Renate Szczepaniak beschäftigt sich unter anderem mit dem Sprachwandel der Negation. In allen Sprachen ist die Möglichkeit vorhanden, eine Aussage zu ne-gieren oder einem Sachverhalt zu widersprechen. Aus diesem Grund ist die Negation universal. In der deutschen Sprache erneuern sich die Negatoren im Laufe der Zeit sowohl anhand ihrer Position als auch ihrer Form. Zudem zeigen sich immer zahlreichere Negationsformulierungen.
Die folgende Ausarbeitung wird die Entstehungsgeschichte der Negation in der deutschen Sprache erläutern. Die Negation verändert sich in dem Zeitraum vom 9. bis zum 17. Jahrhundert. Zunächst wird explizit auf den Jespersen-Zyklus eingegangen, der aufzeigt, wie aus dem ahd. ni das nhd. nicht entstanden ist. Daraufhin wird beschrieben, wie sich aus dem ahd. Morphem wiht die Form über-haupt nichts und aus ni io wiht das nhd. nicht entwickelt hat. Im Anschluss daran wird das Aufkommen der nominalen Negatoren beleuchtet, wie beispielsweise niemand oder nichts. Zum Schluss wird kurz erläutert, wie kein entstanden ist, da dieses Morphem formal von den anderen nominalen Negationswörtern Ab-weichungen zeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Jespersen-Zyklus
3. Grammatikalisierung von nicht als Negationsträger
4. Die Entstehung nominaler Negationswörter
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachhistorische Entstehung und Entwicklung der Negation im Deutschen, insbesondere den Wandel vom althochdeutschen "ni" zum neuhochdeutschen "nicht" sowie die Entstehung nominaler Negationswörter. Dabei wird analysiert, wie sich durch phonologische Prozesse, Grammatikalisierung und Lexikalisierung neue Negationsstrukturen herausgebildet haben, die das heutige System prägen.
- Der Jespersen-Zyklus als Modell für den Negationswandel
- Grammatikalisierungsprozesse von Negationsträgern
- Entwicklung nominaler Negatoren wie "niemand" oder "nichts"
- Sprachhistorische Herleitung des Morphems "kein"
Auszug aus dem Buch
2. Der Jespersen-Zyklus
Der Jespersen-Zyklus, der zurück geht auf Otto Jespersen, zeigt die Renovation der Negation in der deutschen Sprache. Er verdeutlicht, dass das ahd. freie Morphem ni, welches das einzige Negationswort zu dieser Zeit ist, zunächst phonetisch abgeschwächt wird zu dem spätahd. ni/ ne. Dabei verschmolz dieses Morphem oft mit dem darauffolgendem Verb. Die ahd. Negationsphrase ni (eo) wiht entwickelt sich, die oft eine Aussage verstärken soll. Durch Verschmelzung der Wörter verbreitet sich die Negation ni(o)wiht, die im mhd. zu niht wird. Im Mittelhochdeutschen taucht eine Negation auf, die aus einem klitischen Wort en-, ne- oder -n und aus dem freien Morphem niht besteht (ne... niht). Im Verlauf der Zeit verschwindet allmählich das abhängige unbetonte Morphem en/ ne/ n und es entsteht das heute verwendete Negationswort nicht.
Der Jespersen-Zyklus beginnt und endet mit einem „mononegative(m) System“ (Szczepanik 2011: 44). Das bedeutet, dass die freien Morpheme ni und nicht ausreichen, um eine Aussage zu verneinen. Im Mittelhochdeutschen wird eine „Polynegation“ (ebd.) angewendet, um eine Negierung zu verstärken (vgl. ebd: 43-45).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Sprachwandels der Negation ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung vom Althochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen.
2. Der Jespersen-Zyklus: Das Kapitel erläutert das Modell des Jespersen-Zyklus und beschreibt, wie durch phonetische Abschwächung und Verschmelzung aus dem althochdeutschen "ni" das moderne "nicht" entstand.
3. Grammatikalisierung von nicht als Negationsträger: Hier wird der Prozess beschrieben, wie das ursprüngliche Substantiv "wiht" durch Routinisierung und Verlust des lexikalischen Inhalts zu einem Grammatik-Marker für Negation wurde.
4. Die Entstehung nominaler Negationswörter: Dieses Kapitel behandelt die Bildung von nominalen Negatoren wie "niemand" oder "nichts" durch Univerbierung und Lexikalisierung sowie die Herkunft von "kein".
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die Eignung des zyklischen Modells gegenüber einer zeitstrahlartigen Betrachtung für die zukünftige Entwicklung der Negation.
Schlüsselwörter
Negationswandel, Jespersen-Zyklus, Grammatikalisierung, Sprachwandel, Althochdeutsch, Neuhochdeutsch, Negatoren, Lexikalisierung, Polynegation, mononegatives System, Sprachgeschichte, Morphologie, Negationskongruenz, nominale Negationswörter, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Entwicklung der Negationsausdrücke in der deutschen Sprache vom 9. bis zum 17. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen der Jespersen-Zyklus, die Grammatikalisierung von "nicht", die Entstehung nominaler Negationswörter und die Herkunft des Morphems "kein".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte der deutschen Negation sowie die Prozesse des Sprachwandels, wie Abschwächung und Lexikalisierung, nachvollziehbar zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit sprachwissenschaftlicher Fachliteratur zur Grammatikalisierung und dem Jespersen-Zyklus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Wandels von "ni" zu "nicht", die funktionale Umdeutung des Morphems "wiht" sowie die Bildung von "niemand", "nichts" und "kein".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Negationswandel, Jespersen-Zyklus, Grammatikalisierung, Sprachwandel, Althochdeutsch, Neuhochdeutsch und Lexikalisierung.
Wie unterscheidet sich die Entstehung von "kein" von anderen Negationswörtern?
Im Gegensatz zu "nicht" oder "niemand" entwickelt sich "kein" aus dem positiv verwendeten althochdeutschen Wort "dehein", welches im Laufe der Zeit in den negativen Kontext abgewandert ist.
Welche Kritik übt die Autorin am Jespersen-Zyklus?
Die Autorin hinterfragt, ob der Begriff "Zyklus" für die weitere Entwicklung adäquat ist, und schlägt vor, dass ein Zeitstrahl die unvorhersehbare Weiterentwicklung der Negation besser abbilden könnte.
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- Elisabeth Esch (Author), 2012, Negationswandel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195114