Die Landreform in Mexiko gilt als eine der großen Errungenschaften der mexikanischen Revolution (1910‐1917). Sie ist 1917 im Artikel 27 in der Verfassung verankert worden. Durch verschiedene Gesetzesänderungen, illegale Machenschaften und außenpolitischen Druck wurde diese Reform bald zu einem Revolutionsmythos. Land und die Landfrage sind die bestimmenden Themen der mexikanischen Geschichte. Noch heute lebt in Mexiko ein Viertel der Bevölkerung und der Arbeitskräfte in ländlichen Gebieten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Ejido
2.1. Der Ursprung des Ejido
2.2. Das Ejido nach der Eroberung
2.3. Das Ejido heute
3. Die Entwicklung in Mexiko
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die transformationelle Bedeutung des Ejido-Systems in Mexiko im Kontext der staatlichen Agrarpolitik und der sozioökonomischen Bedingungen. Dabei wird insbesondere analysiert, wie politische Entscheidungen, Gesetzesänderungen und wirtschaftliche Krisen das System des kommunalen Landbesitzes beeinflusst haben und welche Auswirkungen dies auf die Lebensbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung hatte.
- Historische Ursprünge und Definition des Ejido-Systems
- Einfluss der mexikanischen Revolution und der Agrarreform
- Die Ära Cárdenas und die Förderung kollektiver Landwirtschaft
- Auswirkungen politischer Kurswechsel und ökonomischer Modernisierung
- Strukturelle Krisen und die Liberalisierung des Agrarsektors
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Ursprung des Ejido
Das Ejido hat seinen Ursprung im mittelalterlichen Spanien. Ab dem 13. Jahrhundert bezeichnet man so eine Landfläche, welche direkt außerhalb der Stadttore lag. Dieses Land war Gemeindeeigentum und wurde unterschiedlich genutzt. Die Bewohner konnten dort schlachten, Getreide wurde gedroschen und streunendes Vieh stand dort. Unter anderem befand sich dort auch eine öffentliche Müllhalde. Allerdings war eine landwirtschaftliche Nutzung untersagt (Schüren, 2003: 67).
Nach der Eroberung Amerikas bekamen die indianischen Gemeinden „Landschenkungen“ von ihren spanischen Kolonialherren. Ejidos wurden ihnen zur Selbstversorgung zugeteilt. In dieser Zeit war es eine relativ kleine und unbebaute Fläche die den Bewohnern der Ortschaft zur Verfügung stand. Allerdings änderte sich die Bezeichnung später. Man sah darunter das gesamte kommunale Land (Schüren, 2003: 67). Nach der Unabhängigkeit Mexikos (1821) wurde dieser Kollekivbesitz scharf angegriffen und Land sollte zur freien Ware werden. So wollte man eine moderne und kapitalistische Agrarwirtschaft schaffen. Das kommunale Land war bis ins 19. Jahrhundert unverkäuflich. Das Land wurde allerdings schon in der Kolonialzeit durch die Erweiterung von Großgrundbesitz einigen Gemeinden abgenommen (Dörner, 2004: 11). Die katholische Kirche als grösster Landbesitzer und viele indianische Gemeinden verloren grosse Teile ihres Landbesitzes (Schüren, 2003: 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Landfrage als zentrales Thema der mexikanischen Geschichte und führt in die Bedeutung der Landreform nach der Revolution ein.
2. Das Ejido: Dieses Kapitel erläutert die historischen Wurzeln des Ejido-Konzepts im mittelalterlichen Spanien sowie dessen Transformation in Mexiko vom kollektiven Gemeindeland hin zur komplexen sozioökonomischen Institution.
3. Die Entwicklung in Mexiko: Hier wird der chronologische Verlauf der mexikanischen Agrarpolitik von der Revolution bis zum Ende des 20. Jahrhunderts detailliert nachgezeichnet, inklusive der verschiedenen politischen Kurswechsel und deren sozioökonomischen Folgen.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass eine kohärente Agrarpolitik fehlte und das Ejido-System über weite Strecken als politisches Instrument statt als nachhaltige Entwicklungsstrategie für die Bauern diente.
Schlüsselwörter
Mexiko, Landreform, Ejido, Agrarpolitik, Revolution, Landbesitz, Kleinbauern, Kollektivierung, Agrargenossenschaft, Lázaro Cárdenas, Privatisierung, Agrarsektor, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung, Landflucht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Landwirtschaft in Mexiko, insbesondere mit dem Ejido-System als Kernstück der mexikanischen Agrarreform und dessen historischer Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des kommunalen Landbesitzes, die Auswirkungen staatlicher Reformen auf die Landbevölkerung sowie das Wechselspiel zwischen Agrarpolitik und wirtschaftlichen Transformationsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Ejido-System durch verschiedene politische Epochen hindurch instrumentalisiert wurde und warum eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen der Bauern selten das primäre Ziel der staatlichen Akteure war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturanalyse, um die agrarpolitischen Veränderungen Mexikos im 20. Jahrhundert anhand einschlägiger wissenschaftlicher Quellen kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Ursprünge des Ejidos und eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der Regierungsperioden seit der mexikanischen Revolution sowie deren Auswirkungen auf den Agrarsektor.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Landreform, Ejido-System, Agrarkrise und die politische Steuerung der Landwirtschaft durch den mexikanischen Staat charakterisiert.
Welche Rolle spielte Präsident Lázaro Cárdenas für das Ejido-System?
Unter Cárdenas erlebte das Ejido eine Blütezeit, in der die Landverteilung massiv vorangetrieben und durch staatliche Banken sowie Infrastrukturprogramme aktiv gefördert wurde, um die Modernisierung der Landwirtschaft zu unterstützen.
Warum wurde das Ejido-System später als gescheitert angesehen?
Das Scheitern wird auf mangelnde politische Kontinuität, Korruption, das Ausbleiben langfristiger Investitionen und die bewusste Privatisierung des Sektors zurückgeführt, was schließlich zur Zersplitterung und Marginalisierung der Kleinbauern führte.
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- Miri Unger (Author), 2010, Landprobleme und Landwirtschaftliche Transformation in Mexiko , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195149