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Die Parzival-Âventiure im Spannungsfeld der Farben Rot und Weiß

Die sinnstiftende Funktion der Farben für die Entwicklungsgeschichte und Identitätsfindung des Protagonisten sowie für das Strukturprinzip des Werkes. Erweiterte Neuauflage 2019

Titel: Die Parzival-Âventiure im Spannungsfeld der Farben Rot und Weiß

Wissenschaftliche Studie , 2012 , 169 Seiten

Autor:in: Gertraud Pippow (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Bevor die Farben Rot und Weiß in der Blutstropfenepisode an den Stoffen erscheinen, die gewöhnlich als ihr Inbegriff symbolisiert werden – Blut und Schnee – tauchen sie auf dem Weg Parzivals immer wieder in verschiedenen, oft scheinbar bloß vordergründigen Zusammenhängen auf, die sich erst vom Ende her in ihrer Verweisfunktion erkennen lassen. Das aus diesen Verweisen erschließbare Ganze gerinnt zum Bild der Blutstropen im Schnee, dessen Bedeutung seinerseits erst aus der Aufklärung über Schnee und Blut durch Trevrizent erhellt.
Es soll daher zunächst Parzivals Weg am Leitfaden der Farben Rot und Weiß verfolgt und dabei versucht werden, die im Bild von den Blutstropfen im Schnee enthaltenen Elemente aus der Kenntnis der sich mit ihnen verbindenden und sich entwickelnden Bedeutungszusammenhänge herauszuarbeiten. (Teil A)
Diese Analyse, die ursprünglich nur bis zur sog. Blutstropfenepisode unter Einbeziehung der Karfreitagsgespräche geplant war, hat ein doppeltes Ergebnis gebracht: Einerseits beschränkt sich die Entwicklung des Motivs der Farben Rot und Weiß auf das Geschehen in den Büchern III bis VI und konzentriert sich zunehmend auf die Beziehung zwischen Parzival und Condwîrâmûrs, andererseits verbinden sich mit dem Farbmotiv komplexe Konnotationen, durch die sich der damit verbundene Bedeutungshorizont erweitert, was vor allem die Ereignisse im IX. Buch, Parzivals Wiederaufnahme in die Heilszeit am Karfreitag, betrifft. (Teil B). Die Aufspaltung der Geschichte in einen zweiten Handlungsstrang mit einem zweiten Handlungsträger (Gawan) sowie der Wiedereintritt Parzivals in das Handlungsgeschehen im XIV. Buch mit zwei „Bruderkämpfen“, die jeweils im Sinne einer Selbstüberwindung gedeutet werden, werfen die Frage nach dem jeweils bedeutsamen Aspekt des darin überwundenen Selbst auf. Daher weitet sich die Untersuchung in einem dritten Teil (Teil C) aus auf die Frage nach der Bedeutung dieser beiden „Brüder“ (Gawan und Feirefiz) bzw. signifikanter Aspekte ihrer Geschichte für die Entwicklungsgeschichte und Identitätsfindung Parzivals. Sofern mit dem Auftritt von Feirefiz die Vorgeschichte in die Parzivalhandlung eingreift, und zwar mit einem markanten Farbmerkmal, werden unter dem Aspekt der Farbgebung zuletzt auch Vorgeschichte und Schluss betrachtet und zusammenfassend Schlussfolgerungen auf das Strukturprinzip des Werkes gezogen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Vorwort zur Neuauflage

Einführung und Herangehensweise: Die Symbolik der Farben Rot und Weiß im „Parzival“ Wolframs von Eschenbach

A) Parzivals Weg am Leitfaden der Farben Rot und Weiß (Buch III-VI)

1. Die Entwicklung seiner Identität als „der wâren minne blic“

a) Vom Wald von Soltane bis zum roten Ither

b) Zeit ohne Weg: Gurnemanz – Pelrapeire – Gralsburg

c) „Spurensuche“ auf dem Weg von der Gralsburg zum Plimizöl

2. Die figurative Konstellation der Farben Rot und Weiß in der Blutstropfen-Episode

a) Die Einbettung des Geschehens in den situativen Kontext

b) Die figurative Konstellation und ihre Sinnverweise

c) Blut und Schnee als Träger der Farben Rot und Weiß

B) Die Ausweitung der Konnotationen und des Bedeutungshorizontes

3. Parzival auf dem Weg zur Versöhnung mit sich selbst

a) Die dritte Begegnung mit Sigune und ihre wegweisende Funktion

b) Wiedergewinn der Heilszeit durch die Ereignisse am Karfreitag

c) Die „rechte“ Minne als Bedingung für die Teilhabe am Gralswunder und als dessen Wesenskern

C) Parzivals Selbstüberwindung und Selbstfindung in den beiden Bruderkämpfen (Buch XIV und XV)

4. Die Bedeutung Gawans für die Entwicklungsgeschichte Parzivals

a) Parzivals Reintegration in die höfische Welt nach dem „Bruderkampf“ mit Gawan

b) Gawan als der besonnene höfische Ritter

c) Gawan unter der ihm von Parzival übertragenen Obhut der Frauenminne

d) Strukturelle und motivische Analogien zwischen Gawan- und Parzivalhandlung

e) Warum kann Parzival den Kampf mit Gramoflanz nicht Gawan überlassen?

f) „Ich hân mich selben überstriten“

5. Die Bedeutung von Feirefiz für die Selbstfindung Parzivals

a) Das Zusammenspiel von Gott und Condwîrâmûrs

b) Feirefiz als Verkörperung des Elsterngleichnisses

6. Vorgeschichte und Schluss

a) Die Farben der Vorgeschichte

b) Die „Farblosigkeit“ des Schlusses

c) Der Ersatz der Farbmotive durch trinitarische Strukturen

7. Schlussfolgerungen zum Strukturprinzip

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sinnstiftende Funktion der Farben Rot und Weiß für die Entwicklungsgeschichte und Identitätsfindung des Protagonisten im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach sowie deren Bedeutung für das Strukturprinzip des Werkes. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Motive der Farben Rot und Weiß werkimmanent entwickeln und zur Versöhnung des Protagonisten mit sich selbst sowie zu seiner Teilhabe am Gral führen.

  • Die symbolische und strukturelle Bedeutung der Farben Rot und Weiß.
  • Die Entwicklung des Protagonisten Parzival vom „tumben“ Knaben zum Gralskönig.
  • Die Spiegelbild-Funktion von Gawan und Feirefiz für Parzivals Selbstfindung.
  • Die heilsgeschichtliche Bedeutung der Blutstropfenepisode.
  • Die Rolle der Minne und deren Verbindung zur Gottesminne.

Auszug aus dem Buch

Die figurative Konstellation und ihre Sinnverweise

Nicht nur das, was Parzival auf dem Untergrund der weißen Schneedecke sieht, hat eine figurative Struktur: die drei Blutstropfen formen ein Dreieck im Zahlenverhältnis 2+1 (283,12f), sondern auch seine Gedankenrede selbst formiert sich in figurativen Strukturen. Auf die dreifache formelhafte und anaphorisch akzentuierte Nennung des Namens der Geliebten sowie auf deren Rückverweis auf die erste Begegnung mit Condwîrâmûrs wurde in Teil 1b) der Arbeit schon hingewiesen. Zwischen den beiden ersten Nennungen bzw. Anrufungen verbindet ein Chiasmus der Pronomen die beiden Geliebten: dir – mich / ich – dir (282,29 f). Über diesen Chiasmus hinweg und ihn sozusagen einrahmend formiert sich ein zweiter Chiasmus, der Condwîrâmûrs mit Gott verbindet: Condwîrâmûrs – got / diu gotes hant – Condwîrâmûrs (282,28 – 283,04).

Condwîrâmûrs, sich mac vür wâr, disiu varwe dir gelîchen. mich will got saelden rîchen, sît ich dir hie gelîches vant. gêret sî diu gotes hant und al diu krêâtiure sîn. Condwîrâmûrs, hie liget dîn schîn.

Beide Chiasmen sind so ineinander verflochten, dass die figurative Zuordnung von Condwîrâmûrs und Gott sozusagen das Binnenverhältnis dir – mich und ich – dir umfasst.

Zusammenfassung der Kapitel

Die Entwicklung seiner Identität als „der wâren minne blic“: Dieses Kapitel analysiert Parzivals Aufbruch und seine ersten prägenden Begegnungen, die seine Identität und seinen ritterlichen Weg maßgeblich beeinflussen.

Die figurative Konstellation der Farben Rot und Weiß in der Blutstropfen-Episode: Hier wird die zentrale Blutstropfenepisode untersucht, wobei die Bedeutung der Farbkombination und deren situativer Kontext analysiert werden.

Parzival auf dem Weg zur Versöhnung mit sich selbst: Dieses Kapitel thematisiert Parzivals innere Entwicklung, insbesondere die Begegnungen mit Sigune und die Ereignisse am Karfreitag, die zur Versöhnung mit Gott und sich selbst führen.

Die Bedeutung Gawans für die Entwicklungsgeschichte Parzivals: Es wird die Rolle Gawans als Komplementärfigur analysiert, deren Handlungen und Erlebnisse Parzivals Entwicklung spiegeln und kontrastieren.

Die Bedeutung von Feirefiz für die Selbstfindung Parzivals: Der Kampf mit Feirefiz wird als notwendige Auseinandersetzung gedeutet, die Parzivals Selbstfindung und Berufung zum Gralskönig vervollständigt.

Vorgeschichte und Schluss: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Farben und Motive der Vorgeschichte am Schluss des Werkes neu interpretiert und durch trinitarische Strukturen ersetzt werden.

Schlussfolgerungen zum Strukturprinzip: Die Arbeit fasst die verschachtelten Strukturprinzipien zusammen und verdeutlicht, wie Farben und Entwicklungsgeschichte zu einem komplexen Ganzen verschmelzen.

Schlüsselwörter

Parzival, Wolfram von Eschenbach, Farbe Rot, Farbe Weiß, Minne, Gralskönig, Gawan, Feirefiz, Blutstropfenepisode, Heilsgeschichte, Identitätsfindung, Trinität, Mittelalterliche Literatur, Symbolik, Entwicklungsroman

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die symbolische und strukturelle Funktion der Farben Rot und Weiß im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach, um deren Einfluss auf die Identitätsentwicklung des Protagonisten zu entschlüsseln.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentral sind die Symbolik der Farbkombinationen, die Entwicklung von Parzivals Identität durch seine ritterliche Laufbahn und seine schließliche Berufung zum Gralskönig.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die werkimmanente Funktion der Farbmotive als Leitfaden für Parzivals inneren und äußeren Reifungsprozess aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die motivgeschichtliche und strukturelle Aspekte des Epos im Kontext mittelalterlicher Erzähltradition beleuchtet.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert Parzivals Weg, die Blutstropfenepisode, die Spiegelung durch Gawan und Feirefiz sowie die trinitarischen Strukturen am Ende des Werkes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Parzival, Minne, Farbenlehre, Gral, Identität, Heilsgeschichte und Trinität.

Wie unterscheidet sich Gawans Entwicklung von der Parzivals?

Gawan wird als eine Art "modernes" Subjekt dargestellt, das strategisch handelt, aber keine inhaltliche Entwicklungsgeschichte im mythischen Sinne durchläuft, während Parzivals Geschichte ein innerer Weg zur Selbstwerdung ist.

Warum ist Feirefiz für Parzivals Identitätsfindung entscheidend?

Feirefiz vereint Gegensätze und stellt als "Elsternfarbiger" eine notwendige Bedingung für Parzivals finale Berufung dar, da in seinem Kampf die Scheinidentität des "roten Ritters" endgültig zerbricht.

Ende der Leseprobe aus 169 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Parzival-Âventiure im Spannungsfeld der Farben Rot und Weiß
Untertitel
Die sinnstiftende Funktion der Farben für die Entwicklungsgeschichte und Identitätsfindung des Protagonisten sowie für das Strukturprinzip des Werkes. Erweiterte Neuauflage 2019
Autor
Gertraud Pippow (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
169
Katalognummer
V195273
ISBN (eBook)
9783656214236
ISBN (Buch)
9783656216377
Sprache
Deutsch
Schlagworte
farben weiß parzival wolframs eschenbach entfaltung symbolik funktion entwicklungsgeschichte identitätsfindung protagonisten strukturprinzip werkes Scheinidentität Maske Märtyrer der Minne Verschuldung an sich selbst Selbstversöhnung Minnekrankheit Rosensymbol Reinigung und Heilung Prozess der Verinnerlichung Präfiguration und Erfüllung symbolisch signifikante Ent- und Bekleidungsvorgänge figurative Strukturen Heilsgeschichte Handlungsebene symbolische Ebene Kairos Innenperspektive mythische Figur Liebeswunder der Eucharistie Wunder Naturgesetzlichkeit dialektischer Prozess Telos trinitarische Strukturen Mysterium des Heilsgeschehens Zugleich von Gleichzeitigkeit und Sukzession Spiegelung satirisch kritischer Bezug zur Handlungsgeschichte Zauber
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Gertraud Pippow (Autor:in), 2012, Die Parzival-Âventiure im Spannungsfeld der Farben Rot und Weiß, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195273
Blick ins Buch
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