Die Rolle der Laudine in Hartmann von Aues Artusroman “Iwein”


Hausarbeit, 2012

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Autor und Entstehung

3. Laudine als trauernde Witwe - Wahrheit oder Lüge?

4. Woher kommt Laudines Heiratsbestreben?

5. Die Übergabe des Ringes

6. Der Verrat an Laudine

7. Die Wende - Ein Happy End für Laudine?

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Laudine in Hartmanns von Aue Artusroman “Iwein”. Ihre Figur ist für den Verlauf der Geschichte von großer Wichtigkeit, denn ihr Verhalten und ihre Reaktionen wirken sich auf Iwein aus. Christoph Cormeau und Wilhelm Störmer schreiben dazu etwas sehr passendes: “Die Partnerin wird im Verlauf der Handlung erworben und bleibt dann zentral beteiligt.”[1] Wenn man sich mit Laudine beschäftigt, tauchen einige wichtige Fragen auf. Stellt sie das Motiv der “Leichtgetrösteten Witwe” dar?[2] Wieso heiratet sie den Mörder ihres Mannes und ist dies moralisch so verwerflich, wie es auf den ersten Blick wirkt? Von Bedeutung ist ebenfalls Laudines Kniefall, der nicht recht ins Bild zu passen scheint. Laudines Verhalten kann auf zweierlei Weise interpretiert werden: Hat die Minne oder die Herrschaft Vorrang? Hartmann von Aue hat im “Iwein” zahlreiche Änderungen an seiner Vorlage von Chrétien de Troyes vorgenommen, die in dieser Arbeit ebenfalls aufgezeigt werden. Am Ende der Arbeit wird ein abschließendes Bild Laudines angefertigt.

2. Autor und Entstehung

Hartmann von Aue gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der höfischen Dichtung. Zu seinen Werken zählen Erec, Gregorius, der arme Heinrich, Iwein, das Klagebüchlein und ebenso einige Minne- und Kreuzlieder. Er starb vermutlich zwischen 1210 und 1220. Trotz seiner Bekanntheit und Produktivität weiß man heute nur wenig über ihn, denn er wurde urkundlich nicht erwähnt. Eine grobe Konstruktion seiner Lebensumstände können die Forscher sich nur machen, weil er sich selbst in seinen Werken erwähnte und auch von anderen Dichtern genannt wurde.[3] Die Entstehung des Iwein kann zwischen 1190 und 1205 eingegrenzt werden, da Wolfram von Eschenbach ihn in seinem Werk Parzival erwähnt. Als Vorlage diente Hartmann von Aue die altfranzösische Erzählung Yvain von Chrétien de Troyes.[4]

3. Laudine als trauernde Witwe - Wahrheit oder Lüge?

Nachdem Iwein zur Quelle reitet und Wasser auf einen Stein gießt, zerstört ein verheerendes Unwetter die paradiesähnliche Natur. Daraufhin erscheint der Burgherr, dem die Quelle gehört und fordert ihn zum Kampf heraus. Da der Burgherr Askalon Iwein weit unterlegen ist, ergreift er die Flucht und reitet zurück. Iwein folgt ihm, erschlägt ihn von hinten und wird durch die Falltore der Burg gefangen. Askalons Frau Laudine ist über den Tod ihres Mannes untröstlich, erleidet großen Schmerz:

V. 1310-1320 von jâmer sî vürder brach

ir hâr und diu cleider.

ezn dorfte nie wîbe leider

ze dirre werlte geschehen:

wand sî muose tôten sehen

einen den liebsten man

den wîp ze liebe ie gewan.

ezn möhte nimmer dehein wîp

gelegen an ir selber lîp

von clage selhe swaere,

der niht ernest waere.[5]

Auffällig ist, dass Hartmann deutlich betont, dass ihre Trauer wirklich echt ist. Diese Aussage ist anhand der Tatsache zu erklären, dass Chrétiens Laudine nicht unter solch großen Qualen leidet; sie besitzt kühlere und härtere Züge.[6]

In Laudines Klagereden wird deutlich, wie sehr das königliche Paar miteinander verbunden war und sie ihn verehrt hat. Sie sah in Askalon den tapfersten, großmütigsten und edelsten aller Ritter; er sei nur mit der Hilfe eines Zaubers besiegt worden (V.1389- 1395). Sogar den Tod wünscht sich Laudine angesichts eines zukünftigen Lebens ohne ihren Gatten, allerdings ist ihr Wunsch aufgrund ihrer Herrscherposition und ihres christlichen Glaubens nicht möglich:

V. 1462- 1465 der tôt möhte an mir wol hie

büezen swaz er ie getete,

und gewerte mich einer bete,

daz er mich lieze varn mit dir.[7]

Lunete, Laudines Zofe und beste Freundin, ist auf Iweins Seite und schützt ihn mit Hilfe eines verzauberten Ringes, der ihn unsichtbar macht. Er verliebt sich augenblicklich in Laudine, als er sie aus seinem Versteck heraus beobachtet, und Lunete nimmt sich fest vor, dass Iwein der neue Burgherr wird. So nutzt sie also ihren Einfluss auf ihre Herrin, die stets Lunetes Ratschläge berücksichtigt und viel von ihrer Meinung hält. Die Zofe versucht mittels ihrer Überredungskünste Laudine deutlich zu machen, wie wichtig ein neuer Burgherr ist, da König Artus schon in zwölf Tagen mit seiner Heeresmacht die Quelle aufsuchen wird. Noch ist Laudine gegen ihren Vorschlag, zu sehr ist sie ihrem verstorbenen Gatten verbunden und möchte ihm treu bleiben. Der Erzähler erklärt diese Reaktion als ein Zeichen ihrer güete (V.1878) , ein weiblicher Charakterzug[8]. Angesichts ihrer komplizierten Lage willigt Laudine ein, einen neuen Mann an ihrer Seite zu haben ohne in allerdings zu ehelichen (V. 1909- 1916). Daraufhin gibt die Zofe ihr zu verstehen, dass kein Mann in dieses Angebot einwilligen würde und darüber hinaus rät sie ihrer Herrin genau den Mann zu heiraten, der ihren Gatten getötet hat; er sei aufgrund seines Sieges der geeignetste Kandidat. Laudine reagiert daraufhin sehr aufgebracht und schickt die junge Frau sofort hinaus (V. 1974- 1977). Mit der vorher erwähnten güete bereitet Hartmann eine Meinungsänderung vor[9], denn diese ist dafür verantwortlich, dass Laudine Iweins Tat nun als Notwehr ansieht (V. 2042- 2044). So beschließt sie, den Mörder ihres Mannes zu heiraten und ihren Zorn ihm gegenüber verrauchen zu lassen (V. 2058- 2065). Lunete gibt vor einen Boten zu beauftragen, der Iwein die frohe Kunde überbringen und ihn herbeiholen soll. Dass Iwein ganz in der Nähe ist, weiß die Herrin natürlich nicht; eine List ihrer Zofe. Danach geht alles recht schnell: Nach dem ersten Treffen entschließen Laudine und Iwein bald zu heiraten und sie stellt ihn ihren Untertanen vor, wobei natürlich die Tatsache verheimlicht wird, dass er ihren Landesherren getötet hat. Das Volk ist begeistert, selten sahen sie einen so beachtlichen Mann. Glücklicherweise sind viele Priester zugegen, sodass Iwein und Laudine unverzüglich getraut wurden (V. 2418- 2423).

Auf den ersten Blick ist das Verhalten der Landesherrin mehr als unpassend für eine trauernde Witwe, es sei denn, man analysiert dies genau.

4. Woher kommt Laudines Heiratsbestreben?

Nun stellt man sich die Frage, ob Laudine Iwein wirklich liebt. Während ihres Sinneswandels, als sie sich entschließt Iwein zum Manne zu nehmen, wird die Minne erwähnt:

V. 2054- 2057 dô was gereite dâ bî

diu gewaltige Minne,

ein rehtiu süenaerinne

under manne und under wîbe.[10]

Auffällig ist jedoch, dass die Minne an dieser Stelle nur bei Hartmann genannt wird; Chrétien lässt dies völlig außer Acht. Außerdem kann dies nicht die einzige Erklärung sein, denn schließlich hat sie ihn noch nie zuvor gesehen oder mit ihm gesprochen. Den wahren Grund bezüglich ihrer Heiratsabsichten gibt Laudine sich selbst und auch Iwein gegenüber ganz offen zu:

V. 2058- 2061 si gedâhte ´mit mînem lîbe

mac ich den brunnen niht erwern:

mich muoz ein biderbe man nern,

ode ich bin benamen verlorn.[11]

[...]


[1] Cormeau, Christoph/ Störmer, Wilhelm, Hartmann v.A., Epoche- Werk- Wirkung, 2. neubearb. Aufl., München, 1993, S. 176

[2] Wapnewski, Peter, Hartmann von Aue, 5. Aufl., Stuttgart, 1972, S. 61

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Hartmann_von_Aue (21.3.2012)

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Iwein (21.3.2012)

[5] Hartmann von Aue, Iwein, Text der siebenten Ausg. von G. F. Benecke, Berlin/ New York, 2001, S. 26

[6] Vgl. Cormeau, Christoph/ Störmer, Wilhelm, Hartmann v.A., Epoche- Werk- Wirkung, 2. neubearb. Aufl., München, 1993, S. 200

[7] Hartmann von Aue, Iwein, Text der siebenten Ausg. von G. F. Benecke, Berlin/ New York, 2001, S. 29

[8] Vgl. Cormeau, Christoph/ Störmer, Wilhelm, Hartmann v.A., Epoche- Werk- Wirkung, 2. neubearb. Aufl., München, 1993, S. 199

[9] Vgl. Cormeau, Christoph/ Störmer, Wilhelm, Hartmann v.A., Epoche- Werk- Wirkung, 2. neubearb. Aufl., München, 1993, S. 206

[10] Hartmann von Aue, Iwein, Text der siebenten Ausg. von G. F. Benecke, Berlin/ New York, 2001, S. 39

[11] Hartmann von Aue, Iwein, Text der siebenten Ausg. von G. F. Benecke, Berlin/ New York, 2001, S. 39

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Laudine in Hartmann von Aues Artusroman “Iwein”
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V195285
ISBN (eBook)
9783656211525
ISBN (Buch)
9783656211839
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, laudine, hartmann, aues, artusroman, iwein”
Arbeit zitieren
Jacqueline Peter (Autor), 2012, Die Rolle der Laudine in Hartmann von Aues Artusroman “Iwein”, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195285

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