Gruppenkohäsion und ihre Auswirkungen auf den Erfolg einer Sportmannschaft

Ein kurzer Überblick


Seminararbeit, 1997
10 Seiten, Note: 1

Leseprobe

1 EINLEITUNG

„Elf Freunde müßt ihr sein“, diese Fußballweißheit hat sicherlich schon jeder einmal gehört. Ob sie allerdings so eindeutig zu bestätigen ist, wie die Tatsache, daß der Ball rund ist, soll Aufgabe dieses Artikels sein. Im Zusammenhang mit dem Lieblingssport der Deutschen treffen wir seit neuestem auf einen weiteren klugen Spruch: „Der Star ist die Mannschaft“. In beiden Zitaten stecken Ansätze für eine Annäherung an den Begriff der Gruppenkohäsion und ihren Einfluß auf den Erfolg bzw. die Leistung einer Mannschaft.

Allgemein bedeutet Kohäsion in der Verhaltenspsychologie, den Zusammenhalt von Gruppen als Resultante aller Kräfte, die ein Verbleiben in der Gruppe bewirken (vgl. HÄCKER/STAPF 1994). Diese Kräfte lassen sich in zwei Zielrichtungen unterteilen: Zum einen die Prozesse der Entwicklung und Aufrechterhaltung harmonischer interpersoneller Beziehungen (sozial-emotionale oder beziehungsorientierte Kohäsion) und zum anderen die Prozesse, die im Zusammenhang mit der Erledigung von Gruppenaufgaben stehen (aufgabenorientierte Kohäsion). Dabei reflektiert die beziehungsorientierte Kohäsion die Interaktion der Gruppenmitglieder außerhalb der Wettkampf-/Trainingssituation, während die aufgabenorientierte Kohäsion in engem Zusammenhang zu den sportlichen Zielen einer Mannschaft steht.

Der Erfolg einer Mannschaft wird in der Regel über die Prozentzahl der gewonnenen Spiele gemessen[1] und ist somit ein objektiv beobachtbare Größe.

Leistung hingegen wird besonders in Spielsportarten häufig subjektiv empfunden. Es ist möglich trotz guter Leistung ein Spiel zu verlieren, bzw. trotz subjektiv schlechter Leistung zu gewinnen.

In der Beispieluntersuchung wird aus diesem Grund explizit zwischen Leistung und Erfolg unterschieden.

Auf unser einleitendes Beispiel bezogen setzt sich die Forderung nach den elf Freunden also mit beziehungsorientierter Kohäsion auseinander, die Feststellung des aktuellen Fußballbundestrainers hingegen mit aufgabenorientierter Kohäsion, da es ihm und seinem Team darum geht, gemeinsam gesteckte Mannschaftsziele zu erreichen.

2 UNTERSUCHUNGEN ZUM ZUSAMMENHANG VON KOHÄSION UND ERFOLG BZW. LEISTUNG IN SPORTSPIELMANNSCHAFTEN

2.1 Untersuchungsansätze

1972 entwickelten MARTENS, LANDERS u. LOY den „Sport Cohesiveness Questionaire“ (SCQ). Dieser blieb über lange Zeit der meist eingesetzte Fragebogen zur Messung des Mannschaftszusammenhalts, erfaßt aber überwiegend die interpersonelle Attraktivität der Gruppenmitglieder und die Attraktivität der Mannschaft. Somit wird nicht das Team in seiner Gesamtheit beurteilt, sondern die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen der Sportler zum Indikator einer Gruppeneigenschaft gemacht.[2]

Aus dieser Kritik heraus entstanden Mitte der achtziger Jahre unabhängig voneinander drei neue Erhebungsinstrumente für die Gruppenkohäsion. Zwei davon bezogen sich ausschließlich auf die Sportart Basketball. Zum einen der von MEDING entwickelte „Kohäsionsfragebogen Basketball“ (KFB) und das „Multidimensional Sport Cohesion Instrument“ (MSCI) von YUKELSON, WEINBERG u. JACKSON (1984). 1985 wurde zusätzlich ein sportartunspezifischer Fragebogen vorgestellt. Der von CARRON, WIDMEYER u. BRAWLEY entwickelte „Group Environment Questionaire“ (GEQ). Allen dreien ist gemeinsam, daß sie Kohäsion multidimensional erfassen, als Fragebogen konzipiert sind und aus der Einschätzung der Spieler auf den Zusammenhalt der Mannschaft schließen.

Unterschiede bestehen in Bezug auf die Dimensionalität von Kohäsion. Den zwei Faktoren des KFB - aufgabenorientierte und beziehungsorientierte Kohäsion - stehen bei MSCI und GEQ jeweils vier Faktoren gegenüber, wobei jeweils zwei Dimensionen inhaltlich weitgehend mit denen des KFB übereinstimmen und die beiden anderen eher als Ergänzung zu werten sind (vgl. MEDING 1988, YUKELSON/WEINBERG/JACKSON 1984 und CARRON/WIDMEYER/BRAWLEY 1985).

[...]


[1] Diese Art der Operationalisierung von Erfolg ist nur möglich in Sportarten, in denen durch den Spielmodus das Ergebnis „Unentschieden“ ausgeschlossen bzw. auf ein Minimum reduziert wird.

[2] Alle angesprochenen Untersuchungsergebnisse und die daraus folgenden Konsequenzen (s. Punkt 3) gelten ausschließlich für interagierende Sportgruppen und sind nicht ohne weiteres auf koagierende Sportgruppen übertragbar.

In interagierenden Mannschaften (z.B. im Basketball oder Volleyball) hängt die Gruppenleistung von der Güte der Kooperation und der Koordination der spezialisierten Fähigkeiten der Mitglieder ab. Bei koagierenden Teams (z.B. Bowling oder Schießsport) hingegen wird die Gruppenleistung im wesentlichen durch die Summe der Individualleistungen bestimmt.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Gruppenkohäsion und ihre Auswirkungen auf den Erfolg einer Sportmannschaft
Untertitel
Ein kurzer Überblick
Hochschule
Universität Bayreuth  (Institut für Sportwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar Sportpsychologie
Note
1
Autor
Jahr
1997
Seiten
10
Katalognummer
V1951
ISBN (eBook)
9783638112017
ISBN (Buch)
9783638869591
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gruppenkohäsion, Kohäsion, Erfolg
Arbeit zitieren
Jörg Bahl (Autor), 1997, Gruppenkohäsion und ihre Auswirkungen auf den Erfolg einer Sportmannschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1951

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