Objektivität als Wert in der Wissenschaft


Seminararbeit, 2003

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung in das Thema

Die Entwicklung der Objektivität

Four Senses of Objectivity
Die dialektische Objektivität
Die prozesshafte Objetkivität

Schlussbemerkung

QUELLENVERZEICHNIS

Einführung in das Thema

Jeden Tag begegnen wir wissenschaftlichen Fakten im Alltag. Wir wissen, dass Rauchen schädlich für unsere Gesundheit ist, langes Sitzen führt zu Haltungsschäden, die Schwerkraft hält uns auf dem Boden und Wasser kocht ab 100°C. Dies sind nur ein paar wenige wissenschaftliche Erkenntnisse, die unseren Alltag maßgeblich beeinflussen. Doch haben wir diese Erkenntnisse je in Frage gestellt?[1]

Nein, weil sie alle wissenschaftlich erforscht und bestätigt worden sind; die Menschen haben sie nie oder nur sehr wenig in Frage gestellt.

Die heutige Wissenschaft besitzt eine erkenntnistheoretische Autorität und ist unbestritten der Marktführer in punkto Wissenserzeugung. Die Gründe dafür liegen großteils darin, dass die Wissenschaft immer wieder neue und enorme Entwicklungen in unsere Gesellschaft mit einbringen, die das Leben für die meisten Menschen vereinfacht. Denken wir doch nur an Haushaltsgeräte oder an TV, Video, DVD und vieles mehr.

Die Wissenschaft eröffnet uns immer wieder neue Wege den Alltag einfacher zu bewältigen. Durch die Leistungen der Wissenschaft und ihrer Rolle in der Gesellschaft als Wissenserzeuger Nummer eins besitz Wissenschaft eine „epistemic authority“[2]. Wissenschaft steht also meist für Glaubwürdigkeit, legitime Erkenntnis, Zuverlässigkeit, für eine glaubhafte Realität.[3] Also nicht nur Wissenserzeugung sondern auch eben genannte Eigenschaften werden der Wissenschaft zugeschrieben. Diese verstärken wiederum die Autorität der Wissenschaft. Sie hat somit eine doch sehr starke Position innerhalb der Gesellschaft, die wiederum nur schwer Kritik gegen wissenschaftliche Erkenntnisse zulässt. Es lässt sich schwer von außen kritisieren, da die Wissenschaft sich selbst gegenüber Nichtwissenschaftern abschottet. Kritik an der Wissenschaft muss deshalb aus der Wissenschaft selbst kommen.[4]

Auch versucht die Wissenschaft die Natur zu erklären und ein Modell der Natur aufzuzeichnen. Dabei ist es nicht einfach den richtigen Weg zu finden. Es entsteht eine Konkurrenz zwischen wissenschaftlichem und nichtwissenschaftlichem Wissen.

Was kann nun aber als wissenschaftliches Wissen angesehen werden. Diese Frage stellt sich auch Thomas Gieryn in „Contesting Credibility Carthographically“ die Einleitung des Buchs “Cultural Boundaries of Science. Credibility on the Line”: Was ist wissenschaftlich? Welche Methodik wird verfolgt? Wie sehen das andere Wissenschafter?

Diese Frage wurde auch innerhalb des Seminars besprochen und diskutiert. Gieryn stellt in seinem Text den Konflikt mit der Wissenschaftlichkeit anhand von Kulturlandkarten dar. Da jede Wissenschaft die Autorität ihres Fachgebietes beansprucht und versucht sich gegenüber anderen Wissenschaften abzugrenzen, versucht Gieryn die verschiedenen Diskurse, Meinungen und Argumente die innerhalb eines Gebietes vorhanden sind mittels einer Landkarte für die Wissenschaften deutlich zu machen. Allerdings existiert kein Einheitsplan, da jede Wissenschaft einen anderen Zugang und Sicht der Dinge hat. Es besteht also hier ein Kampf um die Glaubwürdigkeit der Wissenschaften (Contesting Credibility). Wer beansprucht aber nun zu vermitteln welche Wissenschaft echt ist und welche nicht? Welche Wissenschaft hat Autorität? Diese Fragestellung wird in Zusammenhang mit der Methodik gesehen die die einzelnen Wissenschaften verfolgen. Je mehr Kriterien einer Methodik verfolgt, wie zum Beispiel Prozesshaftigkeit, Interpretationsschemas,… so wird gleichzeitig die Glaubwürdigkeit einer Disziplin gestärkt. Gieryn schlägt deshalb vor anhand von Kulturkarten die Grenzen der Disziplinen aufzuzeigen. Diese Kulturlandkarten werden metaphorisch dafür verwendet um den Konkurrenzkampf der verschiedenen Disziplinen der Wissenschaften darzustellen. So soll es gelingen die richtige Wissenschaft aus der Vielzahl der einzelnen Disziplinen herauszufiltern.[5] „The problem is not that there is no „real science“ behind the Cartographicc represantations, but that there are too many “real sciences””.[6]

Drei Möglichkeiten bieten sich laut Gieryn nun an das Dilemma der Grenzarbeit der Disziplinen der Wissenschaften besser zu bewältigen:[7]

1. Ausschluss: Alle Seiten der Wissenschaft fordern für sich die Legitimation für wissenschaftliche Erkenntnisproduktion über die Realität der Natur. Viele Disziplinen überschneiden sich allerdings in ihren Erkenntnissen. Es findet außerdem eine Ausgrenzung der richtigen Wissenschaft gegenüber den so genannten Pseudowissenschaften, schlechten Wissenschaften oder auch Wissenschaft für das Volk ab. Es ist also sehr schwierig eine Disziplin der Wissenschaft von anderen klar abzugrenzen, da es eben viele Verknüpfungen. Nach dem Ausschlussverfahren soll entschieden werden welche Wissenschafts-disziplin gewählt wird.
2. Ausweitung: Oft ist es nicht von Vorteil wenn eine Wissenschaftsrichtung alleine eine Untersuchung durchführt oder ein Thema beleuchtet. Mehrere Wissenschaften schließen sich zusammen um so bessere und effizientere Ergebnisse zu produzieren. Hier könnten aber alternative Wissensquellen mit der wissenschaftlichen Erkenntnisproduktion konkurrieren. Gieryn nennt hier als Beispiele: Religion, Politik, Hausverstand,…
3. Bewahrung der Autonomie: Eben genannte Wissensquellen gefährden wiederum die Position der Wissenschaften als erkenntnistheoretische Autorität. Wissenschaft wird die Kulturlandkarte neu zeichnen und sich nicht in der Öffentlichkeit als Werkzeug für Politik oder Marktbewegungen darstellen lassen. Wissenschafter werden Grenzen ziehen zwischen ihren Tätigkeiten für die Wissenschaft und der resultierenden Entwicklung in der Gesellschaft. „…scientists put up interpretative walls to protect their professional autonomy…“[8]

[...]


[1] In der gesamten Arbeit wird aus Gründen der Einfachheit die männliche Schreibweise gewählt.

[2] Vgl. dazu: Gieryn, Thomas: Cultural Boundaries of Science. Credibility on the Line. The University of Chicago Press. Chicago & London. Contesting Credibility Cartographically. Hier S. 1

[3] Vgl. dazu: ebenda. Hier S. 1f

[4] Vgl. dazu: ebenda. Hier S. 3ff

[5] Vgl. dazu: Diskussionsprotokoll der Seminarsitzung vom 09.04.2003 zum Text von Gieryn, Thomas: Cultural Boundaries of Science. Credibility on the Line.

[6] Gieryn, Thomas: Cultural Boundaries of Science. Credibility on the Line. The University of Chicago Press. Chicago & London. Contesting Credibility Cartographically. S. 19

[7] Vgl. dazu: ebenda. S. 15ff

[8] Gieryn, Thomas: Cultural Boundaries of Science. Credibility on the Line. The University of Chicago Press. Chicago & London. Contesting Credibility Cartographically. Hier S. 17

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Objektivität als Wert in der Wissenschaft
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Wissenschaftstheorie)
Veranstaltung
Seminar: Ist nur wissenschaftliches Wissen gültig?
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V19528
ISBN (eBook)
9783638236270
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Objektivität, Wert, Wissenschaft, Seminar, Wissen
Arbeit zitieren
Michael Lederer (Autor), 2003, Objektivität als Wert in der Wissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19528

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