EHS wird EMS

Die Entwicklung der Hauptschule zur Neuen Mittelschule


Masterarbeit, 2012
111 Seiten

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INHALTSVERZEICHNIS

1 ABSTRACT

2 EINLEITUNG

3 DIE MARKTGEMEINDE STRASSHOF
3.1 Bildung in Strasshof

4 SCHULISCHES UMFELD

5 FORSCHUNGSINTERESSE UND ZIELE
5.1 Forschungsinteresse
5.1.1 Unterrichtsmethoden
5.1.2 Teamteaching
5.1.3 Innere Differenzierung
5.1.4 Leistungsfeststellung
5.2 Ziele

6 ANFORDERUNGEN AN DIE ENTWICKLUNGSARBEIT DER NMS

7 PÄDAGOGISCHE KONZEPTE DER NEUEN MITTELSCHULE

8 SCHULENTWICKLUNG AM STANDORT NMS / HS STRASSHOF
8.1 Nahtstellenarbeit mit der Volksschule Strasshof
8.2 Fortbildungsveranstaltungen
8.3 Schulinterne und schulübergreifende LehrerInnenfortbildungen
8.4 Pädagogische Konferenzen

9 STANDORTMODELL
9.1 Ausgangslage
9.2 Organisatorisches Konzept
9.2.1 Organisation
9.2.2 Lehrplan
9.3 Partnerschulkonzept
9.4 Leistungsbeurteilung
9.5 Standortbezogene Entwicklungsarbeit
9.6 Pädagogische Schwerpunktsetzungen
9.7 Weitere Schwerpunkte
9.8 Evaluierung

10 BEWEGGRÜNDE ZUR TEILNAHME

11 ANNAHMEN, ZIELE UND HYPOTHESEN

12 GUTE SCHULE UND GUTER UNTERRICHT
12.1 Merkmale guter Schulen
12.2 Merkmale guten Unterrichts

13 EVALUATION
13.1 Grundlagen
13.1.1 Definition laut Duden
13.1.2 Der Wunsch nach Rückmeldung
13.2 Durchführung der Evaluation
13.2.1 Datenerhebung durch SchülerInnenfragebögen
13.2.2 Leitfaden-Interviews

14 AUSWERTUNG DER ERHEBUNGEN
14.1 Auswertung der SchülerInnenfragebögen
14.1.1 Fragen zur Inneren Differenzierung
14.1.2 Fragen zu Lern- und Beurteilungsformen
14.2 Auswertung der LehrerInneninterviews

15 ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

16 HYPOTHESENPRÜFUNG
16.1 Interpretation der Ergebnisse

17 PERSÖNLICHE GEDANKEN UND AUSBLICK

18 DANKSAGUNG

19 LITERATURVERZEICHNIS

20 ANHANG
20.1 Transkripte der LehrerInneninterviews
20.2 SchülerInnenfragebogen
20.3 Diagramme und Tabellen der Fragebogenauswertung
20.4 Elterninformationsbrief
20.5 Power Point Präsentation Elternabend November 2008
20.6 Informationsschreiben zum Thema Elternabstimmung

1 ABSTRACT

Mit dem Schuljahr 2009/10 wurde die Europahauptschule Strasshof zur Europamit- telschule Strasshof umgestellt. Durch die freiwillige Teilnahme an dem Schulversuch „Neue Niederösterreichische Mittelschule“ haben sich am Schulstandort Strasshof einige Veränderungen (Kooperation mit einem Oberstufenrealgymnasium, Teamtea- ching, neue Lehr- und Lernformen, alternative Leistungsbeurteilung, etc.) ergeben. In der vorliegenden Masterarbeit sollen einerseits die Veränderungen, die sich durch die Umstellung ergeben haben, beleuchtet werden, andererseits soll auch die neu entstandene Schulform in ihrer Arbeitsweise und Attraktivität für LehrerInnen, Schü- lerInnen und Eltern untersucht werden.

2 EINLEITUNG

Die Europamittelschule Strasshof war von Anfang an eine sehr innovative und zu- kunftsorientierte Schule. Im Schuljahr 2004/05 wurde von einem Kollegen und mir das Projekt „Offenes Lernen“ in der Schule eingeführt. Ich bin an dieser Schule seit Dezember 2003 als Lehrer tätig und entdeckte in vielen Gesprächen zum Thema „of- fene Lernformen“ gemeinsame Interessen und Vorerfahrungen (diverse Fortbildun- gen, Themenschwerpunkt meiner Diplomarbeit,…) zu dieser relativ neuen Lehr- und Lernform. Durch diverse Umgestaltungen im Stundenplan war es möglich, einen OL- Tag („Offenes Lernen“-Tag) pro Woche einzuführen. Im Laufe der letzten Jahre ent- wickelte sich das Projekt immer weiter und ist mittlerweile zu einem festen Bestand- teil im Schulprofil geworden. Offenes Lernen wird seit dem Schuljahr 2009/10 in allen vier Jahrgangsstufen durchgeführt.

Durch die Vorerfahrungen, die mit Hilfe dieses sehr schülerzentrierten Unterrichts- modells entstanden sind, war der Schritt, Neue Mittelschule im Bezirk Gänserndorf zu werden, schnell getan. Sehr viele im Modell der NMS geforderten „Auflagen“ wur- den und werden von den Lehrerinnen und Lehrern und Schülerinnen und Schülern bereits am Schulstandort umgesetzt, da es im neuen System der NMS große Paral- lelen zum Offenen Lernen gibt. Im Zuge diverser Informationsveranstaltungen, die teilweise an der Schule stattgefunden hatten, wurden alle Kolleginnen und Kollegen darüber informiert, wie das Modell der NMS aussieht, welche Veränderungen auftre- ten werden und welche Vor- und Nachteile zu erwarten sein werden.

Es gab im Lehrkörper eine positive Abstimmung (14 Stimmen dafür, vier Stimmen dagegen) über die Teilnahme an dem Schulversuch und es wurden mehrere Elterninformationsabende einberufen, um auch die Eltern über die geplanten Veränderungen zu informieren. Der Elternbrief und die Power Point Präsentation, welche am Erstinformationsabend gezeigt wurde, befinden sich im Anhang.

Die Entscheidung, Neue Mittelschule zu werden, wurde nicht alleine von den Lehre- rinnen und Lehrern gefällt, sondern es mussten auch die Eltern1 positiv (eine 2/3 Mehrheit war notwendig) für die Neue Mittelschule stimmen. Alle Eltern wurden im Rahmen eines Klassenforums ein zweites Mal von den jeweiligen Klassenvorstän- dinnen und Klassenvorständen über die geplante Umstrukturierung der Schule in- formiert.

Seitens der Schulleitung entschied man sich für eine schriftliche Abstimmung mittels Elternbrief und Stimmzettel, der von den Eltern zu Hause ausgefüllt werden konnte und anschließend binnen einer Woche an den jeweiligen Klassenvorstand rückübermittelt wurde. Von den damaligen 167 stimmberechtigten Eltern nahmen 115 ihr Wahlrecht in Anspruch und es kam zu einer eindeutigen 2/3-Mehrheit für die Umstellung zur Neuen Mittelschule (108 dafür, sieben dagegen).

Im Laufe des Schuljahres 2008/09 gab es sowohl an den Pädagogischen Hochschu- len als auch als schulinterne LehrerInnenfortbildungen (SCHILFs) unzählige Fortbil- dungsangebote für Schulen, die Neue Mittelschule werden sollten. Am Schulstand- ort Strasshof gab es etliche Fortbildungen, die von allen Lehrerinnen und Lehrern besucht wurden. Die damaligen Klassenvorstände der kommenden ersten Klassen besuchten zusätzliche Lehrveranstaltungen zu diversen Themen der NMS. Mittler- weile sind zwei Schuljahre vergangen und das LehrerInnenteam und die Schulleitung können auf die Veränderungen, welche die Umstellung gebracht hat, zurückblicken und erste Rückschlüsse ziehen, in welchem Maße das System Europamittelschule Strasshof gut funktioniert und wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

Durch die Tatsache, dass ich ein Klassenvorstand einer der letzten „Hauptschulklas- sen“ (Die beiden Klassen, die im Schuljahr 2008/09 in die Hauptschule eintraten, werden als „normale“ Hauptschulklassen geführt und sind die letzten Klassen, die nach dem alten System unterrichtet werden) bin, ermöglicht es mir, einen objektiven Blick auf das System Neue Mittelschule zu werfen, da ich unterrichtstechnisch hauptsächlich im alten System unterrichte und in den NMS Klassen etwa nur mit ei- nem Drittel meiner Unterrichtsverpflichtung verankert bin. Dadurch kann ich Dinge kritischer beleuchten und habe einen unbefangeneren Blick auf das System der Neuen Mittelschule am Schulstandort Strasshof an der Nordbahn.

3 DIE MARKTGEMEINDE STRASSHOF

Strasshof ist eine Marktgemeinde mit über 8500 Einwohnern und liegt direkt an der Nordbahn im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich. Durch die Anbindung an die Nordbahn ist eine ausgezeichnete Zugverbindung sowohl nach Wien, als auch nach Gänserndorf gegeben. Neben der guten öffentlichen Verkehrsanbindung verläuft die Bundesstraße 8 direkt durch den Ort, wodurch Strasshof auch mit dem PKW sehr gut erreichbar ist. Aufgrund der guten Verkehrsanbindung ist der Zuzug von jungen Familien, vor allem aus Wien, sehr groß und die Gemeinde wächst ständig weiter. Man sieht an den Volkszählungen, die im Abstand von zehn Jahren durchgeführt werden, dass Strasshof in der Zeit von 2001 bis 2011 eine Erhöhung der Einwohnerzahl von 1550 Personen (entspricht rund 22%) erfahren hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bevölkerungsentwicklung der Statistik Austria

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wappen von Strasshof

3.1 Bildung in Strasshof

In der Marktgemeinde Strasshof findet man neben einer Volksschule (seit 1925), ei- ner Neuen Mittelschule (Hauptschule seit 2001, Neue Mittelschule seit Schuljahr 2009/10) und einer Allgemeinen Sonderschule (seit 1973) auch eine Regionalmusik- schule (seit 1975) und eine Volkshochschule (seit 1989)2. Für die Kindergartenkinder stehen insgesamt fünf Kindergärten (mit 14 Kindergartengruppen) und ein Kinder- haus zur Verfügung. Zusätzlich zu diesen Einrichtungen befindet sich auf dem Ge- lände der Volksschule ein neu erbauter Hort für die Nachmittagsbetreuung. Geplant ist ein neuer Standort der Europamittelschule Strasshof, da das Gebäude der Volks- schule im Laufe der Jahre viel zu klein geworden ist und die Volksschule in ferner Zukunft in das Mittelschulgebäude umziehen wird. Die Planungsphase für den Neu- bau ist bereits im Laufen, wann genau der Neubau bezugsfertig sein wird, ist noch nicht bekannt.

Abbildung 2: Europamittelschule / Europahauptschule Strasshof © C. Erlitz

4 SCHULISCHES UMFELD

In der Stadtgemeinde Gänserndorf, die ungefähr vier Kilometer entfernt ist und öf- fentlich hervorragend erreichbar ist (sehr gute Zug- und Busverbindung), befindet sich ein 40-klassiges Gymnasium und Realgymnasium. Dieses BG/BRG hat einen ausgezeichneten Ruf als brilliante Schule. Dadurch beginnt das BG/BRG in jedem Schuljahr mit durchschnittlich vier bis fünf Klassen in der fünften Schulstufe. Aus der Strasshofer Volksschule ziehen 55 bis 65% aller Schülerinnen und Schüler das Gymnasium der Neuen Mittelschule vor, wodurch die NMS jährlich nur zwischen 30 und 40 Schülerinnen und Schüler aus der Volksschule für die fünfte Schulstufe er- hält. Es kommt im Laufe des Jahres zu vereinzelten „Rückkehrern“ aus der Gän- serndorfer Schule. Dabei handelt es sich um Schülerinnen und Schüler, die im Laufe des Jahres zu uns an die HS / NMS kommen.

In der Stadtgemeinde Deutsch Wagram, ebenfalls an der Nordbahn und der Bundesstraße liegend, befindet sich ein Privatgymnasium der Stadtgemeinde (Oberstufenrealgymnasium). Dieses Realgymnasium ist die Partnerschule der Europamittelschule Strasshof. Durch die enge Kooperation mit dem Oberstufenrealgymnasium entscheiden sich etliche Schülerinnen und Schüler nach ihrem Hauptschul- bzw. Mittelschulabschluss im ORG Deutsch Wagram ihre Matura zu machen.

5 FORSCHUNGSINTERESSE UND ZIELE

Durch die Umstellung von „Europahauptschule“ auf „Europamittelschule“ im Schuljahr 2008/09 kam es in vielen Bereichen der Schule zu mehr oder weniger großen Veränderungen und Umstrukturierungen.

Diese Umstrukturierungen betrafen vor allem die Teamarbeit (Teamteaching im Zweierteam, wobei teilweise Bundeslehrerinnen und Bundeslehrer eingesetzt werden) die Kooperation mit dem Oberstufenrealgymnasium Deutsch Wagram als mögliche „follow-up“-Schule die Auflösung der Leistungsgruppen und die dadurch resultierende Notwendigkeit der vermehrten inneren Differenzierung die neuen Möglichkeiten der Leistungsbeurteilung (Portfolios, Erfolgsnachweise, Lerntagebuch, Projektverlaufsmappen, etc.)

5.1 Forschungsinteresse

Durch die Umstellung auf das System der Neuen Mittelschule gab es Umstrukturie- rungen, welche die Lehrerinnen und Lehrer persönlich betrafen. Als Beispiel sind hier die verpflichtenden Teamsitzungen zu nennen, welche für jede Betroffene / jeden Be- troffenen einen zeitlichen Mehraufwand mit sich bringen. Außerdem kann durch den Wegfall der Leistungsgruppen auch ein erhöhter Mehraufwand bei der Unterrichts- vor- und -nachbereitung festgestellt werden. Im ersten Teil der Arbeit soll kurz auf diese allgemeinen Punkte eingegangen werden, der Forschungsschwerpunkt liegt aber darin, dass besonders die neu entwickelten Unterrichtsmethoden, das Team- teaching, die innere Differenzierung und die neuen Möglichkeiten der Leistungsfest- stellung untersucht werden sollen.

5.1.1 Unterrichtsmethoden

Im Schulprofil der „alten Europahauptschule“ war seit dem Schuljahr 2005/06 das Of- fene Lernen fest verankert. Durch diese Unterrichtsform wurden bereits damals viele Methoden und Unterrichtsstile entwickelt, welche im Modell der Neuen Mittelschule gefordert werden. Es ist Aufgabe dieser vorliegenden Arbeit, herauszufiltern, welche Methoden sich für die NMS gut bewährt haben und wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt.

5.1.2 Teamteaching

Dadurch, dass die Leistungsgruppen an unserem Standort in den NMS-Klassen ab- geschafft wurden, kam es dazu, dass von nun an zwei LehrerInnen als Team in der heterogenen Gesamtklasse unterrichten. Durch diesen Doppeleinsatz veränderte sich die Unterrichtsgestaltung. Besonderes Augenmerk möchte ich hierbei auf die Stolpersteine legen, die sich für die meisten Unterrichtenden durch diese neue Lehr- form herausgebildet haben. Inwieweit funktioniert das Teamteaching am Schulstand- ort, und vor allem welche Möglichkeiten gibt es, dass die Qualität des Arbeitens ver- bessert werden kann?

5.1.3 Innere Differenzierung

Durch die jahrelange Arbeit in Leistungsgruppen war die Umstellung, eine heteroge- ne Gruppe mit allen möglichen Leistungsniveaus zu unterrichten, der größte Schritt in eine Ungewissheit. Es ist Aufgabe dieser Arbeit herauszufinden, wie innere Diffe- renzierung funktioniert, welche Probleme und Schwierigkeiten es gab beziehungs- weise gibt und welche Verbesserungsmöglichkeiten angestrebt werden können.

5.1.4 Leistungsfeststellung

„Das Beste an der Neuen Mittelschule ist die Tatsache, dass man bei der Leistungs- feststellung sehr viel flexibler geworden ist und es ganz neue Möglichkeiten gibt, wie man seine Noten als Lehrer bekommt.“ 3 Es zeigt sehr deutlich, dass man sehr gerne weg von den traditionellen Beurteilungsmöglichkeiten geht und mit den neuen Ideen, die im Laufe der Zeit entstanden sind, sehr gut umgehen kann. Für mich ist es bei diesem Punkt besonders wichtig, die unterschiedlichen Facetten aufzuzeigen, wel- che von den Lehrerinnen und Lehrern verwendet werden, um die Schülerinnen und Schüler zu benoten.

5.2 Ziele

Das wichtigste Ziel dieser Arbeit ist eine Evaluation und Status Quo Erhebung, damit man herausfinden kann, welche Dinge bei der Umsetzung gut funktioniert haben und wo es noch Nachholbedarf gibt. Die Arbeit, die auch im Zuge einer pädagogischen Konferenz als Diskussionsgrundlage dienen soll, wird ein Anhaltspunkt dafür werden, welche Dinge man in naher Zukunft verändern, verbessern, abschaffen und neu überdenken muss. Durch die Tatsache, dass das LehrerInnenteam der Europamittel- schule sehr engagiert ist, bin ich der Meinung, dass diese Arbeit ein guter Diskussi- onspunkt werden wird, der die weitere Schulentwicklung positiv beeinflussen wird. Der unten gezeigte Comic verdeutlicht sehr schön, wie die Reise zur Neuen Mittel- schule aussieht. Man befindet sich in einem gemeinsamen Boot, das von heftigen Wellen herumgepeitscht wird. Trotz des starken Windes entschließt man sich aber, die Segel zu setzen, um voranzukommen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3:Comic © Hörnlebergschule

6 ANFORDERUNGEN AN DIE ENTWICKLUNGSAR- BEIT DER NMS

Da das System der Neuen Mittelschule ins Regelschulwesen übernommen werden soll, wurde seitens des Ministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ein gemeinsames Anforderungsprofil an die zukünftigen Schulen erstellt. Die folgenden Anforderungen sind seitens des Ministeriums gestellt worden:

Die NMS Entwicklungsarbeit soll österreichweit auf einer gemeinsamen Basis stehen

Die Umsetzung einer neuen Lernkultur erfolgt entlang der Eckpfeiler Individualisierung und innere Differenzierung an allen Standorten.

Die Teamarbeit und die verstärkte Zusammenarbeit von Lehrpersonen der Sekundarstufe I werden durch den verschränkten Einsatz von AHS/BHS- und HSLehrpersonen gestärkt Daher wird die Teamarbeit zwischen AHS/BHS Lehrpersonen und HS-Lehrpersonen optimal unterstützt. Pro NMS Klasse stellt der Bund sechs LehrerInnenstunden für den Einsatz an den Neuen Mittelschulen zur Verfügung. Neue Methoden und Strategien werden im Unterricht gemeinsam erprobt, damit eine neue Lernkultur für das Lernen und Leisten in heterogenen Gruppen entsteht und von allen getragen wird. Der Einsatz von AHS/BHS Lehrpersonen wird bestmöglich auf alle NMS-Klassen gleichmäßig verteilt: Keine Schülerin beziehungsweise kein Schüler darf den Eindruck haben, sie/er „besuchte den Unterricht in der AHS-Klasse bzw. in der HSKlasse“. Temporäre äußere Differenzierung ist nur im Sinne von Förderunterricht (für die Behebung von Teilleistungsschwächen) möglich.

Die Ressourcen werden zur optimalen Förderung aller Schülerinnen und Schüler an der NMS eingesetzt Die LehrerInnenressourcen, die vom Bund kommen, aber auch die Werteinheiten, die sich aus dem Wegfall der Leistungsgruppen in Deutsch, Englisch und Mathema- tik ergeben, dürfen nur zu Unterrichts- bzw. Förderzwecken in den NMS Klassen ein- gesetzt werden.

Good-Practice-Beispiele zur Leistungsbeurteilung (Portfolios, kompetenzorien- tierte Leistungsbeschreibungen, …) werden aufgenommen und ausgebaut Alle Fördermaßnahmen und Interventionsmöglichkeiten werden ausgeschöpft und Erziehungsberechtigte werden intensiv beraten. KEL-Gespräche (Kind-Eltern-Lehrer- Gespräche) werden verpflichtend zweimal pro Schuljahr eingeführt. Alle Schülerin- nen und Schüler starten in der NMS mit AHS-Status und werden danach auch beur- teilt. Eine Umstellung und Beurteilung nach den Bestimmungen der Hauptschule kann nur nach Ausschöpfen aller Fördermaßnahmen und auf nachweislichen Antrag der Erziehungsberechtigten erfolgen, um Schülerinnen und Schüler mit gravierenden Teilleistungsschwächen möglichst lange in der förderlichen Umgebung des Klassen- verbandes zu halten.

Teamkultur wird am Standort gestärkt und im kollegialen Austausch gelebt

Die Vernetzungstreffen der NMS-Entwicklungsbegleitung werden von allen Direkto- rinnen und Direktoren wahrgenommen; die verschiedenen Lernateliers werden von den Lerndesignerinnen und Lerndesignern aktiv genützt, um die Schulentwicklung am Standort bestmöglich zu unterstützen. Pädagogische Tage, regelmäßige Koordi- nationstreffen, SCHILF-Veranstaltungen, … dienen unter anderem der Reflexion der eigenen pädagogischen Arbeit, der Überprüfung der Zielgerichtetheit eingesetzter Maßnahmen, und der Auseinandersetzung mit pädagogischer Schulentwicklung am Schulstandort. (vgl.: http://www.neuemittelschule.at/)

7 PÄDAGOGISCHE KONZEPTE DER NEUEN MITTELSCHULE

Für die Modellversuche der Neuen Mittelschule gilt grundsätzlich der Lehrplan der AHS-Unterstufe. Die Bildungsstandards und Bildungsziele sind für die Modellversu- che bindend. Folgende pädagogische Konzepte bestimmen das Modell der Neuen Mittelschule:

Individualisierung

Aufgaben und Übungen orientieren sich an den individuellen Leistungsniveaus der Schülerinnen und Schüler. Es sollte zu keiner Über- und Unterforderung kommen. Dadurch werden Spitzenleistungen ermöglicht und Frustration vermieden.

Differenzierung

Durch unzählige abwechslungsreiche Lernangebote fördern die Neuen Mittelschulen die unterschiedlichen Begabungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler. Hier einige Beispiele, wie die Differenzierung umgesetzt werden kann: projektorien- tierter Unterricht, fächerübergreifendes Lernen, Unterricht in flexiblen Kleingruppen, themenzentrierte Erarbeitung von Themen durch Schülerinnen und Schüler, etc.

Ganztägige Betreuung

Die Fortsetzung der schulischen Förderung am Nachmittag erfolgt durch eine qualitätsvolle und ganztägige Betreuungsform. Dieses Angebot wird am Schulstandort Strasshof nicht wahrgenommen, da von der Gemeinde ein Hort betrieben wird, der für die Nachmittagsbetreuung zuständig ist.

Teamteaching

Eine enge Kooperation mit einer Partnerschule (ORG Deutsch Wagram) aus der Umgebung wird von jeder teilnehmenden Schule angestrebt und ist verpflichtend. Lehrerinnen und Lehrer aus der Partnerschule (häufig Gymnasien, Handelsakademien, etc.) unterrichten an der Modellschule im Team mit einer Hauptschullehrerin beziehungsweise einem Hauptschullehrer.

Sonstige pädagogische Konzepte

Förderung von Sport und Bewegung, mehr Kunst- und Kulturprojekte, Gender-

Chancengleichheit, e-Learning, Einsatz von neuen Unterrichtsmedien, Hereinholen von externen ExpertInnen, Integration und Inklusion, gute und unterrichtsbezogene Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer, Öffnung der Schule nach Außen (Wirtschaft, Medien, Kultur,…) (vgl. Projektteam NMS, 2009, S. 2-7)

8 SCHULENTWICKLUNG AM STANDORT NMS / HS STRASSHOF

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Comic © M. Taubenberger

Schulentwicklung, teilweise als Unwort abgestempelt, ist ein ständiger Begleiter aller Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag. Der in der obigen Abbildung gezeichnete Comic ist ein schönes Beispiel für Bedeutung von Schulentwicklung. Die beiden Männer, die auf den Schienen vor einem herannahenden Zug davonlaufen, stellen für mich das Lehrersein dar. Die beiden laufen vor einem sich nähernden Zug, der die Eintönigkeit und Starrheit im Schulsystem repräsentiert, davon. Die beiden Män- ner rufen in ihrer Verzweiflung nach einer Weiche, bei der sie dem drohenden Unheil ausweichen können. Die von ihnen gewünschte Weiche stellt Knotenpunkte in der Schulentwicklung dar. Jede Weiche ist ein neuer Weg, den eine Schule einschlagen kann beziehungsweise muss. Ohne die Weichen einer Eisenbahnstrecke könnte ein Zug auch nur eine Destination anfahren und es gäbe keine Möglichkeit, mehrere Zie- le anzufahren. Eine Schule kann sich nicht immer auf dem gleichen Weg fortbewe- gen, ohne einmal andere Richtungen, in Form von neuen Ideen oder Konzepten ein- zuschlagen. Es ist unumgänglich, dass sich jede Schule Gedanken über mögliche Knotenpunkte auf ihrer „Haupteisenbahnstrecke“ macht und diese auch ausprobiert. Ohne pädagogische Schulentwicklung, die „nach links und rechts“ schaut, ist eine Schule veraltet, starr und absolut nicht offen für Neues.

Speziell in der Neuen Mittelschule ist es unerlässlich, ständig das System Schule den Anforderungen und Begebenheiten anzupassen. Dadurch kommt der Schulent- wicklung eine sehr große Bedeutung zu. Laut Heinz Klippert kann man Schulentwick- lung von unterschiedlichen Ansätzen aus betrachten:

Systembezogener Ansatz (Ist-Aufnahme, Datensammlung, Auswertung der Daten, Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit, etc.)

Personenbezogener Ansatz (Personalbewertung, Personalförderung, Fortbildungen, Kommunikationstraining,etc.)

Unterrichtsbezogener Ansatz (Reflexion der LehrerInnenrolle, neue Lernformen entwickeln, produktive LehrerInnenkonferenzen, Teamentwicklung, etc.)

Diese drei Ansätze beeinflussen sich untereinander und sind eng miteinander verbunden. Sie alle ergeben daher folgende Konsequenzen beziehungsweise Anforderungen an die pädagogische Schulentwicklung:

Schulentwicklung muss speziell dort ansetzen, wo Lehrerinnen und Lehrer Probleme haben und wo Innovationsbedarf besteht.

Alle Prozesse der Schulentwicklung müssen überschaubar bleiben. Der Lehrkörper muss das Gefühl haben, „dass er die Situation meistern wird“ und darf keinesfalls ein Gefühl der Überforderung spüren.

Rahmenbedingungen, die unterstützend und Mut machend sind, müssen vor- handen sein, damit wirksames innovatives Handeln gewährleistet werden kann.

Die Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer Neues auszuprobieren, muss gegeben sein.

Greifbare Erfolgserlebnisse, also kleine „Etappenziele“, sind unbedingt not- wendig. Schulentwicklung muss so angelegt sein, dass diese Ziele auch rasch erreicht werden können. Ohne die angesprochenen Erfolgserlebnisse sinkt die Motivation, und fehlende Motivation ist ein „Verhinderer“ von Schulentwick- lungsprozessen.

Die Effektivierung der schulischen Bildungsarbeit und die Hinterfragung von aktuellen Unterrichtsaspekten müssen an oberster Stelle der Schulentwicklung stehen. (vgl. Klipert, 2008, S.13ff)

Das LehrerInnenteam und die Schulleitung der NMS / HS Strasshof arbeiten ständig an Schulentwicklungsprozessen. Sowohl allgemeine als auch fachspezifische Fort- bildungen werden von allen Lehrerinnen und Lehrern wahrgenommen. Schulinterne Lehrerfortbildungen (SCHILF-Veranstaltungen) und schulübergreifende Lehrveran- staltungen (SCHÜLF- Veranstaltungen) werden neben pädagogischen Konferenzen und Teamsitzungen in regelmäßigen Abständen angeboten und durchgeführt. An dieser Stelle sollen nur die Bereiche der Schulentwicklung, welche bedeutsam für die Teilnahme an der Neuen Mittelschule sind, Einzug in diese Arbeit finden. Es geht nicht um eine vollständige Beschreibung der Schulentwicklungs-Elemente, denn das würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen. Die einzelnen Punkte werden nur kurz beschrieben, um dem Leser einen guten Einblick in die relevante Thematik zu geben.

8.1 Nahtstellenarbeit mit der Volksschule Strasshof

Die Kooperation mit der Volksschule Strasshof hat sich seit der Umstellung zur Neu- en Mittelschule deutlich verbessert und intensiviert. Lehrerinnen und Lehrer der NMS arbeiten sehr eng mit den Kolleginnen und Kollegen der Volksschule zusammen, in- dem gemeinsame Projekte initiiert und gegenseitige Schulbesuche organisiert wer- den. Außerdem unterrichten Kolleginnen und Kollegen der Mittelschule bereits einige Stunden in den vierten Klassen der Volksschule, damit bereits vor Übertritt in die neue Schule eine enge Bindung mit den Kindern entstehen kann. In regelmäßigen Teamsitzungen, bei denen die Kolleginnen und Kollegen beider Schulen zusammen kommen, werden Neuerungen ausgetauscht, Verbesserungsvorschläge diskutiert und weitere Projekte initiiert. Als wichtigste Neuerung wurde eine „Portfoliokooperation“ zwischen NMS und VS vereinbart, bei der die Kinder der Volksschule ein Portfolio anlegen, das später beim Übertritt in die Mittelschule wei- tergeführt wird.

8.2 Fortbildungsveranstaltungen

Sieht man sich die Angebotspalette der Pädagogischen Hochschulen im Bereich der Weiterbildung an, so fällt auf, dass es unzählige Fortbildungsmöglichkeiten zum Thema „Neue Mittelschule“ gibt. Alle Lehrerinnen und Lehrer der Europamittelschule Strasshof besuchten in den letzten Schuljahren Fortbildungsveranstaltungen, die sich mit dem Thema der Bildungsstandards und Standardsüberprüfungen beschäftigten. Da die Bildungsstandards und deren Überprüfung ein großes Thema in der Neuen Mittelschule sind, war es absolut wichtig, diese Fortbildungen zu besuchen. Nur so konnte ein „NMS-Unterricht“ entwickelt werden, der sich mit allen Facetten, die bei den Standards gefordert werden, beschäftigt. Neben diesen Veranstaltungen, die von allen Kolleginnen und Kollegen verpflichtend zu besuchen waren, wurden spezi- elle Seminare für die Fachkoordinatoren für Deutsch, Englisch und Mathematik an- geboten. Bei diesen Seminaren arbeiteten jeweils die drei Fachkoordinatoren (Deutsch, Englisch und Mathematik) der jeweiligen Schulen gemeinsam mit der Schulleitung an der Unterrichtsqualitätsentwicklung. Die enge Bezugnahme zu den Anforderungen, welche das System der Neuen Mittelschule stellt, war die theoreti- sche Grundlage für diese Seminare, die flächendeckend angeboten wurden. Neben den oben angeführten Fortbildungen gab es auch einen Schwerpunkt seitens der LehrerInnenfortbildung der Pädagogischen Hochschulen in Richtung Kompetenz- lernen und projektorientierter Unterricht.

8.3 Schulinterne und schulübergreifende LehrerInnenfort- bildungen

In Hinblick auf die Anforderungen der Neuen Mittelschule wurden seitens der Schul- leitung einige SCHILF und SCHÜLF-Veranstaltungen organisiert. Bei den SCHILFs nehmen nur die Kolleginnen und Kollegen der eigenen Schule an der Fortbildungs- lehrveranstaltung teil. Bei den SCHÜLFs kommt es zu einer Kooperation mit einer anderen Schule und die Lehrkräfte zweier oder mehrerer Schulen besuchen gemein- sam die Fortbildung. Die schulübergreifenden Fortbildungen wurden gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Volksschule durchgeführt, da die Thematiken für beide Schularten von Bedeutung waren und die pädagogische Arbeit beide Schulen betraf. Die folgende Aufzählung der behandelten Themen ist nur ein Auszug, aus den SCHILF- und SCHÜLF-Veranstaltungen, die maßgeblich zur Schulentwicklung der Europamittelschule beigetragen haben:

- „Innere Differenzierung“
- „Portfolioarbeit“
- „Klassenzimmermanagement“
- Besuch der Neuen Mittelschule Rapottenstein inkl. Unterrichtshospitationen
- Besuch der HS Mayerhofen inkl. Hospitationen
- etc.

8.4 Pädagogische Konferenzen

Konferenzen werden an der EMS Strasshof in regelmäßigen Abständen abgehalten. In jeder Konferenz werden pädagogische Schwerpunkte gesetzt, die in Kleingruppen oder in Plenararbeit besprochen, ausgearbeitet und diskutiert werden. Hier sollen einige Punkte erwähnt werden, die für die Schulentwicklung am Schulstandort von großer Bedeutung sind, in pädagogischen Konferenzen erarbeitet wurden und in enger Beziehung zum System der Neuen Mittelschule stehen:

- Methodenmarkt: Vorstellung aller von den Kolleginnen und Kollegen verwendeten Unterrichtsmethoden (Portfolio, SchülerInnenpräsentationen,…).
- Entwicklung der KEL-Gespräche (Kind-Eltern-Lehrer-Gespräche), die anstelle der regulären Elternsprechtage abgehalten werden und Bestandteil des Systems „Neue Mittelschule“ sind.
- Ausarbeitung der Kompetenzbögen für jedes Unterrichtsfach. Kompetenzori- entierter Unterricht ist Kernstück der NMS-Anforderungen und Bildungsstan- dards.
- Erarbeitung der neuen Stundentafel für die NMS-Klassen Einführung des Doppelstundensystems der ersten beiden Unterrichtseinhei- ten
- Entwicklung eines Wahlpflichtfachsystems für die NMS-Klassen
- Spezielle Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler bei der IKM (in- formelle Kompetenzmessung) in Zusammenhang mit den Bildungsstandards.
- Überarbeitung der Schularbeitenthematik und Entwicklung der Erfolgs-nachweise
- Einführung und Organisation der Sprachenportfolios
- Gemeinsame Gestaltung eines Schulheftedesigns
- Erstellung eines eigenen Mitteilungsheftes und eines NMS-Klassenbuchs

9 STANDORTMODELL

9.1 Ausgangslage

- Im Schuljahr 2004/05 erfolgte in unserem Schulprogramm eine massive Um- strukturierung. Der Gegenstand „Offenes Lernen“ wurde als Unterrichtsge- genstand in allen Schulstufen eingeführt. OL-Teams, bestehend aus zwei bis drei Lehrerinnen und Lehrern inklusive Native Speaker, wurden gebildet und Englisch als Arbeitssprache wurde primär ins Offene Lernen verlagert. Ziele und Erwartungen des Konzeptes der Neuen Mittelschule konnten erfüllt wer- den und die stetige Evaluation ermöglichte es auch die Schulentwicklungsar- beit voranzutreiben.

- Wesentliche Punkte aus dem Schulprogramm, insbesondere die, die sich mit den Intentionen des NÖ Schulmodells decken und auf denen noch weiter aufgebaut werden, sind:

- Schülerzentriertes Arbeiten als wichtiger Unterrichtsgrundsatz in allen Gegenständen
- Projektorientierter Unterricht: Kurssysteme für Begabungsförderung, Förder- und Stützsysteme, Zwei- und Mehrlehrersysteme, neue Zeit- strukturen der Unterrichtsorganisation, schulische Lernzeiten, kleine LehrerInnenteams, Individualisierendes Lernen, Fächerübergreifendes Arbeiten, Zusatzangebote, Offenes Lernen, Arbeit in Jahrgangteams

- Bisherige schulische Schwerpunktsetzungen: Soziale Integration, Ausgleich zum Lernalltag (Exkursionen, Lehrausgänge, ExpertInnen kommen in die Schule), zusätzliche Sportangebote (Schwimmen, Eislaufen, Tischtennis, Klettern, Funpark, Radfahren, …), im naturwissenschaftlichen Bereich Angebot eines Physik/Chemie Labors, der künstlerisch-kreative Bereich als eigener Gegenstand „Kreatives Gestalten“

- Durchführung einer Evaluation in Zusammenarbeit mit der Universität Wien:

Dr. Anna Streissler erstellte einen Fragenkatalog und führte Interviews mit Schülerinnen/Schülern, Lehrerinnen/Lehrern, Eltern, Bezirksschulinspektor und Direktorinnen/Direktoren durch. Die Ergebnisse der Studien sind in den beiden IMST - Veröffentlichungen von Christian Erlitz (2006 bzw. 2007) nach- zulesen.

9.2 Organisatorisches Konzept

9.2.1 Organisation

Übertrittsvoraussetzung in unsere Schule ist der positive Abschluss der 4. Klasse Volksschule. Der Unterricht erfolgt im Fachlehrersystem. Ein gemeinsames Unterrichten von HS-Lehrerinnen/Lehrern und Lehrerinnen/Lehrern der Partnerschule (Ober- stufenrealgymnasium Deutsch Wagram) wird soweit wie möglich umgesetzt. Da die personellen Ressourcen der BundeslehrerInnen aber nicht alle Schulklassen abdecken können, unterrichten teilweise auch zwei HauptschullehrerInnen miteinander. Nach der 6. Schulstufe können die Schülerinnen und Schüler zwischen dem allgemeinbildenden und dem berufsorientierten Bereich wählen. Für den Übertritt in den allgemeinbildenden Bereich ist eine positive Beurteilung nach dem Lehrplan des Realgymnasiums in allen Gegenständen Voraussetzung.

9.2.2 Lehrplan

Unterricht und Leistungsbeurteilung erfolgen nach dem Lehrplan der allgemeinbilden- den höheren Schulen. Der Inhalt der „Mittelschullehrpläne“ soll durch die Betonung des ganzheitlichen Aspekts der Volksschullehrpläne ergänzt werden. Dies soll einen gleitenden Übergang zum Fachlehrersystem mit einer möglichst geringen Anzahl von in einem Jahrgang eingesetzten Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen. Bei drohenden negativen Beurteilungen und nach Ausschöpfung aller Fördermöglich- keiten können die Erziehungsberechtigten in einzelnen Unterrichtsgegenständen eine Beurteilung nach dem Lehrplan der Hauptschule verlangen. Diese „Umstufung“ hat schriftlich durch die Erziehungsberechtigten zu erfolgen. In diesem Fall ist im Zeugnis der Passus „Beurteilt nach dem Lehrplan der Hauptschule“ mit einer entsprechenden fiktiven Leistungsgruppenzuordnung in Deutsch, Englisch und Mathematik zu vermer- ken. Lehrplanabstufungen sollen frühestens in der 6. Schulstufe vorgenommen wer- den.

Interessen- und berufsorientierte Mittelschule (7./8. Schulstufe):

Schülerinnen und Schüler, die eher einen unmittelbaren Einstieg in eine berufsbilden- de Schule oder in die Berufsausbildung (Berufsbildende höhere/ mittlere Schule, Poly- technische Schule/ Berufsschule) anstreben, wählen die interessen- und berufsorien- tierte Mittelschule. Es gelten die Lehrpläne der 7. und 8. Schulstufe des Realgymnasi- ums bzw. in Analogie zu den Bestimmungen zur 5. und 6. Schulstufe die Lehrpläne der Hauptschule.

Innerhalb der interessen- und berufsorientierten Mittelschule werden konzentrierte Maßnahmen der Berufsorientierung und der Vorbereitung zum Besuch von weiterführenden Schulen im berufsbildenden Bereich gesetzt.

Realgymnasium/Gymnasium (7./8. Schulstufe):

Nach der 6. Schulstufe besteht für Schülerinnen und Schüler mit den entsprechenden Berechtigungen die Möglichkeit, in einem allgemeinbildenden Zweig nach dem Lehrplan des Realgymnasiums/Gymnasiums (allgemeinbildender Bereich) unterrichtet zu werden. Schülerinnen und Schüler, die eine allgemeinbildende Oberstufenform anstreben, wählen diesen Bereich (zweite lebende Fremdsprache „Spanisch“ mit drei Wochenstunden ab der 7. Schulstufe).

9.3 Partnerschulkonzept

Im Schuljahr 2009/10 wurden in Kooperation mit der damaligen Direktorin Mag. Irene Strömer und dem LehrerInnenteam des Oberstufenrealgymnasiums Deutsch Wagram die Bundesstunden verteilt. An unserem Standort werden derzeit fünf Klas- sen nach dem Modell der Neuen Mittelschule geführt. Wenn es im Schuljahr 2011/12 die Humanressourcen zulassen, streben wir Spanisch als 2. lebende Fremdsprache für die Schülerinnen und Schüler, die dem Anforderungsprofil für den allgemeinbil- denden Bereich (Gymnasium) entsprechen, an. Viele weiterführende Schulen, so wie auch unsere Partnerschule, das ORG Deutsch-Wagram, haben „Spanisch“ in der Stundentafel. In Teamsitzungen versuchten wir im Sinne einer professionellen Ko- operation mit dem ORG Deutsch-Wagram entsprechende Konzepte auszuarbeiten.

[...]


1 Siehe Anhang - Informationsschreiben über Elternabsstimmung von BSI Manfred Wimmer (Projektkoordinator NMS)

2 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Strasshof_an_der_Nordbahn (18.05.2011)

3 Dieses Zitat stammt aus einem der Interviews, die mit Kolleginnen und Kollegen gemacht wurden.

111 von 111 Seiten

Details

Titel
EHS wird EMS
Untertitel
Die Entwicklung der Hauptschule zur Neuen Mittelschule
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Autor
Jahr
2012
Seiten
111
Katalognummer
V195227
ISBN (Buch)
9783656211792
Dateigröße
22285 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schulprogramm, Schulmanagement
Arbeit zitieren
Christian Erlitz (Autor), 2012, EHS wird EMS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195227

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