Wenn man an das Wort „Wahrnehmung“ denkt, könnte man zuerst davon ausgehen, dass es sich aus den Worten „wahr“ und „nehmen“ zusammensetzt. Was man wahrnimmt wäre demnach wahr. Tatsächlich wir es aber von althochdeutschen Begriff „war“ oder „ware“ abgeleitet. Dies bedeutet wie Beobachtung oder Aufmerksamkeit. So ist wahrnehmen nicht einfach nur ein Aufnehmen von Eindrücken. Die Aufmerksamkeit wird gezielt auf bestimmte Dinge gerichtet. Zur Wahrnehmung gehört daher ein gewisses Interesse am wahrgenommenen Gegenstand und bewusster Moment hinzu. Das reine Aufnehmen würde man kaum als Wahrnehmung beschreiben.
Wenn man den Mensch einmal außen vor lässt und die Tiere- oder Pflanzenwelt betrachtet, so dient die Wahrnehmung dem Zweck sich selbst zu erhalten. Es muss erkannt werden, ob etwas besser gemieden wird oder ein Versuch gestartet wird etwas zu erlangen. Für Aristoteles ist der strebende Seelenteil gleich dem wahrnehmenden Seelenteil.
In der folgenden Arbeit werde ich zunächst auf die Seelenlehre eingehen, dann auf das Wahrnehmungsvermögen und letztlich auf die einzelnen Sinne zu sprechen kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Seele – Seelenlehre
3. Die drei Arten des Wahrnehmbaren
4. Die Wahrnehmung
5. Die Sinne
5.1. Der Tastsinn und der Geschmackssinn
5.2. Die Distanzsinne
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der aristotelischen Erkenntnislehre, wobei der Fokus primär auf dem Prozess der Wahrnehmung liegt. Ziel der Untersuchung ist es, die Verbindung zwischen der Seelenlehre, dem Vermögen der Sinneswahrnehmung und der spezifischen Funktionsweise der einzelnen Sinne bei Aristoteles systematisch darzulegen.
- Grundlagen der aristotelischen Seelenlehre
- Kategorisierung der Arten des Wahrnehmbaren
- Die Rolle der Wahrnehmung als qualitative Veränderung
- Differenzierung zwischen Kontaktsinnen und Distanzsinnen
- Die Funktion von Medium und Organ im Wahrnehmungsprozess
Auszug aus dem Buch
Die drei Arten des Wahrnehmbaren
Aristoteles unterscheidet drei Arten von Wahrnehmbaren. In den ersten beiden sagt man, dass es an sich wahrgenommen werde, in einer aber akzidentell. Von den ersten beiden ist der Wahrnehmungssinn eigentümlich, vom dritten allerdings allen gemeinsam. Eigentümlich steht hier für „durch keinen anderen Sinn“ wahrnehmbar (Heageler 2007: 15). Hier ist dann keine Täuschung möglich, im Gegensatz zu etwas, welches mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann. Das gemeinsam wahrnehmbare, wie „Ruhe“, „Bewegung“ oder „Größe“ sind möglichweise eine Täuschung. Von akzidentell oder nebenbei wahrgenommen spricht man, wenn jemanden oder etwas noch nebenbei andere Qualitäten eigen sind, worüber man sich aber täuschen kann (ebd.). Akzidentell wird von Aristoteles allerdings eingeschränkt. Es wird darauf verwiesen, dass es sich beim akzidentell Wahrgenommenen um eine Sinnesverschmelzung aus elementaren Wahrnehmungen handelt. Dies würde dann über die eigentliche Wahrnehmung hinaus gehen (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die begriffliche Herleitung von Wahrnehmung ein und erläutert die Bedeutung der Wahrnehmung für den Selbsterhalt von Lebewesen.
2. Die Seele – Seelenlehre: Hier wird die Seele als Prinzip des Lebendigen und als bestimmende Form definiert, die eng an den physischen Körper gebunden ist.
3. Die drei Arten des Wahrnehmbaren: Dieses Kapitel erläutert die Unterscheidung zwischen dem eigentümlich Wahrnehmbaren, dem gemeinsam Wahrnehmbaren und dem akzidentell Wahrnehmbaren.
4. Die Wahrnehmung: Hier wird Wahrnehmung als eine Art qualitative Veränderung und Formaufnahme durch die Sinnesorgane beschrieben, unter Abgrenzung zum vernünftigen Erkennen.
5. Die Sinne: Dieses Kapitel behandelt die verschiedenen Sinnesmodalitäten, wobei die physischen Voraussetzungen für den Wahrnehmungsvorgang erläutert werden.
5.1. Der Tastsinn und der Geschmackssinn: Es wird die besondere Rolle des Tastsinns als Kontaktsinn und Minimalkriterium für Leben sowie die enge Verwandtschaft des Geschmackssinns dazu dargestellt.
5.2. Die Distanzsinne: Hier liegt der Fokus auf Sehen, Hören und Riechen, die zwingend ein Medium benötigen, um äußere Eindrücke an die entsprechenden Organe zu transportieren.
6. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass die Wahrnehmung individuell variiert, da jeder Mensch unterschiedlich auf Einflüsse reagiert, was jedoch das Objekt an sich nicht verändert.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Wahrnehmung, Seelenlehre, Sinneswahrnehmung, Tastsinn, Distanzsinne, Erkenntnislehre, De Anima, Materie, Form, Akzidenzien, Wahrnehmungsvermögen, Organe, Medium, Lebewesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen der Wahrnehmung bei Aristoteles, eingebettet in seine allgemeine Seelenlehre.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Definition der Seele, die Klassifizierung von Wahrnehmungsobjekten sowie die detaillierte Beschreibung der menschlichen Sinne und ihrer Funktionsweisen.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Fragestellung der Ausarbeitung?
Das Ziel ist es, den aristotelischen Wahrnehmungsprozess in seiner Abhängigkeit von der Seele und dem Körper sowie die Unterscheidung zwischen verschiedenen Sinnesarten systematisch zu rekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin stützt sich auf eine hermeneutische Textanalyse der aristotelischen Schriften, insbesondere „De Anima“, unter Einbeziehung und Auswertung einschlägiger fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Grundlegung der Seele, die Systematisierung des Wahrnehmbaren und die phänomenologische Beschreibung der einzelnen Sinne (Tasten, Schmecken, Sehen, Hören, Riechen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?
Zu den prägenden Begriffen zählen Aristoteles, Wahrnehmung, Seele, Sinneswahrnehmung, Distanzsinne, Erkenntnislehre und De Anima.
Welche Bedeutung hat das „Medium“ für die aristotelische Theorie?
Das Medium ist laut Aristoteles bei den Distanzsinnen wie Sehen, Hören und Riechen zwingend erforderlich, um den äußeren Reiz zum Wahrnehmungsorgan zu transportieren.
Warum ordnet Aristoteles den Geschmackssinn dem Tastsinn zu?
Da der Geschmackssinn einen unmittelbaren Kontakt zwischen dem Objekt und dem Organ (der Zunge) erfordert, wird er von Aristoteles als eine spezifische Art des Tastens verstanden.
- Arbeit zitieren
- Miri Unger (Autor:in), 2011, Aristoteles - Die Wahrnehmung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195153