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Entscheidung über Leben und Tod - Sterbehilfe im Kontext christlicher Ethik

Titel: Entscheidung über Leben und Tod - Sterbehilfe im Kontext christlicher Ethik

Hausarbeit , 2012 , 20 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Steffen Schütze (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
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„Doch wach ich immer wieder auf
und immer wär' ich lieber tot“

Ramon Sampedro wollte sterben. Jahrzehntelang. Nachdem er 1965 infolge eines Unfalls vom Hals abwärts gelähmt war, hatte er nur noch den Wunsch zu sterben. Und doch konnte er sich selbst nicht das Leben nehmen, sondern war auf die Hilfe anderer angewiesen. Deshalb kämpfte er Jahre lang für das Recht auf Sterbehilfe, das ihm allerdings immer versagt blieb. Nachdem keines seiner Familienmitglieder ihm beim Sterben helfen wollte, überzeugte er 1998, also mehr als 30 Jahre nach seinem Unfall, eine Freundin, ihm ein Glas mit Zyankali bereitzustellen. Dies trank er mit einem Strohhalm leer und starb kurz darauf. Sein Fall erregte in ganz Spanien Aufsehen und entflammte eine hitzige Debatte über das Thema Sterbehilfe.2
Im ersten Teil dieser Arbeit soll nun fachwissenschaftlich analysiert werden, wie sich die christlich-evangelische Kirche mit dem Thema auseinandersetzt und inwieweit eine Legalisierung von Sterbehilfe aus ethischer und rechtlicher Sicht vertretbar sein kann. Dazu wird zunächst eine exegetische Reflexion der Bibelstellen durchgeführt, die in der Diskussion immer wieder von den Kirchen benannt werden. Im Folgenden werden, um einen Überblick zu verschaffen, die unterschiedlichen Formen von Sterbehilfe erläutert, wie sie in der öffentlichen Diskussion geläufig sind, sowie deren rechtliche Lage in Deutschland. Damit ein abschließendes Urteil gefällt werden kann, werden im Anschluss zwei christliche Positionen dargestellt, zunächst die der evangelischen Kirche und danach die ethische Konzeption des Theologen Johannes Fischer.
Im zweiten Teil, der fachdidaktischen Analyse, wird dieses Thema im Blick auf seine Unterrichtsumsetzbarkeit untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachwissenschaftliche Analyse

2.1 Exegetische Reflexion

2.2 Verschiedene Formen von Sterbehilfe und ihre rechtliche Lage

2.3 Ethische Reflexion

2.3.1 Die Position der Evangelischen Kirche

2.3.2 Sterbehilfe im Kontext der Ethik von Johannes Fischer

2.4 Fazit eigene Stellungnahme

3. Fachdidaktische Analyse

4. Literatur

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld der Sterbehilfe aus einer christlich-ethischen Perspektive und beleuchtet deren Umsetzung im schulischen Religionsunterricht. Dabei wird analysiert, wie sich das Verständnis von menschlicher Würde und das Gottesbild auf die Bewertung verschiedener Sterbehilfeformen auswirken und welche didaktischen Ansätze geeignet sind, diese Thematik mit Schülern zu bearbeiten.

  • Grundlagen der Sterbehilfe im deutschen Rechtssystem
  • Biblisch-theologische Begründung der Unverfügbarkeit des Lebens
  • Ethische Positionierung der Evangelischen Kirche
  • Reflexion des Ansatzes von Johannes Fischer zur aktiven und passiven Sterbehilfe
  • Didaktische Konzepte zur Werteerziehung im Religionsunterricht

Auszug aus dem Buch

2.1 Exegetische Reflexion

Im Genesisbuch wird Gott als der Schöpfer aller Dinge dargestellt. Insbesondere der Erschaffung des Menschen kommt eine besondere Bedeutung zu. Diese wird deutlich ausführlicher geschildert als die Erschaffung der Tiere und der Elemente der Welt und wird nicht durch „Es werde...“, sondern durch „Lasset uns...“ eingeleitet, was weniger an einen Befehl erinnert. An dieser Stelle der Schöpfung kommt der Sinngehalt der menschlichen Existenz vollends zur Geltung. Alles vorherige ist bloß die Hülle für das zuletzt geschaffene gottähnliche Wesen, dem Menschen als 'Ebenbild Gottes', der den Höhepunkt der Schöpfung markiert. Gott lässt der Menschheit durch seine Ebenbildlichkeit eine einzigartige Ehre und würdevolle Größe zuteil werden und gibt ihr den Auftrag, über Erde und Tiere zu herrschen (V. 28)³. Diese Ebenbildlichkeit bezieht sich nicht nur auf einen Teilaspekt des irdischen Daseins, wie körperliche oder geistige Eigenschaften, sondern „immer auf die Totalität des Menschen“⁴. Der Mensch selbst bleibt bei dieser Handlung völlig passiv und nicht in der Lage, irgendeinen Einfluss zu nehmen, da alles schaffende Handeln nur von Gott ausgehen kann. So wird die 'Imago Dei' (Bild Gottes) verwendet, um auszudrücken, dass der Mensch mehr ist als Tiere und Pflanzen, im Gegensatz zu denen er als Person charakterisiert wird.⁵

Im Herrschaftsauftrag ist die Herrschaft über andere Menschen und die damit verbundene Entscheidung über Leben und Tod nicht vorgesehen. Nach Scharbert ist deshalb „die Vernunft des Menschen, die mit zur Ebenbildlichkeit Gottes gehört, anheimgegeben, die eigene Fruchtbarkeit und die Herrschaft über die Welt so zu betätigen, dass sie nicht den Segen in Fluch verkehren.“⁶ Triebe und der Drang zur Sünde wirken dem sorgsamen Umgang mit der Schöpfung allerdings entgegen. Das 'Sein als Bild Gottes' ist seit dem Sündenfall kaum erkennbar, da das verzerrte Bild des Irdischen es überdeckt. An jener Stelle verlor der Mensch seine Ähnlichkeit zu Gott (V. 26) und kann sie von sich aus nicht wiedererlangen. Diese Ähnlichkeit ist seine direkte Beziehung zum Schöpfergott in der Entsprechung seiner Heiligkeit, die sich im menschlichen Handeln ausdrückt. Dennoch kann und soll der Mensch in seinem Leben die Gottesliebe, die in der Schöpfung für ihn angelegt war, wachsen lassen und darauf achten, dass sie nicht verloren geht.⁷

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sterbehilfe anhand des Fallbeispiels von Ramon Sampedro und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.

2. Fachwissenschaftliche Analyse: Fundierte theologische und rechtliche Auseinandersetzung mit der Sterbehilfe unter Einbezug biblischer Exegese und ethischer Theorien.

2.1 Exegetische Reflexion: Analyse des Schöpfungsberichts und des biblischen Menschenbildes als "Ebenbild Gottes" zur Begründung der Unverfügbarkeit des Lebens.

2.2 Verschiedene Formen von Sterbehilfe und ihre rechtliche Lage: Definition und rechtliche Einordnung von aktiver, indirekter und passiver Sterbehilfe sowie Beihilfe zum Suizid in Deutschland.

2.3 Ethische Reflexion: Darstellung der ethischen Bewertung der Sterbehilfe aus theologischer Sicht.

2.3.1 Die Position der Evangelischen Kirche: Darstellung der kirchlichen Haltung, die passive Sterbehilfe bejaht, während sie die aktive Sterbehilfe ablehnt.

2.3.2 Sterbehilfe im Kontext der Ethik von Johannes Fischer: Auseinandersetzung mit der ethischen Theorie Fischers, der die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe kritisch hinterfragt.

2.4 Fazit eigene Stellungnahme: Persönliche kritische Auseinandersetzung des Autors mit der Legaliserung der aktiven Sterbehilfe vor dem Hintergrund christlicher Ethik.

3. Fachdidaktische Analyse: Untersuchung der Möglichkeiten, das Thema Sterbehilfe im Rahmen des Ethikunterrichts in der Schule didaktisch aufzubereiten.

4. Literatur: Auflistung der verwendeten Quellen und Literaturverzeichnisse.

Schlüsselwörter

Sterbehilfe, christliche Ethik, Evangelische Kirche, Menschenwürde, Imago Dei, aktive Sterbehilfe, passive Sterbehilfe, Beihilfe zum Suizid, Johannes Fischer, Religionsunterricht, Lebensende, Schöpfungstheologie, Sterben in Würde, Suizidprävention, Ethikdidaktik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der ethischen Bewertung der Sterbehilfe aus einer christlich-theologischen Perspektive und deren Vermittlung im schulischen Kontext.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die biblisch-theologische Begründung der Lebensunverfügbarkeit, die aktuelle Rechtslage in Deutschland zu verschiedenen Sterbehilfeformen sowie die ethischen Positionen der evangelischen Kirche und des Theologen Johannes Fischer.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die moralische Zulässigkeit einer Legaliserung aktiver Sterbehilfe fachwissenschaftlich zu reflektieren und Ansätze für eine didaktische Umsetzung im Religionsunterricht zu erarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine exegetische Analyse biblischer Texte, eine systematische ethische Reflexion sowie eine fachdidaktische Einordnung in Anlehnung an gängige Wertemodelle.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Analyse, die das biblische Menschenbild und die Position der Kirche diskutiert, sowie eine fachdidaktische Analyse, die Methoden zur Thematisierung des Sterbens in der Schule vorschlägt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sterbehilfe, Menschenwürde, Imago Dei, christliche Ethik, Evangelische Kirche und die didaktische Werteerziehung.

Warum lehnt die Evangelische Kirche die aktive Sterbehilfe ab?

Die Ablehnung gründet im christlichen Existenzverständnis, wonach der Mensch als Ebenbild Gottes ein von Gott gewolltes Wesen ist und der Mensch daher keine Verfügungsgewalt über das eigene oder fremde Leben besitzt.

Wie bewertet der Theologe Johannes Fischer die Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe?

Fischer kritisiert die geläufige Aktiv-Passiv-Differenzierung, da er argumentiert, dass auch das Unterlassen von Hilfeleistungen als menschliche Entscheidung gewertet werden kann und die moralische Bewertung komplexer ist als eine rein kategoriale Trennung.

Welche Rolle spielt das Wertemodell von Reinhold Mokrosch für die Didaktik?

Das Wertemodell dient dazu, Schüler schrittweise an die ethische Komplexität des Themas heranzuführen, um ihre Urteilsfähigkeit zu entwickeln und eine rein subjektive Sichtweise durch eine differenzierte Argumentation zu ersetzen.

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Details

Titel
Entscheidung über Leben und Tod - Sterbehilfe im Kontext christlicher Ethik
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Theologische Fakultät)
Note
2,3
Autor
Steffen Schütze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V195045
ISBN (eBook)
9783656211112
ISBN (Buch)
9783656284246
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik Johannes Fischer EKD Sterbehilfe Sterbebegleitung Fachdidaktische Analyse aktive Sterbehilfe passive Sterbehilfe Christliche Ethik Evangelische Ethik Beihilfe zum Suizid
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Steffen Schütze (Autor:in), 2012, Entscheidung über Leben und Tod - Sterbehilfe im Kontext christlicher Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195045
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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