Modernisierungsaspekte im Film

Am Beispiel vom Film WILLIAM SHAKESPEARES ROMEO + JULIA im Vergleich zum Original


Hausarbeit, 2010
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Prozesse der Umbildung von Geschichten

2. Analysierender Vergleich zwischen Film und Originalstück
2.1 Das Medium
2.2 Der Rahmen des Films
2.3 Inhaltliche Aspekte
2.4 Moderne Probleme in altem Gewand
2.5 Moderne Rückbezüge zum Original
2.6 Genre-Elemente

3. Schlussfolgerungen aus der Analyse

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Prozesse der Umbildung von Geschichten

Wenn man darüber reflektiert, wer zu den bedeutendsten Schriftstellern der Weltliteratur zählt, kommt einem nahezu selbstverständlich der Name William Shakespeare in den Sinn. Aber wie kann es sein, dass ein Dramatiker aus dem 16. Jahrhundert, also aus dem elisabethanischen Zeitalter Englands, auch in der heutigen Zeit noch so bekannt ist? Ist es möglich die Konflikte der damaligen Zeit insofern zu verstehen, dass man auch Shakespeares Stücke verstehen und einordnen kann?

Das folgende Zitat, das sich eigentlich auf das Stück König Lear bezieht, aber im Grunde eine allgemeingültige Idee zu Shakespeares Werken aufzeigt, verdeutlicht vielleicht ein wenig, wie ein heutiges Verstehen der Werke möglich ist:

Das Stück ebenso wie die äußeren Umstände, in die es seinerzeit eingebettet war, wurden fortwährend, manchmal tiefgreifend umgebildet. Aber diese Umbildungen heben die Geschichte nicht etwa auf, indem sie uns in eine ewige Gegenwart einsperren; im Gegenteil, sie zeigen die Unausweichlichkeit eines Geschichtsprozesses an, deuten auf einen anhaltenden, strukturierten Tauschhandel hin […].[1]

Diese Umbildungen sind also Aspekte, die auf eine bestimmte Art und Weise modernisiert wurden, ohne die Grundaussage des Stückes zu verändern. So ist es möglich, die damaligen Themen in der aktuellen Zeit verständlich zu machen, und dennoch den Charakter Shakespeares beizubehalten.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, beispielhaft am Film William Shakespeares Romeo + Julia[2] solche Modernisierungsaspekte zu analysieren und Rückbezüge zum Originalstück Romeo und Julia [3] (1597) von William Shakespeare herzustellen.

2. Analysierender Vergleich zwischen Film und Originalstück

2.1 Das Medium

Die Wahl des Mediums ist ein erster wichtiger Punkt, auf den man seine Aufmerksamkeit legen sollte. Im elisabethanischen Zeitalter wurden Stücke geschrieben, um sie später im Theater aufführen zu können - das Medium Film gab es schließlich noch gar nicht. Die Tatsache, dass Baz Luhrmann als Medium aber den Film auswählte, und nicht eine Inszenierung im Theater, zeigt den ersten großen Transport in moderne Verhältnisse: Aus einem geschriebenen Drama wird ein Film. Losgelöst von allen inhaltlichen Aspekten, sagt die Wahl des Mediums also auch aus, inwiefern ein Stück für Menschen des 20./21. Jahrhunderts interessant wird.

2.2 Der Rahmen des Films

An dieser Stelle sollen nun Aspekte, die die Geschichte einrahmen, wie Sprache[4], Kamera und Musik, genauer betrachtet werden. Eine Gegenüberstellung des Originaltextes und des Textes im Film[5] zeigt, dass dieser nicht exakt übernommen wurde, der Sinn allerdings erhalten bleibt. Außerdem wählte Baz Luhrmann ein Versmaß für den Text in seinem Film, was sehr ungewöhnlich ist. Man kann also einerseits feststellen, dass der Text abgewandelt wurde, um für heutige Rezipienten verständlich zu sein, das Versmaß ist aber dennoch ein eindeutiger Rückbezug zum ursprünglichen Theaterstück und erhält den Charakter des Originals somit ein wenig.

Im Original kann natürlich keine Kameraführung analysiert werden, da aber genau wie die Sprache, die Kameraführung im Film sehr auffällig ist, soll dieser Aspekt auch untersucht werden: Gerade in der Einleitung des Films zeigt sich eine hohe Schnittgeschwindigkeit der Szenen, was mit den Sehgewohnheiten vom heutigen jungen Publikum durchaus konform geht.[6] Für älteres Publikum ist diese schnelle Abfolge aber sehr anstrengend, was wieder zeigt, dass der Film als sehr modern wahrgenommen werden soll.

Als letzter Aspekt der Rahmenbedingungen soll ein Blick auf die Musik geworfen werden und auch hier findet man wieder moderne Aspekte aber genauso Rückbezüge zum Original. Ein Beispiel für ein modernes Lied ist Lovefool von The Cardigans, welches eingeblendet wird, als Julias Amme und Romeo Details zur Hochzeit verabreden.[7] Ein Gegenbeispiel, welches also den Rückbezug zum Original herstellt, ist das Lied Liebestod aus Richard Wagners Oper Tristan und Isolde, welches läuft, nachdem Julia sich erschossen hat und die beiden Toten aufgebahrt in der Kirche liegen.[8] Genau wie Isolde in Tristan und Isolde stirbt Julia im Endeffekt aus Trauer über Tod ihres Partners, und da die Oper zur klassischen Musik gezählt wird, prallen mit der Wahl der Musik im Film klassische und moderne Aspekte aufeinander.

2.3 Inhaltliche Aspekte

Zu inhaltlichen Punkten lassen sich verschiedene beispielhafte Sachverhalte näher betrachten: Was sehr schnell ins Auge springt, ist die Wahl des Schauplatzes. Spielt das Original in Verona, welches eine Stadt in Italien ist[9], so wurde die Handlung im Film zu einem fiktiven Verona Beach, was wie eine südamerikanische Großstadt wirkt, verlagert.[10] Auch hier wurde das Originalstück modernisiert, denn aktuelle Themen wie die Urbanisierung waren zur elisabethanischen Zeit eher unbekannt. Deshalb erschuf der Regisseur eine Metropole und ließ das wirkliche Land, in dem die Geschichte spielt offen, wodurch eine eigene Identifikation für ein internationales Publikum eher möglich ist.

[...]


[1] Stephen Greenblatt: Verhandlungen mit Shakespeare. Innenansichten der englischen Renaissance. Frankfurt am Main 1993, S. 15.

[2] William Shakespeare’s Romeo + Juliet (William Shakespeares Romeo + Julia), USA 1996, R: Baz Luhrmann.

[3] Vgl. William Shakespeare: Romeo und Julia. Leipzig 1983.

[4] Hier muss darauf hingewiesen werden, dass mit dem ins Deutsche übersetzten Stück und synchronisierten Film gearbeitet worden ist, was Abweichungen vom Original ermöglicht.

[5] Eine beispielhafte Gegenüberstellung befindet sich im Anhang, S. 13.

[6] Vgl. William Shakespeares Romeo + Julia, TC: 0:01:08 – 0:02:27.

[7] Vgl. ebd. TC: 0:51:25 – 0:51:55.

[8] Vgl. ebd. TC: 1:45:46 – 1:47:10.

[9] Vgl. William Shakespeare: Romeo und Julia, S. 5.

[10] Vgl. William Shakespeares Romeo + Julia, TC: 0:01:09 – 0:01:40.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Modernisierungsaspekte im Film
Untertitel
Am Beispiel vom Film WILLIAM SHAKESPEARES ROMEO + JULIA im Vergleich zum Original
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Medienkultur und Theater)
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V195199
ISBN (eBook)
9783656210535
ISBN (Buch)
9783656213192
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
modernisierungsaspekte, film, beispiel, william, shakespeares, romeo, julia, vergleich, original
Arbeit zitieren
Frauke Fabelje (Autor), 2010, Modernisierungsaspekte im Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195199

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Titel: Modernisierungsaspekte im Film


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