Frühförderung beim Kanner-Syndrom


Hausarbeit, 2012

20 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Autismus
2.1. Definition
2.2. Frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom)
2.3. Symptome des Kanner-Syndroms
2.4. Diagnose

3. Frühförderung
3.1. Für wen und was Frühförderung ist
3.2. Aufgaben und Ziele der Frühförderung

4. Frühförderung autistischer Kinder
4.1. Früherkennung
4.2. Frühbehandlung
4.3. Hilfen für die Eltern
4.4. Perspektive betroffener Kinder

5. Fazit

1. Einleitung

Zur Einführung in meine Arbeit über das Kanner-Syndrom und die Frühförderung betroffener Kinder möchte ich den Fall des zehnjährigen Lukas schildern (Name geändert). Er wurde in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie vorgestellt und zeigt ganz deutlich die typischen Symptome des frühkindlichen Autismus und die daraus resultierenden Beeinträchtigungen. Das Fallbeispiel soll zu einem besseren Verständnis verhelfen.

„In Begleitung der Eltern wird der 10-jährige Lukas vorgestellt. Beim Hereinkommen ins Zimmer zeigt Lukas keinerlei Blickkontakt. Er wedelt ständig mit den Armen und läuft auf Zehenspitzen. Lukas kommuniziert nicht durch Worte, er kann nicht sprechen. Er besucht zurzeit eine Schule für geistig behinderte Kinder. Aus der Schule wird berichtet, dass Lukas im Grunde einer Einzelbetreuung bedarf. Man könne ihn nie aus den Augen lassen, da man nie sicher sein könne, ob er die beiden körperbehinderten Kinder, die auch die Klasse besuchen, anfassen und möglicherweise auch verletzen werde. Er sei sehr unruhig, und sein Verhalten sei nicht voraussehbar. Manchmal verletze er sich selbst, wenn er sich über etwas ärgere. Lukas habe sehr wenige Interessen. Er sitze lediglich gerne am Computer und gehe gerne schwimmen. Daneben würde er alles Essbare und auch nicht Essbare in den Mund nehmen.“[1]

In der folgenden Arbeit werde ich zunächst beschreiben, was Autismus und im speziellen Frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom) bedeutet. Ich werde die Symptome, die unter anderem in dem Fallbeispiel dargestellt wurden, erläutern, sowie die Diagnosekriterien aufführen. Weiterhin gehe ich auf die Frühförderung ein und beschreibe was Frühförderstellen leisten, wer Frühförderung in Anspruch nehmen kann und zu welchem Zweck. Zuletzt werde ich den Frühkindlichen Autismus mit der Frühförderung verbinden und aufzeigen, wie durch Frühförderung Kindern mit dem Kanner-Syndrom und deren Eltern geholfen werden kann.

2. Autismus

Nach derzeitigen Schätzungen sind etwa 15 bis 40 von 10 000 Kindern Autisten. Durch intensive Beschäftigung der Forschung mit dieser Entwicklungsstörung in den letzten Jahren und der Sensibilisierung der Medien sind der Bekanntheitsgrad und damit auch die Diagnose deutlich gestiegen. Jungen sind im Verhältnis von 4:1 häufiger betroffen als Mädchen.[2]

Da die genauen Ursachen bis heute weitgehend unklar sind, gehe ich in dieser Arbeit nicht darauf ein. Ich möchte jedoch betonen, dass der Ansatz, eine gestörte Mutter-Kind-Beziehung sei die Ursache des Autismus, eindeutig widerlegt worden ist. Das ist zum einen für die Frühförderkraft wichtig aber auch für die Betroffenen und nicht zuletzt für die Gesellschaft bedeutend.

2.1. Definition

Der Begriff Autismus stammt vom griechischen Wort autós ab und bedeutet selbst. Dieses eine kleine Wort beschreibt sehr gut, was nach außen sichtbar ist: ein Kind, das zumeist mit sich selbst beschäftigt ist, Blickkontakt meidet, lieber allein spielt als mit anderen, eine eigene Sprache oder gar nicht spricht und ganz in seine kleine Welt versunken zu sein scheint.

Laut internationaler Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation ist Autismus eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Diese Störung bezieht sich vor allem auf soziale Interaktionen, Kommunikation und bestimmte, stereotype Verhaltensweisen.

Es besteht jedoch ein breites Spektrum an Symptomen, die in ihrer Erscheinungsform und in ihrer Ausprägung sehr variabel sind.

2.2. Frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom)

Leo Kanner beschrieb 1943 als erster den später nach ihm benannten frühkindlichen Autismus. Er untersuchte 11 Fälle von Kindern, die in ihrer Grundstörung eine ähnliche Symptomatik aufwiesen. Alle Kinder zeigten von Geburt an eine Unfähigkeit, auf übliche Weise Beziehungen zu Personen oder Situationen aufzunehmen. Sie schienen sich selbst zu genügen und wie in einer Muschel zu leben.[3]

In Abgrenzung zum Asperger-Syndrom entwickelt sich der frühkindliche Autismus bei Kindern schon in den ersten 30 Lebensmonaten. Des Weiteren sind Sprachbeginn sowie Sprachentwicklung beim Kanner-Syndrom deutlich verzögert. So beschreibt es auch Helmut Remschmidt: „Die Unterschiede zwischen diesen beiden autistischen Syndromen liegen vor allem im Krankheitsbeginn, im sprachlichen und im intellektuellen Bereich sowie in den motorischen Besonderheiten (…) „[4]

2.3. Symptome des Kanner-Syndroms

Zur Symptomatik des Kanner-Syndroms gehören vielfältige Auffälligkeiten. Diese können nach ICD-10 in drei Bereiche unterteilt werden: Qualitative Beeinträchtigungen wechselseitiger sozialer Interaktionen, Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation sowie eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster.

Bereits sehr früh kann bei einem Kind mit Frühkindlichem Autismus die Beeinträchtigung im zwischenmenschlichen Bereich auffallen. So besteht der Blickkontakt eher selten oder nur flüchtig und das kleine Kind lächelt nicht zurück, wenn es von der Mutter angelächelt wird. Auch andere soziale Aktionen und Interaktionen wie das Einsetzen von Gestik und Mimik sind bei Kindern mit dem Kanner-Syndrom deutlich beeinträchtigt: „ Es fehlen nahezu alle Zeichen der normalen Kontaktaufnahme zu den Eltern, insbesondere zur Mutter: fehlendes Antwortlächeln, keine Aufnahme von Blickkontakt, fehlende Unterscheidung von Eltern und anderen Personen, Fehlen von Antizipationsgesten (z.B. Ausstrecken der Arme mit dem Ziel, hochgenommen zu werden.) Hingegen zeigen die Kinder oft eine intensive Zuwendung zur sachlichen Umwelt.“[5]

Im Bereich der Kommunikation ist die Entwicklung von Kindern mit dem Kanner-Syndrom oft stark verzögert, bei manchen Kindern, wie beispielsweise bei Lukas aus dem Fallbeispiel, bleibt die Sprachentwicklung sogar ganz aus. Auch dieses Symptom kann im Zusammenhang mit anderen schon sehr früh ein Hinweis auf eine Autismus-Erkrankung sein. Wenn die Sprache normalerweise im ersten Lebensjahr mit dem typischen Brabbeln des Kleinkindes einsetzt, bleibt diese vorsprachliche Entwicklung bei Kindern mit dem Kanner-Syndrom häufig aus. „Etwa 50% der Kinder entwickeln überhaupt keine kommunikative Sprache, oder sehr verspätet eine zunächst nicht kommunikative Sprache, die später (im Schulalter oder danach) einen nur partiell kommunikativen Charakter gewinnt.“[6]

[...]


[1] Christine M. Freitag: Autismus-Spektrum-Störungen. Ernst Reinhardt GmbH & Co KG Verlag München 2008, S. 16

[2] http://www.autismus1.de/

[3] Leo Kanner: Autistic disturbances of affective contact. In: Nervous Child 2. 1943

[4] Helmut Remschmidt: Autismus. Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen. Verlag C.H. Beck 4. Auflage 2008. S. 24

[5] Helmut Remschmidt: Autismus. Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen. Verlag C.H. Beck 4. Auflage 2008. S. 16

[6] Inge Kamp-Becker, Sven Bölte: Autismus. Ernst Reinhardt GmbH & Co KG Verlag 2011, S. 14

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Frühförderung beim Kanner-Syndrom
Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V195374
ISBN (eBook)
9783656222095
ISBN (Buch)
9783656222163
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kanner-Syndrom, Frühförderung
Arbeit zitieren
Simone Petz (Autor), 2012, Frühförderung beim Kanner-Syndrom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195374

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