Das römische Reich zerfällt immer mehr. Das 3. Jahrhundert gilt als DIE Krisenzeit der römischen Antike. Neben außenpolitischen Krisen findet sich immer häufiger der Begriff der Wirtschaftskrise, sogar der Weltwirtschaftskrise, ein Begriff, der in der Antike sicherlich erst einmal problemtaisch erscheint. Die Arbeit versucht die Argumente für und gegen eine Wirtscahftskrise nachzuvollziehen und überprüft anhand eines für die Antike angemessenen Krisenbegriffs, ob man im 3. Jahrhundert nach Christus von einer Wirtschaftskrise sprechen kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Wirtschaft im Römischen Reich
I.1. Der Staat
I.2. Der Staatshaushalt – Einnahmen
I.3. Der Staatshaushalt – Ausgaben
I.4. Der Staatshaushalt – Bewertung
II. Wirtschaft & Krise
II.1. Wirtschaftliche Grundlagen
II.2. Verringerung des „Münzwertes“ & Inflation
II.3. Krisenbewusstsein
II.3.1. Cassius Dio
II.3.2. Herodian
II.3.3. Die Inschrift von Skaptopara
II.4. Krise? Wirtschaftskrise? – Problematik der Begriffe
Zusammenfassung & Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich für das 3. Jahrhundert n. Chr. tatsächlich von einer Wirtschaftskrise im Römischen Reich sprechen lässt, indem sie die ökonomischen Rahmenbedingungen analysiert und das historische Krisenbewusstsein sowie zeitgenössische Krisensymptome kritisch gegeneinander abwägt.
- Analyse der römischen Staatsfinanzen und ihrer Stabilität
- Untersuchung von Inflationserscheinungen und Münzwertverlusten
- Kritische Quellenarbeit zu zeitgenössischen Historikern wie Cassius Dio und Herodian
- Bewertung des Krisenbegriffs im Kontext historischer Transformationen
- Diskussion über die Validität wirtschaftlicher Ursachen für imperiale Instabilität
Auszug aus dem Buch
II.3.3. DIE INSCHRIFT VON SKAPTOPARA
Eine weitere Quelle liegt uns aus dem Jahr 238 vor, als sich die Bewohner des Dorfes Skaptopara an Gordian III. wenden und ihn um die Lösung eines Problems bitten. Das für seine warmen Quellen berühmte Dorf wird oft von unerwünschten Besuchern heimgesucht, die die Bewohner zwingen ihnen kostenlose Unterkunft zu gewähren. Außerdem, „[…] verlassen Soldaten, die nach anderen Bestimmungsorten unterwegs sind, die ihnen bestimmten Straßen, kommen zu [ihnen] und zwingen [sie] in ähnlicher Weise, ihnen Quartier und die nötige Ausstattung zukommen zu lassen, ohne daß sie dafür eine Zahlung leisten.“34
Aus dem Text wird deutlich, dass es eine gewisse Art von Passierscheinen gab, die den Soldaten Kost und Logis ermöglichten, diese jedoch eigentlich routengebunden waren. Zweifelhaft ist, ob solche „Ausschreitungen“ hier erstmals vorkamen. Wahrscheinlich sind diese Probleme nichts Neues und kamen schon vorher vor, nur, dass wir hier das Glück haben, dass wir die Überlieferung erhalten haben. Überlegt man sich Gründe, warum Soldaten dies gemacht haben könnten, so kommt man darauf, dass sie eine der Berufsgruppen waren, die Lohn bekamen. Wenn auch von einer Subsistenzwirtschaft im großen Stile abzusehen ist, so liegt es doch im Bereich des möglichen, dass in Krisenzeiten auf eine solche hätte umgestiegen werden können. Bei Lohnempfängern fällt dies weg, die Vermutung liegt also nahe, dass dies ein Motiv für Raubzüge sein könnte. Bedenkt man jedoch, dass die Soldaten nur einen Bruchteil ihres Lohnes ausbezahlt bekamen und zumindest das „nackte Überleben“ durch die Nahrung, die sie ja gestellt bekamen, gesichert war, so ist diese Meinung nochmals zu überdenken.
Wenn all dies so zutrifft, so müssen wir davon ausgehen, dass dies nicht als Symptom einer Krise des 3. Jahrhunderts gewertet werden kann. Nichtsdestoweniger handeln die Soldaten, die den Staat und die Sicherheit die er geben soll, repräsentieren negativ und zerstören damit das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik des 3. Jahrhunderts als Zeit der Krise und Transformation sowie Darlegung der Forschungsabsicht.
I. Wirtschaft im Römischen Reich: Untersuchung der staatlichen Strukturen, Einnahmequellen (Steuern, Beute, Privatvermögen) und Ausgaben (Militär, Freigebigkeit des Kaisers) zur Bewertung der Systemstabilität.
II. Wirtschaft & Krise: Analyse konkreter wirtschaftlicher Daten wie Münzwertverlust, Inflation und Lohnentwicklung sowie Untersuchung des Krisenbewusstseins anhand antiker Autoren und Inschriften.
Zusammenfassung & Fazit: Abschließende Reflexion über die Ambivalenz des Krisenbegriffs und das Ergebnis, dass eine reine Wirtschaftskrise als Ursache der Instabilität des 3. Jahrhunderts nicht hinreichend belegbar ist.
Schlüsselwörter
Römisches Reich, 3. Jahrhundert, Wirtschaftskrise, Transformation, Soldatenkaiser, Inflation, Fiskus, Staatshaushalt, Münzwert, Krisenbewusstsein, Cassius Dio, Herodian, Skaptopara, Historische Quellen, Imperium Romanum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Debatte, ob das 3. Jahrhundert n. Chr. im Römischen Reich als eine Zeit der massiven Wirtschaftskrise oder eher als eine Phase des gesellschaftlichen Wandels zu betrachten ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit analysiert die römische Finanzpolitik, die Auswirkungen militärischer Ausgaben, die Rolle von Inflation und Geldentwertung sowie die Art und Weise, wie zeitgenössische Quellen die damaligen Zustände bewerteten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel besteht darin, zu prüfen, ob sich eine Wirtschaftskrise des 3. Jahrhunderts empirisch nachweisen lässt und inwieweit der Begriff "Krise" in diesem historischen Kontext überhaupt korrekt angewendet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die durch die Auswertung antiker Quellen, Inschriften und ökonomischer Daten versucht, verschiedene Forschungsparadigmen kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der staatlichen Wirtschaftsstrukturen (Einnahmen/Ausgaben) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit Krisensymptomen sowie dem subjektiven Krisenempfinden der Zeitzeugen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere die Transformation des Römischen Reiches, der Wertverlust der Währung, die Rolle des Militärs und die Problematik einer zu modernen Betrachtungsweise antiker Wirtschaftsverhältnisse.
Warum wird die Inschrift von Skaptopara gesondert betrachtet?
Die Inschrift dient als konkretes Fallbeispiel, um zu untersuchen, wie Soldaten durch Übergriffe das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat schwächten und ob diese Handlungen als Symptom einer tieferliegenden Wirtschaftskrise gedeutet werden können.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der antiken Historiker wie Herodian oder Cassius Dio?
Die Arbeit weist darauf hin, dass diese Quellen nicht objektiv sind und ihre Schilderungen von Verfall oder Krisen stets vor dem Hintergrund der jeweiligen persönlichen Absichten und des literarischen Stils der Autoren kritisch betrachtet werden müssen.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der "Wirtschaftskrise"?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass zwar negative Tendenzen und Veränderungen existierten, eine eindeutige Ursache in einer Wirtschaftskrise jedoch nicht nachweisbar ist und die Wahrheit vermutlich in einer differenzierteren Betrachtung liegt.
- Arbeit zitieren
- Thomas Hasfelder (Autor:in), 2011, Wirtschaftskrise im 3. Jahrhundert nach Christus?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195190