachen von Schulamokläufen zu erforschen und präventive Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte aufzuzeigen.
3. Definition des Begriffs Amok: Es wird die etymologische sowie die psychologisch-psychiatrische Bedeutung von „Amok“ beleuchtet.
4. School Shootings: Der Fokus liegt auf der modernen Form des Amoklaufs, der Tätercharakteristik, der Planung sowie dem oft tödlichen Ende für die Täter.
5. Entwicklungspsychologische Aspekte im Jugendalter: Dieses Kapitel widmet sich den Entwicklungsaufgaben, der körperlichen/sexuellen Entwicklung und der Bedeutung der Peer-Group für Jugendliche.
6. Die Vorgeschichte der Täter und Hypothesen zum Täterprofil: Es werden die Lebensgeschichten der Täter von Littleton, Erfurt und Winnenden analysiert und mit Hypothesen zum Täterprofil verknüpft.
7. Erklärungsansätze: Eine umfassende Untersuchung von inneren Faktoren (Psychopathologie) und äußeren Einflüssen (Medien, Umfeld) auf die Entstehung von Amokläufen.
8. Spezifische Aspekte: Themen wie Jugendschutz, Trittbrettfahrer, Waffenbesitz und die Rolle der Medien bei der Berichterstattung werden kritisch betrachtet.
9. Die überlebenden Opfer: Der Fokus verschiebt sich auf die Definition von Trauma und die Bewältigung der Folgen nach einem School Shooting.
10. Schulen als Bedingungsrahmen: Untersuchung des Schulklimas, der Leistungsbewertung und sozialer Rivalitäten in der Schule.
11. Interaktion im Krisenfall: Darstellung von Notfallplänen, Kommunikation und organisatorischen Abläufen bei einem akuten Amoklauf.
12. Präventionsmöglichkeiten und Konsequenzen: Diskutiert präventive Ansätze in Familie und Schule, insbesondere durch Lehrerarbeit und Sicherheitskonzepte.
13. Vorbeugung an Schulen im Enzkreis: Ergänzt die theoretischen Erkenntnisse durch Interviews mit Lehrkräften verschiedener Schulformen.
14. Allgemeines und persönliches Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Forschungsergebnisse und Reflexion der eigenen Haltung als angehende Lehrkraft.
Schlüsselwörter
Amoklauf, School Shooting, Jugendliche, Gewaltprävention, Täterprofil, Phantasiewelten, Medienkonsum, Schulklima, Traumata, Krisenmanagement, Computerspiele, Mobbing, Frühwarnsysteme, Lehrerausbildung, Schulalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung von Schulamokläufen, der Analyse von Täterprofilen sowie präventiven Maßnahmen, um das Risiko solcher Taten im schulischen Umfeld zu minimieren.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zentral sind die psychologischen Entwicklungsphasen im Jugendalter, der Einfluss von Massenmedien und Gewaltkonsum sowie die Rolle der Schule als Lern- und Lebensraum.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften ein tieferes Verständnis für die Verhaltensweisen potenzieller Täter zu geben und Strategien für ein effektives Bedrohungsmanagement und präventives Handeln zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde verwendet?
Neben einer intensiven Literaturanalyse wurde die Arbeit durch qualitative Interviews mit Lehrkräften unterschiedlicher Schulformen ergänzt, um einen Bezug zur praktischen Umsetzung von Sicherheitskonzepten zu schaffen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkrete Fallbeispiele, untersucht innere und äußere Erklärungsansätze für Gewalt, reflektiert die Rolle von Medien und Waffen und thematisiert die psychologische Nachsorge für Überlebende.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Amoklauf, Schul-Prävention, Täter-Psychologie, Medienwirkung, Schulklima und Traumata nach Amoktaten.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Trittbrettfahrern und Nachahmungstätern eine wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung ist für die Gefahrenbeurteilung entscheidend: Während Trittbrettfahrer häufig Machtphantasien durch öffentliche Aufmerksamkeit ausleben, sind Nachahmungstäter ernsthaft handlungsbereit, was eine schnelle polizeiliche Intervention erfordert.
Welche Rolle spielt die „Phantasiewelt“ in der Entstehung eines Amoklaufs?
Phantasiewelten dienen als Abwehrmechanismus bei sozialen Kränkungen; durch die Flucht in Gewaltfantasien (geprägt durch Medien) kann die Grenze zur realen Gewaltanwendung verschwimmen und die Tat als „Lösung“ erscheinen.
Inwiefern beeinflussen Waffen das Selbstbild der Täter?
Waffen vermitteln den Tätern ein Gefühl von Macht, Kontrolle und Unverwundbarkeit, das ihnen in ihrem realen Leben – etwa durch Misserfolge oder soziale Ausgrenzung – oftmals fehlt.
- Arbeit zitieren
- Lucy Wolter (Autor:in), 2012, Amokläufe an Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194996