Entscheidungsarchitektur am Patienten

Gesundheitsförderung mithilfe des libertären Paternalismus


Hausarbeit, 2011
16 Seiten, Note: "-"

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufgaben und Ziele ärztlicher Beratung

3. Ziele und Wege der Prävention

4. Libertärer Paternalismus

5. Möglichkeiten sozialer Einflussnahme auf das Gesundheitsverhalten
5.1 Gesundheitsförderung durch Standardvorgaben
5.2 Gesundheitsförderung durch den Mere-Measure-Effekt

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Entscheidungsfreiheit ist ein Grundrecht eines jeden Individuums in Deutschland und im Grundgesetz verankert. Dennoch sind Menschen in der heutigen Gesellschaft nur begrenzt frei in all ihren Entscheidungen, jede Entscheidung birgt Konsequenzen, die vom entscheidenden Individuum antizipiert und und nach Vor- und Nachteilen, bzw. nach Kosten und Nutzen abgewogen werden müssen. Aber auch äußere Instanzen haben ein Interesse daran, Entscheidungen anderer anzustoßen. Dies wird beispielsweise durch die Auslotung von Kundenwünschen und -bedürfnissen deutlich sowie eine entsprechende Platzierung von Produkten vieler wirtschaftlichen Unternehmen, die den Erwerb ihres Produkts mithilfe von Suggestion positiv beeinflussen wollen.

Die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen bleibt dabei unberührt , Entscheidungen werden "nur" angestoßen.

Auch in der Medizin gibt es Instanzen, denen etwas daran liegt, dass Menschen bestimmte Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die ihrem eigenen Wohl dienen sollen, um weiterhin gesunde und produktive Mitglieder der Gesellschaft bleiben zu können. Kann es Ärzten gelingen, Patienten sanft zu einer Entscheidung zu bewegen, ohne sie zu bevormunden oder ihre Entscheidungsfreiheit einzuschränken?

In der Medizin hat ein Arzt, neben der Wiederherstellung des Wohlbefindens seiner Patienten, die Aufgabe, sein Klientel über Krankheiten und Risikofaktoren aufzuklären sowie Maßnahmen und Verhaltensweisen aufzuzeigen, die das eigene Wohlbefinden und die Gesundheit fördern. Die bloße Belehrung oder Bereitstellung von Informationen hat jedoch nicht immer den gewünschten Erfolg bei den entsprechenden Zielpersonen, da viele Menschen die Verhaltensweisen für ein gesundes Leben zwar kennen, sie es jedoch für zu aufwändig halten, die eigene Lebensweise dahingehend zu ändern. So verharren sie in ihrem Zustand und lassen sich bei Unwohlsein ein Medikament vom Hausarzt verschreiben. Eine weitere Folge der Belehrung könnte sein, dass der Patient sich von seinem Arzt kritisiert und bevormundet fühlt und deshalb künftig Arztbesuche bei diesem zu vermeiden versucht. In diesem Fall würde der Patient sich dem versuchten Einfluss des Arztes auf sein Gesundheitsverhalten entziehen.

Kann mithilfe des libertären Paternalismus, der sehr erfolgreich in der Werbeindustrie, aber auch in der Politik und weiteren sozialen Ebenen genutzt wird, um sanft Einfluss auf das Verhalten der Menschen zu nehmen, auch ein gesünderes Verhalten in der Gesellschaft gefördert werden? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden. Dabei wird auf auf die grundlegende Aufgabe eines Arztes im Gespräch mit seinen Patienten, Ziele und Wege der Prävention von Krankheiten sowie den libertären Paternalismus und zwei Formen seiner Anwendung eingegangen werden, die sich im Gesundheitswesen für das sanfte Lenken menschlichen Verhaltens ohne Bevormundung einsetzen lassen.

2. Aufgaben und Ziele ärztlicher Beratung

Die Aufrechterhaltung und Förderung der eigenen Gesundheit nimmt einen hohen Stellenwert in allen Gesellschaftsschichten ein. Laut einer Emnid-Umfrage von 1985, bei der 343 Personen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren zum Jahreswechsel nach ihrem größten Wunsch für die Zukunft befragt wurden, äußerten 59 % der Umfrageteilnehmer den Aspekt "Gesundheit" und platzierten diesen auf Platz eins vor Frieden und Freiheit (vgl. Waller 1993:10).

Der Begriff der Gesundheit unterlag bereits einigen Versuchen einer Definition. Der amerikanische Soziologe Talcott Parsons definierte die Gesundheit als "Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums für die Erfüllung der Rollen und Aufgaben, für die es sozialisiert worden ist" (Parsons 1951 in Waller 1993:10).

Eine weitere, häufig zitierte Definition von Gesundheit ist die der Weltgesundheitsorganisation (WHO): "Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen" (Waller1993:10).

"Gesundheit als das höchste Gut" (vgl. Labisch 1984 in Waller1993:12) ist demnach Ausgangspunkt für ein generelles, allumfassendes Wohlbefinden und Voraussetzung für eine erfolgreiche, produktive Teilnahme an der Gesellschaft. Ihre Erhaltung oder gegebenenfalls Wiedererlangung sollte demnach ein wichtiger Bestandteil der Lebensführung aller Individuen sein.

Es ist allerdings so, dass die Lebensführungen von menschlichen Individuen nicht immer denen entsprechen, die Ärzte und und andere Vertreter des Gesundheitswesens als optimal und verantwortungsbewusst gegenüber dem eigenen Körper einstufen. Viele Menschen werden täglich von verschiedenen ungesunden Dingen zu ungesunden Verhaltensweisen verführt, wie zum Beispiel zu viel Zucker und zu fettreiches Essen zu sich zu nehmen, zu rauchen, Alkohol in ungesunden Mengen zu trinken und sich ungenügend zu bewegen. Diese Verhaltensweisen sowie Stress können auf Dauer zu einer Beeinträchtigung des eigenen Wohlbefindens führen, beispielsweise zu Übergewicht. Dies wiederum erhöht das Risiko für das Entstehen ernsthafter und lebensbedrohlicher Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck und daraus folgend Herz- Kreislauferkrankungen.

Im Jahr 2009 waren für knapp 42 % aller in Deutschland registrierten Todesfälle Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems ursächlich[1]. Sie führen damit die Statistik der häufigsten Todesursachen in Deutschland mit Vorsprung an.

Die hauptsächlichen Risikofaktoren für die Entstehung eines Herzinfarkts werden zum Beispiel in erhöhten Blutfetten, Zigarettenrauchen und erhöhtem Blutdruck gesehen (vgl. Waller1993:132). Ein Arzt kann und sollte gefährdete Patienten, bzw. Patienten mit risikohaften Gewohnheiten im Sinne gesundheitserzieherischer Aufklärung darauf hinweisen.

Auch im Fall eines bereits eingetretenen und überstandenen Infarkts werden dem Patient im Zuge der Rehabilitation gesundheitsfördernde und gesundheitserhaltende Verhaltensweisen innerhalb des Rehabilitationsprogramms vorgestellt und mit ihm erprobt, wie zum Beispiel Aufklärung und Hilfen bei der Umstellung der Lebensweise (z.B. Antistressprogramme), Nikotinentwöhnung und Nichtrauchertraining, Maßnahmen zur Gewichtsreduktion, Bewegungstherapien und psychische Stabilisierung (vgl. Waller1993:137).

3. Ziele und Wege der Prävention

Chronische Erkrankungen (wie z.B. koronare Herzerkrankungen und Krebs)

sind "mit organmedizinischen Methoden nur in beschränktem Umfang zu behandeln. Hingegen werden sie durch Verhaltensweisen und den Lebensstil des Menschen entscheidend beeinflußt. Es zeichnet sich ab, daß gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen wie Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, falsche Ernährung oder Typ-A Verhalten (ein Persönlichkeitsmuster, gekennzeichnet unter anderem durch exzessive Konkurrenzhaltung, Ehrgeiz, Aggressivität und chronische Zeitnot) bei Erwachsenen nur mehr begrenzt und mit sehr hohem Aufwand zu korrigieren sind" (Nathan 1985; Peter Becker in Huppmann und Wilker 1988: 178; in Klammern: Becker in Huppmann und Wilker 1988: 181).

[...]


[1] http://www.pressemitteilungen-online.de/index.php/haeufigste-todesursache-in-deutschland-sind-herz-kreislauferkrankungen/ (Zugriff am 07.05.2011, 23:15 Uhr)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Entscheidungsarchitektur am Patienten
Untertitel
Gesundheitsförderung mithilfe des libertären Paternalismus
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Pädagogik - Medizinsoziologie
Note
"-"
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V195398
ISBN (eBook)
9783656215882
ISBN (Buch)
9783656218081
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entscheidungsarchitektur, patienten, gesundheitsförderung, paternalismus
Arbeit zitieren
Christina Schröder (Autor), 2011, Entscheidungsarchitektur am Patienten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195398

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