Friedrich II., der Große, König von Preußen, gilt zweifellos als eine der umstrittensten, aber auch populärsten Gestalten der neuzeitlichen Geschichte. Die kontroverse Beurteilung dieses Herrschers findet ihre Begründung in seiner eigenen, so widersprüchlichen Persönlichkeit. Dieser intelligente, ungeheuer begabte und religiös tolerante Mensch war nicht nur seinen Zeitgenossen mitunter rätselhaft, sondern lässt bis heute manche Frage offen. Die einen sehen ihn als aufgeklärten und tatkräftigen Monarchen, als einen Schriftsteller von Bedeutung und weltgewandten Philosophen, die anderen betrachten ihn als Tyrannen, Zyniker und Machiavellisten.
In der vorliegenden Darstellung soll ein unvoreingenommener Blick auf die Persönlichkeit und das Wirken Friedrichs des Großen geworfen werden. Im Vordergrund stehen die persönlichen Aussagen des Königs in seinen politischen, historischen und philosophischen Werken sowie seinen Briefen. Darüber hinaus geben Augenzeugenberichte von Zeitgenossen Einblick in das Geschehen.
Beginnend mit Kindheit und Jugend Friedrichs unter den Augen eines über die Maßen strengen Vaters wird im Anschluss daran von Fluchtversuch und Festungshaft des Kronprinzen berichtet. Das Scheitern der Flucht führte ihn zwangsweise zu der Einsicht, dass Widerstand zwecklos ist und er unterwarf sich fortan dem Diktat des Vaters. Da sich der Kronprinz in den folgenden Jahren immer mehr nach den Vorstellungen Friedrich Wilhelms I. zu entwickeln schien, machte ihm der König im Jahre 1736 Schloss Rheinsberg zum Geschenk. Hier sollte Friedrich, nach eigener Aussage, die glücklichsten Jahre seines Lebens verbringen. Wenige Monate nach seinem Regierungsantritt, im Dezember 1740, begann Preußens König mit dem Einmarsch in Schlesien den Ersten Schlesischen Krieg. Nach Beendigung des Zweiten Schlesischen Krieges wurde Preußen im Frieden von Dresden am 24. Dezember 1745 im Besitz von Schlesien bestätigt. Die nun folgenden zehn Friedensjahre nutzte Friedrich zu ersten Reformierungsmaßnahmen des preußischen Staates und zur Etablierung seines Musenhofes in Sanssouci. Mit Beginn des Siebenjährigen Krieges auf dem Kontinent, dem Einmarsch der preußischen Armee in Sachsen am 29. August 1756, endete dieses unbeschwerte Dasein schlagartig. Nach sieben bangen Jahren sollte Preußen im Frieden von Hubertusburg endgültig Schlesien zugesprochen bekommen. In den noch verbleibenden 23 Jahren seiner Regierung widmete sich der König vorrangig dem inneren Wiederaufbau.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Kindheit und Jugend
Fluchtversuch, Festungshaft und Pardonierung
Verlobung und Heirat
Rheinfeldzug, Feuertaufe und Reise nach Preußen
Rheinsberg
Regierungsantritt
Eroberung Schlesiens
Jahre des Friedens
Siebenjähriger Krieg
Letzte Jahre
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen unvoreingenommenen Blick auf die facettenreiche Persönlichkeit und das politische sowie militärische Wirken von Friedrich dem Großen zu werfen, wobei der Fokus primär auf seinen persönlichen Aussagen in Briefen und Werken sowie zeitgenössischen Berichten liegt. Die Arbeit untersucht dabei die Entwicklung des Monarchen von seiner schwierigen Kindheit über seine Regierungsjahre bis hin zu seinen letzten Tagen.
- Die familiäre Prägung und der Konflikt mit Friedrich Wilhelm I.
- Die geistige Entwicklung Friedrichs im Kontext der Aufklärung.
- Die militärische Strategie und die Rolle Preußens als europäische Großmacht.
- Die Bedeutung von Freundschaft und privaten Interessen für den Monarchen.
- Die innen- und außenpolitische Konsolidierung Preußens unter Friedrich II.
Auszug aus dem Buch
Rheinsberg
Friedrich Wilhelm hatte anlässlich eines Besuchs im November 1733 in Ruppin seinem Sohn das rund 20 Kilometer nördlich gelegene Schloss Rheinsberg zum Geschenk gemacht, der es durch seinen Freund und Offizierskameraden, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, nach Friedrichs eigenen Geschmack ausbauen und umgestalten ließ.
Im Herbst 1736 bezog das Kronprinzenpaar das Schloss, und Friedrich sollte hier, wie er selbst einmal sagte, die unbeschwertesten und glücklichsten Jahre seines Lebens verbringen. Die Arbeiten im und am Schloss waren zu diesem Zeitpunkt aber bei weitem noch nicht abgeschlossen. Erst im November 1739 konnte Friedrich seiner Schwester Wilhelmine berichten: „Alles ist möblirt, zwei Zimmer sind voller Bilder, die anderen sind mit Spiegeln und mit vergoldeten oder versilberten Holzschnitzereien ausgestattet. Die meisten meiner Gemälde sind von Watteau und Lancret, beide Meister der Brabanter Schule.“
Am Hof zu Rheinberg gab es keine höfische Etikette, kein militärisches Reglement des Tagesablaufs. Hier entfaltete sich eine freie, ungezwungene Geselligkeit, die ganz den Ideen der Aufklärung verhaftet war und die ihre Ideale der Freundschaft in den Mittelpunkt stellte. Der Kronprinz versammelte hier einen Kreis vertrauter selbstgewählter Freunde und Bekannter um sich. Lediglich der Hofmarschall Gerhard von Wolden, Oberstleutnant Kaspar Ludwig von Bredow und Major Johann Wilhelm von Senning waren ihm vom König zugeteilt worden. „Ein Heiligtum der Freundschaft“, sollte das Schloss werden, „ihr habe ich diese Stätte geweiht,“ betonte er selbst. In einem Brief vom Frühjahr 1737 an seinen ehemaligen Erzieher, Duhan de Jandun, stellt er eben dieses Ansinnen heraus: „...Wir sind ein Dutzend Freunde hier in der Zurückgezogenheit, wir kosten die Freuden der Freundschaft und die Süßigkeit der Ruhe. Ich glaube, ich würde vollkommen glücklich sein, wenn Sie sich in unserer Einsamkeit mit uns vereinigen könnten. Wir kennen keine heftigsten Leidenschaften und sind einzig und allein darauf bedacht, von dem Leben Gebrauch zu machen ...“
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Ambivalenz der historischen Figur Friedrichs des Großen als aufgeklärten König und umstrittenen Monarchen.
Kindheit und Jugend: Dieses Kapitel beschreibt das schwierige Verhältnis zwischen dem Kronprinzen und seinem Vater, dem Soldatenkönig, sowie die prägenden Erziehungserfahrungen.
Fluchtversuch, Festungshaft und Pardonierung: Der gescheiterte Fluchtplan nach England führt zur Inhaftierung des Prinzen und einer dramatischen Zuspitzung des Konflikts mit seinem Vater.
Verlobung und Heirat: Der erzwungene Ehebund zwischen Friedrich und Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern wird als politisches Zweckbündnis unter preußischem Druck analysiert.
Rheinfeldzug, Feuertaufe und Reise nach Preußen: Hier wird Friedrichs erste militärische Erfahrung in Europa und seine Inspektionsreise durch seine Ländereien thematisiert.
Rheinsberg: Dieses Kapitel widmet sich der unbeschwerten Zeit im Schloss Rheinsberg, einem Refugium für geistigen Austausch und philosophische Studien.
Regierungsantritt: Der Übergang von der Kronprinzenzeit zur tatsächlichen Herrschaft von Friedrich II. und die ersten programmatischen Schritte als König stehen im Fokus.
Eroberung Schlesiens: Die militärische Expansion in die Provinz Schlesien nach dem Tod Kaiser Karls VI. wird detailliert dargestellt.
Jahre des Friedens: Diese Phase beleuchtet den Bau von Sanssouci, die kulturellen Bestrebungen und die wirtschaftliche Konsolidierung des preußischen Staates.
Siebenjähriger Krieg: Der langwierige und existenzbedrohende Krieg gegen die europäischen Großmächte sowie der wundersame Fortbestand Preußens werden hier behandelt.
Letzte Jahre: Das abschließende Kapitel widmet sich dem gesundheitlichen Verfall des Königs, seinen letzten administrativen Bemühungen und seinem Tod in Sanssouci.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Preußen, Aufklärung, Rheinsberg, Sanssouci, Siebenjähriger Krieg, Maria Theresia, Schlesien, Militär, Diplomatie, Herrschaft, Philosophie, Kultur, Geschichte, Absolutismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Publikation bietet einen detaillierten Blick auf das Leben und Wirken von Friedrich II. von Preußen, basierend auf seinen eigenen Schriften und zeitgenössischen Zeugnissen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Buch?
Die zentralen Felder umfassen die schwierige Beziehung zum Vater, die geistige Prägung durch die Aufklärung, die militärischen Auseinandersetzungen und die Zeit als regierender Monarch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine unvoreingenommene Darstellung der Persönlichkeit Friedrichs des Großen sowie seiner politischen und menschlichen Entwicklung.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es wird eine quellengestützte Analyse verwendet, bei der persönliche Briefe, Memoiren und historische Berichte als primäre Informationsquelle dienen.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Kindheit, die Zwangsheirat, die Zeit in Rheinsberg, die Schlesischen Kriege sowie den Siebenjährigen Krieg.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie "Aufgeklärter Despotismus", "Preußische Identität", "Kriegskunst" und "Philosophenkönig" charakterisieren.
Welche Rolle spielten Friedrichs Freunde für ihn?
Seine Freunde, insbesondere in der Rheinsberger Zeit, fungierten als intellektuelle Ankerpunkte und Vertraute in einer oft isolierten königlichen Existenz.
Wie bewertet der Autor Friedrichs Einstellung zu den Schlesischen Kriegen?
Friedrich wird hier als machtbewusster Stratege dargestellt, der einerseits Ruhm anstrebte, andererseits die Kriege aus machtpolitischen Sachzwängen und Sicherheitsüberlegungen heraus führte.
- Arbeit zitieren
- Wolf Birkenbihl (Autor:in), 2012, Friedrich der Große - Porträt eines Monarchen der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195288