Medienwirkungsforschung: Ein Überblick

Medienselektion, Dissonanztheorie, wachsende Wissenskluft, Sleeper-Effekt


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Methodische Vorbemerkung

2. Medienwirkungsforschung – ein Überblick
2.1 Was ist Medienwirkungsforschung?
2.1.1 Verschiedene Einstellungsänderungen
2.1.2 Kurz- vs. langfristige Medienwirkungen
2.1.3 Direkte vs. indirekte Medienwirkungen
2.1.4 Starke vs. schwache Medienwirkungen
2.2 Medienselektion
2.3 Sleeper-Effekt
2.4 Dissonanztheorie
2.5 These der wachsenden Wissenskluft
2.6 Probleme der Medienwirkungsforschung

3. Zusammenfassung und Ausblick

4. Literaturverzeichnis

1. Methodische Vorbemerkung

Die Medienwirkungsforschung ist eines der schwierigsten, aber wie ich finde, auch eines der interessantesten Felder der Kommunikationswissenschaft. In meiner Seminararbeit will ich einen Überblick darüber geben, was Medienwirkungsforschung überhaupt bedeutet und wie Medienwirkungen zu unterscheiden und einzuordnen sind.

Außerdem stelle ich einige Ansätze dieses Forschungsfeldes genauer dar: Erstens den von Carl Hovland und der Yale-Gruppe erforschten Sleeper-Effekt, zweitens die von Lion Festinger entwickelte Dissonanztheorie, und drittens die These der wachsenden Wissenskluft. Abschließend gehe ich auf die Probleme der Medienwirkungsforschung ein und wage in meinem Schlussteil einen Ausblick.

Als Literatur dienen mir vor allem „Medienwirkungsforschung“ von Michael Schenk und das gleichnamige Werk von Heinz Bonfadelli, sowie einführende Literatur der Kommunikationswissenschaft.

2. Medienwirkungsforschung – ein Überblick

Die Medienwirkungsforschung setzt in der postkommunikativen Phase an, das heißt, nachdem Medieninhalte konsumiert wurden. Allerdings lässt sie sich nicht eindeutig von der Nutzungs- oder Rezipientenforschung abgrenzen. Denn die drei Phasen der Kommunikation beeinflussen sich gegenseitig. So hat das Ausmaß der Medienzuwendung (Nutzungsforschung, kommunikative Phase) Einfluss darauf, wie Medien wirken und die Medienwirkungen wiederum beeinflussen den Rezipienten bei erneuter Medienzuwendung (Rezipientenforschung, präkommunikative Phase).[1] Trotzdem soll im Folgenden versucht werden, allein über die Medienwirkungsforschung einen Überblick zu geben.

2.1 Was ist Medienwirkungsforschung?

Unter „Wirkung“ versteht man „Veränderungen eines Zustandes aufgrund einer Ursache“[2]. Im Zusammenhang mit den Medien bedeutet „Medienwirkungen“ laut Schenk die „Wirkungen von Aussagen der Massenkommunikation auf den einzelnen Rezipienten“[3]. Die zentrale Frage in der Medienwirkungsforschung muss also lauten: „Was machen die Medien mit den Menschen?“[4]. Es wird nicht nur gefragt, ob die Medien etwas Bestimmtes bewirken, sondern auch wann, unter welchen Umständen und im Zusammenhang mit welchen anderen Ursachen.

Dabei sind Wirkungen auf verschiedenen Ebenen möglich. Die Medien wirken zum Einen auf der Makroebene, also auf die Gesellschaft bzw. Öffentlichkeit, zum Anderen auf der Mesoebene, der Ebene der Gruppen oder Teilöffentlichkeiten, und schließlich auf der Mikroebene, also auf Individuen.[5] Am besten erforscht sind die Wirkungen auf der Mikroebene, die nun genauer betrachtet werden sollen.

2.1.1 Verschiedene Einstellungsänderungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Einstellungskonzept in der Massenkommunikationsforschung[6]

Auf die Einstellung eines Individuums wirken verschiedene Stimuli der Massenkommunikation ein. Darunter gehören die Eigenschaften des Inhalts, des Kommunikators und des Mediums. Sie stellen die messbaren, unabhängigen Variablen des Kommunikationsprozesses dar.[7] Aufgrund dieser Einwirkung ändert sich die Einstellung des Individuums, und zwar auf unterschiedlichen Gebieten. Es kann zu affektiven Wirkungen, also zu Emotionsänderungen, zu kognitiven Wirkungen, Änderungen in Wissen und Meinung, und zu konativen Wirkungen, also Verhaltensänderungen kommen. Gerhard Maletzke fügt diesen drei noch eine vierte Wirkung „in den Tiefensphären des Psychischen“ hinzu.[8] Dabei ist zu beachten, dass die Veränderungen alle miteinander in Zusammenhang stehen und sich vor allem die psychische aus den anderen Wirkungen ergibt. So ändert sich zum Beispiel oft erst durch neues Wissen das Verhalten. Eine genaue Abgrenzung fällt hier schwer.[9]

2.1.2 Kurz- vs. langfristige Medienwirkungen

Kurz- und langfristige Effekte unterscheiden sich nach der Dauerhaftigkeit der Medienaussage[10]. Ruft sie eine unmittelbare Reaktion hervor oder bewirkt sie auf Dauer einen institutionellen Wandel? Die meisten der klassischen Befunde des Forschungsfeldes befassen sich jedoch mit kurzfristigen Wirkungsphänomenen, longitudinale Studien sind eher selten.

2.1.3 Direkte vs. indirekte Medienwirkungen

Man kann Medienwirkungen auch in direkte und indirekte unterscheiden. Die Frage lautet hier: Wirken die Medien direkt auf den individuellen Nutzer oder indirekt[11], zum Beispiel wenn man zwar selbst keinen Fernseher hat, der gesellschaftliche Diskurs aber vom Fernsehen geprägt wird? Hier sind jedoch in der Forschung direkte Wirkungen leichter und genauer zu bestimmen, als indirekte.

2.1.4 Starke vs. schwache Medienwirkungen

Was unter „starken“ und „schwachen“ Medienwirkungen verstanden wird[12], ist nicht klar definiert. Man kann unter „stark“ verstehen, dass möglichst viele Menschen von den Medien beeinflusst werden oder auch, dass beim Einzelnen eine möglichst große Veränderung hervorgerufen wird. Meist wird mit „stark“ ein Einstellungswechsel, mit „schwach“kein Einstellungswechsel bezeichnet. Bis 1940/50 gingen die Wissenschaftler bei ihrer Forschung eher von starken Wirkungen der Medien aus, danach herrschte bis ca. 1970 das Paradigma schwacher Medienwirkungen vor und schließlich kam es wieder eher zur Annahme von starken Wirkungen.

2.2 Medienselektion

Wenn man sich mit Medienwirkungen beschäftigt, darf auch der große Einfluss der Medienselektion nicht vergessen werden. „Massenmedien [vermögen] durch Selektion und Hervorhebung die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf ganz bestimmte Themen und Gegenstände zu lenken“[13]. Dies schaffen sie durch die Konzepte „Priming“ und „Framing“. Beim „Framing“ geht es darum, dass unterschiedliche Themen immer in einen bestimmten Interpretationsrahmen gestellt werden, „Priming“ bedeutet, dass unterschiedliche Themen hervorgehoben oder besonders positioniert werden.[14]

Herta Sturm und Mitarbeiter überprüften in den 70ger Jahren die emotionalen und kognitiven Wirkungen von Hörfunk und Fernsehen. Dabei ergab sich, dass emotionale Eindrücke lang bleiben, kognitives Wissen jedoch bald verschwindet. Zudem haben Seher und Hörer meist unterschiedliche Gefühlseindrücke. Dies zeigt, dass die Selektion, die die Medien vornehmen, und wie sie bestimmte Themen präsentieren, ihre Wirkung stark beeinflusst.[15]

Auf der anderen Seite selektieren auch die Rezipienten. Als aktive Nutzer entscheiden wir selbst, welchen Medienangeboten wir uns zuwenden (präkommunikative Phase), die genutzten Angebote werden selektiv rezipiert (kommunikative Phase) und schließlich erinnern wir uns auch nur selektiv an die rezipierten Angebote (postkommunikative Phase).[16]

[...]


[1] Vgl. Pürer, Heinz. Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Ein Handbuch. Konstanz, UVK Verl.-Ges. 2003, S. 359

[2] Beck, Klaus. Kommunikationswissenschaft. Konstanz, UVK-Verl.-Ges, 2007, S. 191

[3] Schenk, Michael. Medienwirkungsforschung, 3. Auflage. Tübingen, Mohr Siebeck, 2007, S. 32

[4] Stöber, Rudolf. Kommunikations- und Medienwissenschaften. Eine Einführung. München, Beck, 2008, S. 142

[5] Vgl. Beck 2007 – Kommunikationswissenschaft. S. 191

[6] Schenk 2007 – Medienwirkungsforschung. S. 38

[7] Vgl. Schenk 2007 – Medienwirkungsforschung. S. 80

[8] Vgl. Schenk 2007 – Medienwirkungsforschung. S. 33

[9] Vgl. Bonfadelli, Heinz. Medienwirkungsforschung I. Grundlagen und theoretische Perspektiven. Konstanz, UVK Medien Verl.-Ges, 1999, S. 91f.

[10] Vgl. Bonfadelli 1999 – Medienwirkungsforschung I. S. 21

[11] Vgl. Beck 2007 – Kommunikationswissenschaft. S. 192

[12] Vgl. Stöber 2008 – Kommunikations- und Medienwissenschaften. S. 143f.

[13] Schenk 2007 – Medienwirkungsforschung. S. 305

[14] Vgl. Schenk 2007 – Medienwirkungsforschung. S. 305ff., 314ff.

[15] Vgl. Schenk 2007 – Medienwirkungsforschung. S. 110f

[16] Vgl. Beck 2007 – Kommunikationswissenschaft. S. 193

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Medienwirkungsforschung: Ein Überblick
Untertitel
Medienselektion, Dissonanztheorie, wachsende Wissenskluft, Sleeper-Effekt
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V195161
ISBN (eBook)
9783656426998
ISBN (Buch)
9783656434542
Dateigröße
2227 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verschiedene Theorien der Medienwirkungsforschung
Schlagworte
medien, journalistik, kommunikationswissenschaft, wirkungsforschung, wirkung, sleeper-effekt, dissonanztheorie, wachsende wissenskluft, postkommunikativ, modell, theorie, kommunikationsmodell
Arbeit zitieren
Christine Memminger (Autor), 2010, Medienwirkungsforschung: Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195161

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