Juchitan - ein Überblick


Hausarbeit, 2011
10 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Matriarchat

3. Die Frauen von Juchitán
3.1. Auftreten und Erscheinung der Frauen
3.2. Wirtschaft und Politik
3.3. Feste
3.4. Heilung und Spiritualität

4. Mehr als zwei Geschlechter

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Juchitán[1] ist eine Stadt in Mexiko mit einer matriarchalen Sozialordnung (Spreitzhofer 2007: 23).

Die Stadt liegt im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, wenige Kilometer von der Pazifikküste entfernt im Südosten Mexikos. Juchitán liegt am Isthmus von Tehuantepec, eine Landenge in Mexiko, welche den kürzesten Weg[2] oder auch den schmalsten Landstreifen zwischen dem pazifischen Ozean und dem Golf von Mexiko darstellt. Daher stellt diese Region auch eine Durchgangsregion dar (Spreitzhofer 2007: 23). Sehr besonders an dieser Stadt ist, dass das Straßenbild von Frauen dominiert ist. Es sind Frauen der Zapoteken. Dort sind Frauen der finanzielle und organisatorische Fixpunkt der Familie. Sie kümmern sich um den Bau der Häuser, den Haushalt, die Kinder und fungieren als Händerinnen. Die Männer, die für die Feldarbeit zuständig sind, liefern ihre Produkte bei den Frauen ab (Spreitzhofer 2007: 24). In der folgenden Arbeit erkläre ich zunächst genauer was ein Matriarchat ist, dann werde ich auf die Geschichte von Juchitán eingehen und letztendlich über Leben dort schreiben.

2. Das Matriarchat

Da es heute noch einige existierende matriarchale Gesellschaften gibt, ist es möglich diese Gesellschaften auf vielen Ebenen genau zu definieren. Die Zapoteken von Juchitán sind ein Beispiel für ein solches Matriarchat. Meistens sind Matriarchate Ackerbaugesellschaften. Häuser und Land sind Eigentum des Clans und die Bewohner haben nur ein Nutzungsrecht. Über Felder, Häuser und Nahrungsmittel haben die Frauen, meist die Sippenmutter, die Kon­trolle. Güter befinden sich im ständigen Tausch, wobei Vor- und Nachteile beim Tausch durch den sozialen Status ausgeglichen werden. Zum Beispiel: Wohlhabende Clans müssen für Feste aufkommen und die anderen einladen. Dafür erhalten sie „Ehre" und soziales An­sehen. Auf ökonomischer Ebene sind Matriarchate als Ausgleichsgesellschaften definiert (Becker & Kortendiek 2010: 24).

Auf der sozialen Ebene leben Clans nach dem Prinzip der Matrilinearität. Der Clanname und alle sozialen und politischen Titel werden in mütterlicher Linie vererbt. Ein solcher Clan be­steht aus mindestens drei Generationen[3] und lebt in einem Clanhaus. In diesem Clanhaus leben die drei Generationen. Männer sind Gäste im Clanhaus ihrer Ehepartnerinnen, man nennt diese Art der Ehe auch Besuchsehe (Becker & Kortendiek 2010: 24). Die Kinder der Schwester des Mannes sind als nächstes zu ihm verwandt, nicht Kinder die er mit einer Frau gezeugt hat, da die Kinder der Schwester denselben Clannamen tragen. Durch ein komplexes Heiratssystem wird dafür gesorgt, dass jeder in einem Dorf irgendwie mit den anderen Dorf­bewohnern verwandt ist. Damit entsteht ein Hilfssystem. Matriarchate sind auf sozialer Ebe­ne matrilineare Gesellschaftsformen (Becker & Kortendiek 2010: 24).

Auf politischer Ebene spricht man von hierbei von egalitären Konsensgesellschaften. Ent­schieden wird in dem einzelnen Clan, wobei ein Clanmitglied ab einem Alter von 13 Jahren stimmberechtigt ist und keiner von der Wahl ausgeschlossen werden kann. Dasselbe Verfah­ren wird auch bei Entscheidungen die das ganze Dorf betreffen angewandt. In manchen Ge­sellschaften treffen sich die Clanmütter in einem Rat, in anderen sind es die Mutterbrüder, wobei diese im Dorfrat nur als Delegierte auftreten und das Clanhaus vertreten, also das was im Clan vorher schon bestimmt wurde. Diese Delegierten gehen solange zwischen Clan- und Dorfrat hin und her, bis sie zu einem Ergebnis auf Dorfebene kommen. Genauso läuft es dann auch auf regionaler Ebene (Becker & Kortendiek 2010: 25). Damit fallen alle Entschei­dungen basisdemokratisch und damit wird verhindert, dass sich Hierarchien oder Machtge­fälle entwickeln.

Die Weltanschauung solcher Matriarchate ist sehr komplex. Eine der grundlegenden Vorstel­lungen ist der Glaube an die Wiedergeburt. So sieht man in Kindern die wiedergeborenen Ahnen. Frauen werden somit verehrt, da sie die Gebärenden sind, also die die Tod in Leben umwandeln können. Das Leben und der Tod wechseln sich in einem Zyklus ab. Die ganze Welt wird als (weiblich) göttlich gezeichnet. Die Erde wird als Große Mutter verehrt, als Urgöttin. Die andere Urgöttin ist die Schöpferin des Universums, also die kosmische Göttin. Der Makrokosmos des Universums folgt den gleichen Regeln wie der Mikrokosmos der Men­schen. Universum und Erde, Erde und Gesellschaft, Gesellschaft und der einzelne Mensch, damit spiegelt sich immer im Großen das Kleine wieder und folgt denselben Gesetzmäßigkei­ten. Jahreszeitenfeste bilden das Zentrum der Religion. Das ernten, säen, kochen und so wei­ter gelten als wichtige Rituale. Somit gibt es keine Trennung von sakralen und porfanen Be­reich (Becker & Kortendiek 2010: 25). Damit beschreibt man dann das Matriarchat als sakra­le Gesellschaft und wird als Göttinenkultur definiert (Becker & Kortendiek 2010: 26).

3. Die Frauen von Juchitán

Die Bewohner in Juchitán sind für mexikanische Verhältnisse erstaunlich wohlhabend. Bei einer Untersuchung[4] dieser Gegebenheiten kam heraus, das ein Grund für diesen Wohlstand mag die subsistenzorientiere regionale Ökonomie sein. Unterentwicklung und Armut sind im Gegensatz zum Rest Mexikos in Juchitán kein Thema (Spreitzhofer 2007: 24).

3.1. Auftreten und Erscheinung der Frauen

In Juchitán gelten andere Schönheitsideale als im Westen. Dort verbindet man mit einer di­cken Frau Stärke und Kraft. Sie tragen lange Röcke, entweder ein „enagua"[5] oder eine „rabona"[6]. Oben wir ein „hupil" getragen, eine Bluse, welche mit Mustern handbestickt ist. Die langen Haare sind meist geflochten oder hochsteckt, manchmal auch mit Bändern durchwoben. Oft werden goldene Ohrringe oder Halsketten getragen. Die Juchitecas sind immer in Gruppen unterwegs und lachen, reden oder essen. Sie sind selten in Eile (Giebler 2006: 164).

Die Festtracht besteht aus denselben Elementen. Der „hupil" ist jedoch mit Blüten bestickt. Der Rock ist aus Samt oder Gaze, welches zum Unterrock durchsehen lässt. Alle Frauen in Juchitán besitzen diese traditionellen Gewänder (Giebler 2006: 165). Minirock und Shorts sind jedoch genauso üblich. Durch die Tracht wird die kulturelle Identität symbolisiert. Die Juchitecas grenzen sich klar als Frauen der Zapoteken von der Bezeichnung „Indio" ab.

Alles in allem haben diese Frauen eine starke und stolze Ausstrahlung, zeigen ihr Selbstbe­wusstsein und demonstrieren körperliche Präsenz (Giebler 2006: 166).

[...]


[1] vollständiger Name Juchitán de Zaragoza

[2] ungefähr 200 Kilometer Luftlinie

Clanmutter mit Schwestern, Töchtern und Enkelinnen. Dazu kommen alle direkt verwandten Männer, also Brüder, Söhne und Enkel (Becker & Kortendiek 2010: 24).

[4] 1990/91 führten Veronika Bennholdt-Thomsen, Cornelia Giebeler, Brigitte Holzer, Marina Menesis und Chris­ta Müller eine Studie in Juchitán durch (Becker & Kortendiek 2010: 78).

[5] glatter Wickelrock

[6] gestufter langer Rock mit Rüschen am unteren Ende

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Juchitan - ein Überblick
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Kulturwissenschaften)
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V195148
ISBN (eBook)
9783656209898
ISBN (Buch)
9783656211891
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Matriarchat, Frauen
Arbeit zitieren
Miri Unger (Autor), 2011, Juchitan - ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195148

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